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Thema: Der schmale Grad...

  1. #1
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    Gast

    Standard Der schmale Grad...

    Hi,

    kurze Vorstellung, ich bin w und 17 Jahre alt. 3 Tage vor meinem 17. Geburtstag hatte ich einen totalen Ausfall und wollte von der Klippe stürzen, habe mich aber nochmal besonnen und bin direkt zum Arzt -> KJP Dort musste ich hoch und heilig versprechen, dass ich mir nichts antue (sonst wäre ich in eine normale Psychiatrie gekommen und habe von einer Bekannten erfahren, dass die bei uns wohl sehr besch* ist, weswegen ich ja sagte)
    Seitdem ging alles natürlich nur schleppend vorran. Am Mittwoch hatte ich dann EEG und anschließenden Termin bei einer Psychologin.
    Am Dienstag hatte ich wieder mit Suizidgedanken zu kämpfen, dann am Freitag und gestern wieder - und ich halte es einfach nicht mehr aus. Ich bin im Zwiespalt zwischen "will Leben" und "will tot sein". In meiner Angst, die Kontrolle zu verlieren, weil ich das Wochenende alleine bin, bin ich zu meiner Großtante geflüchtet. Sie meinte es nur gut, aber es war lange her, dass man es schaffte mich mit Worten in einem Atemzug sagte, du musst leben und dann weiter die Narben der Wunden aufriss.
    Welcher Wunden, wird man nun fragen. Nun, zugegeben, ich bin noch recht glimpflich davongekommen, im Vergleich, was all die anderen so schreiben. Ich wurde ungefäh 6 Jahre lang gemobbt, weshalb ich keinerlei Vertrauen aufbauen möchte. Ich habe immer nur in mich hineingefressen, nie geredet. Ende der 7. Klasse starb mein Opa, davor wurden meine Kaninchen totgebissen. Dann, endlich, als ich meinen Platz in der Klasse gefunden habe (also 10. Klasse) starb relativ am anfang mein Vater. Manchmal höre ich noch das Szenario, wie meine Mutter um das Leben meines Vaters kämpfte mit Herz-Rhythmus-Massage und Mund-zu-Mund Beatmung.
    Mein Leben ging einfach so weiter. Vor ca einem halben Jahr, meine Mutter war mit ihrem neuen Freund auf Mallorca, war ich alleine - an seinem Jahrestag. Ich hatte einen Backflash und wenn ich etwas nichtmehr sehen will, dann war es das. Ich bin zu meiner Freundin geflüchtet - doch habe ich vor ihr geschwiegen. Inzwischen hatte ich es mir schon angewöhnt, niemanden mit meinen Sorgen zu belasten. Und ja, man kann sagen, am 06.11.11, als sich der Todestag zum ersten Mal jährte, fing meine Fassade an zu bröckeln.
    Anders gesagt, ich bin seitdem teilweise 0 belastbar. Nach außen hin bin ich die alte, doch sobald ich alleine bin, oho sage ich nur. Wenn es mir mal besser geht, lebe ich in der Angst abzustürzen, wieder unten am Boden zu sein, wieder diese bleierne Schwere in den Armen zu fühlen. Meine Mutter wusste lange Zeit darüber nichts und ich bin (immernoch) zu blöd, Hilfe annehmen zu wollen bzw. scheue ich mich davor. Ich war immer eine Einzelgängerin, das Mobbing mit der Ausschließung hatte mich zu einer gemacht. Wenn es hieß, arbeitet doch mal in Gruppenarbeit... bin ich einfach sitzengeblieben, wenn es ging und hab allein gearbeitet.
    Von meinem Zustand weiß meine Mutter auch erst, seitdem die Ärztin sie darüber infomieren musste, mein einziger Gedanke war in dem Moment eigentlich nur: Looserin, hättest du mit dem Selbstmord noch ein Jahr gewartet, müsstest du deiner Mutter das nun nicht antun. Danach war ich einige Wochen krankgeschrieben, schaffte es teilweise nicht bis Mittwochs in der Schule zu bleiben. In der Schule bin ich den Tränen nahe und habe dort keinen, den ich mich anvertrauen kann, da ich in die Oberstufe bzw. FOS gewechselt bin. Da ich zu blöd für war, mich rechtzeitig anzumelden, muss ich nun täglich 30 km hin und her pendeln. In meiner Schule weiß auch kein Lehrer um meine Umstände, was zur Folge hat, dass es zu unglaublich vielen und für mich belastenden Missverständnissen kommt etwa: "Sie sind zu faul" (Ich kann mich nicht konzentrieren) "Was, Sie wollen schon wieder gehen?" (ich kann auch im Unterricht heulen, steh ich aber nicht so drauf) "Sie haben schon wieder in meinem Unterricht gefehlt, zudem, wo ist ihr Aufsatz, den sie (3 Tage nach dem Suizidversuch) hätten abgeben müssen? Sie wissen schon, dass dies nun mit 0 Punkten bewertet wird." (und warum genau sollte ich ihn jetzt dennoch abgeben? Ich fall doch eh durch)
    In der fachpraktischen Ausbildung, also ein wöchtenliches Praktikum, geht es mir auch nicht besser. Meiner Mutter sagt, ich muss mich anstrengen, damit ich einen "will haben" Effekt bei ihnen erzeuge, aber, es will mir einfach nicht gelingen. Sie sagt, ich soll nicht alles von mir abstreifen und weitermachen, doch es fällt mir mit fehlender Motivation einfach unglaublich schwer.

