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Thema: SOS Papa

  1. #1
    lord
    Gast

    Standard SOS Papa

    Liebes Hilferuf-Forum,

    ich habe ein sehr großes Problem mit meinem Vater.

    Seitdem unsere Familie vor vielen Jahren auseinandergebrochen ist, hat sich mein Vater sehr verändert. Meine Mutter ist vor über 20 Jahren über Nacht abgehauen und hat meinen Vater mit 4 Kindern alleine gelassen. Dann hat er um das Sorgerecht gekämpft, dieses auch zugesprochen bekommen, aber dann sind all meine Geschwister ebenfalls (zu unserer Mutter) gegangen. Meine Mutter und Geschwister leben von uns ca. 450 km entfernt.

    Nach diesen Erfahrungen hat er sich wie gesagt sehr verändert, leider nicht in die positive Richtung. Mein Vater interessiert sich seitdem nur noch für Kinder!

    Er schaut regelmäßig Kinderserien und -Sendungen.
    Er hat seit einigen Jahren eine "Freundin", die gefühlte 40 Jahre jünger ist als er. Dann kommt es auch mal vor, dass er zweigleisig fährt oder mit anderen Kindern Kontakt hat. Er fährt zum Sport einer, lasst es eine Grundschülerin sein. Skyped vor meinen Augen mit einer 17jährigen, die im Ausland ist. Als ich einmal auf seine Arbeitsstelle kam, "erwischte" ich ihn, wie er mit einem anderen Mädel in einem dunklen Raum stand. Ich fühlte mich bei dem Anblick nicht wohl.

    Nein, sexuelles Interesse hat mein Vater an all diesen nicht! Sprich, er würde niemals etwas mit einer unter 18 machen. Dennoch habe ich große Angst, dass jemand sein Verhalten einmal falsch versteht und er Probleme bekommt.
    Ich spreche ihn auch schon oft auf diese Thematik an und versuche ihn zu einer Therapie zu überreden.
    Aber mein Vater hat keine Ahnung vom Thema Psyche. Ich muss mir dann auch folgendes anhören: "Du spinnst!", "Lass mich damit endlich in Ruhe!" oder ähnliches.

    Ich bin schon seit einiger Zeit der Meinung, dass mein Vater den Weggang meiner Mutter und seinen anderen Kindern nicht verkraftet hat und nun in anderen Kindern praktisch seine Kinder sucht.

    denn:

    Bevor besagtes passiert ist, hatte er nie Interesse an Kindern. Er war zweimal mit gleichaltrigen zusammen und verheiratet. Meine Mutter hat er abgöttisch geliebt.

    Als damals meine Mutter und meine Geschwister gegangen sind, brach er vor meinen Augen heulend zusammen.
    Ist es zwischen seiner "Freundin" und ihm aus, steht er ebenfalls vor einem Zusammenbruch. Einmal kam er heim und hang dann wie ein Häufchen Elend in seinem Regal. Ein anderes Mal schrieb er mir, wie schlecht es ihm doch geht, als zwischen den beiden "Schluss" war.

    (Im Grunde geht es ihm in diesem Fall auch schlecht, weil er dann noch einmal seine Kinder gehen sieht.)

    Immer wenn ich das Thema "Meine Mutter und Geschwister" anspreche, geht es ihm mit einmal sehr schlecht.
    Gerade vor wenigen Tagen, ich war bei meinen Geschwistern zu Besuch, schrieb er mir wieder, dass es ihm schlecht gehe und er einen "Virus" hat. Ich bin aber der Meinung, dass es sich bei seinem erklärten Virus nicht um diesen handelt, sondern psychosomatisch bedingt und ein Verweis auf die Erfahrungen damals ist. Gut möglich, dass mein Vater sogar traumatisiert ist.

    Das Verhalten meines Vaters wirkt auf mich suchtartig.

    Mein Vater hat starke Verhaltensauffälligkeiten.

    Seine vermeintliche Freundin hat mir einmal erzählt, dass ihr Vater ebenfalls abgehauen ist.

    Was kann ich nun noch tun?

