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Thema: Absolut verzweifelt...

  1. #1
    Gast
    Gast

    Standard Absolut verzweifelt...

    Hi.
    Ich bin Stundentin, 21 Jahre alt. Ich mache seit einigen Monaten endlich Psychotherapie, obwohl ich es wohl schon so ab 14 nötig gehabt hätte. Ich habe Tage zwischen den Sitzungen, indenen es mir wieder so richtig dreckig geht. Die Therapie habe ich begonnen, weil ich, seitdem ich 14 bin, regelmäßig Selbsthass und Selbstmordgedanken habe. Meine Mutter ist ein Messie und ich habe als älteres Kind/ Jugendliche immer vor anderen Leuten versucht dies geheim zu halten und bin deswegen ziemlich isoliert aufgewachsen. Ab der 9. bis zur 13. Klasse wurde ich dann auch noch gemobbt. Die Mobbingattacken wurden über die Zeit heftiger, bezogen sich hauptsächlich auf meine (guten) Noten und naja, wie gesagt, ich habe mich aufgrund von zu Hause selbst zum Außenseiter degradiert.
    Jetzt studiere ich Medizin. Ich bin von zu Hause weg, habe einige nette Leute gefunden, werde auch nicht mehr gemobbt. Trozdem: meine jahrelang aufrechterhaltenen negativen Gedanken, die um Selbstzweifel, -hass, -mordgedanken kreisen sind nicht weggegangen und weiterhin ein Teil von mir. Ich halte mich für ziemlich unfähig, weiß auch immer noch nicht, wie ich z.B. mein Abi so gut hinbekommen habe. Um ehrlich zu sein, fühle ich mich wie ein absoluter Verlierer. Ich traue mir selbst so wenig zu, ich weiß nicht, ob ich später die Verantwortung für mehrere Menschen übernehmen kann und ob ich ihnen wirklich helfen kann, wenn ich mir selbst doch manchmal nicht helfen kann. Ich habe mir gesagt, wenn ich Ärztin werde, dann möchte ich eine gute Ärztin werden, denn die Menschen sollen sich auf mich verlassen können. Ich lerne auch viel und gebe mir Mühe, aber es ist auch wirklich schwer. Heute nagen mich meine Selbstzweifel wieder so sehr auf, dass ich mir für diesen Beruf und um ehrlich zu sein, gerade für jeden anderen Beruf für absolut unfähig halte! Weil ich mich gerade als absolut dumm betrachte. Ich weiß überhaupt nicht, ob das, was ich hier so darlege, einen Sinn ergibt, aber so sieht's gerade in meinem Kopf aus. Ich hasse mich dafür, dass ich mal wieder in so einen negativen Gedankenstrudel abgedriftet bin. Diese Nacht konnte ich auch nicht schlafen und hab vor dem Schlafen geweint und jetzt habe ich auch Tränen in den Augen. Ich fühle mich ziemlich einsam und hätte gern jemanden zum Reden. Jemanden, den ich nicht kurz in der Uni im Praktikum sehe, sondern jemanden, den ich privat treffen kann und dem ich mein Herz ausschütten kann. Aber so jemanden gibt es nicht. Und ich fühle mich in letzter Zeit nur noch so unendlich leer, wenn ich alleine bin. Ich habe das Gefühl, ich bedeute niemandem etwas. Meine Familie ist total auseinandergerissen, meine Eltern leben wegen meinem kleinen Bruder zwar noch zusammen, hassen sich aber schon seit Jahren, zoffen sich nur und sind beide mit ihrem Leben super unglücklich und mein Vater hat mir auch schon öfter mitgeteilt, dass er " nicht mehr kann", "kein Bock mehr auf alles hat", sich freut, wenn " bald alles zu Ende ist" und damit meint er sich selbst und sein Leben. Ich weiß, dass ich mich nicht durch meine Eltern definieren soll, aber irgendwie fühle ich mich, als würde ich nirgendwo hingehören. Richtige Freunde habe ich auch nicht, Freundschaften aus der Schule gab es nicht und die Leute hier sind halt meine Kommilitonen und keine Freunde, die man schon mehrere Jahre kennt und liebt und sich ihnen anvertrauen kann. Dabei wünschte ich mir so sehr eine Vertrauensperson, da ich gerne Halt hätte, einen Sinn in meinem Dasein sehen würde. Ich kann mir momentan selbst weder Halt noch Sinn geben. Und heute möchte ich einfach lieber sterben, weil mir alles so umheimlich egal und gleichgültig vorkommt. Weil ich nicht an mich glaube. Weil ich noch nie an mich geglaubt habe. Weil ich nicht daran glaube, dass ich hier auf der Welt meinen Platz finde. Wo ich endlich glücklich bin und nicht des öfteren Angst, Zweifel, Traurigkeit empfinde. Es ist so egal, ob ich lebe oder, ob ich nicht lebe. Und für mich ist es auch egal. Freitag schreibe ich eine Klausur, hab die letzten Wochen fleißig dafür gelernt und sollte jetzt auch weitermachen, aber ich bin grad nicht in der Lage, weil ich nicht sehe, dass dies für mich Bedeutung hat, da ich ja wieder mit dem Gedanken spiele, mir einfach etwas anzutun, da ich das Gefühl habe, dass alles egal ist. Dass ich egal bin. Überflüssig. Nicht zu gebrauchen. Nicht intelligent genug. Nicht gut genug. Nichts wert. Vollkommen untalentiert. Nicht liebenswürdig/ interessat genug, als, dass mir jemand groß Beachtung schenken würde. Ich hätte gerne "ein zu Hause", " eine Familie", richtige Freunde, eine Beziehung.... Ich hab nichts davon. Klar: ich hab ein super Studium, wovon so einige träumen, tolle Berufsperspektiven, nette Kommilitonen, keine Leute mehr in meinem unmittelbaren Umfeld, die mich mobben/ auslachen. Vielleicht bin ich auch deswegen gerade hier und jetzt an dieser Stelle zu verachten, weil ich es nicht schätze. Aber es ist mir gerade einfach total egal. Ich glaube nicht an mich. Ich bin zu sehr davon überzeugt, dass ich dumm und minderwertig bin. Ich will weinen und mich verstecken. Ich bin schlimmer als ein kleines Kind. Ich bin schrecklich. Tut mir leid, dass ich so etwas schreibe. Ich schäme mich für meine Gedanken, aber ich weiß nicht, wohin damit und hab die Hoffnung, dass mich hier vielleicht irgendjemand wenigstens ein kleines Bisschen versteht....

