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Thema: Es zerreißt mich innerlich

  1. #1
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    Standard Es zerreißt mich innerlich

    Hallo,
    Ich schreibe euch gerade aus einem Zustand, der eine ziemlich deftige Mischung aus Trauer, Frustration und Panik darstellt. Vielleicht solltet ihr daher nicht jedes meiner Worte auf die Goldwaage legen.

    Ich weiß nicht recht, wo ich beginnen soll, um meine Gefühle verständlich darzulegen...

    Vielleicht beginne ich einfach mal folgendermaßen: Ich gehe steil auf die 30 zu. Jeden Tag sehe ich mein Bild im Spiegel und bin schockiert von meinem Anblick. Ich sehe eine Frau, deren Gesicht beängstigend zu altern beginnt. Es gibt Tage da kann ich den Anblick kaum ertragen. Es widert mich regelrecht an.
    Als Teenager wollte ich immer, dass die Zeit bloß schnell vergeht und ich endlich "erwachsen" sein kann, jetzt wünsche ich mir sehnlichst noch einmal 18 sein zu können.

    Ziemlich im Kontrast dazu steht meine allgemein jugendliche Art. Ich weigere mich ohne bewusstes Zutun heftig dagegen "alt" zu sein. Ich bin nach wie vor für Pullover mit Sprüchen oder eine eher abnorme Haarfarbe zu haben. Es fällt mir leicht mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und mein Niveau zu adaptieren. Stände da nicht diese Zahl, mein Alter, im Raum, könnte ich ohne Umschweife einer von ihnen sein.
    Das ist dann auch dieser Moment in dem in mir eine unheimliche Frustration entfacht wird. Ich bin wütend auf mich selbst, weil ich altere und wütend auf die Anderen, weil sie jünger sind. Wütend, dass ich nach gewisser Zeit einfach erzwungener Maßen den Kopf einschalten muss, um mir klar zu werden: Hey, du bist fast 28 Jahre alt, was zum Teufel willst du mit einem/einer 18 Jährigem/n?! Wie kannst du glauben, diesen Entwicklungsstatus in irgendeiner Form noch einmal zu durchleben? Du kannst nicht eine von ihnen sein - das weißt du und das wissen sie auch!
    Diese Erkenntnis schmerzt unheimlich. Jedes Mal...

    Manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich die Hälfte meines Lebens vergeudet. Dafür vergeudet traurig zu sein, zu lange gezögert zu haben, Dinge aus zum Zeitpunkt bestehender Gefühlsduselei nicht getan zu haben und dafür nach etwas zu Suchen, das es für mich nicht zu geben scheint. Ich habe meine Ziele häufig völlig falsch gesteckt, falsche Entscheidungen getroffen, nur weil meine Gefühle eben in diesen Augenblicken so seltsame Dinge eingefordert haben.

    Es wächst mir momentan alles so über den Kopf, dass ich wünschte einfach nur in die Arme meiner Mutter zu kriechen und sie zu fragen, warum das Leben nur so schmerzhaft ist. Und dann all das zu hören, was eine Mutter ihrem Kind sagt, wenn es nicht mehr weiter weiß. Tröstende Worte eines erfahrenen Menschen...
    Aber der Kopf weiß es besser: Ich bin nicht mehr klein, das geht nicht. Ich habe meiner Mutter seit Jahren nicht mehr erzählt wie es mir wirklich geht, was ich tatsächlich fühle. Für sie gab es die geschönte Version der Dinge. Ich fühle mich verpflichtet zu lügen, die Wahrheit ist in diversen Fällen für mich allein zu schwer zu verkraften gewesen, um sie ohne Gefühlsausbruch loswerden zu können.
    Meine Mutter sagt mir häufig, ich würde mich zu selten melden... ich sage dann "Ach Mama..." und meine aber "es gibt einfach zu viel, das ich dir nicht sagen kann."


    Ich habe mich auf eine sehr vereinnahmende Beziehung eingelassen. Die Eifersucht meines Freundes setzt Grenzen. Wir arbeiten daran und es wird besser. Jedoch haben die Jahre mit ihm wohl so nachhaltig auf mich eingewirkt, dass ich jedem Menschen so gut es geht aus dem Weg gehe. Jede dann doch entstehende neue Bekannschaft, die mir etwas bedeutet, hüte ich solange wie ein schmutziges Geheimnis wie es nur irgend geht. Um sie vor ihm zu beschützen, heißt, um dieser Beziehung weiter nachgehen zu können..

    Jede dieser neuen Bekanntschaften löst unheimlich starke Gefühle in mir aus. Regelrechte Verlustängste toben in mir, es fühlt sich fast an wie frisch verliebt, jedoch potenziert. So ein unheimliches Gefühl von Sehnsucht, Angst und Schmerz. Denn ich weiß: Wird die Beziehung zu einem anderen Menschen zu eng - und eng bezeichnet alles zwischen ein paar mal miteinander geredet und einmal privat getroffen -, gehen bei meinem Freund direkt die Lichter an. Es ist völlig egal wie alt, welches Geschlecht diese Person hat oder ob sie fremd oder familiär zugehörig ist.
    Diese Zeit des Wissens darum, Jemanden verlieren zu können, sobald er der Meinung ist, ihn mir wegzunehmen, fühlt sich fast an wie ein Brennen im Oberkörper. Wie viele kleine Nadelstiche. Als ob eine ungeheure Last auf meine Eingeweide drückt. Ich kann nicht essen, mein Herz rast und mein Mund ist trocken wie Staub.

