Hallo, ich bin fast 30, steige jetzt erst beruflich ein und bin privat auch net weit gekommen.

Seit ich klein war, hatte ich Reisefieber, aber es hieß immer, wir fahren nur zur Familie nach Amerika. Dort gab es nie viel und ich konnte wenige andere Orte sehen. Sprachen habe ich auch immer geliebt.

Gegen Abizeit wollte ich von zu Hause weg. Es war nicht schlimm zu Hause, aber mir fiel die Decke auf den Kopf. Ich weiß nicht, ob's am Lernen lag oder durch die Jahre kam, in denen ich die meiste Zeit nicht raus durfte, weil Geld fehlte oder meine Familie besorgt war oder oder oder.

Jetzt mache ich einen Job, der mir nicht gefällt. Ich steige langsam ein, aber dieser Job ist bekannt für den Stress. Mit den paar Stunden bin ich schon bedient und wenn ich mal nichts zu tun habe, bin ich zu Hause wie jetzt am PC. Ich habe Freizeitgruppen, aber keine richtigen Hobbys und Freunde. Beruflich kommt auch nicht viel, schätze ich. Denn ich habe Berufsangst und scheinbar Lernprobleme, die mich wieder einholen könnten, wenn ich studiere oder eine Ausbildung mache. Talente habe ich auch nicht gerade viele. Ist alles ne lange Geschichte, aber Motivation und Druck sind quasi die Hauptthemen.

Jetzt, wo mich nichts mehr richtig begeistert oder motiviert, geistert mir die Idee einer Weltreise durch den Kopf.

Damals zur Abizeit meinte mein Vater, ich würde mit dem Reisen nur weglaufen. Das Gefühl habe ich jetzt auch. Ich war auch mal alleine reisen, ohne Familie. Das war super, aber ich konnte mich am Ende auch nicht so sehr für das Sightseeing begeistern. Fotos mache ich schon lange nicht mehr. Leute lernt man schwer kennen und ich bin zwar offener gegenüber neuen Kontakten geworden, aber jedes Mal die Frage nach dem Beruf zieht mich runter.

Natürlich ist auch das Geld eine Frage. Ich habe viel zusammen gespart, aber ich würde ein schlechtes Gewissen kriegen, weil das meiste von Behörden zur Unterstützung kam und ich es noch nicht zurückzahlen konnte.

Eine andere Veränderung gibt es bei mir im Moment nicht. Die Lebensziele und -etappen, die man hat, habe ich nicht. Studienabschluss ja, Job ja, aber ich bin ansonsten "gescheitert". Mir fehlt zu vielem die Motivation, obwohl ich über einige Mittel verfüge. Aber ich will momentan entweder nichts an meiner Situation ändern oder eben komplett raus aus dem System, weil ich hier nicht hinein passe. Auswandern in ein "einfacheres" Leben klang immer schon besser.