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Thema: Mein Bruder und eine "Sache", über die nie geredet wurde

  1. #1
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    Standard Mein Bruder und eine "Sache", über die nie geredet wurde

    Hallo,

    habe mich hier angemeldet, weil ich Rat brauche, weil ich nicht genau weiß, wie ich damit umgehen soll.

    Es gibt eine Sache in meinem Leben, über die ich immer wieder nachdenke. Es beschäftigt mich, ich kann es nicht richtig einordnen.

    Wir, meine Eltern mein 4 1/2 Jahre älterer Bruder und ich, haben früher in einem Mehrfamilienhaus gewohnt. In diesem Haus wohnte auch meine damalige beste Freundin.

    Mein Bruder hatte oft einen Kumpel bei sich zum spielen und meine beste Freundin war eh ständig bei mir, oder ich bei ihr. Mein Bruder und ich, wir hatten das gleiche Kinderzimmer, bis er ca 13 oder 14 war, (glaub ich zumindest, erinnere mich nicht genau).

    Auf jeden Fall hingen wir auch oft zu viert rum. Meine Freundin und ich waren so ca 7,8 Jahre alt, mein Bruder und sein Freund so 12,13. Ungefähr.
    Da sie halt älter waren und auch schon die Pubertät so langsam bei denen begann, haben die halt auch öfter mal so Bemerkungen gemacht, wenn sie zb ein Computerspiel gespielt haben (zB. "da kommt die Lesbe angeflogen, äh die Wespe).

    Irgendwie war manchmal so etwas "sexuelles" im Raum. Oder die haben auch mal vom "bumsen" und so geredet.

    Irgendwann, ich weiß gar nicht mehr, wie es dazu kam ehrlich gesagt, spielten wir ein Spiel im Zimmer und wir machten das Licht aus und Rolladen runter. Es war also Stockdunkel. Es sollte eigentlich nur so eine Art Versteckspiel sein.

    Naja, auf jeden Fall mussten die Jungs uns dann Suchen und wenn sie uns gefunden hatten, dann haben wir so getan, als hätten wir Sex. Mein Bruder hat im Dunkeln immer meine Freundin gesucht, und sein Freund mich.
    Was genau mein Bruder mit meiner Freundin gemacht hat, weiß ich nicht, aber der Freund meines Bruders der legte sich halt immer auf mich drauf und bewegte sich "hin und her". Kleidung war aber immer an. Einmal fragt er mich ob er meine (nichtvorhandenen) Brüste anfassen darf und ich sagte ja. Mir machte das damals eigentlich gar nicht viel aus.

    Ich glaub meiner Freundin gings da ähnlich. Muss auch dazu sagen, dass wir beide etwas frühreif waren. Meine Freundin z.B. hatte mal heimlich Pornofilme gesehen, die ihre Eltern ausgeliehen hatten. Sie und ich wir haben dann manchmal so aus Spaß "Mann und Frau" gespielt und miteinander rumgemacht (aber eher auf eine kindliche, lustige Art und Weise.) Eigentlich nur so aus Spaß.Ich weiß auch nicht mehr, von wem es eher ausging, von mir oder von ihr. Ich weiß nur, dass es mir manchmal doch irgenwie zuviel wurde und ich mich komisch dabei fühlte.
    Ich glaub mein Bruder und sein Kumpel sahen da wohl irgendwie ihre "Chance" darin. Da sie wohl wussten, sie und ich, wir spielen manchmal "Mann und Frau". Wahrscheinlich meinten sie dann, wir sollten das mal mit ihnen spielen oder so. Ich denke so wirds gewesen sein.

    Erinnere mich noch dran, dass meine Mutter mich einmal gefragt hat, was wir da manchmal machen und ich meinte dass wir "schmusen" oder so ähnlich. Ich glaube sie fragte mich dann noch, ob noch mehr gewesen sei und ich meinte nein. (Kann mich aber nicht so super dran erinnern.)
    Ich weiß nur eines Tages wars dann abrupt vorbei. Und ich glaube auch kurz darauf bekam er dann sein eigenes Zimmer.