    Mein Vater hat wie gesagt keine Ahnung vom Thema Psyche und ihm ist der Zusammenhang zwischen seinem Interesse an Kindern und den damaligen Vorfällen mit seine Ex und seinen anderen Kindern nicht bewusst.

    Ich habe Angst, dass irgendwann jemand sein Verhalten falsch versteht und er Probleme schlimmstenfalls mit der Polizei und dem Gesetz bekommt

    Wie lange braucht der Mensch eigentlich, bis sich das Unterbewusstsein bzw. derartige Vorfälle in das Bewusstsein drängen?

    Ich hoffe jeden Tag darauf, dass sich bei meinem Vater die Vorfälle von damals melden und sich somit das Interesse an Kindern wieder von alleine legt. Er hat vor den Vorfällen auch kein Interesse an Kindern gehabt.
    Geändert von lord (17.01.2018 um 20:59 Uhr)

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  3. #2
    Registriert Avatar von AutisticWulf
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    Standard AW: SOS Papa

    Guten Abend Lord


    Hier hast du es schon richtig erkannt und diesem würde ich auch beipflichten.
    Ich bin schon seit einiger Zeit der Meinung, dass mein Vater den Weggang meiner Mutter und seinen anderen Kindern nicht verkraftet hat und nun in anderen Kindern praktisch seine Kinder sucht.
    Nach deiner bisherigen Schilderung, ist diese Reaktion als Solches völlig " normal" und auch menschlich nachvollziehbar. Die Veränderung in seine Verhalten würde ich A) erstmal symbolisch sehen,für die Last die er durch dieses für ihn womöglich traumatische Erlebnis trägt und B) bleibt es doch kritisch, denn wie du richtig erkannt hast, könnten Außenstehende sein Verhalten völlig fehlinterpretieren & evtl Konflikte mit der Staatsgewalt sind das kleinste mögliche Übel. Denn mit seinem Verhalten kompensiert er offensichtlich den erlebten Verlust, welches ein Außenstehender so nicht sehen kann und wohl kaum einfach so Verständnis aufbringen würde.

    Rein hypothetisch, stehen wir bzw ihr vor einem etwas größeren Problem.


    Wenn es denn um eine Lösung gehen sollte, benötigen wir hier qualifiziertes Fachpersonal, welches nicht weniger schwierig zu finden wäre, wie auch einen Termin zu bekommen.
    Was aber auch nicht unmöglich wäre.
    ( Abgesehen von Fachärzten, gibt es auch noch vereinzelt sog "Sozial Betreuer", die sich tatsächlich mit solchen Umständen befassen. Dies wäre allerdings auch wieder eine Seltenheit, weil das eig Berufsbild doch ein klares ist. In diesem Fall könnte man es sogar auf freiwilliger Basis machen, nur um etwaige Kontakte herzustellen. Dies ist dann durchaus einfacher, weil man ohnehin ständig Berührung mit gewissen Themen hat und somit wesentlich souveräner auftritt. )

    Option 1.
    Man versucht das Ganze mit Hilfe eines Psychotherapeuten aufzuarbeiten.
    Pro
    + Es ist wesentlich einfacher sich mit einer fremden Person zu unterhalten, weil man zu dieser keinerlei emotionale Bindung hat.
    +Es könnte den Weg zur ersten Einsicht führen.
    Welche nicht zwangsläufig von selbst kommen muss.
    + Im besten Fall, würde man so auch Wege finden können, sein aktuelles Verhaltensmuster dennoch in eine positive Bahn zu lenken.
    ( dazu später mehr )

    Kontra
    - Der erste Schritt zu einem Therapeuten ist denkbar schwer.
    - Dein Vater hat sein Alter und stammt aus einer ganz anderen Generation.
    Aus klassischen Haltung des Mannes, ist es ein enormes Problem sich anderen Menschen gegenüber die Blöße zu geben / zu öffnen, seine etwaigen Probleme als solches auch einzugestehen und dieses dann auch anzugehen.
    Gerade emotionale Belange sind doch meist ein TABU, um es knallhart auszudrücken.
    - Es sind nur wenige Termine, die allerdings kaum raschen Einfluss auf seinen Alltag haben würden.
    Dies benötigt einfach eine gewisse Zeit, die der jeweilige Mensch für sich einfach braucht.
    - Auch wenn das Risiko eher gering ist, könnte man auch hier an die falsche Person geraten, die vorschnell verurteilt.
    *Soll jedoch kein Auschlusskriterium sein, denn es besteht immer noch die Möglichkeit einer Begleitung u.o. eines Vorgespräches ohne den Klienten.

