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Thema: das leben mit borderline

  1. #1
    Registriert Avatar von grisou
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    Standard das leben mit borderline

    ich lese immer wieder beiträge hier oder auch an anderer stelle bekomme ich das mit, wo man merkt, das wissen und das verständnis für psychische erkrankungen sind nicht eben groß. ich beschäftige mich gerade mit aufklärung und mache da viel ehrenamtlich.


    also ich dachte, ich kann vielleicht zwei punkte mit diesem thread abhaken.


    ich habe die diagnose borderline und merke immer mehr wie treffend es ist. auch wenn ich am anfang so dachte, wenn die ärzte nicht wissen, was es ist, ist es borderline. und ich mag mich gerne austauschen mit anderen, die es selbst aus ihrem leben kennen, von sich selbst, von angehörigen, von freunden. ich mag damit auch ein wenig aufklären, wie das leben mit dieser persönlichkeitsstörung ist. und natürlich sind fragen hier auch willkommen.


    in erster linie aber geht es mir um den austausch über meine probleme, darum habe ich den thread auch im bereich Ich eröffnet.




    borderline-betroffene haben eine andere verarbeitung von gefühlen. sie sind sehr feinfühlig und oft genügen kleine anlässe um große gefühle hervorzurufen und diese gefühle sind das hat man gemessen, 9x so intensiv wie bei normalen menschen. betroffene reagieren zum beispiel viel schneller und intensiver auf gesichtsmimik. ein besonderes gespür für stimmungen ist vorhanden.


    Borderline-Betroffene leben in einer ständigen Reizüberflutung, weil sie viel mehr wahrnehmen und müssen gleichzeitig mit starken gefühlen zurecht kommen.


    es braucht spezielle fertigkeiten und kompetenzen, um mit solch einer disposition klar zu kommen. das ist dann nicht einfach, wenn man als kind nicht die entsprechenden handwerkszeuge mitbekommt und viele kleine beziehungstraumata sagt man, führt dann letztendlich zur erkrankung.


    borderline ist die krankheit mit der höchsten comorbilität. das heißt, die erkrankung kommt nie allein vor, sondern immer zusammen mit anderen psychischen erkrankungen. weswegen es "den borderliner" nicht gibt. es gibt solche mit vermeidender ängstlicher persönlichkeitsstruktur und solche mit narzistischer struktur (und das sind dann die, von denen man oft hört, sie sind nicht beziehungsfähig. das liegt nicht am borderline sondern am narzismus).




    nach vier jahren therapie merke ich langsam, ich habe mir viele kompetenzen erarbeitet, die mir vorher gefehlt haben. zuerst mal der umgang mit gefühlen. die sind immer noch so stark. ich nehme weiterhin Antidepressiva, weil sie die Intensität etwas abschwächen. Und trotzdem, manchmal sind es wirklich nur kleinigkeiten und dann werde ich von einer sekunde zur anderen total überflutet und so stark wie ein stromstoß. und mein verstand ist ausgeschaltet. da ist nur starke energie in mir. als würde es mich gleich zerreißen und ich könnte nur schreien. und das geht so schnell. manchmal nur kleinigkeiten wie zum bespiel vor ein paar tagen, wo ich eine mail bekomme und als schlusssatz steht "und ich wünsche dir weiterhin alles gute" und ich nur noch, der schmeißt mich aus seinem leben, will nichts mehr von mir wissen und dann ist dieser überdruck an gefühlen da.


    ich kann mittlerweile nach viel übung rausgehen aus dieser situation. aufstehen, in bewegung sein, was tun wie geschirr abwaschen und atemübungen und mein verstand schaltet sich schneller wieder ein. aber die energie ist halt trotzdem da. und immer abfangen kann ich das nicht, dann ist der druck so stark, die spannung so hoch, bei mir hat es etwas mit dissoziation zu tun. ich kriege dann nicht mit, was ich dann mache. eben meist ein moment von selbstverletzung. oder irgendwas um mich werfen. kommt halt nicht so gut, wenn gerade eine tasse in der nähe ist oder so was zerbrechliches.


