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Thema: Ich bin kein Deutscher!

  1. #1
    Dr. House
    Gast

    Standard Ich bin kein Deutscher!

    Zu dieser Erkenntnis gelange ich immer mehr.

    Ich habe mich immer für einen Patrioten gehalten, der sein Land liebt, Deutschland. Aber immer mehr gelange ich zu der Erkenntnis, dass das Land, für welches ich patriotische Gefühle habe, so nicht existiert.

    Es war immer so eine Art Gefühl, dass Deutschland ein großartiges Land ist, wenn bestimmte Dinge geändert werden.

    "Deutschland ist großartig, wenn......"

    Aber mittlerweile sind es so viele Dinge, die meiner Meinung nach geändert werden müssen, dass ich zu zwei Schlussfolgerungen gekommen bin: Erstens schafft man das sowieso nicht und zweitens, viel wichtiger, selbst wenn man es schaffen würde, dann wäre es faktisch ein anderes Land.

    Es wäre im Grunde dann nicht mehr Deutschland.

    Was ich ändern würde, wenn ich könnte, würde die Seele dieses Landes und seiner Menschen ändern. Es würde in tiefe Traditionen eingreifen. Natürlich glaube ich, dass das besser wäre, aber faktisch wäre es dann nicht mehr Deutschland.

    Ein paar Beispiele:

    * Migranten: Meiner Meinung nach haben sich Migranten anzupassen. Spätestens in der zweiten Generation müssen sie sich selbst als Deutsche ansehen und nicht mehr als Türken, Polen, Araber oder was anderes.

    Das wollen aber anscheinend die Migranten nicht, aber viel wichtiger, die Deutschen würden so eine Art wohl auch nicht akzeptieren. So eine Art "amerikanischer Emigration", wo alle zusammen kommen und einen Melting Pot kreieren, wo alle "Amerikaner" sind, egal ob sie ethnische Asiaten, Europäer oder Afrikaner sind. Egal ob Christ, Muslim oder Jude.

    So eine Art der Emigration ist hier denke ich nicht mehrheitsfähig.
    Die Mehrheit, so denke ich, ist nicht bereit sich von diesem "Rasse"-gestützten Modell zu lösen. Für sie wird ein Mesut Özil immer ein Türke bleiben.

    * Schulsystem: Das dreigliedrige Schulsystem ist meiner Meinung nach an Schwachsinn nicht zu überbieten. Abschaffen! Einheitsschule und der Abschluss dieser Einheitsschule qualifiziert zur Hochschule.

    Aber auch dieses Schulsystem hat eine breite Unterstützung. Ich weiß nicht, ob es die Mehrheit ist, aber es hat große Unterstützung. Es ist eine deutsche Tradition. Eine Tradition, die ich ablehne.

    * Parteiensystem, indirekte Demokratie: Es ist für mich ein Unding, dass Parteien in diesem Land so viel zu entscheiden haben. Dass sie quasi immer unter sich ausmachen, wer Kanzler wird, wer die Regierung stellt usw.

    Wieso können die Menschen nicht direkt wählen?

    Auch darauf komme ich nicht klar.
    Aber auch das ist eine deutsche Tradition.

    * Beamtentum, Regelwut: Wieso gibt es immer noch so viele Beamte? Wieso werden Handwerksbetriebe gezwungen, in Handwerkskammern Mitglied zu sein? Wieso gibt es immer noch den Meisterzwang? Wieso wird versucht, alles bis ins Detail zu regeln?

    Das lehne ich ebenfalls ab.
    Aber es ist ebenfalls eine deutsche Tradition.

    * Mentalität: Hier herrscht meiner Meinung nach in großen Teilen eine Mentalität, die nicht meine ist. Hier gibt es meines Erachtens einen großen gesellschaftlichen Neid auf Erfolg. Daneben herrscht hier eine Vollkasko-Mentalität gegenüber dem Staat.

    Das ist ja auch in Ordnung, jeder hat eine andere Vorstellung. Aber es ist nicht meine. Ich will nicht vom Staat versorgt werden, dafür aber auch ein Großteil meines Einkommens behalten. Ich weiß am besten, wie ich mein Geld verwende.

    Auch gibt es hier eine große Technikfeindlichkeit. Gentechnik = böse, Nanotechnologie = ganz gefährlich; Google = Die Datenkrake, Ego-Shooter = Training für Amokläufer usw.

    Von der Atomkraft will ich gar nicht erst anfangen.

    Nochmal: Jeder hat eine andere Meinung zu den Themen, das ist auch in Ordnung. Aber es ist nicht meine Meinung.