    Option 2.

    Auch hierzu wird es sicherlich eine SHG ( Selbsthilfe Gruppe ) geben, wo verschiedene Menschen sich gegenseitig unterstützen und in welcher Form auch immer, helfend zur Seite stehen können.
    +Davon bin ich persönlich eher angetan, da man die Menschen nicht alleine nur während der Treffen begegnen kann und zudem auch noch Menschen auf Augenhöhe trifft.
    Der Unterschied lässt sich hier einfach nicht bestreiten, dass es eben doch eine gewaltigen Unterschied macht, ob ich nun mit einer mir nahe stehenden Person, einem Arzt oder eben "Gleichgesinnten" spreche.

    Option 3.
    Und hierzu tatsächlich das erwähnte "mehr".

    Eine weitere Möglichkeit wäre es das Verhalten deines Vater in eine positive Bahn zu lenken, aber zugleich auch sein Bedürfnis in der Vaterrolle aufzugehen zu befriedigen.
    Dies fiel mir jetzt ein, weil ich vor Jahren mal Berührung mit einem ähnlichen Fall hatte und damals entsprechend neugierig gewesen bin.
    Es bestehen zahlreiche Institutionen wo Kinder allen Alters , aufgrund verschiedenster Umstände leben.
    Neben staatlichen und kirchlichen Einrichtungen,gibt es auch einige private Träger. Bei letzterem hatte ich den erwähnten Kontakt.
    Der Fall war recht simpel, ein Kind wurde aus dem bestehendem familiärem Verhältnis genommen. Auf der anderen Seite gab es ein Ehepaar das selbst keine Kinder bekommen konnte, sich dennoch wünschte irgendwo auch Eltern sein zu dürfen. Das besagte Kind lebte zwar weiterhin unter staatlicher Obhut, doch sowie die übrigen Kinder zu festen Terminen in die Familien zurückkehren mussten, konnte besagtes Kind dann auch zu " einer Familie" gehen. Das Ganze hatte lange sehr gut funktioniert und wenn ich mich nicht täusche, haben das damalige Kind und das Ehepaar bis heute Kontakt.
    Dieses Beispiel liegt nun zwar auch schon einige Jahre zurück, doch gehört auch zu erwähnen dass besagter Junge heute selbst einen Familie gegründet hat und mitten im Leben steht.
    An diesem Beispiel erkennen wir nicht nur die bloße Notwendigkeit eines solchen Konzeptes, sondern auch dass dies eben zu Erfolg führen kann.

    Dies war allerdings bloß ein Beispiel und auch nur eine Idee.
    Tatsächlich gibt es hier unzählige Möglichkeiten und man sucht, auch wenn nicht unbedingt immer öffentlich, doch sehr nach helfenden Menschen.
    *(Lediglich meine persönliche Erfahrung und im Allgemeinen Meinung)
    Sind die Perspektiven für ehemalige Heimkinder nicht unbedingt rosig.



    Weiter zu dem gesundheitlichen Aspekt.
    Es gibt viele verschiedene Redewendungen und Sprichwörter - die berechtigt ein Körnchen Wahrheit enthalten.
    Als Beispiel , man sagt das Jemand "am gebrochenem Herzen verstarb". Abgesehen davon dass ich dies Beispiel einmal beobachten konnte, zeigt es uns doch stark, wir sehr unsere psychische Gesundheit mit der physischen Gesundheit zusammenhängen kann.
    In Fachkreisen sprechen wir von einer Psychosomatik. Kennt man als solches auch eher im Volkmund.
    Unterschätzt wird jedoch die Tragweite, die ein solches Leiden haben kann.
    Die möglichen Symptome und Reaktionen kennen hier keinerlei Grenzen .
    Dennoch bleibt die Entwicklung von Mensch zu Mensch zu unterschiedlich.
    Und obgleich die Ursprünge in der Psyche zu finden sein mögen,ist das Leid dennoch "echt" und sollte unbedingt wahrgenommen werden.