    Also mit dieser dauernden reizüberflutung, den gefühlsexplosionen, den starken spannungen, damit kann ich mich sehr gut identifizieren. immer mehr kann ich auch schwarz weiß denken identifizieren. das ist mir früher gar nicht so aufgefallen jetzt schon. das ist manchmal krass weil ich es beobachten kann wie ich von einem extrem ins andere springe. die stimmungen so schnell wechseln, da kann einem schwindelig werden.




    also eigentlich braucht es peramanente selbstbeobachtung, reflektieren, sich mit sich selbst auseinandersetzen, hinterfragen, natürlich mit anderen reden. und das ist verdammt anstrengend. gerade auch die anspannung merke ich dann oft ist so erschöpfend und daher kommen auch die schmerzen. heute ist so ein tag, ich kann weder sitzen noch liegen und stehen will ich gar nicht von reden.


    und den ganzen tag schon überlege ich, nehme ich ein schmerzmittel. und die gedanken sagen, ach nee, ist doch nicht so schlimm. ist es wohl. und irgendwo weiß ich es auch dass es mir besser gehen würde, dass es gut wäre. ich muss diese schmerzen gerade nicht haben. und gleichzeitig blockiert etwas in mir. das ist auch eine art der selbstbestrafung, dieses klein reden, ist ja nicht so schlimm. ich komme da erst drauf, wenn mir jemand sagt, wieso nimmst du nicht ein schmerzmittel? dann kommen überhaupt erst die gedanken von "ja, wieso eigentlich nicht". aber da ist das gefühl von, hab ich nicht verdient, geschieht mir recht, hab mich die letzten wochen überfordert. das fällt mir dann schwer sanft mit mir umzugehen.




    also vielleicht wollte ich auch gerade hier nur ein bisschen jammern, aber ja, ich denke, ich wüsste gerne, ob andere das auch so kennen und wie sie damit umgehen.
    Menschenrechte statt rechte Menschen
    _____________________________________

    Was die Raupe „Ende der Welt“ nennt, nennt der Rest der Welt „Schmetterling“. Laotse


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  3. #2
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    Standard AW: das leben mit borderline

    Lieber Grisou,

    ich kann dich sehr gut verstehen.
    Manchmal sind es Kleinigkeiten, die die Gefühle in die Höhe schießen lassen. Dann ist die Anspannung so hoch, dass die Denkfähigkeit erstmal aussetzt und wenn man nicht rechtzeitig reagiert, dann nehmen die Dinge ihren Lauf.

    manchmal nur kleinigkeiten wie zum bespiel vor ein paar tagen, wo ich eine mail bekomme und als schlusssatz steht "und ich wünsche dir weiterhin alles gute" und ich nur noch, der schmeißt mich aus seinem leben, will nichts mehr von mir wissen und dann ist dieser überdruck an gefühlen da.
    Das kenne ich sehr gut. Ein Wort, ein Blick, eine Geste und schon ist die Angst und Verletzung so präsent, als ob man ein hilfloses Kind wäre, welches ausgesetzt worden ist.
    Aber ganz ehrlich, dieses "ich wünsche dir alles Gute", das löst bei mir jedes Mal das gleiche aus.

    Ich merke so langsam auch, wenn ich schwarz/weiß Denke. Als ob es keine Grautöne gebe. Früher habe ich so gut wie nichts mitbekommen. Alles was ich wahr nahm, war die Realität und doch wusste ich stets, dass es an mir liegen muss.

    und den ganzen tag schon überlege ich, nehme ich ein schmerzmittel. und die gedanken sagen, ach nee, ist doch nicht so schlimm.
    Bei mir ist auch immer alles nicht so schlimm. Wenn ich dann Menschen beobachte, ihnen zuhöre und höre was alles schlimm sein kann, dann denke ich mir, bei mir ist es noch schlimmer als schlimm. Selbst das empfinde ich dann als lächerlich.