    Zuletzt kamen diese Gefühle in voller Blüte hoch, als mein Freund und ich beschlossen uns eine Katze anzuschaffen. Es war fürchterlich... Ich habe mehrere Monate lang abgelehnt, als er anfing darum zu bitten. Ich wollte das nicht. Ich weiß, dass ich mein Herz an so ein Tier hänge, sobald es meine Türschwelle überschritten hat. Und ich weiß gleichzeitig wie wechselhaft seine Entscheidungen sind. Sollte er also dann vom einen auf den anderen Tag beschließen dieses Tier nicht behalten zu wollen, würde eine Welt für mich zusammenbrechen. Und so war es dann auch. Irgendwann ließ ich mich doch breitschlagen, im Glauben, er würde sich nach so langer Zeit des Bittens sicher sein und das Tier zog ein. Kaum einen Tag später merkte ich wie er begann, die Katze abzulehnen. Schließlich beschloss er nach drei Tagen Einschränkungen für diese Katze. Sie sollte nicht mehr mit ins Bett und auch ja nicht in seine Nähe kommen. Nach 4 Tagen, forderte er, dass sie nun auch bitte in der Abstellkammer direkt neben ihrem Klo Futter bekäme. Letzteres geschah selbstverständlich nicht, aber mir brach es das Herz. Das will ich nicht für ein Tier... es waren insgesamt nur 6 Tage, dann habe ich es nicht mehr ausgehalten und dieses arme Tier, dass nun unter ihm und mir als Mittäter hatte leiden müssen, zurückgebracht. Es waren für mich 6 Tage blanker Horror. Ich habe 6 Tage lang mühsam den ein oder anderen Bissen heruntergewürgt, ich habe nicht schlafen können, ich habe nicht mal denken können, mein Herz raste, mein ganzer Körper brannte einfach nur vor Seelenschmerz. Ich habe den ganzen Tag mit größter Aufwendung meiner Selbstbeherrschung diese Gefühle hinuntergeschluckt und abends Sturzbäche geweint.
    Ich wollte nie so ein Mensch sein, ich bin nicht so ein Mensch, ich bin gezwungen worden so ein Mensch zu sein...

    Nun ist es wieder so weit. Ich habe eine Person kennengelernt. Einen Mann. Zum gemeinsamen Online spielen. Er wohnt mehrere tausend Kilometer in einem anderen Land. Er ist 8 Jahre jünger als ich. Ich glaube schon, dass er ein wenig herumträumt. Aber ich denke den größten Teil macht das Unwissen über das Gegenüber aus. Wir kennen fernab Alter und grobem Wohnort (Land) keine privaten Details voneinander. Und außerdem sind wir da ja wieder beim Thema ganz oben...
    Es ist rein vom Kopf her also völlig harmlos. Ich möchte weder auswandern, noch ein Pferd auf einen derart deutlich jüngeren Mann setzen, von dem ich lediglich die Stimme kenne. Ich möchte einfach nur mit einer netten Person zusammen dem Onlinespiel nachgehen.
    Meine Gefühle hingegen schwappen aber obgleich dieser kargen Basis völlig über: Da ist diese Besessenheit ihn zu "besitzen", einfach alles, was er tut und je getan hat aufzusaugen. Die panische Angst ihn zu verlieren und die Sehnsucht auszubrechen aus meinem Leben. Ich würde gefühlt alles tun, um ihn "behalten" zu können. Es ist keine Liebe. Nur eine wohl ziemlich kranke Form des Verlangens nach menschlicher Nähe. Ein übermäßiges Interesse an einer Person. Eine Art Voyeurismus, den ich auch hin und wieder bei mir absolut fremden Personen auslebe, einfach, weil es sich anfühlt, als ob ich nicht allein wäre, als ob ich am Leben dieser Person teilnehmen könnte.

    Ich beginne mir Pläne zurecht zu legen wie ich diese Beziehung aufrecht erhalten kann. Ich beginne darüber nachzudenken, mich von meinem Freund zu trennen, nur um einen "Freund" - der ein solcher ja gar nicht ist - haben zu können. Gleichzeitig bricht die Depression über mich zusammen keine Perspektive zu haben. Alt zu sein. Starr zu sein. Ich bin einfach total verzweifelt.


    Zum Jahresende habe ich häufig meine "Jahresabschlussdepressionen". Ich fühle mich dann besonders alt, besonders häßlich, besonders unvollkommen, besonders starr und besonders unzufrieden.
    Ich beschließe dann meistens für mich recht untypische Dinge, die ich einfach mal machen will, weil ich sie bisher verpasst habe. Dieses Jahr habe ich beschlossen mir eine Maniküre machen zu lassen. Gel-Nägel oder wie man das schimpft. Mein Freund war zunächst völlig bei mir, ich solle mir etwas gönnen. Als die Maniküre beendet war und er das Ergebnis sah, fiel ihm aber alles aus dem Gesicht. Das würde furchtbar aussehen, ekelerregend, ich solle ihn bloß damit nicht anfassen er könne das nicht ertragen. Irgendwann ging es dann durch mit mir. Wir hatten einen heftigen Streit deswegen. Er schlurfte eine ganze Nacht rastlos durch die Wohnung und ich gab irgendwann nach... Ich habe mir den Kram knapp 4 Tage später von den Nägeln schreddern lassen. Ja, es sieht immer noch furchtbar aus.
    Was soll diese Geschichte? Es ist ein Paradebeispiel wie bestimmt mein Leben verläuft.

