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Thema: Alkimutter, Drogen und die Suche nach dem Sinn des Lebens

  1. #1
    Gast
    Gast

    Standard Alkimutter, Drogen und die Suche nach dem Sinn des Lebens

    Hallo,

    ich bin grade wieder mal an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem mir alles sinnlos erscheint und ich habe mich dazu entschlossen hier mein Herz auszuschütten.

    Ich erzähle hier mal ein bisschen was über mich; es könnte etwas länger werden, daher freue ich mich über jeden, der meine Geschichte liest, vielleicht geht es euch ja ähnlich. Ich bin weiblich, 23 Jahre jung und mache zur Zeit eine Ausbildung.
    Seitdem ich mit Ende siebzehn von Zuhause raus bin und mit meiner besten Freundin zusammenzog, ist mein Leben zu einer Berg- und Talfahrt geworden, obwohl es das eigentlich schon immer war.

    Meine Mutter habe ich früher immer als liebste Mutter der Welt wahrgenommen, bis sie irgendwann anfing zu trinken. Ich glaube es hat begonnen als ich in die Grundschule gekommen bin. Bis dahin hatte ich eine tolle Kindheit. Sie hat immer versucht gut für uns zu sorgen, hatte es aber bei weitem nicht leicht. Sie, meine etwas ältere Schwester und ich hatten zwar nicht viel Geld, jedoch einen tollen Garten hinter unserer kleinen Wohnung und Nachbarn mit Hunden. Und wir hatten uns. Jedes zweite Wochenende war ich bei meinem Vater und wir haben die tollsten Sachen unternommen. Mein Dad war jedoch schon immer sehr aufbrausend und aggressiv, wenn er wütend wurde, was leicht passierte. Ich musste mich immer von ihm anschreien lassen, denn wenn ich etwas sagte wurde er nur noch lauter und teilweise auch gewalttätig. Ich habe ihn trotzdem sehr geliebt und tue es auch immernoch. Aber durch sein Verhalten mir gegenüber verfestigte sich der Glaube, meine Meinung sei es nicht gehört und ich es nicht Wert geliebt zu werden. Noch heute habe ich massive Probleme mit meinem Selbstwertgefühl. Mein Vater hatte zwischenzeitig eine Art Puff mit Massagen und hatte so stinkviel Geld, wovon er uns so gut wie nichts abgegeben hat. Wir mussten sehen wie wir über die Runden bekommen.

    Ich glaube ich war ungefähr 7 als meine Mom begann meine Schwester und mich alleine Zuhause zu lassen und in der Kneippe um die Ecke saufen zu gehen. Diese Zeit meines Lebens ist stark von Erinnerungslücken unterbrochen und es fällt mir schwer sie zeitlich zu begrenzen. Ich weis gar nicht mehr genau wie alles angefangen hat und das Ganze ist quasi wie eine Kloß von Erinnerungen zusammengewachsen. Ich habe oft gedacht, sie sei tot, denn anders konnte ich mir nicht erklären, warum sie nicht da war. Anfangs haben wir natürlich immer noch unseren Dad angerufen, der immer sehr wütend wurde, wenn er von den jüngsten Aktivitäten meiner Mutter erfuhr. Manchmal hat er uns abgeholt aber er war damals leider auch nicht der zuverlässigste Mensch. Manchmal ist auch der Freund von meiner Mutter gekommen, den wir über den Tod nicht ausstehen konnten, weil er auch gesoffen hat und einfach ein widerlicher Mensch ist.
    Irgendwann wussten wir natürlich wo Mama war und haben immer schon in der Kneippe geguckt, wenn sie nicht nach hause gekommen ist oder irgendwann in der Nacht einfach weg war. Wenn wir sie dann komplett aus dem Leben geschossen an der Theke haben sitzen sehen, waren wir unglaublich erleichtert. Wir sind dann in die Kneippe rein und haben versucht sie zu überreden mit uns nach Hause zu kommen. Manchmal haben wir es geschafft. Es hat unglaublich lange gedauert den kurzen Weg nach Hause zu gehen, weil sie nicht mehr laufen konnte und ständig umgefallen ist. Niemand hat uns geholfen.
    Es gab immer mal Zeiten, wo diese Szenarien oft vorgekommen sind. Aber auch mal Zeiten wo sie es geschafft hat nichts zu trinken. Im Laufe der Zeit ist es oft vorgekommen, dass sie sich bei ihren Sauftouren verletzt hat. Sie ist ja wie gesagt oft gestürzt und einige Male vom Auto angefahren wurden. Einmal stand der Rettungswagen bei uns vor der Tür als wir von der Schule gekommen sind. Mama wurde grade mit der Trage in den RTW geschoben. In der Wohnung waren überall blutige Fingerabdrücke und an der Heizung war auch sehr viel Blut. Sie muss wohl irgendwie gestützt sein. Ich habs dann erstmal weggeputzt. Das war so ziemlich das schlimmste was ich bis dahin gefühlt hatte. Aber wenigstens wusste ich da wo sie ist und dass sie lebt. Die beste Freundin von meiner Mutter hat mir immer versucht einzureden, dass ich daran Schuld sei, dass Mama säuft, weil ich ja so ein schlimmes Kind sei. Das macht mich heute noch wahnsinnig wütend.