    Ich glaube, egal wie sehr man an sich arbeitet, diese Intensität der Gefühle und die Empfindlichkeit wird man nie loswerden.

  4. Für den Beitrag danken: Catley, Findefuchs, grisou, momo28

  5. #3
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    Standard AW: das leben mit borderline

    Hallo Grisou, danke für das spannende Thema.

    ich finde, Du erklärst das sehr bildlich. Persönlich kenne ich -zumindest bewusst- keinen Borderliner näher und vieles erscheint mir noch schwer nachvollziehbar nd im Dunkeln. In der Schule haben wir immer mal wieder Jugendliche, bei denen ich so im Hinterkopf denke, dass die in dieses Störungsbild passen könnten.

    Eine Frage hat sich beim Lesen deines Posts bei mir aufgetan:
    borderline-betroffene haben eine andere verarbeitung von gefühlen. sie sind sehr feinfühlig und oft genügen kleine anlässe um große gefühle hervorzurufen und diese gefühle sind das hat man gemessen, 9x so intensiv wie bei normalen menschen. betroffene reagieren zum beispiel viel schneller und intensiver auf gesichtsmimik. ein besonderes gespür für stimmungen ist vorhanden.


    Borderline-Betroffene leben in einer ständigen Reizüberflutung, weil sie viel mehr wahrnehmen und müssen gleichzeitig mit starken gefühlen zurecht kommen.
    Ok, das kann ich nachvollziehen, aber das ist doch nur ein kleiner Teil der Problematik, oder? Also platt gesprochen: Allein die Intensität der Gefühle macht ja noch keinen Borderliner. Was ist es genau, was die intensiven gefühle mit dem Borderliner machen? Warum hat das so negative Auswirkungen (intensive Gefühle können ja auch positiv für den Menschen sein, oder?)

    Also ich meine: Ich gehöre ja zu der Sorte der Hochsensiblen Menschen: Also jene Leutchen, die ganz geringe Reizfilter haben und quasi das Gras wachsen hören. Sinneseindrücke, Stimmungen und eben auch Gefühle kommen da auch viel stärker an. Reizüberflutung ist an der Tagesordnung. ZB kann es sein, dass mir der Anblick von Oberflächen die rauh sind, auch direkt Schmerzen bereitet uä.
    Aber das ganze ist weit entfernt von Borderline. Das ist im Grunde wie bei "Normalen" nur eben intensiver.

    Also wenn ich jetzt von mir erzähle: Ich kenne das schon, dass alle gefühle und Eindrücke so auf mich einprasseln, dass es mich total fertig macht: Ich bin dann oft auch überlastet, genervt usw. Manchmal, wenn es ganz schlimm ist, lege ich mich dann ins Bett und weine, weil es einfach zu viel ist. Weil mir der Kopf explodiert.
    Aber der Gedanke, dass in mir ein Druck entstehen würde, mich selbst zB zu verletzen oder mich abzulehnen... den kenne ich nicht.
    Also das Angstbehaftete fehlt. und die Agression und das unkontrollierbare...
    Intensive Wahrnehmung kann ja auch positiv sein, aber bei Borderline sind ja noch ganz viele andere Ebenen mit dabei, oder?


    Also Sorry, wenn das jetzt irgendwie total dümmlich klingt. Ich kenne mich nur einfach nicht aus: Was genau ist der Fakt der das Erleben so schlimm macht? Klar bei negativen Gefühlen ist das ja noch eher verstehbar, aber bei positiven?