    Die Geschichten sind "alt" und wohl gezielt die "krassen" Beispiele... dennoch kommt das alles immer wieder hoch in solchen Situationen wie ich sie gerade erlebe. Ich denke darüber nach, ob das was ich jetzt habe, wirklich das ist, was ich für den Rest meines Leben will und wenn nicht, was dann? Ich bin kein Mensch der tatsächlich Liebe empfindet oder zumindest meint, dass er das nicht Liebe nennen kann. Ich empfinde starke Faszination für Personen, die mit der Zeit abflaut. Ich habe keine besondere Bindung zum Thema Sex. Ich kann absolut ohne diesen Leben. Darum geht es nicht...

    Was stimmt nur nicht mit mir?

  2. Für den Beitrag dankt: Gerechtigkeitssuchender

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  4. #2
    GrayBear
    Gast

    Standard AW: Es zerreißt mich innerlich

    Hallo NyanNyan,


    wow, erst einmal danke für Deine Offenheit. Nach dem Lesen Deines Beitrages komme ich mir gerade wie in einer riesigen Wasserrutsche vor, deren Ziel und Verlauf ich nicht kenne: etwas ängstlich, aufgeregt und ich frage mich, wieso ich hier "rein geraten" bin. Aber diese Frage beinhaltet natürlich gleich die Antwort: weil ich dies wollte, ich habe mich entschieden, Deinen Beitrag zu lesen und habe mich "mitreißen" lassen. Du hast eine eindrückliche "Schreibe", die einen nicht "kalt lässt".


    Ich will Dir ein paar meiner Eindrücke mit auf Deine Wilde Fahrt Deiner Gefühle und Erlebnisse mitgeben, in der Hoffnung, dass Du etwas "runter kommst", Deine innere, wilde Fahrt mit etwas mehr Abstand sehen kannst.


    Als ich 20 war, kam ich mir überhaupt nicht erwachsen vor. Irgendwie schien mein "Erwachsensein" nie ausreichend zu sein, irgendwie fehlte immer etwas. Mit dreißig hatte sich das nicht geändert und mit 40 kam ich mir noch immer nicht erwachsen genug vor. Dazu fehlte aus meiner Sicht immer etwas. Falsche Entschlüsse, unglückliche Zufälle, so manche Entscheidung nahm einen Verlauf, der nicht schlimm oder schrecklich war, aber dieses Gefühl "dabei" zu sein, im richtigen Boot zu sitzen, kam und ging, ohne dass ich darauf einen Einfluß zu haben schien. Irgendwie blieb alles eine Art Theater, bei dem auch andere mitspielten und keiner das Wort "Theater" in den Mund nahm. Ich war mir und dieser Welt immer irgendwie fremd und gleichzeitig auch nicht. Zu wenig für ein Stopp, zu viel für ein "weiter so".


    Vor einiger Zeit wurde ich dann mit dem Spruch "Es ist, wie es ist" konfrontiert. Mir wurde deutlich vor Augen geführt, dass viele meiner inneren Dialoge, vieles von meiner Selbstkritik, meinem Bemühen um Verständnis, mein Kampf, dabei sein zu wollen, dazuzugehören, ein Teil von etwas richtigem und wichtigem zu sein wie ein Schattenkampf war. Ich kämpfte und kämpfte und wusste nicht, mit wem und habe mir immer wieder den falschen Gegner herausgesucht, mit dem Ergebnis, dass sich die erhoffte "Siegesprämie" nur sehr selten erreichen lies. Immer fehlte dies und das. Ich habe oft zu spät begriffen, woran "es" lag und da war "es" eben schon zu spät.


    Heute weiß ich, ich habe viel zu oft gegen mich selbst gekämpft, wollte mehr, besser, intelligenter, gutaussehender, erfolgreicher sein, als ich es in diesem Moment war und dafür war ich sauer mit mir, habe mich kritiert, mich gegeiselt und mich dafür verdammt. Das Ergebnis davon war ... nichts. Einfach nichts. Nichts hat sich geändert. Das Leben ging immer weiter. Gründe und Ausreden hatte ich immer und der Blick auf mich selbst war zumeist von einer Schärfe und Erbarmungslosigkeit, die ich heute bedauere. Aus heutiger Sicht war ich mein eigener Zuchtmeister, mein scharfer Kritiker und bestimmt kein "guter Freund" zu mir selbst.


    Um es deutlicher zu sagen: sei nicht mehr schockiert über Dich selbst, höre mit Deiner schneidenden Selbstkritik auf, nimm nicht mehr diese Beobachterposition über Deinem Leben ein, wie eine gefühlskalte und "objektive" Geschichtsschreiberin Deiner eigenen Geschichte. Diese innere Haltung zu Dir selbst führt zu diesem Gefühl der Entfremdung.


