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Thema: Migrationshintergrund = Freikarte für Demütigungen ?

  1. #1
    Gast
    Gast

    Standard Migrationshintergrund = Freikarte für Demütigungen ?

    Es ist immer die gleiche Leier. Jung, kriminell und mit Migrationshintergrund.
    Man hat schon oft Reportagen darüber gesehen auf ZDF, 3sat und dergleichen. Vom Vater emotional vernachlässigt und gleichzeitig unter Druck gesetzt oder zu viel beschützt, in der Schule versagt, kein Job, keine Perspektive. Und irgendwo zwischendrin der Pakt mit den Nachbarschaftsjungs, den “grossen Brüdern“, die einem “Respekt“ , Geld und Drogen versprechen und einen auf die kriminelle Laufbahn drängen. Die Unfähigkeit solchen Angeboten ein “nein entgegenzusetzen“. Auch meine beiden Brüdern passen in dieses Schema, in das sie niemals hineinrutschen hätten sollen.

    Sie fingen an bereits mit 13 Jahren zu rebellieren. Der Jüngere machte dem Älteren letztendlich alles nach. Betrug, Einbruch, Internetkriminalitaet, Missbrauch von Drogen, Erpressungen usw. Bekannt bei der Polizei. Immer wieder erstaunt es, dass sie glauben nicht erwischt zu werden. Aber sie wurden erwischt. Etliche Male. Und wie hätte es anders kommen sollen? Sie landen im Knast. Die Schuldfrage zu diskutieren bringt nichts. Beide hatten wohl emotionale Traumata, wenig Beachtung oder wurden schlichtweg in ihren jungen Jahren so sehr verhätschelt, dass sie sich nie um etwas bemühen mussten. Sie wussten bzw. wissen nicht, was es heisst um Erfolg, Anerkennung und auch Selbstachtung kämpfen zu müssen. Sich anstrengen zu müssen. Sie kennen nur die Schnellstrasse zum Geld durch Kriminalitaet. Und wozu das Ganze? Um sich schicke Klamotten und Drogen zu kaufen und so anerkannt zu werden.
    Unzählige Demütigungen, Scham, Trauer und Wut haben sie über unsere Familie gebracht. Wollten sie sich rächen? Ich weiss es nicht. Ich konnte nie eine richtige Beziehung oder Kommunikation zu meinen Brüdern aufbauen. So sehr ich es auch wollte und versucht habe. Es bricht mir das Herz. Ich liebe sie, aber sie verletzen sich selbst und alle um sie herum. Am meisten jedoch bedauere ich meine Eltern. Polizeibesuche, wo unsere Freunde zu besuch waren, vererbter Schmuck geklaut und verkauft, von dem einen Sohn, den sie monatelang durch einen Krankenhausaufenthalt wegen Diabetes begleitet haben, übelst beschimpft und hintergangen, vor den Grosseltern, Freunden und Nachbarn blossgestellt. Der andere Sohn gaukelt ständig etwas vor, Süßholzraspeln ohne Ende und bekommt dann hart erarbeitetes Geld, was sie für Müll ausgeben. Sie wurden zu sehr verwöhnt und ohne die -richtige- Disziplin gross. Meine Eltern sind nur noch eine leere Huelle.

    Nach den ersten Verhaftungen haben sie meine Brüder noch im Gefängnis besucht, keine Kosten für Anwälte gescheut, den Versprechungen meiner Brüder geglaubt. Sie haben tatsächlich geglaubt, dass die rauskommen, sich einen Job und eine Wohnung suchen. Nichts. Wie denn auch mit voll beschriebenen Führungszeugnissen. Ich habe geholfen, Bewerbungen für sie geschrieben, mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Es gab kleine Lichtblicke, aber alles war wieder für die Katz’ weil sie es nicht lassen konnten. Sie verfielen in die alten Muster und kamen wieder hinter Gittern.

    Könnt Ihr euch vorstellen wie erniedrigend das ist? Mehr für meine Eltern als für irgendjemand anderen. Ständig die Furcht, dass wieder etwas passiert, dass die Polizei kommt, von denen man sich dann auch noch rassistische Ansagen anhören darf ( “Geh’ doch in dein Land zurück, wenn dir hier nicht passt“ Meine Eltern haben nicht 30 Jahre hier geackert und brav Steuern gezahlt und sind wählen gegangen, um dann das Land zu verlassen! Auch sie haben als normale Bürger den Anspruch darauf, sich beschweren zu dürfen über Dinge die ihnen nicht “passen“), dass der Ruf meiner Brüder Geschäfte vermasselt. Mein Vater ist seit wenigen Jahren arbeitslos. Arbeitgeber stellen Nachforschungen an, wobei dann auch die Familienrekorde unter Augenschein kommen..Staendig wurde auf dem Stolz meiner Eltern rumgetrampelt. Sie haben all das nicht verdient. Sie sind beide depressiv. Meine Mutter beschäftigt sich noch irgendwie, um sich abzulenken. Mein Vater geht kaum noch raus. Schaut nur noch fern - soziale Phobie. Er ist ständig besorgt wegen irgendetwas. Auch meine Eltern hatten keine leichte Kindheit, sie hatten ihre Päckchen zu tragen, kamen dann auch noch in ein fremdes Land und mussten sich zurechtfinden. Mit Museengaengen, Ausgehen, auch mal Dates zu zweit zu haben, Hobbies, Veranstaltungen besuchen usw hatten sie nichts am Hut. Auch wegen der sozialen Phobie meines Vaters aber auch weil es für sie eine andere Welt ist. Sie sind eher pragmatisch. Menschen, die glücklich sind wenn sie ein Haus und ihren eigenen Garten haben koennen. Aber nicht mal das kam nicht zustande. Erspartes ist Dank meiner Brüder weg und Geld ist ein nicht unwichtiger Faktor. Die Trauer über alles was passiert ist ist zu gross. Wir reden nicht mehr darüber aber sie verschwinden nicht - all die schlimmen Erinnerungen. Ich gehe daran langsam zu Grunde. Ich wollte immer ein Lichtblick für meine Eltern sein und war die “Vorzeigetochter“, immer mit Bestnoten, bestem Abschluss und gutem Job, sogar mehrjährigen Auslandsaufenthalten. Ich hatte mir alles hart, sehr hart erarbeitet. Nur ich weiss, was ich durchgemacht habe. Aber ich wollte als erstes immer meine Eltern stolz machen.