  6. Für den Beitrag danken: Catley, Findefuchs, grisou

  7. #4
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    Standard AW: das leben mit borderline

    @ Violetta

    Ich kann nur von mir sprechen. Doch intensive Gefühle können mitunter in negativen Bewältigungsstrategien münden. Alkohol, Svv, bei manchen Fressanfälle.
    Wenn die Anspannung zu viel wird, weil fie Flut an Gefühlen unerträglich wird, möchte man dass Ruhe einkehrt.
    So geht es mir zumindest. Vor allem die negativen Gefühle sorgen für solch eine Anspannung. Früher waren es teilweise solche Ausbrüche, dass ich dachte ich packe das nicht mehr. Heftige Verzweiflung, negative Gedanken, das Gefühl zu fallen und zu fallen...
    Und am nächsten Tag ging es vll wieder besser. Wie ausgewechselt.
    Wo andere traurig sind, ist man schnell depressiv. Wo andere entrüstet sind, stellt man sich selbst in Frage, denkt man sei nur schlecht und die Welt wäre besser dran wenn man nicht da wäre.
    Und all das manchmal ausgelöst durch Kleinigkeiten.

    Eine Freundin beantwortete mal nicht eine Frage, die ich ihr in einer Mail gestellt hatte. Sofort hatte ich Angst, dass etwas nicht stimmt. Dass sie mich nicht mag und dass es bald vorbei ist.
    Einen anderen würde das nicht so dermaßen erschüttern.

    Rational kann ich das alles beobachten. Auch die Anspannung, wenn mich jemand enttäuscht und der immerwährende Gedanke, dass der Kontakt zu dem Menschen plötzlich keinen Sinn mehr hat und es besser wäre es zu beenden.
    Soziale Beziehungen sind für mich eine Anreihung an Anspannungszuständen.
    Immer wieder habe ich dieses hin und her. Mögen, Gedanken an Trennung, mögen, aber der andere soll auch nicht aus meinem Leben verschwinden.

    Im positiven Sinne habe ich manchmal starke Euphorie in mir. Das fühlt sich fast wie verliebt sein an. Ist aber auch nicht so gut, denn danach kommt meist ein Tief.

    Was Hochsensibilität angeht, nichts für Ungut, doch viele dichten sich das heutzutage einfach selbst an. Wie eine Art neue Modediagnose. Es kann auch nicht diagnostiziert werden, anders als Borderline.
    Es gibt bei Hochsensibilität noch keine Diagnose Instrumente und die Zahlen, wer wirklich davon betroffen ist, sind nur Schätzungen. Am weitesten verbreitet sind 15 Prozent. Manche gehen aber auch davon aus, dass es lediglich 1 bis 3 Prozent sind, die tatsächlich hochsensibel sind.
    Wie gesagt nichts für Ungut, aber ich kann Hochsensibilität nicht ernst nehmen.
    Manche sagen auch es sei eine Unterform des Neurotizismus.

    Ich mag es daher lieber, wenn man von Feinfühligkeit spricht, statt sich dieses Modelabel zu verpassen.

  8. Für den Beitrag danken: Findefuchs, grisou, momo28

  9. #5
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    Standard AW: das leben mit borderline

    Zitat Zitat von Maya111 Beitrag anzeigen
    Lieber Grisou,


    ich kann dich sehr gut verstehen.
    Manchmal sind es Kleinigkeiten, die die Gefühle in die Höhe schießen lassen. Dann ist die Anspannung so hoch, dass die Denkfähigkeit erstmal aussetzt und wenn man nicht rechtzeitig reagiert, dann nehmen die Dinge ihren Lauf.

    vielen dank für deinen beitrag.


    so wie du hier schreibst, erlebe ich das auch.




    Das kenne ich sehr gut. Ein Wort, ein Blick, eine Geste und schon ist die Angst und Verletzung so präsent, als ob man ein hilfloses Kind wäre, welches ausgesetzt worden ist.

    wie ein schlag in den magen empfinde ich das. wie ein knock out.




