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Thema: Mein Vater, meine Ängste und ich

  1. #1
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    Standard Mein Vater, meine Ängste und ich

    Guten Abend zusammen :-)

    Der Text ist deutlich länger geworden als geplant. Sorry dafür!
    Aber ich habe all die Jahre vieles in mich hinein gefressen und Dinge hingenommen, weil ich es nicht besser wusste.
    Seit ein paar Monaten befasse ich mich aber immer intensiver mit mir, meiner Verganenheit und meinem Verhalten und heute habe ich einfach mal angefangen es mir von der Seele zu schreiben und dann wurde der Text eben ein bisschen länger.

    Ich habe ein sehr kompliziertes Verhältnis zu meinem Vater, das ich lange als solches hingenommen habe. Ich habe nie wirklich mit Freunden darüber gesprochen und auch nicht mit sonst jemandem aus der Familie.
    Das lag auch ein Stück weit daran, dass ich es nicht anders kannte und es lange für normal hielt. Bis ich älter war und angefangen habe Dinge aus einer anderen Sicht zu sehen, aber dann wollte ich das Fass auch nicht noch mal aufmachen und habe all meine Fragen einfach verschiegen und verdrängt. Bis mich letztes Jahr durch diverse Umstände die Vergangenheit wieder eingeholt hat und mir die ganzen Fragen wieder im Kopf herum schwirren.