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  3. #2
    Registriert Avatar von Werner
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    Standard AW: Absolut verzweifelt...

    Hallo Gast,
    ich denke, du kannst eine sehr gute Ärztin werden,
    weil du von dir selber weißt, wie es sich anfühlt,
    wenn man verzweifelt ist und nicht weiter weiß.
    Diese Fähigkeit fehlt nach meiner Beobachtung so
    manchem in diesem Beruf, du bringst sie mit.

    Vielleicht kannst du deine eigenen Bemühungen um
    geistige Klarheit als einen (außeruniversitären) Teil
    deines Studiums sehen? Der Sinn könnte tatsächlich
    im Leiden selbst liegen und für das Erreichen deines
    Ziels (im Rückblick erst, leider) sehr wertvoll sein.

    Da du auch über Schlaflosigkeit und Suizidgedanken
    schreibst, wollte ich dich noch auf die Möglichkeit
    hinweisen, dass du dir (über die Jahre?) einen Zink-
    mangel geholt hast - der könnte auch für die Inten-
    sität deiner Selbstzweifel und Gedankenkreise ver-
    antwortlich sein, da ohne ausreichend Zink unser
    Hirn nicht gut funktioniert (ich weiß nicht, ob ihr
    das Thema Mineralstoffe schon behandelt habt).
    Hier kompakte und praxisnahe Infos zum Thema
    inkl. Test: Informationen zum Mineralstoff Zink

    Was den gewünschte Gesprächspartner betrifft ist
    das tatsächlich nicht so einfach, denn die gibt es
    leider nicht zu bestellen. Vielleicht magst du neben
    der Therapie noch mit jemand anderem reden, evtl.
    von der Studentischen Seelsorge?
    ESG Hamburg

    Oder du schreibst einfach hier ein bisschen weiter,
    das könnte auch hilfreich sein und dir helfen, die
    Zeit, bis du jemand im Reallife gefunden hast, zu
    überbrücken.

