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Thema: Ich weiß nicht, wo ich das einordnen soll

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    Standard Ich weiß nicht, wo ich das einordnen soll

    Hey!

    Der Titel hat eine gewisse Zweideutigkeit. Wenn er hier nicht richtig sein sollte, kann er gerne in eine andere "Abteilung" verschoben werden und ich weiß wirklich nicht, was in Folgendem passiert ist.

    Gestern war ich zum ersten Mal kurz davor, meinen Freund von mir runter zu schmeißen, als wir miteinander schliefen. Am liebsten hätte ich ihn angeschrien, er solle mich in Ruhe lassen, weil ich ihn kurzzeitig für meinen Exfreund hielt, obwohl die beiden Männer gar nichts miteinander gemeinsam haben.


    Ich hatte also 2012 kurz vor meinem 18. Geburtstag diesen Mann in einer Discothek kennen gelernt und er war sehr charismatisch. Wir redeten den ganzen Abend über uns, was wir beruflich machten (er Krankenpfleger in der Psychiatrie und ich drehte eine Ehrenrunde in der Oberstufe) und fragten uns gegenseitig, was wir im Leben erreichen wollen, ob wir irgendwann mal Familie gründen wollten, etc.. Irgendwann sagte ich ihm, dass ich nach Hause wolle und er bot mir an, mich mit dem Auto nach Hause zu fahren. Ich lehnte höflich ab und entgegnete, dass ich sowieso lieber mit den Öffis fahre. Also bot er mir an, mich wenigstens bis zum nächsten Bahnhof zu Fuß zu begleiten. Am Bahnhof angekommen, tauschten wir dann noch Nummern und zum Abschied küsste er mich.


    Über den nächsten Tag verteilt tauschten wir SMS aus und beschlossen spätabends uns zu treffen. Wir quatschten die ganze Nacht bis ich dann irgendwann mal sagte, dass ich gerne noch ein paar Stunden schlafen würde, weil ich um 10 noch verabredet war. Wir schrieben und wir trafen uns noch weitere vier Wochen, bis er mich fragte, ob ich mir mit ihm eine Beziehung vorstellen könne. Also eigentlich hielt er eher einen Monolog. Wir waren bei ihm verabredet und schauten vorher einen Film ("The Butterfly Effect"), der ihn dazu veranlasste fast schon eine festlich ausgeschmückte Rede zu halten. Um ehrlich zu sein, fand ich das etwas eigenartig.
    Ab diesem Zeitpunkt gab es uns nur noch im Doppelpack. Er war in den Spelunken, in denen ich gerne abhing und ich war in den Bars und Clubs, in denen er gerne feierte. Er mochte meine Freunde nicht, weil es seiner Meinung nach alles linke Schmarotzer waren, die sich mit Hilfe seiner Steuergelder durchfüttern und dumm seien.
    Ich mochte den Großteil seiner Freunde nicht, weil feiern, Türsteher beeindrucken ("Oh mein Gott, drück mich mal! Merkst du, dass ich gerade zwei Dosen Jack Daniel's in meinem BH versteckt habe?") und Sex die einzigen Dinge waren, über die sie reden konnten. Eigentlich ein guter Start für den Anfang, nicht wahr?


    Wenn ich mich unter vier Augen mit meinem Ex unterhielt, feierte er sich meistens selbst: "Ich bin der empathischste Krankenpfleger", "Alle deine Exfreunde sind Flachzangen", "Ich bin die genau richtige Wahl für dich", "Ich hole dir die Sterne vom Himmel", "Ich bin der beste Partner, den du jemals in deinem Leben gehabt hast. Menschlich wie auch sexuell", "Nur ich kann dir alles ermöglichen" (und ich schwöre euch, wäre es möglich gewesen, hätte er sogar den Superlativ des Superlativs genutzt, um seine Großzügigkeit und Hoheit zu präsentieren). Mir kamen seine Aussagen merkwürdig vor, aber ich schob es darauf, dass sein Testosteronhaushalt einfach in die Höhe schoss vor lauter Verliebtheit.


