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Thema: Eine gescheiterte Existenz

  1. #1
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    Standard Eine gescheiterte Existenz

    Hallo Zusammen,

    hier kommt meine Geschichte. Ich, 34 (männlich), habe mein bisheriges Leben mehr oder weniger gegen die Wand gefahren und bin nun ganz unten angekommen. Aber alles der Reihe nach:

    Noch vor wenigen Jahren war ich einer der glücklichsten Menschen auf diesem Planeten. Studium abgeschlossen, Berufsstart vor der Tür und ich hatte endlich meine Traumfrau gefunden, mit der ich eine wunderbare Beziehung genoss. Ich war ein sehr selbstbewusster aber auch liebevoller und hilfsbereiter Mensch. Andere Menschen suchten die Nähe zu mir und bewunderten mich und ja ich genoss es auch.

    Schnell fand ich einen Job in dem ich gut verdiente (auch wenn es nicht ganz meins war). Ich war eigentlich immer ein recht untriebiger und rastloser Mensch: immer war das Gras grüner auf der anderen Seite, immer wollte ich woanders sein und die Welt bereisen - nie 100% zufrieden mit dem was ich hatte. Hätte ich damals auch nur geahnt wie gut ich es hatte aber man ist immer schlauer hinterher!

    Jedenfalls wurde ich nach Berlin versetzt und führte eine Fernbeziehung mit meiner Freundin. Schnell hob ich dort ab: jedes Wochenende Drogen, Alkohol und Fremdgehen. Plötzlich sah ich die Beziehung nur noch als Last und verhielt mich dementsprechend. Meine arme Freundin versuchte dennoch alles zu retten, weil sie mich so sehr liebte. Sie wollte zu mir nach Berlin ziehen und eine gemeinsame Zukunft gestalten, mich quasi retten. Ich trottel aber sah das alles nicht. Ich behandelte sie nach wie vor schlecht und das ganze ging soweit, dass sie mich irgendwann verließ.

    Das war der Anfang vom Ende: ich stürzte in ein tiefes Loch, noch mehr Alkohol und Drogen. Vollkommen planlos lief ich durchs Leben und ließ meinen Job schleifen. Auf Frauen wirkte ich wie ein verzweifelter Loser. Ich verließ die Stadt, um wieder klar zu kommen und ließ mich nach London versetzen. Aber auch da fand ich kein Glück mehr. Es ging einfach weiter wie bisher und ich versagte vollkommen im Job. Ein halbes Jahr später wurde ich gekündigt. In der ganzen Zeit hasste ich mich selbst dafür, dass ich meine Ex so schlimm behandelt hatte und dass ich viel zu spät merkte, was für ein Geschenk sie doch war. Als sie mir dann schrieb, dass sie einen neuen hat und diesen heiraten will, war ich komplett am Ende!

    Trotzdem schaffte ich es mich wieder aufzuraffen. Ich fand schnell einen neuen Job in meiner Heimatstadt. Endlich schien wieder alles zu klappen: ich suchte mir eine schöne Wohnung und war in der Nähe der Familie. Ich versuchte weniger zu trinken und nicht mehr Drogen zu nehmen. Ich lernte sogar ein hübsches Mädel auf der Arbeit kennen. Auch sie war irgendwie perfekt für mich und verliebte sich in mich.

    Doch auch das geriet in die Brüche: ich bekam wieder Panik vor einer Bindung und ließ das ganze kaputt gehen. Sie wanderte aus nach Australien und lernte jemand neues kennen. Ich kündigte den Job und bekam ein neues Angebot in einer Bank: viel Geld und Ansehen - ich Idiot dachte damals noch das sei wichtig im Leben! Und ihr könnt Euch denken wie es weiterging: Drogen, Alkohol und zig Frauengeschichten.

    Diesmal jedoch ging dann alles komplett in die Brüche: ich wurde wieder gefeuert, weil ich einfach nur noch ein Wrack war am Ende. Ich wollte die Gelegenheit nutzen und mich selbstständig machen zusammen mit einem Partner - auch das ging in die Brüche. Da stand ich nun: Freundin weg, Job weg, Kohle weg.