    * Patriotismus, Armee: Ich halte die Armee für unabdingbar. Ich halte auch militärische Einsätze für nationale Interessen für unabdingbar. Auch denke ich, dass ein Staat seine Interessen und die seiner Bürger offensiv verteidigen sollte. Und ich denke, dass die Bürger Stolz auf ihren Staat und ihre Armee sein sollten.

    Und wieder ist das meiner Meinung nach nicht gegeben. Hier herrscht meiner Meinung eine weltfremde Ideologie, die naiv bis gefährlich ist. Die Menschen hier stehen nicht hinter ihrer Armee, kritisieren sie und glauben, nationale Interessen gehören der Vergangenheit an.

    Ja, viele glauben sogar, Nationalstaaten gehören der Vergangenheit an.

    Das waren jetzt wenige Beispiele.

    Im Grunde bin also kein Deutscher, denn diese Traditionen, die ich so ablehne, sind fundamentaler Bestandteil Deutschlands. Aber ich bin auch kein Türke.

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  3. #2
    Registriert Avatar von bonita
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    Standard AW: Ich bin kein Deutscher!


    GRÜNDE DOCH EIGENE PARTEI
    oder
    wandere aus
    nach ...dort - wo ALLES nach DEINEN Geschmack ist

  4. Für den Beitrag danken: Acromantula74, broken-soul, mikenull, Senf

  5. #3
    Dr. House
    Gast

    Standard AW: Ich bin kein Deutscher!

    Zitat Zitat von bonita Beitrag anzeigen
    wandere aus
    nach ...dort - wo ALLES nach DEINEN Geschmack ist
    Es gibt kein Land, wo alles nach den eigenen Vorstellungen läuft.
    Aber ja.... auswandern .... vielleicht. Ich hab sowieso nie meine Zukunft in Deutschland gesehen.

    Wer weiß, wird die Zukunft zeigen.

  6. #4
    Mo44
    Gast

    Standard AW: Ich bin kein Deutscher!

    Zitat Zitat von bonita Beitrag anzeigen
    GRÜNDE DOCH EIGENE PARTEI
    oder
    wandere aus
    nach ...dort - wo ALLES nach DEINEN Geschmack ist
    DAS erinnert mich an das altehrwürdige "dann geh doch nach Drüben", aber "Drüben" gibt es ja nicht mehr.

    House - es gibt nach zwei begonnenen Weltkriegen und der von Deutschland ausgehenden Vernichtung von Millionen Menschenleben auch keinen Grund zu einem althergebrachten Hurra-Patriotismus, wie ihn die Froschzosen oder Briten empfinden. Deutschland ist trotz alledem wie der Phönix aus der Asche auferstanden. Der Fleiß der Trümmergeneration, das aus der Erfahrung von Tod und Leid gewonnene Bestreben etwas zu ändern, hat Deutschland zu dem gemacht was es ist.

    Mir passt auch vieles nicht, aber wo ist es denn besser?

    In meiner Familie sind vor einigen Generationen ungarische Gene gewesen ... na und? Das ist eine Ewigkeit her. Ich bin kein Ungar. Ich bin hier geboren, ich lebe und arbeite hier, nehme am sozialen und kulturellen Leben hier teil. Es ist meine Heimat. Ich fahre gerne weg und war auch schon in einem Land wo ich mich auch sehr wohl gefühlt habe, aber nach Deutschland komme ich gerne zurück. Es ist und bleibt meine Heimat und auch so etwas wie meine Bestimmung.

    Deutschland verändert sich und verliert in vielen Dingen seine bisherige Identität. Es entsteht aber etwas anderes, was dadurch nicht schlechter ist. Denn auch andere Menschen prägen dieses Land. Schau dir die Nationalmannschaft an. Die hat zum überwiegenden Teil fremdländische Wurzeln. Und trotzdem sind sie auch Deutschland. Schön dass das möglich ist. Gerald Asamoah ist ein absoluter Sympathieträger und deutscher als Effenberg es z.B. je sein wird.

    Ich fühle mich wohl hier ... und du auch ... auswandern wirst du erst, wenn es "iLand" von apple gibt.

  7. Für den Beitrag dankt: broken-soul

  8. #5
    Registriert Avatar von Polux
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    Standard AW: Ich bin kein Deutscher!