    Ich war früher ein sehr temperamentvoller Mensch. Meine Schwester würde mich als Problemkind bezeichnen, denn ich war auch ihr gegenüber meistens keine gute Schwester. Wir haben uns viel gestritten und meine Mutter konnte da auch nichts machen. Bei ihr gab es nie so etwas wie konsequente Erziehung oder Erziehung allgemein. Ich durfte machen was ich wollte und bin dann auch mit fünfzehn an die "falschen Leute" geraten, von denen ich heute noch einige zu meinen besten Freunden zähle. Ich habe angefangen zu kiffen, bin an die falschen! Männer geraten, usw.

    Ich glaube ich könnte es als Wunder bezeichnen, dass ich mit 16 erstmal für ein Jahr nach Amerika abgehauen bin. Ich habe das alles selber organisiert und geregelt, weil ich einfach weg wollte. Ich hatte auch dort eine turbulente Zeit und habe auch viel Scheiße gebaut aber ich habe mich zum ersten mal richtig verliebt und ich denke, wenn ich hier geblieben wäre, wäre alles noch viel Schlimmer geworden.

    Als ich wiederkam hat sich nichts verändert zwischen der Beziehung zwischen mir und meiner Familie. Ich habe nur noch bei meiner besten Freundin gepennt und war da sowas wie ein Familienmitglied. Wir sind dann wie gesagt zusammengezogen und die heftigste Zeit meines Lebens begann.

    Wir hatten unglaublich viel Spaß, haben viele Drogen genommen, haben die Schule geschwänzt und einfach unser Leben gefeiert. Unsere WG wurde sowas wie der HotSpot wo sich alle versammelten. Es war eine schöne Zeit und ich habe meine Freunde als meine Familie wahrgenommen. Ich bin irgendwann ausgezogen und habe aufgehört zu kiffen, weil es mir meine sämtliche Lebensenergie aussaugt. Leider habe ich es nur ein Jahr geschafft und mittlerweile kiffe ich wieder super viel und nehme auch jeden Wochenende Drogen. Der Witz dabei ist, dass ich grade einen Einsatz in der Psychatrie habe und mich so oft frage, ob ich nicht selbst dahin gehöre. Ich schwänze wieder oft die Arbeit und denke auch nicht, dass ich die Ausbildung packe. Ich glaube auch mittlerweile von meinen Freunden nicht mehr, dass sie meine Familie sind. Ich fühle mich sehr allein und weis nicht wo ich hingehöre. Ich würde gerne aufhören zu kiffen, doch ich schaffe es nicht. Es hat mich im Bann.

    Manchmal würde ich gerne die Ausbildung abbrechen und meine ganzen Sachen verkaufen und einfach nach Südamerika gehen. Reisen und die Welt sehen, herausfinden wer ich bin und was ich vom Leben möchte. Doch das letzte Mal als ich ein Jahr ins Ausland wollte habe ich es nach drei Monaten nicht mehr ausgehalten und bin zurück nach Hause zu meinem Freund gefahren. Mittlerweile sind wir aber auch nicht mehr zusammen.



    Okay das reicht auch, ich habe einfach mal meinen Gefühlen freien Lauf gelassen und alles rausgelassen.
    Vielleicht hat ja jemand einen schlauen Rat für mich.
    Vielen Dank fürs lesen und Liebe Grüße

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  3. #2
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    Standard AW: Alkimutter, Drogen und die Suche nach dem Sinn des Lebens

    Hallo Gast,

    was hast Du denn zu verkaufen, und welchen Wert soll das haben?
    Stell Dir das nicht so leicht vor...
    schnell mal ab ---> nach Südamerika und dann ist alles gut.