    Wir waren also unzertrennlich und gingen überall gemeinsam hin. Also das war ca. ein halbes Jahr so. Es ging ja bereits nach drei Monaten los: "Meinst du wirklich, deine Freunde sind die richtigen für dich? Die trinken alle so viel Alkohol, nehmen Drogen und hören Punkrock"! Ihr wisst gar nicht, wie schrecklich es war, dass ich mit "linksgrünversifften Gutmenschen", die Punkrock hörten und Drogen nahmen, befreundet war. Ich war die einzige in meinem Freundeskreis, die keine Drogen mehr nahm. Dennoch wurde ich dort akzeptiert. Er begleitete mich nicht mehr zu Konzerten, weil dort so viele Assis seien, die nichts auf die Reihe bekämen. Aber vor allem und das war seine eigene Aussage: Im Drugstore (dort hing ich meistens rum; das ist das älteste selbstverwaltete Jugendzentrum Berlins) gibt es kein Beck's Ice, sondern nur Sternburg Export und Wasser.
    So schlossen wir einen Kompromiss, ich kann gerne allein zu Punkkonzerten und -festivals gehen, aber weil in Schöneberg nachts so viele psychisch kranke Menschen, die auch noch gefährlich sind (Brandstifter, Triebtäter, Kinderschänder, Mörder, Drogendealer, usw.) unterwegs sind, holt er mich ab. Es war immer abgemacht, dass er mich um 1.00 Uhr abholt. Manchmal hatte ich allerdings Lust, etwas länger zu bleiben und fragte deshalb auch per SMS (hören konnte ich durch die Lautstärke irgendwann eh nichts mehr), ob ich nicht noch ein bis zwei Stunden länger bleiben könne. Es kam dazu nie eine Antwort, er holte mich stets um 1.00 Uhr ab. Als ich ihm dann persönlich nochmal sagte, dass ich gerne länger bleiben würde, fragte er mich dann immer, weshalb ich ihm das nicht schon vorher hätte sagen können. Dabei habe ich immer eine SMS geschrieben, die er angeblich nie erhielt.
    Irgendwann verlagerte sich unser Treffpunkt von Schöneberg auf Friedrichshain. Da wollte er aber auch nie, dass ich allein nach Haus fahre, weil wohl in Friedrichshain verteilt betreute WGs des Maßregelvollzugs (er arbeitet dort) seien. Also musste ich ihm immer die Straße nennen und den Namen der Kneipe nennen, in der ich gerade einem Konzert lauschte. An einem Abend traf ich dort einen Kumpel, den ich seit längerer Zeit nicht gesehen hatte und wir unterhielten uns gerade angeregt, als mein Exfreund mich abholen wollte. Als er sah, wie ich mit einem für ihn fremden Mann redete, plusterte sich dieser 1,60 m kleine Mann plötzlich auf à la: "Ey man, das ist meine Braut", schaute uns beide an und sagte mir, dass wir jetzt gehen müssten. Im Auto fragte mein Ex mich dann aus, wer das war, weshalb ich mit dem fremden Mann redete und was der Mann von mir wollte. Ich befand mich also im Kreuzverhör.
    Das ging so lange so, bis ich nur noch eine Freundin hatte, die allerdings in Lutherstadt Wittenberg lebt. Ich durfte sie nur als Freundin behalten, weil sie nicht in meinem direkten "Wirkkreis" war, ansonsten hätte er sie auch noch schlecht gemacht.


    Wenn wir also feiern waren, war ich nur noch mit ihm und seinen Freunden feiern. Das eine Mal hätte er sich fast geprügelt, weil mir jemand auf dem Moshpit seine Faust ins Gesicht schlug. Er hatte mich nur nicht gesehen, da er ein Hüne von 2 m war und man mich mit meinen 1,50 m schnell übersieht. Der Mann entschuldigte sich auch augenblicklich bei mir.


    Kaum war ich 18 bot mein Vater mir an, mit ihm nach Hamburg zu ziehen oder mit meinem Ex in eine gemeinsame Wohnung in Berlin zu ziehen. Ich entschied mich natürlich für zweitens, obwohl ich eigentlich gerne nach Hamburg gezogen wäre. Allerdings hätte ich dann innerhalb von zwei Jahren zweimal die Schule wechseln müssen und das war mir zu viel, da ich auch nach einem Jahr allein in der Schule endlich Leute gefunden hatte, mit denen ich befreundet sein durfte. Schließlich hörten sie kein Punkrock, die Eltern meiner neuen Freunde waren Ärzte, Lehrer und Pfleger und sie waren offensichtlich intelligent, schließlich konsumierten sie keine Drogen. Seiner Auffassung nach ganz normale, intelligente Menschen halt, die noch leicht zu lenken sind, weil sie so alt waren wie ich.