    Mein Bruder und ich wir hatten in der Kindheit eigentlich ein gutes Verhältnis. Haben miteinander gespielt. Lego, Playmobil, alles mögliche halt. Als er dann in die Pubertät kam wurde das halt anders. Wir hatten dann auch nicht mehr viel miteinander zu tun.
    Ich weiß noch wie er zb, als ich einmal im Bad am Waschbecken stand einfach reinkam (bekleidet) und sich einfach so von hinten an mir gerieben hat im vorbeigehen. Erinnere mich auch daran, dass er zweimal morgens nach dem Aufstehen, beim umziehen einfach seine Unterhosen runterzog und mir seinen Penis zeigte. Also auch in dem Alter, mit 13 ca. Ich verstehe nicht warum er das getan hat. Wollte er mich schockieren? Ist sowas normal, dass ältere Brüder sowas machen?

    Ich fand das alles nie wirklich schlimm. Erst seit ein paar Jahren mache ich mir zunehmend Gedanken darüber.
    Muss dazu sagen, mein Bruder ist seit einigen Jahren tot. Er starb bei einem Unfalls als er anfang 30 war. Zu seinem damaligen Freund hatte er bereits vor seinem Tod schon Ewigkeiten keinen Kontakt mehr und auch ich keinen mehr zu meiner damaligen besten Freundin.

    Was mich halt ziemlich beschäftigt zurzeit ist die Tatsache, dass mein Bruder eigentlich nie so der typische große Bruder war. Der seine kleine Schwester beschützt. So wie man das halt kennt von großen Brüdern.
    Dadurch, dass wir das im Dunkeln damals gespielt haben und sein Freund an mich ran durfte, fühle ich mich sogar auf eine Art von ihm verraten.

    Mein Problem ist einfach folgendes. Ich hatte/habe meinen Bruder ja trotzdem lieb, sehr sogar. Und ich vermisse ihn. Er zog früh von zuhause aus und lebte schnell sein eigenes Leben. Wir hatten dann nie viel Kontakt, er kam oft nur zu Weihnachten oder Ostern uns besuchen. Zu meinen Eltern hatte er mehr Kontakt aber wir beide gar nicht. Was aber nicht an der Sache von damals lag. Es war halt einfach so.
    Das traurige ist, dass wir uns im erwachsenenalter ganz laaangsam wieder angenähert haben. Und ich denke, wir wären uns wieder näher gekommen und hatten vllt geschafft eine normale Geschwister Beziehung aufzubauen. Leider wurde uns die Chance nicht gegeben, denn gerade als wir uns wieder langsam näher kamen, geschah der Unfall.

    Ich denke viel darüber nach. Bin immer noch so traurig, dass er tot ist. Auch wenn das jetzt schon einige Jahre her ist. Bin traurig, dass es meinen Eltern schlecht geht, unsere Familie halt auf eine Art kaputt ist.
    Vermisse ihn und liebe ihn auf der seinen Seite, bin aber auch wütend auf der anderen. Wütend, dass er nie so richtig ein großer Bruder für mich war. Ich hatte dann mit 15,16 sehr viele Probleme, war kein einfacher Teenager aber das hat ihn alles nicht interessiert.
    Andererseits hat ER auch mich damals nicht interessiert. Ich denke wir waren einfach schon zu sehr auseinander gelebt und halt auch vom Alter mit fast 5 Jahren ziemlich weit auseinander. Umso trauriger, dass uns die Chance genommen wurde, dass sich das nochmal ändern kann.

    Dann stelle ich mir auch oft die Frage, wie ich damit umgehen soll. Es ist schwer jemanden zu vermissen und lieb zu haben, wenn man gleichzeitig wegen einer Sache wütend auf ihn ist. Ein Sache, die man nie wieder ansprechen kann.
    Ja, ich hätte ihm gern gesagt, dass ich das von damals nicht in Ordnung fand. Nun kann ich es nicht mehr. Wir können uns nicht mehr aussprechen, in diesem Leben. Das zermürbt mich auf eine Art.

    Auch frage ich mich, ob das damals schon so eine Art Mißbrauch war? Meine Freundin und ich, wir haben ja aus Spaß mitgemacht bei dem Spiel. Fühlten uns dann irgendwie groß,wie Frauen. Wussten gar nicht so wirklich was abging. Heute sehe ich das natürlich aus einem ganz anderen Blickwinkel und finde, dass das alles eigentlich nicht so hätte passieren dürfen.

