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Thema: Antriebsmangel oder keine Selbstdisziplin

  1. #1
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    Standard Antriebsmangel oder keine Selbstdisziplin

    Hallo,

    ich ärgere mich, weil ich so viele Dinge nicht tue oder aufschiebe, die nützlich wären, und die ich eigentlich auch tun will, oder wo ich zumindest einsehe, dass sie notwendig sind. Beispiele sind alle möglichen Aufräum- und Putzarbeiten, regelmäßige Entspannungsübungen, Spaziergänge (Rausgehen, auch für Ausflüge) oder generell Bewegung und selbst Körperhygiene.

    Entweder vergesse ich einfach, es zu tun, denke gar nicht daran, obwohl ich es mir vorgenommen habe, oder wenn ich mir Pläne mache oder To-Do-Listen, sodass ich es nicht vergesse, dann mache ich es trotzdem nicht.

    Irgendwas in mir wehrt sich dann und sagt "nee, ich will nicht!", und meine Vernunftseite kommt nicht dagegen an. Als würden zwei Teile meines Gehirns miteinander kämpfen. Vielleicht ist es auch ein "ich will nicht mehr".

    Es kommt mir vor wie ein Konflikt zwischen "elterlicher" Vernunft und "kindlicher" Autonomie. Ein Schuss Faulheit könnte auch noch dabei sein.

    Ich hab mich gefragt, warum das bei mir so extrem ist. Es könnte sein, dass ich eine Überdosis Anforderungen im Leben bisher abbekommen habe, und erst jetzt dagegen rebelliere, weil mir das alles erst jetzt klar wird.
    Ich war im ganzen Leben immer mit Anforderungen konfrontiert, die ich eigentlich nicht erfüllen konnte (chronische Überforderung), aber ich habe nie so offensichtlich versagt, dass man nichts mehr von mir verlangt hätte, bzw. ich habe bei den wesentlichen Dinge nicht versagt, sondern bei anderen, wo niemand dachte, dass das überhaupt eine Anforderung ist. Das heißt, ich konnte viel kaschieren. Ich habe mich angepasst und versucht, alle Anforderungen von außen zu erfüllen. Was ich selber will hat dabei nie eine große Rolle gespielt, und die meiste Zeit wusste ich nicht einmal, was ich selber will.

    Heute ist es immer noch so, dass ich Anforderungen von außen erfülle. Ich funktioniere am Arbeitsplatz, und immer, wenn ich mit Menschen zu tun habe, mache ich, was ich denke, was erwartet wird. Da habe ich das Disziplinproblem nicht.

    Meine eigenen Anforderungen sind die einzigen, die ich ohne Probleme ablehnen kann. Wenn ich mir also sage, ich sollte jetzt dies oder jenes machen, dann ist es relativ leicht, "nein" zu sagen. Wenn aber mein Chef sagt, ich soll dies oder jenes am Arbeitsplatz machen, dann ist Neinsagen schwerer möglich und in der Regel auch nicht unbedingt klug. Deshalb tritt meine Verweigerungshaltung zu Hause am deutlichsten zu Tage. Bis hin zu dem, dass ich Tage nur auf dem Sofa verbringe, ohne etwas zu tun. Am liebsten würde ich nur essen, schlafen oder mich von Medien berieseln lassen, Hauptsache passiv. Künstliches Koma wäre auch okay.


    Nur: wie komme ich jetzt da raus? Nur weil ich das kognitiv durchschaue (oder glaube es zu durchschauen), ändert sich trotzdem nichts an meinem Verhalten.

    Gibt es Tricks (rein technisch), wie man mehr Selbstdisziplin und Antrieb bekommt, Dinge regelmäßig zu machen, die man machen möchte oder muss? Oder muss man eher die Verweigerungshaltung irgendwie auflösen?

