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Thema: Muss man MB denn verarbeiten?

  1. #26
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    Standard AW: Muss man MB denn verarbeiten?

    Zitat Zitat von Deliverance Beitrag anzeigen
    "Müssen" muss man doch eh nichts.

    Jeder findet da seinen eigenen Weg, zB im Glauben, in Meditation, in der Therapie, im Rausch, im sozialen Engagement, in der eigenen Familiengründung, in belanglosen Sex.

    "Den" Weg gibt es nicht - sonst würde den jeder gehen.
    Ganz nüchtern und sachlich betrachtet.
    Eine Therapie ist kein Allheilmittel, sie kann schädlich, nützlich, nutzlos oder von allem etwas sein.

    ich kenne niemanden, der nach erfolgtem (und erinnertem) MB ohne therapie und verarbeitung in der lage wäre, ein NORMALES leben zu führen. oder sagen wir besser, ein halbwegs normales, denn wer von sowas schrecklichem opfer wurde, wird wohl immer mit den daraus entstehenden dämonen zu kämpfen haben, auf diese oder jene weise.

    daher würde ich auf die frage im threadtitel so antworten :

    man MUSS es nicht verarbeiten, aber wenn man irgendeine chance haben will, "normal" zu leben, ohne dass der MB massivste auswirkungen auf das leben bis zum tode hat, muss (!) man einen guten therapeuten finden, der einem hilft, das ganze zu verarbeiten. daran habe ich keinen zweifel.

  2. #27
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    Standard AW: Muss man MB denn verarbeiten?

    Also verarbeiten oder da etwas machen möchte ich schon ganz gerne.

    Aber geht aufgrund meiner momentanen Krankenkassen-Situation ja leider nicht.

    Ich habe momentan irgendwie "Angst", dass man es bemerkt.

    Also, dass vielleicht erfahrene Männer (sei es sexuell oder zwischenmenschlich oder empathisch oder psychologisch) das bemerken.

    Dass man es mir ansieht oder fühlt oder irgendwie bemerkt, dass ich als Kind wohl wahrscheinlich mal...

    Und ich habe Angst, dass das Männer irgendwie ausnutzen könnten.

    Ich habe Angst, dass ich irgendwie dadurch "gestempelt" bin und dass man diesen Stempel sieht oder bemerkt.

    Als hätte man einen Stempel im Gesicht und Männer sehen das.

    Als könnten Männer diese Thematik riechen.

    Und das könnte ja auch gefährlich sein.

    :/

  3. #28
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    Standard AW: Muss man MB denn verarbeiten?

    Zitat Zitat von malou. Beitrag anzeigen
    Also verarbeiten oder da etwas machen möchte ich schon ganz gerne.
    Zitat Zitat von malou. Beitrag anzeigen
    Es interessiert mich irgendwie nicht mehr.
    Außerdem ist einiges so kurios, dass ich es eh keinem erzählen könnte. (...)

    Ich bin, was diese Thematik betrifft, wieder voll im Schulterzuck-Modus und verreise da lieber mit einem One-Way-Ticket nach Is-mir-egal-ien.
    Widersprichst du dir da nicht ein wenig?

    Also ich persönlich würde solchen nebulösen, bruchstückhaften Erinnerungen höchstens nachgehen, wenn ich die Möglichkeit hätte, sie objektiv zu überprüfen. Auf keinen Fall würde ich Anstrengungen unternehmen, das Ganze aufzuklären, indem ich nachträglich versuche, mich an weitere Details zu erinnern. Und das würde ich auch niemand anderem empfehlen. Ganz einfach, weil ich die Gefahr für zu groß halte, dass dabei "Erinnerungen" entstehen können, die nicht auf realen Erlebnissen basieren.

    Hier mal Auszüge aus einem Fachartikel zu dem Thema:

    Die Annahme, Erinnerungen an traumatische Ereignisse würden sich von anderen Erinnerungen qualitativ dahingehend unterscheiden, dass sie gar nicht oder allenfalls fragmentiert erinnert werden könnten, findet durch empirische Untersuchungen keine systematische Unterstützung.

    Traumatische Erlebnisse können i.d.R. besonders langfristig erinnert werden; bezüglich der Fragmentierung und Kohärenz ergeben sich entweder keine Unterschiede zu anderen Erinnerungen, oder Traumaerinnerungen sind kohärenter als Erinnerungen an andere Ereignisse. (...)


    Aus den vorhandenen Befunden leitet sich nicht ab, dass „wiederentdeckte Erinnerungen“ niemals auf realem Erlebnishintergrund basieren. Es sind einige Fälle von wiederentdeckten Erinnerungen dokumentiert, in denen das relevante Ereignis durch unabhängige Quellen belegt wurde, z. B. durch Berichte von Familienmitgliedern oder Freunden oder durch andere Dokumente (Schooler et al. 1997, Shobe & Schooler 2001). Hier handelt es sich aber um Ausnahmen, nicht um typische Erinnerungsverläufe bei traumatischen Erlebnissen. (...)


