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Thema: Abschied - könnt ihr meine traurigkeit verstehen?

  1. #1
    Givenup
    Gast

    Standard Abschied - könnt ihr meine traurigkeit verstehen?

    Hallo,

    ich bin heute sehr, sehr traurig!
    Ich habe mein praktikum im altenheim fast beendet. Dabei habe ich leider einen großen fehler gemacht. Ich habe zu einem mann, den ich nie wiedersehen werde eine innige bindung aufgebaut.

    Es geht um den 85-jährigen netten herrn den ich letzten freitag vor einem sturz mit seinem rollstuhl bewahrt habe.
    Seitdem waren wir beide unzertrennlich. Ich habe ihn überschüttet mit fürsorge.
    Natürlich entging mir nicht das die pflegerinnen sauer waren und auch die anderen patienten sehr missmutig reagierten. Ich wurde angemahnt mich ihm gegenüber etwas zurückzunehmen, was ich aber nicht schaffte!
    Mir wurde gesagt das der sohn des mannes sich beschwert hätte, weil er seine frau jetzt schlechter behandeln würde. Er würde mich jetzt als seine favoritin ansehen.
    Vorgestern sagte ein patient zur pflegerin das man ja bisher mit dem personal zufrieden war, aber sowas ginge gar nicht das einer so bevorzugt behandelt würde.
    Ich hatte wirklich ein schlechtes gewissen aber ich fühlte mich zu ihm hingezogen. Er hatte eine unwahrscheinliche ausstrahlung, großes selbstbewusstsein und brachte mich immer wieder zum lachen.
    Gestern fragte mich die pflegerin warum ich das täte. Ich sagte, das er fast der einzige wäre mit dem man sich normal unterhalten könnte. Auch das er mir leid täte weil er nur noch ein bein hat.
    Sie sagte das ihr aufgefallen wäre das wir uns vom ersten tag an zueinander hingezogen gefühlt hätten wie magneten. Was mir sehr unangenehm war weil er doch ein greis ist!
    Mir war nicht in den sinn gekommen wie seine angehörigen darüber denken. Ich habe mir keine gedanken darüber gemacht das es für die frau eh schon schwer genug ist sich um ihren mann zu kümmern. Das ich mit meinem verhalten eine ersatzbindung aufgebaut habe, war mir zu keinem zeitpunkt bewusst.
    Und zwar weil ich dachte, sobald er das altenheim am nachmittag verlassen hat und allein zu hause mit seiner frau ist bin ich eh vergessen. Ich fand es unglaubwürdig, als man mir sagte das er seine frau jetzt angeblich schlechter behandelt.

    Heute war unser letzter gemeinsamer tag und es war ganz schrecklich für mich! Die ganze zeit war mir bewusst das der abschied für immer näher rückte.
    Wir haben heute während der mittagsruhe über eine stunde in ruhe reden können.
    Es war so schlimm, als er mir mehrere male sagte das er mich liebt. Sollte ich antworten das ich ihn nicht liebe, ihn aber sehr gern habe?
    Ich sagte darauf nur er sollte an seine frau denken. Seine antwort war das es ihm schwer fallen würde es seiner frau zu sagen, aber vielleicht sei es ihr auch egal.
    Er dachte schon über die zukunft nach. Wir er mit mir umgehen würde wenn wir mal streiten. Was er tun würde, wenn er mich mit einem anderen mann sehen würde.
    Als eine ganz liebe alte dame mal kurz dazukam, reagierte er wütend weil er sie mit ihrem borstenhaarschnitt für einen mann hielt. Maulte sie an das sie verschwinden soll.
    Mir blieb nichts anderes übrig ihm gut zuzureden das er doch sicher glücklich mit seiner frau ist.