    Ich war vor Jahren auch mal in Therapie. Nicht deswegen sondern wegen anderen Sachen. In einer Sitzung sprach ich aber das mit meinem Bruder an. Sie meinte zwar, das wäre schon so eine Art Mißbrauch gewesen, stellt mir aber danach direkt die Frage, "aber du hast doch keinen Schaden davon getragen, oder?" Da fühlte ich mich irgendwie vor den Kopf gestoßen. So, als würde ich rumspinnen, weil doch alle Kinders Doktorspiele oder ähnliches machen.

    Wie würdet ihr denn damit umgehen in so einer Situation? Um jemanden trauern, oftmals auch gleichzeitig auf ihn wütend sein. Damit klar kommen müssen, dass man nie über die Sache reden kann. Macht mich irgendwie fertig. Ich habe mir mal überlegt, den damaligen Freund meines Bruders zu kontaktieren. Nicht um ihn zu beleidigen oder fertig zu machen wegen der Sache sondern einfach mal, um ihn zu fragen, ob er sich überhaupt noch daran erinnert. Ihm sagen, dass ich mir ziemlich oft Gedanken um das "Spiel" gemacht habe und ob ihm eigentlich bewusst ist, dass das damals alles nicht so wirklich in Ordnung war. Auch wenn die beiden "erst" 13,14 ca. waren. In dem Alter ist man glaube ich alt genug, um zu wissen, dass man sowas nicht macht?!

    Denkt ihr es ist falsch jemanden nach so langer Zeit damit zu konfrontieren? Das ist ja nun ca 25 Jahre her.

    Was meint ihr?

    Liebe Grüße
    Nada

  2. #2
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    Standard AW: Mein Bruder und eine "Sache", über die nie geredet wurde

    Hallo Nada,

    so Art "Spiele" kenne ich auch als Kind.
    Ich erinnere mich an diesen älteren Jungen, welches sich andauernd auf mich legte und sich hin und her bewegte. Dabei ging seine Hand auch unter mein Shirt.
    Ich war damals zu klein um diese Art von "Spiel" einzuordnen, so das ich mir darüber nie viel Gedanken gemacht habe.
    Keine Ahnung wieviel Sinn das macht jemanden nach solanger Zeit darauf anzusprechen.

  3. #3
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    Standard AW: Mein Bruder und eine "Sache", über die nie geredet wurde

    Zitat Zitat von Nada Beitrag anzeigen

    Ich war vor Jahren auch mal in Therapie. Nicht deswegen sondern wegen anderen Sachen. In einer Sitzung sprach ich aber das mit meinem Bruder an. Sie meinte zwar, das wäre schon so eine Art Mißbrauch gewesen, stellt mir aber danach direkt die Frage, "aber du hast doch keinen Schaden davon getragen, oder?" Da fühlte ich mich irgendwie vor den Kopf gestoßen. So, als würde ich rumspinnen, weil doch alle Kinders Doktorspiele oder ähnliches machen.
    Das war nicht sehr sensibel von deiner Therapeutin. Es ist schon richtig, dass solche Spiele unter Heranwachsenden gar nicht so selten sind. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass du diese Gefühle hast und nicht einfach wegschieben kannst (und auch nicht sollst).

    Andererseits gibt man einem Problem auch Nahrung, wenn man ständig darüber nachdenkt. Oft wird ein Problem erst dadurch zum Problem.

    Dazu ein Beispiel aus meinem Leben:

    Ich hatte jahrelang unter Depressionen zu leiden. Ständig habe ich nach Strategien gesucht, wie ich mein Leben in den Griff kriege. Diese Strategien habe ich Gott sei Dank aufgeschrieben und sie begannen immer mit "Priorität 1 ist meine Depression". Irgenwann viel es mir dann wie Schuppen von aus den Haaren ;-) Nein, diese blöde Despression ist nicht Nummer 1. Nummer 1 ist mein Leben. Ich kümmere mich um mein Leben, meine Freunde usw. und die blöden Depression wird mich nicht daran hindern. Das war dann der Wendepunkt oder zumindest einer der Wendepunkte.
    Geändert von TomTurbo (06.12.2016 um 17:29 Uhr)
    Die Religionen der Welt geben zwar falsche Antworten - Aber sie stellen die richtige Art von Fragen.

  4. #4
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    Standard AW: Mein Bruder und eine "Sache", über die nie geredet wurde

    Zitat Zitat von Nada Beitrag anzeigen
    Irgendwann, ich weiß gar nicht mehr, wie es dazu kam ehrlich gesagt, spielten wir ein Spiel im Zimmer und wir machten das Licht aus und Rolladen runter. Es war also Stockdunkel. Es sollte eigentlich nur so eine Art Versteckspiel sein.

