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Thema: einmal opfer immer opfer

  1. #1
    Registriert Avatar von grisou
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    Standard einmal opfer immer opfer

    in letzter zeit ist es mir wieder extrem aufgefallen. die abwertung, das in die schublade stecken. die kompetenz absprechen.

    ich habe wieder mehr mit menschen zu tun, gehe wieder mehr raus. und wenn dann irgendwie warum auch immer zur sprache kommt, ich bin betroffen von gewalterfahrung, dann behandeln die leute einen plötzlich anders. am liebsten sind mir die mit dem hilfekomplex.

    aufgrund meiner erfahrung bin ich psychisch erkrankt. ich habe viel und lange therapie gemacht, hart an mir gearbeitet, komme wieder weitgehenst mit meinem alltag klar. und da wo schwierigkeiten sind, habe ich mir unterstützung geholt. habe ich mein kompetenznetz.

    und mir ist aufgefallen an der stelle ist es ganz schwer mit angehörigen zu reden. die haben oft den anspruch, man gibt den kranken in eine klinik, da bekommt er pillen und dann ist wieder alles gut. dass es allerdings eine gemeinschaftsarbeit innerhalb der familie und im freundeskreis ist, da will keiner mitarbeiten. da müssten sie sich ja selbst ändern.

    ich sage immer, als kranker kann ich mich an gesundem verhalten orientieren, nur eben nicht auf krankes verhalten gesund reagieren. ich bin immerhin an einem punkt, wo ich meine bedürfnisse formulieren kann, wo ich strukturen im kleinen beeinflussen kann. trotzdem gibt es in so vielen bereichen noch immer das gefühl nicht auf augenhöhe zu sein.

    kennt ihr das nicht auf augenhöhe sein? in die opfer ecke gedrängt werden? wie geht ihr damit um? was würdet ihr euch wünschen?
    Menschenrechte statt rechte Menschen
    _____________________________________

    Was die Raupe „Ende der Welt“ nennt, nennt der Rest der Welt „Schmetterling“. Laotse

  2. Für den Beitrag danken: Rose, ~scum~

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  4. #2
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    Standard AW: einmal opfer immer opfer

    Ich denke, gerade im Bekannten- und Verwandtenkreis haben viele Menschen den Unterschied zwischen Hilfe geben und jemanden in die Spur bringen, so dass es mir passt, nicht begriffen.

    Jemanden "wieder heile machen" bedeutet oftmals für diese Menschen, er / sie soll so sein, dass er mir ins Konzept passt.
    Das ist jedoch keine Hilfe, denn Hilfe bedeutet da zu sein und Unterstützung bieten, ohne den Hintergrund, dass er / sie wieder zu meinem Leben passt.

    Natürlich gibt es auch Menschen mit ausgeprägten Helfersyndrom.
    Die haben alle Facetten schon selbst erlebt und wissen auf alle Probleme eine Antwort.
    Nur: Wenn Du nicht so reagierst, wie sie es gerne haben wollen, dann wird es heftig.
    In der Realität ist die Wirklichkeit ganz anders ...

  5. Für den Beitrag danken: grisou, Rose, ~scum~

  6. #3
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    Avatar von grisou
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    Standard AW: einmal opfer immer opfer

    Zitat Zitat von Jan-Alexander Beitrag anzeigen
    Jemanden "wieder heile machen" bedeutet oftmals für diese Menschen, er / sie soll so sein, dass er mir ins Konzept passt.
    das ist eine sehr gute zusammenfassung. danke dafür.

    der begriff "wieder heile machen" als wäre ich kaputt. dem anderen ins konzept passen. nur nicht anstrengend sein.

    ich habe mich früher viel leichter angepasst. jetzt merke ich oft, das nervt mich. ich habe noch nicht so gut gelernt meinen platz auch zu behaupten. kann das mal besser, mal schlechter. es ist oft für mich erschreckend, wie destruktiv und toxisch das verhalten von vielen menschen ist.

    vielleicht ist der erste schritt es zu erkennen. vielleicht kommt der nächste schritt dann, damit umgehen, darauf reagieren zu können, sodass es einem nicht mehr schadet.
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  7. Für den Beitrag danken: Rose, ~scum~

  8. #4
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    Standard AW: einmal opfer immer opfer

    Zitat Zitat von grisou Beitrag anzeigen
    ich habe mich früher viel leichter angepasst. jetzt merke ich oft, das nervt mich...
    Manchmal muss man sich anpassen. Doch noch wichtiger ist einen gewissen Egoismus zu bewahren.
    Nicht, das man auf dem Egotrip sein sollte, dies bestimmt nicht, aber seinen eigenen Weg sollte man doch gehen.

    Wenn Du anders bist, anders denkst, oder sonst irgendwie aus der Reihe fällst, wirst Du oftmals in eine Ecke gedrängt, wo du absolut nicht hingehörst.

