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Thema: Ich habe keine Ahnung, wie ich anfangen soll...

  1. #1
    Poor
    Gast

    Standard Ich habe keine Ahnung, wie ich anfangen soll...

    Guten "Abend".
    Ich bin Poor (Wer hätte das gedacht), 15 Jahre alt, besuche die 9.Klasse einer Realschule und habe mich soeben registriert. Abgesehen davon, dass sich das vielleicht jemand durchliest und mir Beachtung schenkt...Ach, nicht so wichtig.
    Es läuft zur Zeit naja, schon seit der 5.Klasse nicht so, wie es laufen sollte. Und nein, es ist keine "Phase". Niemand mag mich, echt niemand. Ich habe "nur" einen Freund, wobei ich den nichtmal leiden kann. Aber er hat halt auch niemanden, daher verbringen wir die Pausen miteinander und sitzen im Unterricht auch meistens zusammen. Wir können uns gegenseitig nicht ab', und ich könnte mir niemals vorstellen, mit dem befreundet zu sein...Klingt komisch, ist aber so. Immerhin laufe ich dann nicht ganz allein herum und komme mir nicht noch armseliger vor, wobei ich sowieso einen schlechten Ruf habe. Ich weiß aber nicht, wieso.
    Ich denke es liegt an meinem Aussehen. Dazu muss ich aber sagen, dass ich mich selbst eigentlich gar nicht hässlich finde, die anderen offenbar schon. Ich habe noch nie ein Kompliment bekommen, noch nie. Nur als Kind. Aber ich muss gestehen, dass ich als Kind echt unheimlich süß war, im Vergleich zu dem, was aus mir geworden ist. Ich weiß aber nicht, woran das liegt. Ich bin nicht fett, habe keine große Nase, ich habe schöne Lippen, schöne Haut. Trotzdem finden mich alle hässlich. Dazu kommt, dass mich alle als schwul bezeichnen. Da haben sie auch nicht ganz unrecht. Ich weiß schon, seit ich denken kann, dass ich schwul bin. Normalerweise würde mir das Outen und meine Homosexuallität zu akzeptieren, nicht schwer fallen, denke ich. Allerdings bin ich Moslem. Und ihr wisst sicher, wie man im Islam über Schwule denkt. Aber ich kann doch nichts dafür und ich frage mich ständig, wieso ich schwul geworden bin. Dabei wünsche ich mir doch, wenn ich Erwachsen bin, eine Familie...Kinder. Aber daraus wird wohl niemals etwas werden. (...)
    Weshalb mich die anderen als Schwul abstempeln, frage ich mich schon seit geräumer Zeit. Was hat mich verraten? Mein Kleidungsstil ist normal, meine Stimme ist ebenfalls nicht auffallend und nach Außen hin, wirke ich doch so, wie jeder Andere. Nur, dass ich nicht auffalle, weil ich nicht den Mut habe, mein Maul aufzureißen. Wenn mich jemand beleidigt, wehre ich mich nicht, sondern gehe einfach weiter. Im Nachhinein ärgere ich mich dann, auch wenn ich weiß, dass ich mich niemals gewehrt hätte. In der Schule sind mein "bester Freund" und ich meistens an dem Ort, in dem sich die wenigsten Menschen befinden, da ich nicht beleidigt werden möchte.
    So ganz nebenbei bin ich auch noch ziemlich unbegabt. Ich kann nichtmal meine Muttersprache, nur drei Wörter beherrsche ich. Meine Englischkenntnisse sind auch katastrophal und wie ihr seht, ist mein Wortschatz für einen 9.Klässler absolut unausgeprägt. Meine Leistungen in der Schule sind in den meisten Fächern eher unbefriedigend. Dabei verlangt meine Mutter von mir, Abitur zu machen. Das ist auch mein Ziel. Heutzutage braucht man, um einen guten Beruf auszuüben, Abitur. Aber wie soll ich bitte das Abi schaffen, wenn ich auf einer REALSCHULE schon in der 9.Klasse Schwierigkeiten habe. Und selbst, falls ich das Abi schaffe, bin ich immernoch der schüchterne Schwuchtel, der sich alles gefallen lässt. Selbstmordgedanken habe ich. Aber das könnte ich meiner Mutter nicht antun. Meine Mutter ist die einzigste Person in meinem armseligen Leben, die ich wirklich liebe, auch wenn ich sie kaum sehe. Aber ich kann ihr nicht erzählen, dass ich schwul bin. Sie hasst Schwule, so kam es jedenfalls rüber. Ich könnte noch weitaus mehr schreiben, aber ich habe nicht den Mut dazu, weil ich Angst davor habe, dass mich jemand erkennt, wenn ich zu viel erzähle. Ich weiß, dass ich anonym bin, aber trotzdem... Ich bin auf sozialen Netzwerken, wie Facebook nicht registriert, weil ich Angst habe, dass mir jemand auf meine Pinnwand schreibt und meine Familie das sehen könnte. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll...Und ich kann auch nichts gegen mein Aussehen, oder meiner Homosexualität tun. Ich weiß, dass das albern klingt, wenn das ein fünfzehnjähriges Kind sagt, aber das ist schon seit der 5.Klasse so. Ich bin mir absolut sicher, dass das keine Phase ist... Aber wieso hassen mich alle bloß. Ich habe wirklich nie etwas Böses getan, sondern habe meinen Klassenkameraden sogar in Fächern, in denen sie Schwierigkeiten hatten, geholfen...Wann ich mich das letzte mal mit jemandem verabredet habe, weiß ich nicht mehr. Ich bin immer zu Hause. Immer sitze ich in meinem Zimmer, liege in meinem Bett, schaue aus dem Fenster und habe den Laptop auf meinem Schoß. Meistens liegt das Handy neben mir, weil ich mir erhoffe, dass sich doch jemand bei mir melden würde. Dabei ist das unmöglich, weil niemand, außer meine Mutter, meine Handynummer hat. Meine Kontaktliste ist ebenfalls leer.
    Ich höre immer, dass die Kindheit / Jugend das schönste im Leben sei. Aber das ist bis jetzt echt grausam...Wie schlimm wird dann wohl mein Berufsleben...? Ich habe echt keine Ahnung. Der ein-, oder andere wird dich sicher jetzt denken, dass ich nicht an meinem Selbstmitleid ertrinken soll und die Kinder in Afrika noch weniger haben, als ich.
    ...Streicht den letzten Satz, das war nur eine Überlegung. ._.
    Was soll ich tun? Nein, ich gehe nicht zum Arzt, weil das halt niemand herausfinden darf. Wir haben auch keinen Vertrauenslehrer an unserer Schule. Was nun? Ohje, ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal veröffentliche... Erstmal nach dem Absenden sofort Chronik löschen, damit niemand nachweisen kann, dass ich das geschrieben habe. >.<