    Entspannungsübungen sind z.B. etwas, was ich schon gerne machen würde, die aber auch insofern anstrengend sind, als dass man regelmäßig Zeit dafür einräumen muss. Speziell geht es jetzt um Achtsamkeitsübungen, diese brauchen auch Konzentration und zeigen keinen direkten Erfolg (man fühlt sich nicht unbedingt sofort entspannter, sondern die Wirkung kommt erst durch die regelmäßigen Übungen mit der Zeit).
    Putzen und Aufräumen ist dagegen etwas, was ich nicht gerne mache, aber da sehe ich zumindest, dass ich hinterher stolz auf mich bin und mich wohler fühle, wenn es erledigt ist. Eine aufgeräumte Wohnung ist definitiv besser als eine chaotische. Blöd nur, dass wenige Tage später alles wieder von vorn losgeht. Mit Putzen ist man ja nie fertig, das ist der ewige Kreislauf.

    Vor allem fehlt mir immer der letzte Kick, mich in Bewegung zu setzen. Alles andere kann ich durch To-Do-Listen und Pläne regeln, aber der beste Plan nutzt nichts, wenn man den Hintern nicht hochbekommt. Das "nein!" ist schon ziemlich vehement, da komme ich mit Logik und Motivationssprüchen nicht dagegen an.

    Depressiv bin ich nicht im eigentlichen Sinn (laut Arzt), aber die fehlende Selbstachtung durch die Passivität macht mich depressiv.

    Vielleicht kennt das jemand in ähnlicher Weise von sich?

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  3. #2
    Sackflöhe
    Gast

    Standard AW: Antriebsmangel oder keine Selbstdisziplin

    "Was ich selber will hat dabei nie eine große Rolle gespielt". Bei genauerer Betrachtung vermute ich, dass diese Aussage nicht haltbar ist. Dadurch dass du Anforderungen von Außen erfüllst, bekommst du positives soziales Feedback. Ich vermute, dass du positives soziales Feedback willst (Toleriert sein, gelobt werden), und kein negatives Feedback (Kritisiert werden, abgestraft werden, bloßgestellt werden). Durch das gute Funktionieren sicherst du deine soziale (und sicher auch materielle) Situation ab. Und das dürfte dir wichtig sein.

    Ansonsten finde ich die Abwesenheit von Putzwut kein schweres menschliches Vergehen. Da etwas hinterherzuhinken würde ich mir selber nie ankreiden. Man putzt doch mehr oder weniger automatisch soviel, dass man sich nicht unwohl fühlt. Es ist ja auch fad, die stoffliche Welt strebt immer von selber der Unordnung entgegen, immer dieses Dagenhalten, das mache ich pflichtschuldig, wenn ich es mache geht es mir natürlich auch besser, weil es sauber ist, und ich aktiv war.

    Ich habe eher den Eindruck, dass dir ein dir gemäßes Hobby oder eine Leidenschaft gut tun würde.

    Sich Selbstkasteiung und Disziplin auferlegen mag zwar dem Masochisten als Selbstzweck ausreichen, aber ich kenne aus meinem Leben Sachen, die mich ziehen. Wenn ich denen nicht nachgehe, dann fange ich an zu leiden. Dann muß ich wieder raus in die Natur und aktiv sein, erforschen, wandern, dann bin ich in meinem Element.

    Sich irgendwas wesensfremdes aufzuerlegen scheint mir für mich selber schlicht hoffnungslos, aber auch mehr oder minder nutzlos. Nicht zuletzt ist das Leben kurz, warum soll ich mich mit irgendwelchem faden Mist beschäftigen und ein Meister der Disziplin und Bußübungen werden? Werde ich nie, das versuche ich nicht.
    Geändert von Sackflöhe (30.07.2017 um 19:58 Uhr)

  4. #3
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    Standard AW: Antriebsmangel oder keine Selbstdisziplin

    Zitat Zitat von Sackflöhe Beitrag anzeigen
    "Was ich selber will hat dabei nie eine große Rolle gespielt". Bei genauerer Betrachtung vermute ich, dass diese Aussage nicht haltbar ist. Dadurch dass du Anforderungen von Außen erfüllst, bekommst du positives soziales Feedback. Ich vermute, dass du positives soziales Feedback willst (Toleriert sein, gelobt werden), und kein negatives Feedback (Kritisiert werden, abgestraft werden, bloßgestellt werden). Durch das gute Funktionieren sicherst du deine soziale (und sicher auch materielle) Situation ab. Und das dürfte dir wichtig sein.
    Stimmt. Positives Feedback ist mir wichtig, und auch, einen Job zu haben und dadurch materiell abgesichert zu sein.
    Dann müsste man vielleicht sagen, es spielte keine Rolle, was mir Spaß macht?