    Auch bei Jugendlichen oder Erwachsenen, bei denen Fehlerinnerungen entstehen, wird anfangs meist nach Erklärungen für Besonderheiten im Erleben oder Verhalten gesucht. Häufig liegt eine depressive oder eine Angstsymptomatik vor.

    Erklärungen, die es erlauben, äußere Umstände oder sogar schuldige Dritte zu identifizieren, sind für Patienten selbst akzeptabel. Sie entsprechen aber auch den Annahmen mancher Therapeuten, wonach ein Großteil psychischer Störungen durch traumatische Erlebnisse in der Kindheit verursacht wird. (...)


    Explizite Suche nach Erinnerungen an traumatische Erlebnisse

    In den Fällen, in denen es zu Pseudoerinnerungen kommt, wird – ausgehend von den skizzierten Prämissen – angenommen, Auslöser für die psychische Symptomatik seien frühere traumatische Erlebnisse, insbesondere sexuelle Missbrauchserfahrungen, die aktuell der expliziten Erinnerung nicht zugänglich sind. Diese Erklärungsmuster werden z. T. im Rahmen von Therapien oder Beratungen, gelegentlich auch durch Personen im sozialen Nahfeld an die Betroffenen herangetragen. Diese werden z. T. explizit ermuntert, sich auf die Suche nach Erinnerungen an die vermeintlichen Erlebnisse zu machen; in manchen Fällen werden therapeutische Techniken angewandt, die einen solchen „Wiedererinnerungsprozess“ befördern sollen.


    Die intensive Beschäftigung mit möglichen konkreten Missbrauchserfahrungen im Rahmen einer Therapie, aber auch in Internetforen oder Selbsthilfegruppen, in denen man von konkreten Erfahrungen anderer hört, kann – ähnlich wie oben für Kinder beschrieben – zu lebhaften mentalen Vorstellungen führen, die nach einiger Zeit aufgrund ihrer Lebhaftigkeit, Vertrautheit und guten Abrufbarkeit für tatsächliche Erinnerungen gehalten werden.

    Kritische Reflexionen über den tatsächlichen Erlebnisbezug werden gelegentlich regelrecht unterdrückt, und Patienten z. T. ausdrücklich aufgefordert, aufkommende Bilder als genuine Erinnerungen zu akzeptieren.

    Problematische therapeutische Methoden

    Therapeutische Techniken, die Patienten dazu anregen, sich entsprechende fiktive Situationen besonders bildhaft vorzustellen oder sich in diese hineinzuversetzen, befördern solche Prozesse, weil sie dazu beitragen, mentale Vorstellungen zu generieren, die Erinnerungen ähneln. Besonders problematisch sind in diesem Zusammenhang z. B. hypnotische Verfahren, insbesondere auch die Altersregression, Visualisierungsverfahren oder Traumdeutungen (Brainerd & Reyna 2005, Porter et al. 2012).


    Quelle: Volbert, R. (2014). Sexueller Missbrauch – Wie Pseudoerinnerungen entstehen können. Psychotherapie im Dialog, 15 (1), 82-85.
    Geändert von Winnetou (12.10.2018 um 19:49 Uhr)
    Wer an den Spiegel tritt, um sich zu ändern, der hat sich schon geändert.
    (Lucius Annaeus Seneca)

  4. #29
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    Standard AW: Muss man MB denn verarbeiten?

    Joa, aber dein Beitrag hilft mir da nicht weiter ehrlich gesagt.

    Ich bin mir inzwischen auch sicherer als zur Zeit des Eingangspostings
    Und will wie gesagt etwas machen, aber...
    es gibt eben keine Therapie für mich.

    Außerdem geht es mir momentan gar nicht gut...

  5. #30
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    Standard AW: Muss man MB denn verarbeiten?

    Zitat Zitat von malou. Beitrag anzeigen
    Joa, aber dein Beitrag hilft mir da nicht weiter ehrlich gesagt.
    Das tut mir leid. Was würde dir denn helfen?

    Ich finde solche Überlegungen und Informationen nützlich, weil sie es mir erleichtern, eine Entscheidung zu treffen, ob ich bestimmte Themen ernsthaft weiterverfolgen oder lieber endgültig ad acta legen will. Und auch wenn Letzteres nur mit dem Ergebnis geschieht: "Diese Frage wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr klären lassen" - das finde ich immer noch besser als dauerhafte Unschlüssigkeit und Unsicherheit, wie nun weiter vorzugehen wäre.

    Zitat Zitat von malou. Beitrag anzeigen
    Außerdem geht es mir momentan gar nicht gut...
    Dann beschäftige dich gerade jetzt vielleicht nicht so sehr mit solchen heiklen und belastenden Themen...

    Gute Besserung!
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