    Jetzt, wo ich aus dem Ausland zurück bin, merke ich. Es war für nichts. Ich sehe immer noch wie sie meinen Brüdern hinterhertrauern. Natürlich sind sie wohl erleichtert, dass ich mich durchschlage. Aber die Trauer ueberwiegt. Wieso überwiegt nicht die Freude? Stattdessen wollen sie, dass ich in Deutschland bleibe. Aber nichts hält mich hier. Ich wünschte meine Eltern würden auch gehen. Meine Brüder hinter sich lassen, so dass diese mal auf die Nase fallen und ihren Ueberlebensinstinkt aktivieren und sich mal einen Job suchen. Es wurde ja nichts unversucht gelassen..Theraphie, Betreuungen, Massnahmen…alles.
    Ich kann nachts kaum schlafen. Immer diese Minderwertigkeitskomplexe, all die Trauer die meine Eltern ertragen muessen. All das sauge ich in mich hinein und in mir entsteht ein schwarzes Loch. Depression. Ich kann es im Zaum halten. Noch. Ich habe wenigstens die Möglichkeit allem zu entfliehen, damit ich nicht mitgezogen werde in diesen Abgrund. Aber meine Eltern nicht. Und jedes Mal wenn ich zu Besuch bin werde ich erdrueckt.

    Wir wollten nie diesem Klischeebild von Migranten entsprechen. Ich schon gar nicht. Aber nun sind wir genau das, was in den Medien ständig porträtiert wird…Meine Eltern leben nur noch so vor sich hin und ich fühle mich machtlos. Wie lässt sich dieser graue Schleier über unserem Leben liften?

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  3. #2
    GrayBear
    Gast

    Standard AW: Migrationshintergrund = Freikarte für Demütigungen ?

    Hallo Gast-Schreiberin,


    ja, da bleibt einem nur noch der Mund offen stehen und die gut gemeinten Ratschläge im Hals stecken. Vergiss über diesen ganzen Ungerechtigkeiten nicht, dass auch Du ein Leben haben darfst.

    Alles Gute und viel Kraft wünsche ich Dir und euch.

  4. Für den Beitrag dankt: das Gefühl

  5. #3
    Gast
    Gast

    Standard AW: Migrationshintergrund = Freikarte für Demütigungen ?

    Zitat Zitat von GrayBear Beitrag anzeigen
    Hallo Gast-Schreiberin,


    ja, da bleibt einem nur noch der Mund offen stehen und die gut gemeinten Ratschläge im Hals stecken. Vergiss über diesen ganzen Ungerechtigkeiten nicht, dass auch Du ein Leben haben darfst.

    Alles Gute und viel Kraft wünsche ich Dir und euch.
    Danke Dir ! Es hilf es niedergeschrieben zu haben. Ich bemühe mich weiterhin!

  6. #4
    Registriert Avatar von das Gefühl
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    Standard AW: Migrationshintergrund = Freikarte für Demütigungen ?

    Hallo,

    gerade habe ich ein wenig gesucht. Es gibt wohl so Beratungsstellen (psychologische Hilfe) für Migranten aus den verschiedensten Ursprungsländern, die auch bei Stress und Familienproblemen helfen. Die Adressen gibt es bei der Caritas (mal googeln). Vielleicht ist das eine Hilfestellung für Dich oder Deine Eltern. Die kennen sich bestimmt aus.
    Es gibt auch so Sozialprojekte für junge Männer, die straffällig geworden sind. Gestern lief eine eineinhalbstündige Doku "Der Zorn junger Männer". Vielleicht hilft Dir das einen Schritt weiter. Wer weiß?

    Liebe Grüße

  7. #5
    Gast
    Gast

    Standard AW: Migrationshintergrund = Freikarte für Demütigungen ?

    Jeder hat sein Leben und jeder muss wissen was er tut.
    Deine Brüder haben sich so entschieden...sie hätten sich anders entscheiden können...haben sie aber nicht getan.

    Du hast dich anders entschieden. Es ist ihre Sache was sie mit ihrem Leben anstellen und es ist deine Sache, was du mit deinem Leben anstellst.

    Ich verstehe, das du emotional verbunden ist. Aber es ist ihre Sache und du hast damit nichts zu tun.

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