    Lieben Gruß...
    Ach ja, und bitte beachtet die Grammatik / Rechtschreibfehler nicht. Die sind entstanden, weil ich andauernd Sätze gelöscht- und hinzugefügt habe...
    Geändert von Poor (09.05.2012 um 20:58 Uhr)

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  3. #2
    Zissle
    Gast

    Standard AW: Ich habe keine Ahnung, wie ich anfangen soll...

    Es ist natürlich schwierig, sich ein richtiges Bild von dir zu machen, deswegen sind die folgenden Überlegungen, nur Gedanken von mir zu deinem Text, die keinen Anspruch auf Richtigkeit haben.
    Eventuell hast du Schwierigkeiten mit deinen Mitmenschen, weil du dich selbst verstellst. Du hast Angst, dass dich hier jemand erkennen könnte, versteckst deine Sexualität und deine Verzweiflung. Auf Dauer kann das weder Gesund für doch noch für Gesund für Beziehungen zu anderen Menschen sein. Dazu kommen die unvereinbaren Religionsgrundsätze mit deiner Sexualität und den Wunsch, deine Mutter nicht zu enttäuschen. Das alles ist verständlich, macht dich aber auch kaputt.
    Ich würde dir tatsächlich raten, dir professionelle Hilfe zu suchen. Nicht weil ich dich für einen Psycho oder so halte, sondern weil du Probleme hast, die sich auf dein seelischen Wohlbefinden auswirken, weil du zerissen bist von Erwartungen, Träumen und Wünschen nach Zuneigungen. Du willst, das andere dich annehmen und mögen, kannst es aber womöglich selbst nicht, weil du dich verstecken musst. Und daran kann man arbeiten, dass man lernt sich selbst so zu lieben, wie man ist. Wenn du dich an einen Arzt wendest oder auch an eine Beratungsstelle, dann stehen die unter Schweigepflicht und dürfen nichts sagen, d.h. niemand wird es erfahren. Es gibt in jeder größeren Stadt Psychologische Beratungsstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche, da kann man sich hin wenden und einfach mal reden, evtl. auch erst mal am Telefon.
    Ich wünsche dir alles Gute!