    Nur fand er diese Leute irgendwann langweilig, weil wir voll "nerdige" Themen hatten: Film, Schnitt, Kunst, Musik, wir spielten komische Spiele (Wikingerschach) und philosophierten über komische Dinge ("Was ist Intelligenz? Was macht einen intelligenten Menschen aus?", "Verschwörungstheorien und wie sie zu widerlegen sind", die Israel-Palästina-Problematik etc.) bei einem Glas Orangensaft. Ich war jetzt also nach seiner Auffassung in einem Freundeskreis voller Spießer. Aber ich glaube, er war da recht froh drüber. Leider verlor sich dieser Freundeskreis, da nach dem Abi alle bis auf ich ihr Studium begannen.


    Ich fing also 2014 meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in einem der größten kommunalen Krankenhausunternehmen Berlins an und verstand mich prompt mit zwei Kommilitoninnen aus meiner Klasse. Ein Monat später feierte eine der beiden ihren 29. Geburtstag und lud uns ein. Es war so eine kleine Mitbring-Party. Was ich darunter verstand: Ich kaufe ein paar Tüten Chips, ein oder zwei Sixer Bier oder einige Flaschen anderer Getränke ein und bringe diese mit, damit man zusammen einen netten Abend verbringen kann. Was mein Ex darunter verstand: Wir kaufen zwei Flaschen Bier. Eine für ihn, eine für mich. Die anderen Gäste sind scheißegal, solange wir versorgt sind. So kamen wir dann mit zwei Flaschen Bier an. Peinlich. Später am Abend, eine meiner neuen Freundinnen hatte schon etwas mehr intus, ging es plötzlich um das Thema Hochzeit und Familie gründen. Sie wollte von meinem Ex wissen, wie er dazu stünde, ob es ihm wichtig sei. Es sei angemerkt, dass es uns nicht wichtig war, zu heiraten und uns fortzupflanzen, aber ihr war es wohl wichtig. Aufgrund dessen kippte die Stimmung und ich beschloss, nach Hause gehen zu wollen. Als wir auf dem Heimweg waren, fing mein Ex an, sich darüber zu beschweren, dass meine Freundinnen geschmacklos und nicht gastfreundlich seien. Kein Bier, keine Chips, es war gar nichts für ihn da und dann wollte ihm auch noch eine fremde Frau erzählen, wie er sein Leben zu leben hat. Unerhört!
    Zu diesem Zeitpunkt war meine Mutter schon seit fast einem Jahr wieder in Thailand und ich hatte parallel seit fast einem Jahr mit meiner Psyche zu tun wegen meiner Mama und dem Haarverlust, weswegen ich auch in eine depressive Episode rutschte.


    Wie das leider so ist in der Depression hatte ich die Libido eines Pandabären, nämlich gar keine. Vor meinen Augen hätte ein Porno laufen können und ich wäre bloß genervt gewesen. Der Antrieb etwas im Haushalt zu tun fehlte auch, weshalb ich wenig tat. Ich machte den Abwasch und legte die Wäsche zusammen. Ansonsten versuchte ich zu lernen, schlief oder weinte. Hatte ich es mal geschafft, meinen wenigen Aufgaben nachzukommen, erhielt ich ein spitzes: "Oh. Du hast es geschafft, deine Aufgaben zu erledigen. Respekt. Sonst muss ich doch immer alles machen". Wenn ich zuhause weinend auf dem Sofa saß und er kam gerade Heim, fragte er mich liebevoll: "Oh man, weshalb heulst du denn jetzt schon wieder? Hab ich dir nicht schon oft gesagt, dass deine Mutter ein A[****]loch ist?"


    Ein paar Monate später verliebte ich mich in einen Kollegen. Ich war verwirrt, haute ab, ließ mich voll laufen und kehrte nach Hause zurück. Heute mache ich mir Vorwürfe. Ich hätte nicht zu meinem Ex zurück gehen sollen. Dass ich mich in meinen Kollegen verliebte, verschlimmerte nur die Eifersucht meines Expartners. Wenn ich mit jemandem Nachrichten austauschte musste ich meinem Ex sagen, wer Nachrichten von mir erhielt und andersherum. Am liebsten hätte er ein Smartphone-Verbot erteilt, damit ich keinen Kontakt in die Außenwelt habe, wenn er zu Hause ist. Er führte einen Quality-Day ein. Ein Tag, den wir dazu nutzten unser Sexualleben (gerade überkommt mich Ekel und weinen muss ich auch) aufzuwerten. Wir kauften Spielzeug (auf das er auch eifersüchtig war), Spiele, Verkleidungen und mit nichts konnte er mich erregen. Dann redeten wir darüber, weshalb ich keine Lust verspüre und ich schilderte ihm, dass ich sehr traurig sei und mich der Verlust meiner Mutter und meiner Haare sehr mitnehme. Es war ihm egal. Alles was er entgegnete war: "Du liebst mich nicht mehr, richtig? Denn wenn du mich lieben würdest, dann hätten wir auch Sex". Das ganze ging dann immer so lange, bis ich widerwillig die Beine breitmachte und ihn auf mich rauf ließ. Er sagte dann Dinge wie: "Es ist so geil, wenn du noch trocken bist und ich dringe in dir ein". Es gibt noch heute, losgelöst vom Sex mit meinem Partner, Momente, in denen ich ganz viel Ekel, Scham und Schuld verspüre, weil ich dann sein Gesicht vor meinem inneren Auge sehe und höre, wie er das zu mir sagt. Manchmal spüre ich auch drei Jahre später noch seine Lippen auf meinen und es widert mich an.