    Ich habe immer gehofft, dass dieses (mein) Leben mit dem Erwachsenwerden leichter, interessanter, einfacher, weniger schmerzhaft und besser zu durchschauen würde. Ich habe mich viel zu lange geweigert zu erkennen, dass dies nie passieren wird. Hinter jedem Berg kommt ein Tal oder wieder ein Berg. "Es ist, wie es ist".


    Ja, Du hast recht damit! Wir vergeuden unsere Zeit zu oft damit traurig sein, mit Zögern, mit "auf den Big Bang" warten, mit Hoffen und Zaudern. Manche brauchen für diese Erkenntnis länger, andere weniger lang. Ich gehöre nun mal zu Ersteren.


    Wenn ich mich an meinen Vater erinnere, denke ich noch heute an diesen Macher, den Durchblicker, den Mann, der Ideen zu rechten Zeit hatte, Freunde magisch anzog und mal eben "nebenher" ein Instrument lernte, wofür ich mich Jahre abmühen musste. Heute weiß ich: es war die Sicht eines Kindes. Meine Vater hatte viele Fehler, war manchmal unbeherrscht und hat auch wirklich dämliche Entscheidungen getroffen. Aber meine "Messlatte" war eine andere: der Liedtext von Konstantin Wecker "genug kann nie genügen" war mir ständiger Begleiter und ein Dorn unter dem Fingernagel, der ständig geschmerzt hat. Ständig fühlte ich mich als Teilnehmer in einem Rennen, dessen Regeln mir niemand sagt und die sich ständig änderten und das Ziel kannte ich nie und kenne es auch heute noch immer nicht.


    Ja, es wäre schön, wenn es einen Menschen gäbe, der einem dies alles erklären und sinnhafter machen kann. Aber nun kommt die schlechte Nachricht: bei ALLEN Menschen, denen ich dies zugetraut habe, musst ich nach einiger Zeit erkennen, dass auch sie nicht den Stein der Weißen haben, dass auch sie nur mit Wasser kochen und dass auch sie auf der Toilette peinliche Geräusche machen, die nicht zu der sonst gut gespielten Rolle passen wollen.


    Irgendwann fing ich an zu begreifen, dass ich andere Menschen für mein Unvermögen, meine Faulheit, mein "Klein-spielen" verantwortlich machte, nach dem Motto: "Ihr seid doch schon länger hier, Ihr müsst das doch wissen! Ihr müsst mir das doch nur sagen!". Ich wurde immer enttäuschter, immer trauriger und immer wütender und wollte genau das immer weniger zeigen.


    Deine Mutter kennt die Antworten auf die Fragen DEINES Lebens nicht. Es nützt nichts, wenn Du euer Verhältnis mit Liebes- und Näheentzug belastest. Du erreichst nichts, wenn Du Dich durch Abwesenheit und Provokation ins Aus manövrierst. Du gewinnst keinen Bonus im Himmel, wenn Du Dich weiter schindest und nur so tust, als ob Du Dein Leben lebst und Wahrheiten wie Kochrezepte in Dein Leben zu integrieren versuchst.


    Ja, es ist mindestens so schrecklich und traurig, niemanden zu haben, dem man seine Liebe schenken darf, als selbst nicht geliebt zu werden. Es tut einfach im Inneren furchtbar weh, sich ausgeschlossen zu fühlen, wie ein Voyeur seines eigenen Lebens umherzugeistern und nichts festhalten zu können, was einem so wichtig und teuer ist. Meine Oma sagte einmal "Ich habe beschlossen, dass man mir nichts mehr nehmen kann", als ein Nachbar ihre liebste Katze umbrachte. Das Ergebnis war, dass sie niemanden mehr an sich heranließ, immer kalt und unnahbar erscheinen wollte und doch ihre Sehnsucht durch alle Barrikaden hindurch leuchtete. Dies läßt einen auf Dauer neurotisch werden. Zu wissen, was man sich wünscht und es selbst außerhalb jeder Reichweite von sich zu schieben.


    Im Grunde schimmert durch fast jede Zeile Deines Beitrages durch, was Du schon fühlen kannst und was jetzt für Dich ansteht: Du darfst nun langsam damit aufhören, Deine Kindheit dadurch zu beschützen, in dem Du die Erwachsene spielst und darfst dem "Erwachsensein" anfangen zu vergeben, dass es eben nicht so ist, wie Du Dir das als Kind erhoffst hast. Dieses zornige, und vor Trauer und auch Angst schreiende Kind in Dir ist vielleicht Deine Vergangenheit, aber es ist nicht Deine Zukunft.


    Ein Kind kann nicht für eine Katze sorgen. Dazu hat es weder das Geld, noch die Geduld und auch nicht die Beständigkeit. Als Erwachsene kannst Du diesen Job übernehmen, oder Du kannst erkennen und entscheiden, dass Du für eine Katze noch keinen freien Platz hast in Deinem Leben, dass Du diesen erst schaffen und behaupten musst, wenn Du das willst. Ein Kind ist mit diesen Dingen überfordert und reagiert emotional. Es will die Katze nicht und möchte sie am liebsten an sich drücken und beides gleichzeitig, weil es die Strukturen eines Erwachsenen noch nicht "halten" kann. Es braucht Hilfe.