    Die menschliche Psyche ist durchaus recht komplex.
    Ein positiv Beispiel , welches der Allgemeinheit bekannt sein dürfte. Immer wieder kommt es vor, dass Eltern in entsprechenden Situationen enorme Fähigkeiten bzw übermenschliche Kräfte entwickeln können, nur eben um ihre Kinder zu schützen bzw zu retten oder eben um überhaupt zu ihnen zu gelangen.
    Sie überwinden teilweise Strecken in einer enormen Geschwindigkeit aber auch exakten Präzision, die unter normalen Umständen nicht möglich wären.

    Ebenfalls weis man als Profi / Extremsportler die Vorzüge der mentalen Stärke für sich zu nutzen.
    Allgemein auch im Kampfsport weis man, das eben 90% aller Konflikte, rein psychischer Natur sind und nur 10% tatsächlich auf Kontakt beruhen.
    Ähnliches können wir auch in der Natur beobachten.

    Einfach nur um den ganzen Punkt ,rund um die Psyche und seine Auswirkungen in jeder Form etwas versinnbildlich zu haben.
    Im Allgemeinen spricht im negativen Bezug eher "Spinnerei", was vollkommen üblich ist, doch wer befasst sich auch entsprechend mit Psychologie ? Wenn man dies nicht gerade zu seinem Beruf macht, gibt es kaum Anreiz sich damit näher zu befassen. Denn wie erwähnt, ist die gesamte Thematik doch extrem komplex.




    Um meiner Antwort aber auch noch etwas betonend Positives beizufügen.
    Auch wenn die Reaktion soweit noch verständlich und irgendwo "normal" ist, bleibt dennoch das eigtl Ausmaß schon groß. Da wird jedoch gerade der Zeitfaktor eine größere Rolle spielen.
    Soweit wie die Resultate des traumatischen Erlebnisses sein mögen, bleibt nicht weniger zu beachten, dass es eben genau dieses spezielle Verhalten deines Vaters doch davon zeugt, wie er zu seinen Kinder stehen dürfte.

    Ich möchte erst gar nicht in Frage stellen, in weit jeweilige Eltern zu ihren Kindern stehen.
    Der Punkt sind hier einfach die extremen Dimensionen.
    Die ist etwas unglaublich schönes und auch sehr bewundernswertes.
    Wenn man bedenkt, welche körperlichen und seelischen Folgen dieses Erlebnis für den Mann hatte....
    ...finde ich in Moment keine Worte um meine Vorstellung darüber zu auszudrücken, welch unbändige Liebe dahinter stecken muss.
    Etwas derartiges in einem positivem Aspekt, habe selbst ich noch nie erlebt....


    Und genau diesen Punkt, die alleinige Erkenntnis dessen kann man auch wieder nutzen, um das Erlebte auch besser zu verarbeiten.


    _______________________________________
    _______________________________________

    Dein Anliegen hat mich persönlich doch sehr ergriffen und ich hoffe, dass ich dir evtl mit den letzten Worten etwas Trost spenden konnte.
    Dies waren nun nur frei raus meine Gedanken und Idee.
    Aus menschlicher/persönlicher Sicht, sehe ich hier eine klare win-win Situation, die auch ein super schönes Ergebnis erzielen kann.
    Es gibt nichts was es nicht schon gab, auch wenn es vieles zur Seltenheit gehören mag.
    An dieser Stelle erstmal, wünsche ich Euch für die Zukunft alles Glück und auch alles Gute, damit Euch geholfen werden u.o. ihr sogar selber Helfer sein könnten.
    Geändert von AutisticWulf (17.01.2018 um 23:03 Uhr)
    Lauf nicht mehr ganz rund, benehm mich wie ein Hund.
    Ich nehm's mit Humor.... Es ist ein Hirntumor.

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