    Ich merke so langsam auch, wenn ich schwarz/weiß Denke. Als ob es keine Grautöne gebe. Früher habe ich so gut wie nichts mitbekommen. Alles was ich wahr nahm, war die Realität und doch wusste ich stets, dass es an mir liegen muss.

    ich merke auch immer besser, wie viel einfluss ich auf mein leben habe und wie ich die dinge sehe. und ich kann mich mittlerweile abgrenzen. das war für mich ganz lange zeit gar nicht auszuhalten. und ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass ich das jemals lerne. jetzt heute kann ich schon gut sagen, ich ziehe meine grenze. das ging lange zeit gar nicht.




    Bei mir ist auch immer alles nicht so schlimm. Wenn ich dann Menschen beobachte, ihnen zuhöre und höre was alles schlimm sein kann, dann denke ich mir, bei mir ist es noch schlimmer als schlimm. Selbst das empfinde ich dann als lächerlich.

    das ist so ein starker kontrast mit dem man lebt, finde ich. so einerseits diese riesigen gefühle, immer alles im drama und andererseits bei sich selbst, da ist es nie schlimm, man spürt so wenig, ist so weit von sich entfernt. und dann wird es irgendwie lächerlich, weil verstand und gefühl nicht übereinstimmen.




    Ich glaube, egal wie sehr man an sich arbeitet, diese Intensität der Gefühle und die Empfindlichkeit wird man nie loswerden.

    das denke ich auch, es ist ja mit die grundlage, warum man erkrankt, man kann nur lernen, damit anders und besser umzugehen. aber trotzdem heißt es eben auch immer, dass man wieder mal ausflippt. ich habe auch in der klinik einige kennen gelernt, die hatten das programm DBT schon erfolgreich abgeschlossen, denen ging es lange gut und dann kam der rückfall. man muss da wohl ständig an sich arbeiten.




    Zitat Zitat von Charlette2 Beitrag anzeigen
    @ Violetta


    Ich kann nur von mir sprechen. Doch intensive Gefühle können mitunter in negativen Bewältigungsstrategien münden. Alkohol, Svv, bei manchen Fressanfälle.

    das ist eigentlich eine ganz normale bewältigungsstrategie, machen auch "normale" menschen. müde und abgespannt von der arbeit kommen, sich das glas wein oder die schokolade gönnen. und erst will man nur ein stück schokolade essen und dann ist die ganze tafel weg. man hat nicht immer die kontrolle über sich.


    das ist übrigens immer ein guter hinweis, wenn leute sagen: da muss man sich halt ein bisschen zusammen nehmen. einfach mal zu fragen, wie oft hat derjenige sich schon die ganze tafel schokolade reingezogen?








    Wenn die Anspannung zu viel wird, weil fie Flut an Gefühlen unerträglich wird, möchte man dass Ruhe einkehrt.
    So geht es mir zumindest. Vor allem die negativen Gefühle sorgen für solch eine Anspannung. Früher waren es teilweise solche Ausbrüche, dass ich dachte ich packe das nicht mehr. Heftige Verzweiflung, negative Gedanken, das Gefühl zu fallen und zu fallen...

    kenne ich auch.


    und in der anspannung kommen immer mehr von selbstschädigenden gedanken, wie ein tunnel ist das, man sieht kaum mehr nach links und rechts. es gibt dann nur noch eine möglichkeit.




    Und am nächsten Tag ging es vll wieder besser. Wie ausgewechselt.

    jemand hat mal gesagt, diese stimmungsschwankungen sind bei ihr so heftig, das springt 40 mal am tag hin und her, immer extreme sprünge von geht mir ganz schlecht zu geht mir super. das muss ja unglaublich anstrengend sein.




    Wo andere traurig sind, ist man schnell depressiv. Wo andere entrüstet sind, stellt man sich selbst in Frage, denkt man sei nur schlecht und die Welt wäre besser dran wenn man nicht da wäre.
    Und all das manchmal ausgelöst durch Kleinigkeiten.

    sehr gute beschreibung.