    Man putzt doch mehr oder weniger automatisch soviel, dass man sich nicht unwohl fühlt.
    Ich nicht. Wenn ich mir keine Haushaltshilfe organisiert hätte, wäre die Wohnung ziemlich verkommen. Es gibt bestimmte Dinge, die ich nie mache (Fenster putzen, Staub wischen, Boden putzen), und Aufräumen ist auch nicht meine Stärke (Unordnung schaffen kann ich dagegen sehr gut).

    Es ist ja auch fad, die stoffliche Welt strebt immer von selber der Unordnung entgegen, immer dieses Dagenhalten, das mache ich pflichtschuldig, wenn ich es mache geht es mir natürlich auch besser, weil es sauber ist, und ich aktiv war.
    Yoh. Komisch ist, dass die Natur nie unordentlich aussieht, finde ich jedenfalls.

    Ich habe eher den Eindruck, dass dir ein dir gemäßes Hobby oder eine Leidenschaft gut tun würde.
    Das dachte ich auch schon. Könnte ein ganz wichtiger Punkt sein. Aber dazu fehlt mir auch die Idee und der Antrieb. Es fällt mir derzeit nichts ein, was mich so reizt, dass ich die Passivität dafür freiwillig aufgeben würde. Werde aber weiter darüber nachdenken.

    Sich Selbstkasteiung und Disziplin auferlegen mag zwar dem Masochisten als Selbstzweck ausreichen, aber ich kenne aus meinem Leben Sachen, die mich ziehen. Wenn ich denen nicht nachgehe, dann fange ich an zu leiden. Dann muß ich wieder raus in die Natur und aktiv sein, erforschen, wandern, dann bin ich in meinem Element.
    Das hätte ich auch gern. In der Natur bin ich auch gerne, immer wenn ich draußen bin, macht es mir Spaß. Aber bis ich draußen bin...

    Sich irgendwas wesensfremdes aufzuerlegen scheint mir für mich selber schlicht hoffnungslos, aber auch mehr oder minder nutzlos. Nicht zuletzt ist das Leben kurz, warum soll ich mich mit irgendwelchem faden Mist beschäftigen und ein Meister der Disziplin und Bußübungen werden? Werde ich nie, das versuche ich nicht.
    Wenn es aber nützlich wäre? Wie z.B. die Entspannungsübungen? Geht das denn, dass man immer nur nach dem Lustprinzip lebt?

  5. #4
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    Standard AW: Antriebsmangel oder keine Selbstdisziplin

    Hallo Tamiko,

    einleitend möchte ich einen Reim voranstellen, den ich von meiner Mutter kenne:
    "Schmerzt Dich in tiefster Brust
    das herbe Wort: 'Du mußt.',
    dann macht Dich ein's nur still,
    das stolze Wort: 'ich will.'."

    Auch ich bin kein "Durchreißer", aber es gibt eben Dinge, die gemacht werden müssen und die mir auch niemand abnimmt - der Alltag eben. Mit den Jahren habe ich mir eine Haltung zugelegt etwa in dem Sinne: "ich mache das für mich." Da steckt ein ganz wichtiger Wert dahinter, die Selbstachtung. Das Wichtigste in meinem Leben bin ich selbst, denn ohne mich gibt es mein Leben nicht.

    Vlt. kannst Du Dir auch so eine Selbstachtung aufbauen. Anerkennung von außen ist Dir vmtl. zu wichtig. Sicher ist es angenehm, von anderen geachtet und geschätzt zu werden, das kenne ich auch. Doch solltest Du Dich auch selbst schätzen (lernen). Dein Stolz auf erledigte Putzarbeiten ist da schon ein Anfang. Nun mußt Du nur noch den Weg finden hin zu dem Bedürfnis: 'mehr davon', mehr Stolz auf mehr eigene Erfolge. Wenn Du diesen Weg konsequent verfolgst, wirst Du irgendwann kopfschüttelnd diesen Thread lesen und sagen: das bin doch nicht ich..l