    Alles Gute!
    Werner

  4. #3
    Gast
    Gast

    Standard AW: Absolut verzweifelt...

    Danke, Werner.

  5. #4
    Gast
    Gast

    Standard AW: Absolut verzweifelt...

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Hi.
    Ich bin Stundentin, 21 Jahre alt. Ich mache seit einigen Monaten endlich Psychotherapie,
    In dieser Zeit baut man erst mal Vertrauen auf, nähert sich einander an.

    Dein Leid geht über zehn Jahre. Da soll das in einigen Monaten Psychotherapie gegessen sein?

    Gib dir Zeit. Du musst eine neue Perspektive finden, deine Werte werden sich verändern, die Einstellung zu dir selbst.



    Trozdem: meine jahrelang aufrechterhaltenen negativen Gedanken, die um Selbstzweifel, -hass, -mordgedanken kreisen sind nicht weggegangen und weiterhin ein Teil von mir.
    Nicht ein Teil von dir, aber ein Teil deines Gehirns.

    All die negativen Erfahrungen haben tiefe Bahnen in deine Gedankenautobahn gegraben. Und die läuft dein Gehirn immer wieder ab. Ein kleiner Anlass, der dir nicht einmal bewusst sein muss und das Gehirn spielt diese Platte ab.

    Nur über neue Erfahrungen wirst du neue Bahnen anlegen. Das dauert nicht nur seine Zeit, bis die stabil und tief genug sind, die alten Bahnen sind weiterhin vorhanden und es wird immer wieder passieren, dass dein Gehirn diese Gedanken abruft.

    Das bist aber nicht du. Das ist nur eine Platte, die abgespielt wird.

    So hat mir meine Therapeutin das erklärt.



    Um ehrlich zu sein, fühle ich mich wie ein absoluter Verlierer. Ich traue mir selbst so wenig zu, ich weiß nicht, ob ich später die Verantwortung für mehrere Menschen übernehmen kann und ob ich ihnen wirklich helfen kann, wenn ich mir selbst doch manchmal nicht helfen kann.
    Mir geht es ganz genauso. Ich arbeite im sozialen Bereich und frage mich auch oft, wie will ich anderen helfen, wenn ich mir selbst nicht helfen kann?

    Aber es besteht ein Unterschied zwischen dem eigenen Leben und dem anderer Menschen und oftmals helfe ich mir selbst, indem ich anderen helfe. Das macht mich bescheiden und demütig und ich habe viel Respekt vor meinen Klienten. Darum vertrauen sie mir. Und darum kann ich auch Menschen helfen, die sonst in unserer technisierten Welt verloren sind.



    Ich habe mir gesagt, wenn ich Ärztin werde, dann möchte ich eine gute Ärztin werden, denn die Menschen sollen sich auf mich verlassen können.
    Was ist für dich deine gute Ärztin?

    Wenn man sich auf dich verlassen können sollen, heißt das, du willst immer dein Bestes geben. Und mehr wirst du nicht tun können.

    Mach dich jetzt damit vertraut, dass du Fehler machen wirst und in diesem Beruf können Fehler dazu führen, dass Menschen sterben oder dass sie wenigstens ein schweres Leid zurückbehalten.

    Die Zahl der Fehldiagnosen steigt. Und die Zahl der Patienten, die aus dem System fallen und denen nicht geholfen wird, weil sie keine der Wald- und Wiesenkrankheiten haben, nimmt dramatisch zu. Es gibt in Deutschland EIN (in Zahlen 1) Institut, das sich mit solchen hoffnungslosen Fällen beschäftigt und diese Ärzte machen das in ihrer Freizeit.

    Aus dir wird keine gleichgültige Ärztin werden. Das kannst du mit deinem Gewissen nicht vereinbaren.




    Ich weiß überhaupt nicht, ob das, was ich hier so darlege, einen Sinn ergibt, aber so sieht's gerade in meinem Kopf aus.
    Die Gedanken könnten aus meinem Kopf sein :-).

    Vielen Menschen geht es so.