    Aber ich fange mal ganz von vorne an:
    Meine Eltern waren noch relativ jung als sie mich bekommen haben (Anfang und Mitte 20), ich war auch nicht geplant und mein Vater wollte eh keine Kinder. Nun, es ist halt passiert...Aber ich habe das Gefühl, dass ich als kleines Kind immer schon gespürt habe, dass mein Vater mich eigentlich nicht wollte bzw. kein Familienleben wollte.
    Ich war immer schon ein Mama-Kind. Wenn meine Mutter weggefahren ist, auch nur für ein paar Stunden, habe ich immer geweint. Ich habe am Fenster gestanden und ihr nachgeschaut. Ich wollte nicht mit meinem Vater alleine bleiben. Er hat sich um mich gekümmert, mit mir gespielt und spazieren gegangen etc. aber er hatte auch nur sehr wenig Geduld mit mir und wurde dann auch schnell mal etwas ruppig (ich kann es heute noch nicht gut haben, wenn mich jemand verbal grob anfährt). Er war aber nicht gewalttätig oder sowas. Trotzdem hatte ich immer Angst, wenn meine Mutter weg war. Ich kann nicht genau sagen wovor, aber da wir immer eine Angst, irgendeine Art von Verlustangst, ohne dass ich sie genau benennen könnte oder erklären kann, woher sie kam. Auf meinen Vater habe ich mich schon als Kind nicht sehr eingelassen und keine tiefe Beziehung aufgebaut. Ich habe ihm nie etwas wichtiges, persönliches erzählt, sondern bin immer damit zu Mama gegangen. Ich weiß, dass er mich liebt, zumindest auf irgendeine Art und Weise. Aber er hat mir auch nie gesagt, dass er mich lieb hat oder seine Liebe durch kuscheln oder so gezeigt. Ich hatte keine schlechte Kindheit und doch ist da irgendwas was mich immer wieder verfolgt. Irgendein Gefühl, das überhört wurde, irgendeine Ablehnung, die ich gespürt habe und nicht überwunden habe.
    Als ich acht war, ist mein Vater eines nachts ausgezogen. Ohne Vorankündigung.
    Ich kann mich noch genau daran erinnern wie mein Vater mitten in der Nacht seinen Koffer am Fuß des Bettes gepackt hat und zum Bahnhof ist. Dann war er weg. Es kam wie gesagt ziemlich plötzlich und unerwartet und doch hat es mich gar nicht mal so sehr aus der Bahn geworfen.Es hatte sich für mich gar nicht so viel geändert, dadurch, dass ich eh nicht so eine enge bindung zu ihm hatte und er durch seine Arbeit auch oft unterwegs war, hatte ich mit seinem Weggang erstmal gar nicht so ein Problem. Ich habe nicht einmal geweint.Mein Vater hat nicht nur meine Mutter verlassen (er hat ihr bis heute nicht erklärt warum er gegangen ist), sondern mich auch. Er hat sich so gut wie nicht mehr blicken lassen, angerufen hat er auch nicht und ab und zu mal eine Postkarte geschickt. Später dann mal E-Mails als ich etwas älter war und 1-2 mal im Jahr gegenseitige Besuche und Kurztrips. Es war halt so. Und genau das macht mich im Nachhinein so stutzig, weil das bedeutet, dass die Abwesenheit und Desinteresse vorher schon groß genug gewesen sein muss, dass ich sie nach der Trennung nicht mehr als solche vernommen habe. Und doch hat es bei mir anscheindend im Unterbewusstsein irgendetwas ausgelöst.Ab dem Zeitpunkt gab es immer wieder Situationen in denen ich mit Ängsten, Depressionen usw zu kämpfen hatte. Mit 9 hatte ich Angst alleine in meinem Zimmer mitten in der Nacht zu sterben. Mit 13 hatte ich Panikattacken und habe nachts geheult wie ein kleines Kind, hatte Angst zur Schule zu gehen. Mit 15 habe mich stundenlang auf den Boden gesetzt, Musik gehört und geweint bis ich so starke Kopfschmerzen hatte, dass ich mich fast übergeben habe, bin in der Schule immer schlechter geworden, weil ich meine Hausaufgaben nicht mehr gemacht habe, habe mich geritzt um die Unruhen und Ängste zu ertragen. Meine Mutter wusste davon nichts.Sie hat gemerkt, dass etwas nicht stimmt, aber sie kam nicht mehr an mich ran, weil ich komplett dicht gemacht habe. Sie hat stattdessen meine SMS und mein Tagebuch gelesen, mein Vertrauen missbraucht und nur noch alles schlimmer gemacht. Ich weiß, dass sie hilflos war und es nicht besser wusste, heute kann ich das ein Stück weit verstehen, aber damals habe ich mich dadurch noch einsamer gefühlt und es hat nicht geholfen meine Ängste zu mindern. Oft hat meine Mutter, die mit ihren Nerven vermutlich einfach nur am Ende war, mich sogar angeschrien ich solle endlich aufhören zu weinen (ich habe ziemlich laut geheult) und gedroht, dass die Nachbarn sonst die Polizei rufen, was mir noch mehr Angst gemacht hat. Ich weiß noch wie die einen Nachbarn mich mal angesprochen haben warum ich denn so geweint hätte. Ich habe mich so geschämt und gemeint ich könne mich nicht mehr erinnern. Das war natürlich gelogen. Ich konnte mich noch gut an meine Heulattacke erinnern. Ich kann mich noch heute daran erinnern und manchmal würde ich gerne als erwachsenes-Ich zu meinem Teenie-Ich in der Zeit zurück gehen und mein Teenie-Ich umarmen und einfach nur festhalten. Mehr bräuchte es nicht, da bin ich mir sicher. Meine damaligen „Freunde“ haben auch nicht gerade gegen meine Ängste geholfen. Im Gegenteil durch Zickenkriege, Disserein usw. hatte ich sogar nur noch mehr Sorgen. Wir waren jung und dumm. Heute kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass ich damals schon unter Depressionen und Angststörungen gelitten habe. Aber damals wusste ich es nicht. Damals dachte ich es liegt einfach an der Pubertät und an meinen Streitereien mit Freunden und dass Familie eben doof ist. Heute weiß ich, dass es das alleine nicht gewesen sein kann. Das waren vielleicht die Auslöser, aber das eigentliche Problem liegt weiter zurück. Ich war in der Zeit oft alleine, wurde oft angelogen und habe mich teilweise abgestoßen gefühlt.