    Als wir später im garten mit der ganzen gruppe zusammensaßen, war er wieder nur auf mich fixiert und hörte den anderen nicht zu. Ich konnte ihn nicht zurechtweisen denn es waren doch unsere letzten gemeinsamen momente.
    Ich musste die ganze zeit krampfhaft die tränen unterdrücken, vor allem als er noch wehmütig begann vom krieg und verlust seines beins zu reden.
    Als er abgeholt wurde habe ich mich in die hinterste ecke des raums verzogen. Ich winkte von weitem und rief nur "tschüss". Er winkte mich noch mal zu sich ran während seine frau mir giftige blicke zuwarf. Dann forderte er mich auf mich noch mal rumzudrehen. Er wollte sehen ob mein t-shirt von hinten glatt gezogen ist. Ich drückte kurz seine hand und ging schnell weg.
    Zum glück konnte ich das heulen unterdrücken bis ich zu hause war.

    So etwas darf mir nie wieder passieren.
    Es war ein anfängerfehler. Ich bin zwar schon 34, war aber bisher nicht im sozialen bereich tätig. Vielleicht ist es auch nicht der richtige job für mich.

    Es ist einfach so das man selten so einem tollen und charismatischen menschen begegnet.
    Ich werde ihn nicht vergessen wobei mir schmerzlich bewusst ist das er mich schon längst vergessen hat.
    Ich hoffe, er wird noch eine Weile leben und das es ihm gut gehen wird.
    Geändert von Givenup (27.07.2012 um 21:51 Uhr)

  2. Für den Beitrag danken: Lena7, Sissy73

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  4. #2
    Kriss
    Gast

    Standard AW: Abschied - könnt ihr meine traurigkeit verstehen?

    Nein, dann ist das keine Arbeit für dich. Du hast nicht den nötigen emotionalen Abstand, den man in diesem Beruf braucht. Wenn du gern im Pflegebereich arbeitest, wäre vielleicht etwas mit Tieren drin? Die brauchen auch Zuwendung und Liebe und jemanden der sich um sie kümmert. Vielleicht ein Tierheim?

  5. Für den Beitrag dankt:

  6. #3
    Pierre-Adrian
    Gast

    Standard AW: Abschied - könnt ihr meine traurigkeit verstehen?

    Zitat Zitat von Givenup Beitrag anzeigen
    Hallo,

    ich bin heute sehr, sehr traurig!
    Ich habe mein praktikum im altenheim fast beendet. Dabei habe ich leider einen großen fehler gemacht. Ich habe zu einem mann, den ich nie wiedersehen werde eine innige bindung aufgebaut.

    Es geht um den 85-jährigen netten herrn den ich letzten freitag vor einem sturz mit seinem rollstuhl bewahrt habe.
    Seitdem waren wir beide unzertrennlich. Ich habe ihn überschüttet mit fürsorge.
    Natürlich entging mir nicht das die pflegerinnen sauer waren und auch die anderen patienten sehr missmutig reagierten. Ich wurde angemahnt mich ihm gegenüber etwas zurückzunehmen, was ich aber nicht schaffte!
    Mir wurde gesagt das der sohn des mannes sich beschwert hätte, weil er seine frau jetzt schlechter behandeln würde. Er würde mich jetzt als seine favoritin ansehen.
    ... Er hatte eine unwahrscheinliche ausstrahlung, großes selbstbewusstsein und brachte mich immer wieder zum lachen.
    Gestern fragte mich die pflegerin warum ich das täte. Ich sagte, das er fast der einzige wäre mit dem man sich normal unterhalten könnte. Auch das er mir leid täte weil er nur noch ein bein hat.
    Sie sagte das ihr aufgefallen wäre das wir uns vom ersten tag an zueinander hingezogen gefühlt hätten wie magneten. Was mir sehr unangenehm war weil er doch ein greis ist!
    Mir war nicht in den sinn gekommen wie seine angehörigen darüber denken. Ich habe mir keine gedanken darüber gemacht das es für die frau eh schon schwer genug ist sich um ihren mann zu kümmern. Das ich mit meinem verhalten eine ersatzbindung aufgebaut habe, war mir zu keinem zeitpunkt bewusst.
    Und zwar weil ich dachte, sobald er das altenheim am nachmittag verlassen hat und allein zu hause mit seiner frau ist bin ich eh vergessen. Ich fand es unglaubwürdig, als man mir sagte das er seine frau jetzt angeblich schlechter behandelt.