    Alles Gute
    Geändert von Einhorn_das_echte (30.07.2017 um 22:17 Uhr)
    "Daß mir der Hund das Liebste sei, sagst du, o Mensch, sei Sünde?
    Der Hund blieb mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde." (Franz von Assisi)

    "Lächeln ist die netteste Art die Zähne zu zeigen." (mein Zahnarzt)

    "Das Talent tut, was es kann. Das Genie tut, was es muß." (Konfuzius)

  6. #5
    Sackflöhe
    Gast

    Standard AW: Antriebsmangel oder keine Selbstdisziplin

    Vielleicht kannst du erreichen, dir auch an der Arbeit eine Berücksichtigung persönlicher Bedürfnisse anzumelden und Beachtung damit zu finden. Oder mal einen Vorschlag zur Prozessverbesserung durchsetzen.

    Es ist und kann nur so sein, dass der Mensch irgendwo zwischen Fremdbestimmung und Selbstbestimmung eine Balance hat. In der Arbeit ist der Anteil der Fremdbestimmung sehr hoch.

    Im Privatleben gibt es immer noch eine Menge Fremdbestimmung, aber der Anteil an Selbstbestimmtheit steigt.

    Lustprinzip, den Begriff müsste man erstmal definieren.

    Du gehst ja schaffen, das heißt du bringst dich ein, und erntest dann die Früchte deiner Arbeit (Gehalt, in irgendeinem Umfang Erfolgserlebnis). So ist es doch immer. Um Lust zu ernten, muss man regelmäßig in den meisten Fällen etwas investieren.

    Wenn Leute erzählen, dass sie nach der Arbeit auf dem Sofa hängen und in die Glotze gaffen, dann ist mein erster Gedanke: Nach der Konzentration der Arbeit braucht man mal eine Zeit, wo das Gehirn sich von diesem Leistungsdruck erholt, und eben nur noch konsumiert, sich berieseln läßt und abschaltet. Das ist völlig legitim.

    Problematisch finde ich es, wenn jemand nach der Arbeit tagein tagaus dermaßen groggy ist, dass er gar kein Leben mehr hat, außer zu vegetieren essen, fernsehglotzen, und sich dann im Schlaf wieder fit zu machen für den Arbeitstag.

    Da kommt der Verdacht auf, man sollte mal einen Tag weniger in der Woche machen, oder keine Überstunden mehr machen. Dass für das Eigenleben noch Kraft im Körper/Geist ist.

    Fenster hab ich in meiner Wohnung auch noch nie geputzt, was für ein Blödsinn. Aber Boden wischen muss ich ca. monatlich, sonst graut mir davor, denn ich gehe bestimmt einmal die Woche mit den Straßenschuhen durch die Wohnung. Und auch sonst tritt sich zuviel fest.

    Ja die belebte Natur ist schon ordentlich Eine wohnung ist auch, einmal aufgeräumt, ordentlich. Unordentlich wirds erst, wenn ein Mensch in ihr lebt.

    Wenn du doch von den Entspannungsübungen profitierst, dann verstehe ich auch, wenn man sie macht. Im Idealfall merkt der Mensch auch ein bisschen, was er braucht, und macht das. Also wenn ich was aufschiebe, ist das für mich ein Indiz, dass es mir sooo sehr auch nicht nützt, evtl.

    Wenn du dich nach der Arbeit zur Ruhe legst, halte ich das wie gesagt für mich ein Zeichen, dass dein Körper/Geist das braucht, kein Problem in sich selbst. Wie gesagt vielleicht eher, dass man zu leergepumpt vom Job ist.

    Natürlich kann Faulheit eine Rolle spielen, aber noch mehr Gewohnheit! Es ist ja kaum vorstellbar was man sich alles durch Gewohnheit an- und abgewöhnen kann.

    An deiner Stelle würde ich mal versuchen was in der Natur zu machen. Bike, Boot, Klettern, Zelten, Angeln. Je nach Bedarf eben in der Gruppe. Manche haben vielleicht Spaß an anderen Sachen, Tanzen, Theater, keine Ahnung, Gärterei, Kunst.
    Geändert von Sackflöhe (30.07.2017 um 23:40 Uhr)

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