    Liebe NyanNyan, Du stehst an der Schwelle zum "erwachsen sein". Bisher warst Du damit beschäftigt "erwachsen zu werden" und hast Dich wie ein Kind immer wieder dagegen gewehrt, weil zum "erwachsen sein" eines untrennbar dazugehört: man muss lernen, mit Schmerzen umzugehen, muss sie aushalten lernen. Dieses Leben ist so. Ohne Schmerzen geht es nicht.


    Du lebst mit einem Partner zusammen, der es Dir durch seine Eifersucht einfach macht, Dich nicht tiefer auf eine Beziehung einzulassen, verletzlicher zu werden, Dich zu öffnen, denn seine Unfähigkeit bestätigt Dir immer wieder, dass "Beziehung" gefährlich ist und man/frau sich davor schützen muss. Nun ja, unter uns Erwachsenen: Beziehung IST auch gefährlich, aber nicht nur!


    Du hast seiner Unfähigkeit das Ruder überantwortet und wirst nun von seinen wirren Entscheidungen und Entschlüssen hin- und hergerissen. Ist es klug, einem innerlich in einigen Punkten blinden Menschen die Routenplanung zu überlassen? Aus der Sicht eines Erwachsenen sicher nicht. Einem Kind ist das egal. Es kennt noch nicht so viele Prioritäten und Notwendigkeiten.


    Was mit Dir nicht stimmt? Nun, es stimmt alles an Dir nicht, was auch an allen anderen Menschen auf dieser Welt nicht stimmt: Du bist ein Individuum, bist etwas besonderes und einzigartiges und das ist manchmal echt sau doof und manchmal unglaublich herrlich und das timing wird selten von allein "passend". Ja, Du fühlst, was nicht stimmt, hast Angst vor Deinen Aufgaben, bist traurig, was bisher noch nicht "funktioniert" hat und siehst mehr oder weniger deutlich, was Dein eigener Anteil daran ist. Und Du bist vergesslich, irrst Dich und triffst richtige und falsche Entscheidungen. So what?


    Ich kann Dir nicht schreiben, wie es leichter wird, denn es wird nicht leichter. Ich kann Dich nur einladen, Deinen Kampf gegen Dich selbst langsam und Schritt für Schritt einzustellen. Höre einfach auf damit. Du musst das nicht mehr so machen. Du bist, wer Du bist. Hast Stärken und Schwächen, bist manchmal eine nervige Kuh (Alle Kühe mögen mir verzeihen), manchmal ein unglaublich liebevoller und mitfühlender Mensch mit Talenten und großem Potential und musst doch hin und wieder auf die Toilette. Es ist, wie es ist.


    Suche nicht länger wie ein Schnappchenjäger den Horizont ab. Alles hast Du bereits in Dir. Das ist kein Versprechen, dass ist die Erkenntnis eines 57 Jahre alten Mannes. Du musst nicht mehr, Du "bist" schon, aber das musst Du nun "zulassen" und "aushalten" lernen. Lass den Staub um Dich herum setzen, lass zu, dass man Dich sehen kann und darf. Lerne, Dich selbst anzunehmen und hör auf, hinter Dir selbst herzulaufen. Das musst Du nicht mehr. Du bist nicht mehr im Sportunterricht und musst nicht mehr hinter den Zielen anderer herrennen.


    Aber Du musst Dich mit dem beschäftigen, was wirklich ist. Wer bist Du, wenn Du nicht mehr atemlos, verwirrt und ängstlich bist? Was ist für Dich von Wert? Was ist schlecht daran, alt zu werden? Warum sperrst Du die Frau in Dir weg, die dafür ein gütiges Lächeln hat? Du brauchst Deine Mutter nicht mehr, Du bist alt genug. Ja, dabei ist die Angst Deine Begleiterin. Wer keine Angst hat, ist ein Dummkopf. Aber da sind auch noch die Trauer, die Wut und die Freude. Auch sie sind immer da, mit einem wechselnden Gespür für das richtige Timing, nun ja.


    Es wird Zeit, Deine kindliche Haltung aufzugeben und zu sein, wer Du nun mal bist: eine erwachsene Frau mit all ihren Vorzügen, Stärken und Schwächen. Lauf nicht mehr vor Dir selbst weg. Stimmt, mit ein paar Schritten und etwas Gebrüll ist das nicht zu schaffen. Aber eben Schritt für Schritt. Wachsam, mitfühlend (auch mit Dir selbst), mit Herz und Verstand.


    In Deinem Leben ist nicht alles Mist, das ist es nie. Jetzt schau einfach, worüber Du hinausgewachsen bist. Zu kleine Schuhe sind eine Qual und kein Schicksal. Willkommen in der Welt der Erwachsenen. Nein, mit "Schlaraffenland" hat das nichts zu tun.


  5. #3
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    Standard AW: Es zerreißt mich innerlich

    Lieber Greybear, für Beiträge wie diesen deinigen liebe und schätze ich dieses Forum sehr.