    Eine Freundin beantwortete mal nicht eine Frage, die ich ihr in einer Mail gestellt hatte. Sofort hatte ich Angst, dass etwas nicht stimmt. Dass sie mich nicht mag und dass es bald vorbei ist.
    Einen anderen würde das nicht so dermaßen erschüttern.

    es kommen sofort die selbstzweifel, die ängste und es ist ein richtiger kampf dagegen. ist auch egal, wie sehr man der person vertraut, wie nah und lieb sie einem ist. es ist sofort der gedanke da: sie mag mich nicht mehr.




    Rational kann ich das alles beobachten. Auch die Anspannung, wenn mich jemand enttäuscht und der immerwährende Gedanke, dass der Kontakt zu dem Menschen plötzlich keinen Sinn mehr hat und es besser wäre es zu beenden.
    Soziale Beziehungen sind für mich eine Anreihung an Anspannungszuständen.
    Immer wieder habe ich dieses hin und her. Mögen, Gedanken an Trennung, mögen, aber der andere soll auch nicht aus meinem Leben verschwinden.

    gut beschrieben.


    ich habe auch nicht dieses bedürfnis nach großer nähe. was ja viele borderliner haben. ich brauche meine kleine welt, rückzugsort wohnung. und darum sind auch meine katzen meine familie. auf die kann ich mich absolut verlassen. alles andere bedeutet für mich irgendwie wie du toll sagst, eine aneinanderreihung von anspannungszuständen.




    Im positiven Sinne habe ich manchmal starke Euphorie in mir. Das fühlt sich fast wie verliebt sein an. Ist aber auch nicht so gut, denn danach kommt meist ein Tief.

    ich kenne diese euphorie auch. mittlerweile geht es mir besser damit und ich kann es mehr genießen. früher war ich da immer nur am deckeln. nur nicht ranlassen. weil eben danach oft ein tief folgt.




    Was Hochsensibilität angeht, nichts für Ungut, doch viele dichten sich das heutzutage einfach selbst an. Wie eine Art neue Modediagnose. Es kann auch nicht diagnostiziert werden, anders als Borderline.
    Es gibt bei Hochsensibilität noch keine Diagnose Instrumente und die Zahlen, wer wirklich davon betroffen ist, sind nur Schätzungen. Am weitesten verbreitet sind 15 Prozent. Manche gehen aber auch davon aus, dass es lediglich 1 bis 3 Prozent sind, die tatsächlich hochsensibel sind.
    Wie gesagt nichts für Ungut, aber ich kann Hochsensibilität nicht ernst nehmen.
    Manche sagen auch es sei eine Unterform des Neurotizismus.

    es ist wie bei allem was man neu entdeckt, erst mal hat es plötzlich jeder.


    Gesamtverfassung, die durch emotionale Labilität, Schüchternheit und Gehemmtheit charakterisiert ist

    ich habe gerade mal die definition von Neurotizismus rausgesucht. also das trifft auf viele menschen nicht zu, die ich kenne und wo man merkt, die haben gegenüber der umwelt eine hohe sensibilität. da wird noch viel forschungsarbeit nötig sein. und bei borderline ist es doch auch so, war lange auch irgendwie eine modediagnose und jeder, der sich verletzt, ist automatisch borderline, was ja auch nicht stimmt. da wird noch viel am feintuning gearbeitet.


    ich denke, jetzt gerade im fall von vio, bei ihr ist der reizfilter sehr niedrig eingestellt. sie nimmt viel wahr und das überfordert.




    Ich mag es daher lieber, wenn man von Feinfühligkeit spricht, statt sich dieses Modelabel zu verpassen.

    das glaube ich trifft aber nicht auf alle zu. feinfühligkeit ist noch etwas anderes als hochsensibel zu sein. also vieles wahrnehmen heißt ja nicht, ich reagiere darauf auch mit feingefühl. denke ich.


    aber ich denke, das würde die diskussion hier sprengen.geht ja um borderline.
    Menschenrechte statt rechte Menschen
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  10. Für den Beitrag danken: Charlette2, momo28

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