    Heute war unser letzter gemeinsamer tag und es war ganz schrecklich für mich! Die ganze zeit war mir bewusst das der abschied für immer näher rückte.
    Wir haben heute während der mittagsruhe über eine stunde in ruhe reden können.
    Es war so schlimm, als er mir mehrere male sagte das er mich liebt. Sollte ich antworten das ich ihn nicht liebe, ihn aber sehr gern habe?
    Ich sagte darauf nur er sollte an seine frau denken. Seine antwort war das es ihm schwer fallen würde es seiner frau zu sagen, aber vielleicht sei es ihr auch egal.
    Er dachte schon über die zukunft nach. Wir er mit mir umgehen würde wenn wir mal streiten. Was er tun würde, wenn er mich mit einem anderen mann sehen würde.
    Als eine ganz liebe alte dame mal kurz dazukam, reagierte er wütend weil er sie mit ihrem borstenhaarschnitt für einen mann hielt. Maulte sie an das sie verschwinden soll.
    Mir blieb nichts anderes übrig ihm gut zuzureden das er doch sicher glücklich mit seiner frau ist.

    Als wir später im garten mit der ganzen gruppe zusammensaßen, war er wieder nur auf mich fixiert und hörte den anderen nicht zu. Ich konnte ihn nicht zurechtweisen denn es waren doch unsere letzten gemeinsamen momente.
    Ich musste die ganze zeit krampfhaft die tränen unterdrücken, vor allem als er noch wehmütig begann vom krieg und verlust seines beins zu reden.
    Als er abgeholt wurde habe ich mich in die hinterste ecke des raums verzogen. Ich winkte von weitem und rief nur "tschüss". Er winkte mich noch mal zu sich ran während seine frau mir giftige blicke zuwarf. Dann forderte er mich auf mich noch mal rumzudrehen. Er wollte sehen ob mein t-shirt von hinten glatt gezogen ist. Ich drückte kurz seine hand und ging schnell weg.
    Zum glück konnte ich das heulen unterdrücken bis ich zu hause war.

    So etwas darf mir nie wieder passieren.
    Es war ein anfängerfehler. Ich bin zwar schon 34, war aber bisher nicht im sozialen bereich tätig. Vielleicht ist es auch nicht der richtige job für mich.

    Es ist einfach so das man selten so einem tollen und charismatischen menschen begegnet.
    Ich werde ihn nicht vergessen wobei mir schmerzlich bewusst ist das er mich schon längst vergessen hat.
    Ich hoffe, er wird noch eine Weile leben und das es ihm gut gehen wird.
    Hallo Givenup! Daß Du deswegen Deine Fähigkeit, im sozialen Bereich zu arbeiten, in Abrede stellst, ist wohl hoch gegriffen. Ich denke, es ist einfach ein seltener Fall von beidseitiger Anziehung in so unterschiedlichem Alter, die Dir ausnahmsweise eine solche Situation bescherte. Hattest Du Dir vorstellen können, mit ihm evtl.zusammenleben zu wollen? Falls nicht, wird vermutlich für Dich, sowie für ihn (bei seiner Frau), diesbezüglich das meiste bleiben "vorher".

  7. #4
    Pierre-Adrian
    Gast

    Standard AW: Abschied - könnt ihr meine traurigkeit verstehen?

    KORREKTUR:

    ... das meiste bleiben wie "vorher".

  8. #5
    Givenup
    Gast

    Standard AW: Abschied - könnt ihr meine traurigkeit verstehen?

    Zitat Zitat von Kriss Beitrag anzeigen
    Nein, dann ist das keine Arbeit für dich. Du hast nicht den nötigen emotionalen Abstand, den man in diesem Beruf braucht. Wenn du gern im Pflegebereich arbeitest, wäre vielleicht etwas mit Tieren drin? Die brauchen auch Zuwendung und Liebe und jemanden der sich um sie kümmert. Vielleicht ein Tierheim?
    Hallo Kriss,

    ich habe es fast schon befürchtet!
    Es ist wohl keine arbeit für mich. Ich würde es vielleicht nie hinbekommen den nötigen emotionalen abstand zu wahren.
    Eine möglichkeit mit tieren zu arbeiten besteht auch da ich tiere über alles liebe.
    Dabei wollte ich so gern alten menschen helfen und ihnen den alltag verschönern.

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