  4. #3
    Gast_und_so
    Gast

    Standard AW: Ich habe keine Ahnung, wie ich anfangen soll...

    A) Sei mutig. Such Dir per Internet einen jemanden/einen Freund?, welcher sich auch nicht outen möchte. Da gibts jede Menge.
    B) Nutze zum Surfen ein "inkognito Fenster" (zB Google Chrome).
    C) Mach viel Sport, vorzugsweise Kraftsport. Stärkt Dein Selbstwertgefühl und bringt Dich unter Leute. Immer noch besser 3x die Woche ins FitnessCenter, als ganz alleine zuhause zu sitzen. Wenn Du lange genug gehst, kommst auch irgendwann ins Gespräch mit anderen Leuten.
    D) Sei ruhig vorsichtig und paranoid. Bis Du selbst entscheidest, Dich zu outen.

  5. #4
    Poor
    Gast

    Standard AW: Ich habe keine Ahnung, wie ich anfangen soll...

    Tut mir Leid, dass ich mich jetzt erst melde. Danke Zissle, aber ich bin viel zu schüchtern, um zu einem Psychologen zu gehen und außerdem würde es eh jemand in diesem hässlichen Dorf, wo jeder jeden kennt, bemerken.

    A) Auch dafür bin ich viel zu schüchtern und wenn ich es nicht einmal auf die Reihe kriege, Freunde zu finden finde ich erst recht keinen Freund...
    B) Ich habe einen eigenen PC (mit Passwort gesichert) und lösche trotzdem regelmäßig den Verlauf. Ich denke, das genügt.
    C) Ich bin in den letzten Monaten einem alten "Freund" (Geheimnisse oder so vertraut man sich trotzdem noch nicht an.) wieder nähergekommen und habe auch deinen Rat befolgt und gehe seit einem Monat regelmäßig ins Fitnesscenter. Dadurch fühle ich mich wieder ein klein wenig lebendiger. Aber sobald ich das Fitnesscenter verlasse, gehts mir wieder so wie vorher.
    D) Und leider bin ich innerhalb der letzten Monate zu paranoid geworden. Ich habe das seltsame Gefühl, das mein Kopf nicht mehr mir gehört und jeder hineingucken kann. Werde ich jetzt völlig verrückt? D:
    Geändert von Poor (03.01.2013 um 23:28 Uhr)

  6. #5
    Registriert Avatar von MadWolf
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    Standard AW: Ich habe keine Ahnung, wie ich anfangen soll...

    Die Sache ist die, dass du dein Leben lang gefangen sein wirst, wenn du dich gegen deine sexuelle Ausrichtung stellst und sie nicht annimmst. Ein Freund von mir ist schwul, das wusste er lange Zeit, konnte sich jedoch nie vorstellen das jemandem zu sagen. Erst mit 18 hat er es geschafft sich zu öffnen und es wenigstens seinen Eltern zu erzählen, Monate später habe ich es erfahren.

    Ich, als sein Kumpel habe darauf nicht allzu besonders reagiert. Eigentlich war ich nur etwas verwundert, weil er zwar ein sanfter Typ ist, aber ich hätte nicht gedacht dass er schwul sein könnte. Doch im Endeffekt ist die Freundschaft nun sogar besser geworden, ehrlicher.
    Seine Eltern waren da etwas anders. Sein Vater hat es, so weit ich weiss sofort akzetpiert, seine Mutter tat sich eine Weile schwer damit. Letztens wurde ich jedoch Zeuge wie seine Mutter zu ihm gesagt hatte dass sie ihn lieb hat. Also kann das auch nicht allzu lange angedauert haben.

    Gut, deine Mutter und du gehört nun einer Religion und Gesellschaftsform an die es nicht akzeptiert wenn jemand schwul ist. Doch du darfst nicht vergessen dass sie immer noch deine Mutter ist, dieses Band ist stärker als eine Religion, ein Arbeitsverhätlnis, Brüderlichkeit und sogar stärker als wahre Freundschaft. Wenn deine Mutter dich wirklich liebt, dann ist diese Liebe stärker als jeder Hass den sie gegenüber einer sexuellen Ausrichtung jemals empfinden könnte. Du bist ihr Sohn, warst in ihrem Bauch, du warst ein Teil von ihr und wirst es für alle Zeit sein.
    Sono pazzi questi romani

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