    Ich hasse mich dafür, dass ich mal wieder in so einen negativen Gedankenstrudel abgedriftet bin.
    Es gibt Übungen, mit denen man diesen Gedanken Einhalt gebieten kann. Ich suche dir die Bücher mal raus. Sind total einfache Übungen.



    Ich fühle mich ziemlich einsam und hätte gern jemanden zum Reden.
    Mal daran gedacht, in einem Altenheim ehrenamtlich zu arbeiten? Die alten Leute haben selbst Traumaerfahrung, die haben ja alle den Krieg erlebt. Du kommst mit Menschen zusammen, deren Lebenserfahrung unschätzbar ist. Das könnte ein fruchtbarer Austausch sein.


    Ich kann mir momentan selbst weder Halt noch Sinn geben.
    Dann wärst du als angehende Ärztin in einem Hospiz ganz wunderbar aufgehoben. Da gibt es ganz viele Menschen, die deinem Leben einen Sinn geben können :-)



    Weil ich noch nie an mich geglaubt habe. Weil ich nicht daran glaube, dass ich hier auf der Welt meinen Platz finde.
    DEN Platz gibt es nicht. Das ändert sich immer wieder. Wenn man mal 60 oder 70 ist, darf man sicher ankommen, aber vorher?

    Der Weg ist das Ziel. Du wirst viele Erfahrungen im Laufe deines Lebens machen, solange du eben auf dem Weg bist. Und nur so kannst du wachsen, dich entwickeln, dich verändern. Und du willst dich ja verändern. Du willst diese Gedanken loslassen.



    Wo ich endlich glücklich bin und nicht des öfteren Angst, Zweifel, Traurigkeit empfinde.
    Aus eigener Erfahrung sage ich dir, dass das lange dauern kann. Jahrzehnte. Aber wenn man dann für einen Moment glücklich ist, war es den ganzen langen, beschwerlichen Weg wert.


    Es ist so egal, ob ich lebe oder, ob ich nicht lebe. Und für mich ist es auch egal. Freitag schreibe ich eine Klausur, hab die letzten Wochen fleißig dafür gelernt und sollte jetzt auch weitermachen, aber ich bin grad nicht in der Lage, weil ich nicht sehe, dass dies für mich Bedeutung hat, da ich ja wieder mit dem Gedanken spiele, mir einfach etwas anzutun, da ich das Gefühl habe, dass alles egal ist. Dass ich egal bin. Überflüssig. Nicht zu gebrauchen. Nicht intelligent genug. Nicht gut genug. Nichts wert. Vollkommen untalentiert. Nicht liebenswürdig/ interessat genug, als, dass mir jemand groß Beachtung schenken würde.
    Und das bist nicht du. Das sind irgendwelche Nervenbahnen in deinem Gehirn.

    Darunter bist du eine ganz liebenswerte, wundervolle Frau, die es verdient hat, dass man um sie kämpft. Dass du um sie kämpfst.


    Ich schäme mich für meine Gedanken, aber ich weiß nicht, wohin damit und hab die Hoffnung, dass mich hier vielleicht irgendjemand wenigstens ein kleines Bisschen versteht....
    Du hast genau das Richtige gemacht, darüber geschrieben. Diese Gedanken brauchen ein Ventil. Die wollen ausgesprochen werden, dann verlieren sie ihre Macht.

    Ganz, ganz viele Menschen hier können dich super gut verstehen! Sie denken und fühlen wie du und kämpfen den gleichen Kampf!

    Magst du dich anmelden? Ich würde mich gerne mit dir per PN austauschen.

  6. #5
    Gast
    Gast

    Standard AW: Absolut verzweifelt...

    Zitat Zitat von Werner Beitrag anzeigen
    Hier kompakte und praxisnahe Infos zum Thema
    inkl. Test: []Informationen zum Mineralstoff Zink]
    Spannend. Gibt es dazu wissenschaftliche Studien? Hier wird ja immer nur auf den Verfasser selbst verwiesen und zu einem Zinktest geführt, der zu einem Pharmaunternehmen führt, welches ein Zinkpräparat herstellt. Seriös ist anders!

    Ich habe bisher noch an keiner anderen Stelle etwas über diesen Zusammenhang gelesen. Darum frage ich.

    Gast567

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