Hallo,

ich trage mein Unglück nun schon eine Weile mit mir herum.
Meine Odyssee begann vor ein paar Jahren, als ich -frisch schwanger- zu meinem noch recht frischen Partner in die unbekannte Gegend zog und mein ganzes soziales Netzwerk hinter mir zurück ließ. Aufgrund des Beschäftigungsverbots hatte ich viel Zeit, die ich bis zur Geburt vorwiegend draußen verbrachte mit meinen Tieren. Der erhoffte Anschluss, den man überlicherweise mit Pferden und Hunden hat, wollte sich allerdings nicht einstellen und so war ich auch nach der Geburt eine sehr sehr lange Zeit sozial isoliert, mein einziger Kontakt war eher sporadisch mit Freundeskreis meines Partners, oder etwas mehr mit seiner Verwandschaft, die zu meinem Glück in unmittelbarer Nähe wohnte. Es wollte sich auch mit diversen Mutter-Kind-Kursen einfach kein brauchbarer Kontakt knüpfen lassen.
Schlimm genug, mit Kind in der Ferne isoliert zu sein, machte sich meine Depression wieder bemerkbar, sodass ich zeitweise recht schwer mit meinen Gedanken zu kämpfen habe.
Wirklich zuhause fühlte und fühle ich mich auch jetzt noch nicht, obwohl alles schick ist, wir haben ein phantastisches Haus, wohnen direkt am Rand von Wald und Wiese, haben eine prima Nachbarschaft... aber ich komme einfach nicht an, nicht einmal das Haus bedeutet mir im Herzen wirklich viel. Vor kurzem war ich in meiner alten Heimat bei Freunden zu Besuch, sofort hatte ich das starke Gefühl, daheim zu sein und es flossen reichlich Tränen beim Wiedersehen und vor allem auf dem Heimweg, weil ich das Gefühl nicht wieder verlieren wollte..
Da mein Partner bereits seit der Schwangerschaft mit dem Hausbau beschäftigt war, sah ich ihn nicht so oft, wie ich es mir wünschte und es gut für uns gewesen wäre, und selbst jetzt, wo wir in dem Haus wohnen haben wir eigentlich recht wenig Zeit in der Art miteinander, weil er nachwievor viel arbeitet, und entsprechend müde ist, wenn er daheim ist. Dazu kommt, dass wir eigentlich so gar keine gemeinsamen Interessen haben (tja, wo die Liebe hinfällt....).
Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe ich nebst meiner Isolation auch fast sämtliche Interessen auf Eis gelegt, weil mit Baby/ kleinem Kind einfach nix ging, ich hatte das Gefühl, nur noch ein Schatten meiner selbst zu sein.

Nun, wo unser Kind etwas größer ist, in den KiGa geht, ich seit einiger Zeit wieder arbeite und endlich wieder mehr meinen Hobbies nachgehen kann, merke ich, wie ausgehungert ich inzwischen bin nach der langen Zeit. Und ich merke, wie sehr es mir fehlt, mit meinem Partner gemeinsame Interessen zu verfolgen, gemeinsam etwas zu erleben, über das man später noch sprechen und sich daran erfreuen kann. Ich koche gerne, bin gern draußen, gärtnern, Wandern, Sport, erfreue mich an meinen Tieren oder lese ein Buch, ob Roman oder bildende Literatur, gehe gern in Museen. Nicht ein bisschen davon teilt er. Ich kann nicht einmal mit ihm vernünftig spazieren gehen, weil unser Tempo so differiert und so keiner von uns Spaß hat. Und durch die viele Schafferei sehen wir uns nachwievor nicht so viel geschweige denn haben wir nennswerte Familienzeit, wie es vermutlich gut wäre. Am Sonntag, dem einzigen Tag, wo alle daheim sein könnten, ist er dann auch zu müde, noch groß etwas zu unternehmen. Und da die rosarote Zeit der Verliebtheit inzwischen auch verpufft ist, schlägt mir das noch mal eine Spur härter ins Gesicht.
Wir leben also eigentlich mehr nebeneinander her, drücken uns die Klinke in die Hand, wenn er mal weg geht oder ich eben meinen Hobbies nachgehe.
Oben drauf kommt, dass ich es oft vermisse, einfach mal in den Arm genommen zu werden, ohne es aktiv einfordern zu müssen. Er ist ein lieber Mensch, immer zur Stelle, wenn ich ihn brauche, aber er ist eher ein kühler und sehr nüchterner Charakter.

Ich merke, wie mir das alles die Luft abschnürt, vor der Schwangerschaft und neuen Beziehung war ich sehr aktiv, habe intensiv meine Hobbies ausgelebt und -auch wenn es letztendlich an anderen Dingen scheiterte- habe ich manch Hobbie sehr intensiv mit meinem damaligen Partner ausgelebt.

Wir haben über die Problematik bereits gesprochen. Ihm sind Gemeinsamkeiten nicht wichtig und er ist glücklich so, wie es ist. Ich liebe ihn (wenngleich es ehrlicherweise keine heiße innige Liebe ist), und er mich, er sagt aber gleichzeitig, dass wenn ich so nicht klar komme, wir eben getrennte Wege gehen müssen.

Ich bin zerrissen.. zum einen möchte ich nicht, dass mein Kind ein Trennungskind wird (wenngleich wir uns einige sind, keinen Streit auf seinem Kopf auszutragen im Ernstfall, da sind wir uns einig), zum anderen habe ich ein wahnsinnig schlechtes Gewissen,.. ich fühle mich undankbar, ermöglicht mein Partner mir doch ein wirklich tolles Leben in diesem Haus, mit meinen Tieren, er versucht trotz der Schafferei, dass ich meinen Hobbies nachgehen kann. Und trotzdem bin ich einfach nur unglücklich in der jetzigen Situation, weil ich mich so nach Gemeinsamkeiten sehne. Dazu kommt natürlich die Existenzangst,.. was wäre, wenn ich den Weg alleine wählen würde, finanziell.. Arbeit, Kind,... und nachdem ich so eine große Trennung mit Eigenheim und allem schon einmal durch habe, wollte ich mit Mitte 30 das Kapitel eigentlich nicht noch einmal aufschlagen müssen..