    Jetzt bin ich seit einem Jahr arbeitslos. Oft werde ich eingeladen auf Vorstellungsgespräche, aber ich kann mich einfach nicht mehr verstellen. Die Absagen häufen sich. Ich wollte unbedingt wieder ins Ausland (=davon laufen vor meinen Problemen), aber auch da fand ich nix. Ehrlich gesagt hab ich es auch nur halbherzig verfolgt alles.

    Ich nahm jetzt eine Stelle an, die weit unterbezahlt ist, genau in der gleichen Straße, wo ich vor 8 Jahren meine Karriere begann als alles noch gut war. Der Job beginnt erst im September aber ich weiß jetzt schon, dass mich das alles noch tiefer runterreißt - weil ich quasi wieder bei 0 anfange in einem Job, den ich nicht will, für ein Gehalt, dass mich kaum über die Runden bringt in einer Straße die mich so sehr an damals erinnert.

    Mein Umfeld sieht mich als gescheiterte Existenz, auch wenn sie es nicht sagen. Sie versuchen mich aufzuraffen, aber ich sehe einfach keinen Ausweg mehr aus der Geschichte. Habe alles probiert: Therapie, Kloster, Entzug, Spiritualität, Sport etc. Es half nix. Die Gedanken und die Reue schwirren in meinem Kopf. Es kamen Schicksalsschläge in der Familie hinzu (Krebserkrankung).

    Ich sehe stark gealtert aus, habe zugenommen, meine Haare verloren und graue Barthaare bekommen. Egal wo ich hingehe strahle ich nur noch Negativität aus. Zwar schaffe ich es hin und wieder durch meinen Charme Frauen ins Bett zu bekommen, aber die suchen am nächsten Tag auch schnell das Weite weil sie merken wie kaputt ich eigentlich bin.

    Ich seh einfach keinen Ausweg mehr. Ich hatte ein Jahr in der Arbeitslosigkeit Zeit mein Leben neu zu ordnen. Auswandern, an mir arbeiten, neue Herausforderungen oder einfach nur mal eine neue Sprache oder ein neues Hobby suchen.

    Nix von alledem hab ich gemacht. Ich saß nur zuhause rum und grübelte über mein Leben nach und machte immer wieder die gleiche Scheisse (Alk, Drogen, Frauen, Glücksspiel). Ich weiß einfach nicht mehr weiter nun. Andere haben in meinem Alter eine Familie und ein Haus aufgebaut. Ich lebe immer noch wie ein Student und bin auf der Strecke geblieben. Es wird auch zunehmend einsamer um mich. Am meisten bereue ich mein Verhalten und was ich den Frauen und meinem Leben antat. Ich hatte eigentlich alles und hab es mit den Füßen getreten.

    Keine Ahnung wie es weitergehen soll. Den nächsten Job werde ich eh versemmeln, da das nicht meins ist. Endstation Hart4 - und da kommt man nur schwer raus. Auch die Chance ins Ausland zu gehen ist zunehmend vertan. Nachts schlafe ich kaum noch oder hab Albträume. Ablenken tue ich mich nach wie vor mit Alkohol, Drogen und Glücksspiel. Zwar schaffe ich es phasenweise davon weg zu kommen, aber es zieht mich immer wieder in alte Verhaltensmuster. Ich bin gottseidank nicht süchtig, aber ich suche halt immer den Kick. Wenn es kein Alk, Drogen, Frauen und Glücksspiel ist, dann eben durch Kurzreisen am Wochenende (wo ich im Grunde wieder das Gleiche tue).

    Oft denke ich daran wie es ist, mich einfach zu erhängen, aber das würde ich meiner Familie niemals antun! Außerdem bin ich ein gläubiger Mensch.

    Trotzdem weiß ich einfach nicht mehr weiter.

    Vielleicht habt Ihr Ratschläge?

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  3. #2
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    Standard AW: Eine gescheiterte Existenz

    Hallo Konstantin,

    ich habe mir alles genau durchglesen, aber du konntest mich nicht überzeugen. Ich glaube noch immer nicht, dass es soetwas wie "gescheiterte Existenzen" gibt, auch nicht, dass du eine bist.