    Soviel Mühe um einer völlig fremden Person zu helfen. Großartig.

    Sorry für das OT, aber das musste ich einfach mal loswerden.


  6. #4
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    Standard AW: Es zerreißt mich innerlich

    Na die kindliche Hoffnung aufgeben, wozu das denn ?

    Hätte ich meine kindliche Hoffnung aufgegeben, hätte ich mich nir befreit von all den Stricken, weil ich als erwachsener ja die ungeschriebenen Gesetze des Erwachsenseins zu erfüllen suchte.

    Ich springe immer noch mit kindlicher Freude in einen Bach, staue diesen mit Matsch und Steinen und kann mir vorstellen, daß ich damit dem Kind vermittle nicht erwachsenen sagen, mach Dich nicht dreckig laß das , sondern ein paar, es sind nur wenige machen mit und haben Spaß dran, nachher den Staudamm wieder einzureißen und eine Überschwemmung einem Horrorszenario gleich zu beobachten, die alle die mühselig gebauten kleinen Hütten wegspült, die kleinen Bäumchen aus den Vorgärten reißt, selbst die befestigten Steinmauern, werden umgestoßen, wie Streichhölzer, besonders dann, wenn sich die auf dem angelegten Stausee befindlichen Boote zu Geschossen und Rammen ungeahnter Stärke mausern, die dem Trümmerspiel noch eins oben draufsetzen.
    Ein : " Boah ey, wie im Fernsehen" ein "Guck mal das Haus da" ein Geräuschszenario frühkindlicher Beatboxuntermalung der Szenerie runden die ganze Sache ab und während die Mutter gelangweilt auf die zivilisatorische Errungenschaft, das Allheilmittel der neurotischen Seele, daß Smartphone starrt, was sonst bei dem Kind dazu führt das es sich augenscheinlich dafür interessiert, obwohl es nur die Mutterliebe will, ist ihm nun völlig scheißegal, weil das spielerische Szenario, in dem in 3 Minuten alles verwüstet wird, was vorher 1,5 Stunden lang mühselig aufgebaut wurde, so sehr vereinnahmt, das das Kind sich davon nicht losreißen kann.
    Ich nenne das Nähe zum Kind, die es leider durch die Mutter nie erfahren würde, für dieses Kind eine ganz wichtige Erfahrung und mir scheißegal, daß ich in völlige Ungnade falle , weil das genervte " Ihr seid echt wie die Kinder "
    geht mir sowas von am A...vorbei.

    Die Kindliche Hoffnung aufgeben ? Wie jetzt , keinen Fisch mehr mit der Hand fangen dürfen, kein Lagerfeuer mehr machen, kein lautes Singen mehr in der Unterführung ? Wie traurig wäre das denn ? Um wie viel grauer würde sich das Leben denn dann gestalten ?

    Die Kindliche Hofnung aufgeben ? Mit 50 keinen Spaß mehr an Wasserrutschen haben ? Keine Achterbahn mehr fahren, keinen wilden Sex mit sinnlichen Erfahrungen mehr ausüben, keine Musik mehr machen ? Nur noch das dröge , daß geht doch nicht , man kann doch nicht , keinen Traum mehr leben ?

    Ne also , daß ist nichts für mich, ich bin für viel mehr Pullover mit blöden Sprüchen drauf und für viel mehr was man tun kann, wenn man 30 ist, aber einen Standpunkt im Leben gefunden hat, den man nur und ich betone es noch einmal, nur mit der kindlichen Hoffnung dem Mut zur Unvoreingenommenheit und der Freude erfahren kann, die einen das ganze Leben über begleiten sollte.

    Den Mut zur Wahrheit, den Mut zur Authetizität, den Mut zu der Freude, den Mut zu Herzenswärme, aufgeben weil man 2 oder 3 oder 5 Jahrzehnte oder fast 6 rum hat ?

    Ich hoffe das war ironisch gemeint, weil als ernsthafte Hilfe sehe ich das nicht, sondern als einen Versuch, anderen die Bitterkeit des drögen Daseins aufzuzwingen, die in einer Beziehung leben, die im grunde nicht passt, wei man sich nicht ausleben darf und es an emotionaler Kompetenz mangelt.

    Da ist für mich der Hund begraben, die Te darf keine Freunde haben, keine Nähe , keine Tiere dürfen sich wohlfühlen, das Herz darf nicht jubeln, da wird ein ständiges Manko erzeugt, die betonung liegt auf ständig, nein für mich gibt es nicht den Stand des erwachsenen, sondern nur den Stand des Menschen und wenn all die Lebensfreude Äste und Blätter an den Bäumen sind, so währen kahle Stämme, die Äste abgeschnitten, glattgemacht ud eingereiht, genau das was dem Baum die Individualität nähme, die auf der anderen Seite gelobt wird.

    Ich uarme die Bäume im Wald und wenn ich das Ohr dranlege und genau höre wie sich der Stamm ob der Äste und der Blätter im Wind bewegt und knarzt und brummt und singt, dann bin ich froh, das man ihm die kindliche Hoffnung nicht nahm, weil dann könnte ich nicht das Lied des Lebens hören.