    Deine Probleme nimmst Du überall hin mit, das kannst Du glauben.
    Mit dem Kiffen...
    Natürlich kannst Du Dich einschränken und Dich hauptsächlich noch in Deine Ausbildung knieen, sie fertig bringen und dabei gelegentlich noch mal kiffen. Als Belohnung könnte man sowas einrichten. Im Vordergrund würde für mich die Ausbildung stehen. Die kann Dir keiner mehr nehmen.

    Was ist denn ansonsten der Weg...
    Du müsstest wohl wieder - nach einiger "Zeit" - bei Null anfangen.

    Und gerade jetzt, wo Du eh niemanden mehr hast, den so so richtig toll findest, Dich die Leut eher nerven und enttäuschen....

    Du wirst Dich mehr mögen, wenn Du Deine Ausbildung durchziehst und in der Tasche hast.

    Komm, hau Dich rein, sei es Dir wert.
    Alles Gute
    Sprächen die Menschen nur von Dingen, von denen sie etwas verstehen, die Stille wäre unerträglich.

  4. #3
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    Standard AW: Alkimutter, Drogen und die Suche nach dem Sinn des Lebens

    Lieber Gast,

    ganz ohne Ironie: Du bist ein klasse Typ.

    Es ist ein Wunder, wie Du alles so gut überstanden hast. Meine Vermutung: Deine Mutter hat es vor oder trotz ihrer Alkoholprobleme noch geschafft, Dir sehr viel Liebe zu geben. 1.000 Dank an Deine Mutter.
    Nur sich selbst helfen, das hat Deine Mutter nicht mehr geschafft.

    Aber Du kannst es schaffen.... Liebe als wichtigstes Werkzeug hast Du ja schon.

    Liebe zu Dir, dass Du von Abhängigkeiten alle Art frei kommst, vor allem von Drogen, solltest Du haben.
    Diese Selbstliebe kannst Du in das Bild eines Dich liebenden Vaters packen, den Du nicht ausreichend hattest.

    Stell Dir vor, Du seiest der liebende Vater. Was würdest Du Dir - als Sohn - dann sagen? Vielleicht sowas:

    "Hey, Sohn, ich liebe Dich. Ich möchte nicht, dass Dich die Drogen kaputt machen. Komm' und lass uns gemeinsam etwas dagegen unternehmen."

    Diesen Vater, der Dich liebt, den gibt es tatsächlich. Er ist für uns nicht greifbar. Trotzdem ist Er da. Die Liebe ist auch nicht greifbar. Und sie ist doch trotzdem da. Er hat uns Seine Liebe gegeben. Wir müssen nur etwas Gutes daraus machen, für uns und für andere.

    Und was ist mit dem Sinn des Lebens? Ich habe es für mich so gemacht: Ich habe IHN gefragt. Da hat Er geantwortet:

    Mach Deinen Job für heute. "Tue das, was ich von Dir erwarte. Liebe Deinen Nächsten und Dich auch. Ich helfe Dir sogar dabei. Danach wirst Du vielleicht verstehen. "

    Und am nächsten Tag fragte ich wieder:
    Seine Antwort war: "Tue das, was ich von Dir erwarte. Liebe Deinen Nächsten und Dich auch. Ich helfe Dir sogar dabei. Danach wirst Du vielleicht verstehen. "

    So ging es alle Tage. Inzwischen habe ich es begriffen. Es hat nur etwas gedauert. Bin halt nicht der Schnellste.

    LG, Nordrheiner

  5. #4
    Gast
    Gast

    Standard AW: Alkimutter, Drogen und die Suche nach dem Sinn des Lebens

    Zitat Zitat von Nordrheiner Beitrag anzeigen
    So ging es alle Tage. Inzwischen habe ich es begriffen. Es hat nur etwas gedauert. Bin halt nicht der Schnellste.

    LG, Nordrheiner
    Du bist mehr der fromme Apostel?
    Was öffnet die Türen zur Erkenntnis.
    Der Zugang zum unsichtbaren, zur Freiheit, zur Liebe, zu Gott und allem was das Menschliche Herz bewegt, beginnt nirgendwo anders , als im Herzen selbst.
    Nur dem, der es wagt die sicheren Gefilde zu verlassen, nur dann wird es sein, das er findet, was der Kopf im verwerte, aber das Herz immer suchte.
    Und was man da findet als Kostbarkeit zu erkennen, das bleibt jedem selbst überlassen.
    Freiheit ist mehr als ein Wort, weil grad Zwänge fordern das besonders Menschliche im Menschen heraus.
    Freiheit ist ein konkreter Lebensvollzug, kein Trieb, der sich von selbst einstellt.

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