    Es gibt Tiefpunkte in unser aller Leben, manche sind tiefer als andere, das stimmt, und manche erreichen einen regelrechten Marianengraben von einem Tiefpunkt. Aber es gibt keinen "Point of no Return" außer dem Tod und jene unter uns, die keine Atheisten sind, glauben noch nicht einmal der.

    Mein Rat an Dich wäre, keine Vergleiche mehr zu ziehen, zwischen deinem gegenwärtigen Status und allem was du schon einmal hattest, allem was du zum gegenwärtigen Zeitpunkt schon haben wolltest und allem was andere schon erreicht haben.

    Stattdessen wäre es es zufriedenheitsstiftender, an Verbesserungen deiner Situation zu arbeiten. Und zwar an winzig kleinen. Du kannst regelrecht einen Wettbewerb daraus machen, die kleinstmögliche Verbesserung zu finden und umzusetzen.

    Warum? Ich denke, je tiefer es bergab geht, desto größer wird der Berg vor einem. Und je größer der Berg wird, desto mutloser wird man, ihn jemals wieder besteigen zu können. Aber das muss man gar nicht, denn, was glücklich macht, ist weniger das Stehen auf der Spitze des Berges,
    es ist der Aufstieg.
    Du kannst sicher nicht mit einem Satz hinaufspringen, daran würde ich auch verzweifeln, aber den erste Schritt, den kannst du mit Links machen.

    Wie heißt es so schön: Der Mann, der den Berg abtrug, was derselbe, der Anfing, kleine Steine wegzutragen.

    Und nach dem dritten Steinchen fühlst du dich schon ganz anders, vertrau mir!

    servus

  4. #3
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    Standard AW: Eine gescheiterte Existenz



    Hallo Orat Lutum;

    Tja,hätte ich damals gewusst das, daß die besten Zeiten waren,hätte ich mich auch anders Verhalten.Aber man denkt automatisch das es für immer so ist und nur noch Besser werden kann.
    Darin liegt die Täuschung oder der Sinn der Sache?

    Ich würde dir Raten um deinen persönlich unbekannten Berg zu besteigen,nach einer "
    ambulanten Sucht Therapie" zu suchen in deiner Region ,am besten einen der über den Landesrat/verein ,o.ä läuft.

    Keine Angst,man zwingt dich nicht aufzuhören. Es geht um Beratung und um die Begleitung.
    Ein Hilfe Plan,was man machen kann damit Du Dich erstmal etwas erholst und wieder Ziele hast,die erreichbar sind,ohne so ausgebrannt zu sein und vllt auch später freiwillig, ohne sich voll zu Dröhnen...was du noch machen kannst,ohne gleich Land auswärts abzuhauen.

    Aber jelebt haben wir,haben die Netten Ossis damals immer gesagt^^
    Es gibt wohl noch Lebenswege, die du in deiner Eile noch nicht wahr genommen hast.

    Ps. Die Leute von der Sucht Beratung werden dir gefallen,lass Dich mal Überraschen,..lasse Dich mal auf ein Beratungsgespräch sein,sage das du Hilfe brauchst.
    Ich habe selber sehr gute Erfahrungen gemacht,auch wenn es nicht um mich persönlich ging.
    Wirklich tolle Leute dort. Sie/Er kommt zu Dir nach Hause,..dort kannst alles Besprechen.

    Nicht der Luxus und das Äußerliche zählt ,es gibt noch andere Werte,und das bist DU. Dein innerer Kern will nun auch mal gesehen werden und wenn es dir Besser geht,erholt sich auch dein Körper wieder etwas.

    Mach dich etwas Frei von dem Altem,..da soll noch was anderes "neues"kommen.
    *** "Die Welt ist keine Welt des Seins,sondern des ständigen Werdens " ***

    ***Hoffnung ist ein Feuer um das man sich kümmern muss***

  5. #4
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    Standard AW: Eine gescheiterte Existenz

    Vielen Dank für Eure Antworten. Das tut schon mal sehr gut und macht Hoffnung!!

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