    Und genau dieses Lied des Lebens vermittelt mir, die Probleme anzugehen, die Hoffnung und den Glauben daran zu behalten, die seit Kindertagen in meinen Knochen steckt, das Nähe nichts schlechtes ist, Freundschaften gepflegt werde sollten und wenn es schon so weit ist, daß man Angst hat, daß einem das kaputtgehauen wird, geneidet wird , man es zu verlieren droht, dann tut das unendlich weh, aber je älter man wird , je stärker man wird , weil man den Mut zur Hoffnung lernt und diesen zu leben bereit ist, weil er lebensbereichernd ist, dann kann man dagegenhalten.

    Mein ich rate nicht zur Aufgabe der kindlichen Hoffnung , sondern ich sehe das Manko, diese kindliche Hoffnung auf Kosten der Fehlinformation " Wenn Du mal groß bist, dann ... " , nie wirklich gelebt haben zu dürfen, weil die Beziehung , das dröge Elternhaus, die lieblose Umwelt oder widrigen Umstände das nie zuließen.

    Das Vertrauen fassen die jungen Leute dann, wenn sie die gelebte Vorbildfunktion verstehen, der Weg zur Zufriedenheit und zum Glücklichsein schließt die Erfahrungswerte genauso mit ein, also die Lebenserfahrung wie die kindliche Unvoreingenommenheit zur Hoffnung und zur Freude, das herzliche Lachen, nicht das schadenfrohe.

    Viele junge Leute sagen : " Ey Du ich hab da ein Problem, mit meinen Eltern kann ich da nicht drüber reden, die verstehen mich nicht ", nicht weil sie weiter unverstanden sein wollen, sondern weil sie sich ob der kindlichen Hoffnung , die mir innewohnt, Verständnis erhoffen.

    @ te hab den Mut zu Dir selbst , häng Dich nicht an etwas vereinnahmendes , was Dir nicht gut tut, sondern die eigene Unzulänglichkeit mit Deiner kindlichen Hofnung aufzuwerten versucht, häng Dich nicht an etwas, was Dir diese kindliche Hoffnung abschwatzt und sie als ihren Besutz betrachtet, laß Dir nicht die Äste stutzen und die Blätter abreißen, sondern habe wirklich den Mut Du selbst zu sein.

    Und wenn Du das mal überdenkst, in einer ruhigen Minute dann werde authentisch, Du bist niemandes Besitz und zu lange schon nimmt man Dir weg, was Dir gehört, daß muß aufhören.

    Dann geht es Dir besser.
    Wer Wahrheit nicht hören will hat seine Gründe


  7. #5
    GrayBear
    Gast

    Standard AW: Es zerreißt mich innerlich

    Zitat Zitat von Zebaothling Beitrag anzeigen
    Na die kindliche Hoffnung aufgeben, wozu das denn ?
    @Zebaothling: Falls sich der große Teil Deines Beitrages auf meine Zeilen beziehen sollte, hast Du nichts von dem verstanden, worüber ich geschrieben habe. Nichts ist "kindisch" am Fische fangen, Spaß haben, spielen und rausgehen. Auf ein Smartphone zu starren, seine Umwelt auszublenden und sich einzukapseln ist nicht "erwachsen". Was soll dieses vorurteilsbeladene Schubladen- und Scheuklappendenken?

    Es geht um die eigene innere Haltung und die eigenen kindlichen Strategien, denen man im Laufe der eigenen Entwicklungen entwachsen muss. Sich dabei die Hoffnung zu bewahren und sogar auszubauen, ist mir eine der wichtigsten Aufgaben. Als Kind bin ich auf die Fürsorge und das Wohlwollen anderer Menschen angewiesen, weil ich als Kind so manche komplexen Zusammenhänge zwar erfühlen, aber noch nicht "handeln" kann. Dazu fehlen einem Kind so oft Erfahrung und Wissen. Aus einem kindlichen "haben wollen" und "fühlen wollen" sollte sich im Laufe der Zeit ein "haben können" und "spüren können" entwickeln, das einem ermöglicht, die geeignete Zeit und den angemessenen Raum selbst zu gestalten, oder auch die Kraft und die Einsicht, "Nein" zu sagen, z.B. zu den Forderungen des Partners der TE, weil diese eben nicht "angemessen" sind.

    Es ist nichts "erwachsen" daran, einen Standpunkt zu finden und dann auf diesem zu verknöchern und abzustumpfen, nur um sich nicht mehr im Unrecht sehen zu müssen und um sich am eigenen "Schein" zu laben. Es geht darum, die Wahl zu haben, denn nicht immer greifen die kindlichen Strategien, nicht immer sind die kindlichen "Reflexe" die richtigen. Wenn das Gefühl der Angst in einer Beziehung auftaucht, ist manchmal nicht die Flucht "die erste Wahl", sondern das "aushalten" und "hinterfragen", oder eben ein "nimm die Beine in die Hand und lauf!". Es kommt darauf an und muss AUCH überlegt und nicht nur "empfunden" werden.