    Naja, auf jeden Fall mussten die Jungs uns dann Suchen und wenn sie uns gefunden hatten, dann haben wir so getan, als hätten wir Sex. Mein Bruder hat im Dunkeln immer meine Freundin gesucht, und sein Freund mich.
    Was genau mein Bruder mit meiner Freundin gemacht hat, weiß ich nicht, aber der Freund meines Bruders der legte sich halt immer auf mich drauf und bewegte sich "hin und her". Kleidung war aber immer an. Einmal fragt er mich ob er meine (nichtvorhandenen) Brüste anfassen darf und ich sagte ja. Mir machte das damals eigentlich gar nicht viel aus.Ich glaub meiner Freundin gings da ähnlich.
    Nun, ihr habt euch bei diesem Spielchen also alle amüsiert. Ist doch schön.
    Ich weiß noch wie er zb, als ich einmal im Bad am Waschbecken stand einfach reinkam (bekleidet) und sich einfach so von hinten an mir gerieben hat im vorbeigehen. Erinnere mich auch daran, dass er zweimal morgens nach dem Aufstehen, beim umziehen einfach seine Unterhosen runterzog und mir seinen Penis zeigte. Also auch in dem Alter, mit 13 ca. Ich verstehe nicht warum er das getan hat. Wollte er mich schockieren? Ist sowas normal, dass ältere Brüder sowas machen?
    Nun, er war 13, entdeckte seine Sexualität... Passiert.
    Mein Cousin zeigte mir mit 13, da war ich 9 oder 10, ganz stolz, daß er nun masturbieren kann. Ich find das immer noch gnadenlos witzig.

    Ich fand das alles nie wirklich schlimm. Erst seit ein paar Jahren mache ich mir zunehmend Gedanken darüber.
    [...]Dadurch, dass wir das im Dunkeln damals gespielt haben und sein Freund an mich ran durfte, fühle ich mich sogar auf eine Art von ihm verraten.
    [...] wütend auf ihn ist. Ein Sache, die man nie wieder ansprechen kann.
    Ja, ich hätte ihm gern gesagt, dass ich das von damals nicht in Ordnung fand.
    [...] Auch frage ich mich, ob das damals schon so eine Art Mißbrauch war? Meine Freundin und ich, wir haben ja aus Spaß mitgemacht bei dem Spiel. Fühlten uns dann irgendwie groß,wie Frauen. Wussten gar nicht so wirklich was abging. Heute sehe ich das natürlich aus einem ganz anderen Blickwinkel und finde, dass das alles eigentlich nicht so hätte passieren dürfen.

    Wie würdet ihr denn damit umgehen in so einer Situation? Um jemanden trauern, oftmals auch gleichzeitig auf ihn wütend sein. Damit klar kommen müssen, dass man nie über die Sache reden kann. Macht mich irgendwie fertig. Ich habe mir mal überlegt, den damaligen Freund meines Bruders zu kontaktieren. Nicht um ihn zu beleidigen oder fertig zu machen wegen der Sache sondern einfach mal, um ihn zu fragen, ob er sich überhaupt noch daran erinnert. Ihm sagen, dass ich mir ziemlich oft Gedanken um das "Spiel" gemacht habe und ob ihm eigentlich bewusst ist, dass das damals alles nicht so wirklich in Ordnung war. Auch wenn die beiden "erst" 13,14 ca. waren. In dem Alter ist man glaube ich alt genug, um zu wissen, dass man sowas nicht macht?!

    Denkt ihr es ist falsch jemanden nach so langer Zeit damit zu konfrontieren? Das ist ja nun ca 25 Jahre her.

    Was meint ihr?
    Ich frage mich, warum du jetzt, 25 Jahre später, oder laß es 20 gewesen sein, auf den Trichter kommst, daß das Mißbrauch war.

    Heute ist man für das Thema viel sensibler aufgestellt - ja.
    Aber das nun auf eine Situation zu übertragen, bei der sich alle Beteiligten nichts böses bei dachten, an der man sogar Spaß hatte, da nun Jahrzehnte später einen Mißbrauch herein zu interpretieren, das zeugt davon, daß du ganz andere Baustellen in deinem Leben hast.
    Mir kommt es so vor, als willst du unbedingt wütend auf deinen Bruder sein, weil er so früh gestorben ist und sich einige Dinge nun nicht mehr realisieren lassen. Und diese an sich harmlose Geschichte zu einem Mißbrauch umzudeuten, macht die irrationale Wut auf ihn... greifbarer. Faßbarer. Realer.