    Danach wurde es irgendwann besser. Meine Mutter hatte einen neuen Partner, der ihr gut tat, ich bin ins Ausland für eine Weile und danach auf eine neue Schule mit neuen Freunden. Das lief auch eine Weile gut. Dann bin ich ausgezogen und auf die Uni. Und da fing es dann wieder an. Ein bisschen anders und doch ähnlich. Es gab immer Diskussionen wann ich nach Hause kommen durfte in den Semesterferien. Während alle Eltern sich schon Wochen vorher freuten, wenn ihre Kinder in den Ferien zu Besuch kamen, war es bei meiner Mutter nur mit wochenlanger Vorankündigung, keine spontanen Besuche und bloß nicht zu lange. Zuhause haben wir uns nach spätestens vier Tagen gestritten, weil ich alles falsch gemacht habe, und wenn ich nur die Gabel in die falsche Schublade gelgt habe ist ein riesen Drama daraus geworden, sodass ich oft enttäuscht wieder abgereist bin und mich wieder ungewollt gefühtl habe.

    Als dann mein damaliger Freund, es war zwar nur eine kurze Beziehun, mit mir Schluss gemacht hat, um dann direkt einen Monat dananch mit seiner besten Freundin zusammen zu kommen, hat mein Selbstwertgefühl einen Knacks bekommen. Da mich davor auch schon 3 Typen nach mehreren Monaten Dating-Phase immer wenn es dann ernst geworden ist, links liegen lassen haben, war ich fest davon überzeugt, dass ich nicht gut genug bin, hässlich bin und ich habe von einem auf den anderen Tag angefangen zu Hungern und später sogar erbrochen, wenn ich zu viel gegessen hatte. Dass ich immer dünner wurde ist mehreren Leuten aufgefallen, aber es wurde dann meistens auf meinen hohen Sportanteil geschoben. Von den Essproblemen ging es dann in Magen-Darm-Beschwerden, in Rückenprobleme, in erneute Angststörungen, Panikattacken. Mein Selbstwertgefühl war komplett im Keller. Und obwohl ich mich Zuhause unerwünscht gefühlt habe, wollte ich nach Besuchen von Zuhause nicht mehr weg, habe geheult als ich zurück zur Uni musste. Und wieder habe ich den Ort gewechselt und es wurde besser als ich mit den falschen Freunden gebrochen habe und mir neue gesucht habe. Im Master lief es dann auch deutlcih besser und ich dachte, dass ich dieses Mal endgültig die Kurve bekommen würde. Mit meinem Vater habe ich seit ich studiere regelmäßgien E-Mail Kontakt, er ruft immer nochnicht an auchnicht an Geburtstagen oder Weihnachten und ich sehe ihn so 4-5 x im Jahr. Der Kontakt ist sehr oberflächlich. Meistens erzählt er viel von seiner Arbeit, seiner Freundin und seinen Urlauben. er fragt mich auch mal Sachen, aber es geht selten um persönliche Dinge. Ab und zu besuche ich ihn mal für 1-2 Wochen,aber auch da kommen wir nie auf eine emotional enge Ebene. Er wieß zum Beispiel nicht was ich für Hobbies habe, was mich persönlich gerade so beschäftigt oder ob ich in einer Beziehung bin. Letztes Jahr ist mein Opa (der Vater meines Vaters) gestorben. ich hatte zu ihm ein sehr enges Verhältnis, da ich als Kind fast jeden Tag dort war, wenn meine Eltern gearbeitet haben. Und nicht mal da hat mein Vater es geschafft mcih anzurufen. Papas Freundin hat mir eine Mail geschrieben, dass mein Opa gestorben ist. Bis zur Beerdigung hat mein Vater sich nicht einmal bei mir gemeldet und auch danach nicht einmal gefragt wie es mir geht. Nicht einmal per Mail. Aber seit dem Tod ist er jetzt öfter mal wieder in der Gegend um nach meiner Oma zu schauen, damit sie nicht alleine ist. Allerdings diskutiert er mehr mit ihr herum und glaubt mit allem im Recht zusein und zählt nicht auf die Meinungen anderer. Dass er dadurch nur Stress verursacht merkt er nicht oder es interessiert ihn nicht. Er micht sich auf einmal in das Leben anderer Leute ein, für die er sich all die Jahre nicht interessiert hat und merkt gar nicht was er damit anrichtet.Meine Oma weint ständig, wenn er da ist, weil sie so viel streiten und mir gaht es seit dem Sommer auch immer schlechter. Körperlich und seelisch. Ich bin deswegen irgendwann zum Arzt weil ich das mal wieder alles verdrängt habe, mich in Parties und Alkohol geflüchtet habe und schließlich einen Nervenzusammenbruch gefolgt von einem körperlichen Zusammenbruch hatte.
    Man sagte mir, dass ich Depressionen habe. Ich leide zur Zeit immer noch unter Panikattacken, Unruhen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Verspannungen.Hier bin ich nun und versuche das alles zu begreifen, zu verarbeiten und daran zu arbeiten, dass es in Zukunft besser wird. Ich will meine Vergangenheit endlich loslassen. Ich sehne mich nach innerem Frieden und vielleicht auch danach einfach ein bisschen geliebt zu werden (das klingt jetzt vielleicht irgendwie blöd, aber so ist es).