    Pullover mit Sprüchen darauf sind eine Sache und mögen von mir aus gerne aus Deiner Sicht zu den zivilisatorischen Glanzleistungen zählen, warum auch nicht? Warum soll nicht so die Freiheit im Denken und Handeln ihren Ausdruck finden? Aber um eine schmerzhafte und verfahrene Situation oder Beziehung zu "bereinigen", Fragen zu klären und den Dingen auf den Grund zu gehen, die wahren Motive ans Licht zu holen, reichen keine Kriegsspiele und Beatboxuntermalung. Manche Situationen im realen Leben sind nicht mehr mit einem "Ich muss jetzt nach Hause zum Abendessen" beendet.

    Was als Kind eine erfolgreiche Strategie war und das Überleben gesichert hat, kann als erwachsener Mensch kontraproduktiv werden, wenn man nicht zu erkennen vermag, welche Hintergründe und Gründe zu dieser Strategie geführt haben und wenn man noch immer nicht den Verstand benutzt, um zu erkennen, dass man viel mehr Alternativen zur Verfügung hat, als man im ersten Moment sehen kann und will.

    Sich Verständnis zu erhoffen, ist weder kindlich noch ehrenrührig, aber nicht zu erkennen, dass es auch andere Möglichkeiten und Wege gibt, als in einer fremdgesteuerten Abhängigkeit zu verharren, das ist für ein Kind zwar sehr verständlich, für einen Erwachsenen aber weniger zwingend.

    Als Kind scheitert man immer wieder am Offensichtlichen: den Erwachsenen, den Umständen, den Gegebenheiten, den Möglichkeiten, den Notwendigkeiten und die Grenzen werden von anderen gesteckt. Als Erwachsener kann ich daran mehr ändern, habe mehr Einfluss, mehr Verständnis und vielleicht auch mehr Mitgefühl und Kraft.

    Liebe Themenerstellerin (=TE), liebe NyanNyan. Erwachsen werden heißt niemals, auf die Seite "der grauen Menschen" zu wechseln und sich von allem zu verabschieden, was Seele und Kraft hat. Umarme so viele Bäume, wie Du magst, wirf Dich in jeden Tümpel, wenn Dir danach ist, fahre Achterbahn und habe wilden Sex, wann immer es Dir in den Sinn kommt.

    Aber erkenne an Deinen Gedanken auch, dass Du noch heute aus einer kindlichen Bedürftigkeit heraus agierst. Dein Partner macht Dir dies und das unmöglich, er schränkt Dich hier und dort ein? Warum? Warum musst Du das ertragen? Warum musst Du das so belassen? Deine Ängste vor Einsamkeit und Versagen sind nur Ängste?! Als Kind werden Ängste als manchmal viel zu real empfunden und man hört das Monster unter dem Bett schon fast atmen. Als Erwachsene kannst Du sehen, dass Angst nur ein Gefühl von vielen ist. Angst warnt Dich aufgrund Deiner gemachten Erfahrungen, aber Angst erschafft nur Realität, wenn Du dies zulässt. Deine Angst ist nicht größer als Du. Sie kann nur ein gewisses Ausmaß annehmen und mehr ist das nicht. Diese Erkenntnis und diese Erfahrung fehlt so manchem Kind, aber Du kannst diese Erfahrung als erwachsener Mensch machen, in dem Du Dich Deiner Angst stellst und Dich nicht mehr so sehr von diesem inneren Geschrei beeindrucken lässt.

    Kennst Du nicht auch die Erfahrung, dass Orte der Kindheit einem heute kleiner erscheinen? Die Häuser sind kleiner, die Plätze "übersichtlicher", Dein Blickwinkel ist ein anderer. So ist es auch mit den eigenen Gefühlen. Diesen erwachsenen Blickwinkel wünsche ich Dir. Dass Du nicht länger von Deinen Ängsten, Deiner Wut und Deiner Trauer treiben lassen musst und sie realer für Dich sind, als die Realität. Das meinte ich mit "heraus wachsen aus den Kinderschuhen". Es ist so wunderbar befreiend, Menschen ruhig und freundlich ins Gesicht lächeln zu können, bei denen Du gerade "in Ungnade fällst", ohne dass Du gleich Geschütze und Mauern aufrichten und Dich von Ihnen aufhalten lassen musst.

    Es ist eine Sache, in wilder Pipp-Langstrumpfmanier mit einem Grinsen den bösen Einbrechern im Ballon und in der Phantasie zu entkommen. Aber das eigene Leben zu verändern, die eigenen Strategien zu überdenken kann einer der vielen möglichen Schritte sein, um den eigenen Ängsten und Befürchtungen etwas Sinnvolles entgegen zu setzen: den eigenen Mut und die eigene Entschlossenheit. Nicht mehr nur getrieben von den Unfähigkeiten anderer, sondern geleitet von eigenen Entscheidungen.

    Erwachsen werden ist keine Abkehr und kein Abstand vom Zustand der Glückseligkeit (Welche Kindheit war schon glückselig?!), es ist ein "ganz werden", ein Weg, sich und andere zu finden und zu sehen und genau das vermag ein Kind noch nicht zu überschauen, bei dem es primär um "Haben" und "Wollen" geht. Ich wünsche Dir die Freiheit Deiner Entscheidungen und ein "kann", weil man auch immer wieder "muss".
    Geändert von GrayBear (27.02.2018 um 11:28 Uhr)


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