    Ich kann ein Lied davon singen und habe mich von vielen Bereichen abgenabelt und gehe meinen eigenen Weg. Ist manchmal sicherlich nicht einfach, nur es tut mir gut.

    Wie viele Menschen ticken lässt sich an der Entwicklung der Gesellschaft einfach ablesen ...
    In der Realität ist die Wirklichkeit ganz anders ...

  9. #5
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    Standard AW: einmal opfer immer opfer

    Mh ja, das ist eine schwierige Frage, bzw ein seltsamer Zusammenhang, in dem die meisten Leute gefangen sind. Man weiß vielleicht einfach nicht, WIE man reagieren soll und deswegen stellen sich viele Außenstehende etwas "hölzern" an: Das muss ja nicht unbedingt böse gemeint sein: Ich glaube, es ist einfach die totale Unsicherheit: Man hat normalerweise sein "Muster" wie man mit Leuten umgeht: Wenn dann jemand nicht in dieses Muster passt, wird man unsicher: Man will ja nichts falsch machen, vielleicht macht es einem auch Angst (es erinnert ja an die eigene gefahr, in der jeder Mensch tagtäglich schwebt) usw.
    Andersartigkeit in egal welcher Form zu akzepiteren fällt den meisten Menschen schwer- das ist auch eine gewisse kindliche Herangehensweise: Wenn Eltern krank sind, dann ist das Kind meist etwas sauer: Mama und Papa sollen gefälligst wieder gesund sein, damit die Welt wieder rund ist. Vielleicht ist das ein Rest von solchem Verhalten, das Du zu spüren bekommst.
    ich denke, damit kann man als Betroffener nur total offensiv umgehen: Indem mal klar und offen mit den Leuten redet.
    Beispiel: ich habe einen sehr guten Freund, der vor Jahren bei einem Autounfall ziemlich schwer verletzt wurde: Seither ist er seelisch einfach nicht mehr so ganz gefestigt und körperlich hat er schon auch einiges abbekommen. Einen normalen Job kann er nicht machen, aber er versucht es so gut es geht. ich rede mit ihm sehr offen und ich rede auch Klartext: Weil ich weiß, wie weit ich bei ihm gehen kann: ich habe in all den Jahren einfach gelernt, wie ich mit ihm umgehen kann und muss: Dass man zB durchaus mal alberne Witze über ihn machen kann: Das tut ihm gut- weil es Normalität ist. Aber Außenstehende schauen da schon manchmal schief, wie ich es wagen kann, witze über ihn zu machen...naja, sie kennen ihn halt nicht!
    Aber an ihm merke ich auch, wohin es führen kann, wenn man sich versteckt:
    Er hat zB eine Verletzung am Auge und deswegen sieht das Auge einfach "schief" aus. Mir fällt das garnicht mehr auf: Ist halt sein Auge und so es ist eben. Aber er hat leider Komplexe und jetzt hat er sich so eine dunkle Brille verschreiben lassen, die von außen dunkel ist, so dass man sein Auge nicht so sieht (er selbst sieht durch die Brille mit dem gesunden Auge ganz normal.) Das Problem ist nur: Vorher- also ohne Brille hat jeder gesehen: OK, der typ hat ein verletztes Auge und sieht offenbar nichts auf diesem Auge: dh als Außenstehender wusste man bescheid und konnte darauf reagieren und zur TAgesordnung übergehen. Jetzt mit der Brille denkt jeder nur: "Was stimmt mit dem Typen nicht, dass er im dunklen Raum mit Sonnenbrille rumläuft?" Seither stößt er viel öfter mit Leuten zusammen, weil die ja nicht bemerken, dass er auf einem Auge nichts sieht. Die Umwelt reagiert ganz anders. Leider erkennt er nicht, dass dieses "Verstecken" ihm im Grunde mehr schadet als nützt. Man will den Leuten in die Augen sehen: Auch wenn die Augen vielleicht nicht der Norm entsprechen.
    Bildlich gesprochen würde ich das auch für Dich behaupten: Lass die Leute in Deine Augen sehen: davon wirst Du mehr profitieren, als dich zu verstecken. (damit trennst Du auch die Spreu vom Weizen, denn wer das nicht akzeptieren kann...was willst Du mit dem?)

    ich denke, wenn man ein schweres Schicksal zu tragen hat und irgendwie anders ist, ist es das beste für einen selbst, wenn man sich NICHT versteckt, sondern Klartext redet: Und damit macht man es auch dem Umfeld leichter, sich zu orientieren und man selbst hat vielleicht weniger das Gefühl, irgendwie wie ein Schiffchen ohne Steuer durch die Gesellschaft zu schaukeln und von der Willkür der Reaktionen anderer abhängig zu sein.
    keine Ahnung, ob du mit meinen Worten was anfangen kannst: War nur so mein Gedanke!

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