    Zitat Zitat von Dr. House Beitrag anzeigen
    Zu dieser Erkenntnis gelange ich immer mehr.
    dann besteht ja noch Hoffnung
    Zitat Zitat von Dr. House Beitrag anzeigen
    Ich habe mich immer für einen Patrioten gehalten, der sein Land liebt, Deutschland. Aber immer mehr gelange ich zu der Erkenntnis, dass das Land, für welches ich patriotische Gefühle habe, so nicht existiert.
    Warum sollte man ein Land lieben? Ich finde Europa einen angenehmen Kontinent, Deutschland hat schöne Landschaften, ist vielfältig, da ist für jeden was dabei. Ich wohn' zwar nicht da, aber, es gäbe schlechtere Länder.
    Zitat Zitat von Dr. House Beitrag anzeigen
    Es war immer so eine Art Gefühl, dass Deutschland ein großartiges Land ist, wenn bestimmte Dinge geändert werden.
    kann es sein, dass es das - so wie du dachtest - noch nie war?

    Zitat Zitat von Dr. House Beitrag anzeigen
    Was ich ändern würde, wenn ich könnte, würde die Seele dieses Landes und seiner Menschen ändern. Es würde in tiefe Traditionen eingreifen. Natürlich glaube ich, dass das besser wäre, aber faktisch wäre es dann nicht mehr Deutschland.
    'Seele'? von einem Land? Hmm Was soll das sein?

    Zitat Zitat von Dr. House Beitrag anzeigen
    So eine Art "amerikanischer Emigration", wo alle zusammen kommen und einen Melting Pot kreieren, wo alle "Amerikaner" sind, egal ob sie ethnische Asiaten, Europäer oder Afrikaner sind. Egal ob Christ, Muslim oder Jude.
    tut mir Leid, aber hier hängst du ebenfalls einem nicht existierenden Traum nach. Dieses Amerika besteht genau so wenig, wie es jemals ein Deutschland gab, wie du dir das vorgestellt hast.

    Zitat Zitat von Dr. House Beitrag anzeigen
    * Schulsystem... Parteiensystem...indirekte Demokratie...Beamtentum, Regelwut...
    ja, ja, ja, kann man alles kritisieren und in einigem kann ich dir voll, in anderm teils zustimmen. Aber das ist alles weder 'typisch Deutsch' noch alles so schlecht wie du es hier hinstellst.
    Um soetwas wirklich beurteilen zu können musst du in Ländern gelebt haben. Mindestens ein Jahr, mit Arbeit und Kontakt zu 'Eingeborenen'. In allen Ländern in denen ich bis jetzt eine Zeit zugebracht habe, sind sämtliche positiven Vorurteile dahin geschmolzen wie Eis in der Sonne, zum Glück auch einige negative.
    Die USA gehören definitiv dazu.

    Zitat Zitat von Dr. House Beitrag anzeigen
    Wieso können die Menschen nicht direkt wählen?
    sei froh. Um wählen zu können sollte jemand informiert sein. Und Jugendliche die nicht wissen was CDU oder SPD heißt und Erwachsene die Steinmueller für den Papst halten... ich bin da ganz froh, dass sie nicht mehr zu bestimmen haben.

    In Deutschland sind die Leute weder Technik feindlicher als andernorts noch haben eine grossartig andere Mentalität.
    Du kannst sicher sein, dass ein Amerikanischer Interlektueller mit einem Deutschen Interlektuellen mehr Gemeinsamkeiten hat als mit einem Amerikanischen Bauern. Genauso, wie ein Deutscher Bauer mehr mit einem Amerikanischen am Hut hat. Es geht nicht um Hautfarbe, Nationalitäten oder sonstiges in der Art. Es geht um Bildung, Macht und Schicht 'Stallgeruch' halt.
    Atomkraft - die Frage der Endlagerung hast du wohl schon gelöst? Wie alt warst du als Tschernobyl passierte?

    Zitat Zitat von Dr. House Beitrag anzeigen
    nationale Interessen ... offensiv verteidigen sollte ... Stolz ... nationale Interessen
    Stolz? Stolz kann ich sein auf etwas das ich geschafft habe, aber sonst? Verteidigen? Nationale Interessen? Was soll das sein? und vor allem wozu soll das gut sein?
    Die Probleme der nahen und weiteren Zukunft vor der die Menschen stehen, egal ob selbst zu verantworten oder von außen kommend verlangen andere Lösungsansätze. Sich als einer unter ca. 6,9 Milliarden zu sehen, die alle nur ein Leben haben und entweder jeder hat das Recht dieses Leben in Würde zu verbringen oder keiner. Wer wird denn da Nationalstaaten nachjammern.

    Es gibt einige Initiativen in Deutschland die lohnen sich, vielleicht solltest du froh sein einen klareren Blick auf dein Land zu bekommen, 'EntTäuschung' kann man auch als das 'Ende einer Täuschung' sehen.

  9. Für den Beitrag dankt: mikenull

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