    Jetzt, in dem Moment wo ich das geschrieben habe, hab ich wieder mit Suizidgedanken gekämpft und tue es immernoch. Ich sehe in meinem Leben keinen Sinn mehr und würde am liebsten ausbrechen, es beenden, damit ich nichtmehr in den Tag leben muss und verzweifelt versuche, die Zeit am Computer totzuschlagen. Alles, was mir früher Spaß gemacht hat, Freunde treffen, Fahrrad fahren, Karate, Lesen, es ist für mich uninteressant geworden. Noch grausamer ist für mich jedoch, dass ich keinerlei Erinnerungen mehr habe, meine Vergangenheit ist für mich eine graue Masse und eine Erinnerung einem groben Zeitpunkt zuzuordnen dauert sehr lange...
    Und irgendwie war das nun befreiend... Sorry für den Wall of Text

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  3. #2
    Monarose
    Gast

    Standard AW: Der schmale Grad...

    Hm. hier muss man wohl erstmal sortieren....Also: Das Hauptproblem ist der Tod deines Vaters, den du - noch - nicht verarbeitet hast. Ich rate dir zu einer therapeutischen Unterstützung, damit du nicht immer wieder an dieser Stelle hängenbleibst. Dein Vater würde sicher wollen, dass du lebst, weitergehst, dich nicht hängenlässt. Tote Kaninchen und Opas gehören in diesem Alter dazu und sind nicht traumaauslösend, würde ich mal sagen.

    Ebenfalls problematisch ist deine Unfähigkeit, deine Lage in der Schule zu schildern. Ich rate dir dringend, ein Gespräch mit dem Vertrauenslehrer oderStufenleiter zu führen und die Gründe für dein verhalten zu erläutern. Nur du kannst das. Und du solltest es schnellstmöglichst tun.
    Deine Mutter hat recht schnell nach dem Tod deines Vaters einen neuen Partner. Ist dies für dich in Ordnung oder fühlst du dich alleingelassen?

    Es besteht die Gefahr, dass du dich in die "Problem-Hängematte" legst und mit dem Hinweis auf die Verluste nichts mehr angehst. Davon hat aber keiner was. Am wenigsten du. Versuche, deine Situation nicht zu pathologisieren, sondern beginne damit, die Steine, die dir im Weg sind, wegzuräumen.

    Alles Gute!

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