    Im Laufe meiner Ausbildung lernte ich immer mal wieder Kolleginnen kennen, mit denen ich in meiner Freizeit gerne einen Kaffee getrunken habe. Manchmal tat ich das auch direkt nach dem Dienst. Leider waren unsere Dienstpläne aufeinander abgestimmt. War ich im Frühdienst, tat er es auch, hatte ich Spätdienst, war er auch im Spätdienst. Zum Glück arbeiteten wir immer in unterschiedlichen Krankenhäusern und nie auf ein und derselben Station. Einmal vergaß ich, wobei ich mittlerweile glaube, unterbewusst wollte ich es vergessen, ihm zu schreiben, dass ich später heim komme, da ich noch auf einen Kaffee mit einer Kollegin verabredet bin.
    Ich kam zwei Stunden später heim. Er saß auf der Couch, musterte mich, fragte mich aus: wo ich war, mit wem, was ich dort getan habe und ob es wirklich eine Kollegin und ein Kaffee war oder ob es gelogen sei, da ich ihn ja schon mal angelogen haben soll. Ich versicherte ihm, dass es genauso passierte, wie beschrieben und zeigte ihm auch noch den Nachrichtenverlauf, da wir auf unterschiedlichen Stationen arbeiteten.


    Ein paar Wochen später, dachte ich, ich erlaube mir einen kleinen Scherz und schreibe einem gemeinsamen Kumpel von uns über das Handy meines Ex' eine nicht ernst gemeinte Nachricht. Mein Ex sah, wie ich in sein Handy irgendwas eintippte und fragte, was das soll. Ich entschuldigte mich und legte sein Handy weg. Danach belehrte er mich, dass er doch auch nicht einfach so mein Handy nehme und Nachrichten kontrolliere und weshalb mir einfalle, das zu machen. Ich entschuldigte mich wieder und versicherte, dass es nicht mehr vorkommen werde.


    Im Winter 2015/2016 hatte er Nachtschicht. Ich schrieb in dieser Nacht mit einem Bekannten, den ich in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige und Betroffene mit kreisrundem Haarausfall kennen lernte. Irgendetwas machte diesen Mann total interessant für mich und die Nachrichten nahmen im Laufe der Nacht einen ziemlich eindeutigen Verlauf an. Ich wusste nur nicht, dass mein Exfreund mich in dieser Nacht überwachte. Ich ging am nächsten Morgen ganz normal in die Berufsschule. Wir hatten Weihnachtsfeier und ich ein merkwürdiges Bauchgefühl. Ich flachste noch mit meinen Kommilitoninnen rum, dass ich wahrscheinlich bald keine Wohnung mehr haben würde und wir machten noch andere Späßchen.
    Als ich am Ende des Schultages zuhause ankam, weckte ich meinen Exfreund. Er schaute mich an und fragte mich, ob ich eine Affäre hätte. Daraufhin stellte ich die Gegenfrage, weshalb er darauf käme. Er antwortete, er habe die ganze Nacht geschaut, ob ich bei WhatsApp oder Facebook online sei und sagte mir dann, dass er gesehen habe, dass ich bei WhatsApp zuletzt um 22.00 Uhr online war, dafür war ich aber die ganze Nacht bei Facebook. Er wollte eine Erklärung und ich sagte, dass ich erstmal für ein paar Stunden weg sei, da es mir in diesem Moment zuviel war. Ich fuhr zu einer Freundin und als sie mir die Tür öffnete, war das erste, was ich sagen konnte: "Ich muss diese Beziehung beenden". Ich habe sie gefragt, ob ich im Fall der Fälle bei ihr auf dem Sofa schlafen könne, was ich zum Glück auch durfte. Nach einer Stunde bin ich wieder heim gefahren, beendete diese Beziehung und musste noch durch einen dreistündigen Verhör, weshalb ich gehe, welche Motivation und ob ein anderer Mann im Spiel sei. Um ehrlich zu sein, konnte ich ihm nicht die Wahrheit sagen. Ich wollte ihm auch gar nicht die Wahrheit sagen. Ich musste doch sonst auch schon immer Rede und Antwort stehen und darauf hatte ich einfach keine Lust mehr. Also sagte ich ihm nur die halbe Wahrheit. Er nahm mir die Schlüssel der gemeinsamen Wohnung weg und schmiss mich mit ein paar Klamotten und einer Bürste für Geschirr (weshalb auch immer) raus.