    Ich weiß nur nicht wie ich endgültig die Ängste bezwingen kann, damit sie nicht immer wieder kehren und ich weiß auch nicht wie ich mit meinem Vater umgehen soll? In mir ist so viel angestaute Wut und irgendwie auch so viel Chaos in meinem Kopf. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass das alles zusammen hängt und irgenwie alles miteinander zu tun hat und doch bekomme ich die Puzzle-Teile nicht zusammen...
    Wenn jemand tatsächlich das alles bis zum Schluss gelesen hat, dann vielen Dank für dein offenes Ohr und vielleicht hast du ja einen Rat wie ich dieses Chaos ein bisschen geordnet bekomme.

    Liebe Grüße
    Herzens-Tanz

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  3. #2
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    Standard AW: Mein Vater, meine Ängste und ich

    Hallo HerzensTanz,

    zu aller erst muss ich dir sagen, dass es mir leid tut, dass du so leidest.
    Ich kann natürlich nichts an deiner Situation ändern und ich verstehe auch zu wenig von Depressionen und Angststörungen, als dass ich dir dazu irgendeinen Rat geben könnte.

    Anscheinend haben deine Probleme ja schon ziemlich früh angefangen und es hat sich mit der Zeit nur immer weiter verschlimmert. Gerade deswegen kann ich dir nur raten, dir professionelle Hilfe zu suchen und zu einem Therapeuten zu gehen, der solche Probleme kennt und dir vielleicht zeigen kann, wie du damit umgehen kannst. Ich glaube, dass du da einiges aufzuarbeiten hast.

    Ich hoffe, meine Nachricht hat dir trotzdem ein wenig geholfen!

    Liebe Grüße
    Danielle97

  4. Für den Beitrag dankt: Herzens-Tanz

  5. #3
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    Standard AW: Mein Vater, meine Ängste und ich

    Hi. Ich will dir nur sagen, dass ich deinen Text gelesen habe. Tut mir sehr Leid für dich, dass du so einen herzlosen Vater hast und so eine schwere Kindheit hattest. Umso beachtlicher sind deine Erfolge im Studium. Ich wünsch dir alles Gute für deine Zukunft.
    Liebe Grüße, Tim

  6. Für den Beitrag dankt: Herzens-Tanz

  7. #4
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    Standard AW: Mein Vater, meine Ängste und ich

    Hallo,

    vielen Dank, dass ihr meinen Text gelesen habt und auch geantwortet habt. Das macht Mut und gibt einem auch das Gefühl gehört zu werden. Danke!
    Ich hatte schon ein bisschen Sorgen, dass er zu lang geworden ist und ihn deswegen keiner lesen würde.

    Ja, derzeit warte ich noch auf einen Therapieplatz. Ist ja ein bekanntes Problem...Ich bin trotzdem nicht ganz untätig, ich überbrücke die Wartezeit mit Seelsorge-Gesprächen jeglicher Art (Telefon, persönliche Gespräche und hier das Forum zähle ich auch ein Stück dazu) und befasse mich mit diversen Selbstheilungsprozessen mit Hilfe von Büchern (nicht alle sind gut). Das hilft auch schon mal ein Stück weiter.

    Also, vielen Dank noch mal an euch!

  8. #5
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    Standard AW: Mein Vater, meine Ängste und ich

    Hallo Herzens-Tanz,
    ich beabsichtige ein Buch über deine und andere Probleme zu schreiben und würde gerne Kontakt mit dir aufnehmen um mehr zu erfahren. Ist das für dich ok?
    Gruß, Karl 123

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