    Ach ja, das fiel mir jetzt im Verlauf des Schreibens wieder ein: Kurz bevor die Klausurphase für das Abitur losging, wusste ich nicht, was ich machen wollte: Studieren, FSJ oder Ausbildung. Also wägte ich ab: Medizin/Psychologie? Zu doof. Lehramt Deutsch/Bio? Zu doof. Studium im Ausland beginnen? Wäre eine Option. Erstmal FSJ? Ach nee, keine Lust. Ausbildung? Joa, aber auch nicht so wirklich.
    Mein Freund merkte, dass ich eher dazu neigte, für ein Semester nach Österreich oder in die Niederlande zu gehen und wollte das nicht. Er war der Meinung, dass er unbedingt für ein Semester mit müsse, wollte aber keine neue Sprache lernen. Er befürchtete, dass ich in den Niederlanden wieder anfangen könnte, zu kiffen. Aber seine größte Sorge war, dass ich dort jemanden kennen lerne und mit dieser Person durchbrenne. Er fragte mich wieso ich nicht in Skandinavien studieren will? Da werden Migrationsprogramme gemacht für Pfleger und Ärzte aus dem Ausland, dort hätte er wahrscheinlich eine Chance, Fuß zu fassen. Dann fragte er, wie ich das Studium finanzieren möchte. Er sagte, er wolle nicht, dass ich Bafög beantrage, weil ich dann so viele Schulden hätte. Mein Ex wollte, dass ich eine Ausbildung beginne, da Fachkräfte überall gesucht werden, vor allem Pflegekräfte. Ich willigte ein und sagte, dass ich nur die Ausbildung mache, wenn ich mich danach oder währenddessen schon weiterbilden darf und danach in die Berufsschule gehe oder in die Leitung. Der Kompromiss war ok - für eine Woche. Danach ging die Diskussion, ob ich denn wirklich studieren müsse noch zwei Jahre weiter. Plötzlich ging es um Hochzeit, Haus bauen und Kinder kriegen, da er ja auch nicht mehr "der jüngste" sei. Zu dem Zeitpunkt war er 28/29. Es sei ihm schließlich wichtig, dass er mit seinem Sohn auf dem Bolzplatz Fußball spielen könne und ihm nicht völlig außer Atem hinter rennen muss.


    Wenn ich mir diese drei Jahre durch den Kopf gehen lasse, bin ich total verwirrt. Ich habe die Geschichte schon bei zwei Psychologen angesprochen... auch die Sache mit der Sexualität. Eine Psychologin fragte mich, ob ich es vielleicht unbewusst doch wollte, sonst hätte ich es letzten Endes nicht zugelassen. Aber wieso sollte ich mich denn selbst schädigen? Bin ich wirklich schuld? Bin ich vielleicht sogar die Täterin, indem ich sowas über meinen Exfreund erzähle? Habe ich am Ende doch nur mit meinem Exfreund geschlafen, weil ich mich nach der Zuwendung meiner Mutter sehnte? Tut sich ein Mensch freiwillig diesen Schmerz an, nur damit er in der Gegenwart kurzzeitig befriedigt ist? Ich kann das nicht in Verbindung bringen. Bin ich wirklich so schlecht?
    Ein anderer Psychologe behauptet, ich sei nicht missbraucht/genötigt/vergewaltigt worden, denn die Opfer würden ganz anders reagieren als ich. Gibt es dafür eine Art Verhaltenskodex oder was?

    Ich danke euch schon mal für eure Antworten!

    LG
    Geändert von Yannick (20.02.2019 um 12:46 Uhr) Grund: Ausdrucksweise

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