    Wann fingst du denn an, das nicht in Ordnung zu finden? Erst seitdem er tot ist, oder schon vorher? Und warum findest du es nun unangenehm - weil du dich selber darauf eingelassen hat und sogar Spaß daran hattest? Sind dein Bruder und Freund das Problem oder eher du - weil du deine Empfindungen von damals nicht mehr nachvollziehen kannst?

    Und ob die mit 13/14 hätten wissen müssen, daß "man so was nicht macht" sei dahingestellt, damals sah man diese Spielchen, um nichts anderes handelt es sich für mich, viel entspannter als heute, wo man hinter jedem 13jährigen der seine Sexualität entdeckt und das vielleicht auch noch ein wenig ungeschickt, einen Triebtäter vermutet.

  5. Für den Beitrag dankt: TomTurbo

  6. #5
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    Standard AW: Mein Bruder und eine "Sache", über die nie geredet wurde

    Ich denke, das eigentliche Problem sind nicht die 'Spiele', die die ihr damals 'gespielt' habt, sondern die Tatsache, dass Du von Deinem Bruder enttäuscht bist. Ehrlich gesagt sehe ich da noch nicht wirklich einen Missbrauch, denn Du sagst selber, dass ihr die Spiele damals ohne Hintergedanken mitgespielt habt, Dein Bruder und sein Freund haben sich in der Zeit gerade selbst gefunden, sexuell gesehen... Und solange Du dabei nicht irgendein schlechtes Gefühl hattest, wurde da wahrscheinlich tatsächlich niemand verletzt. Vermute ich.

    Ich denke, dass eigentlich und auch große Problem war und ist, dass Dein Bruder nicht auf Dich aufgepasst hat. Du warst die kleine Schwester, die beschützt werden wollte und auch sollte. Du hättest Dir von ihm (im Nachhinein) so sehr gewünscht, dass er seinem Freund sagt: 'Das ist meine kleine Schwester, die fasst Du nicht an'. Und da er das nicht getan hat, fühlst du Dich von ihm verraten.

    Er hat sich in dieser Rolle nicht gefunden, vielleicht war sie ihm zu viel, vielleicht hatte er wegen der 'Sache' auch ein schlechtes Gewissen und hat sich auch deshalb nicht mehr in Deinen 'Schutzkreis' getraut. Vielleicht hat es ihn auch sehr beschäftigt... Er kann niemandem beschützen, dem er selbst vermeindlich weh getan hat. Also hat er Dich vor sich beschützt, in dem er sich von Dir fernhielt. Aber das ist nur eine Vermutung.

    Genau wissen wirst Du es nie. Aber eine Frage kann ich Dir mit Sicherheit beantworten. Wenn Du Deinen Bruder geliebt hast, und ich denke, das hast Du, dann darfst Du um ihn trauern, um ihn weinen. Er ist aus Deinem Leben genommen worden, als er gerade bereit war, Dich näher an sich heran zu lassen. Und - egal was er tat oder nicht tat - wenn Du ihn magst, dann trauere.

    Den Freund auf die Ereignisse von damals anzusprechen halte ich für keine so gute Idee. Ich denke, es wird nicht viel dabei rauskommen, aber Du wirst Dich immer mehr in die Gedanken reinsteigern. Es wird in Dir eine immer größere Rolle spielen um so mehr Du darüber nachdenkst. Und irgendwann wirst Du tief verletzt sein, auch wenn Du es damals nicht warst. Versuch abzuschließen.

    Sei sauer auf Deinen Bruder, dass er nicht für Dich da war. Und sei auch sauer auf ihn, dass er es im Moment nicht ist, dass er sich durch den Unfall 'aus Deinem Leben geschlichen' hat. Das Gefühl hat neben Trauer auch Platz in Dir. Und ich denke, das ist es, was dringend verarbeitet werden möchte....
    Ist es nicht unglaublich, dass wir maßlos unter unserer Einsamkeit leiden und uns doch mit einer brennenden Sehnsucht wünschen, allein zu sein?
    (Heinrich Böll)

    In darkness be the sound and light
    (Ronan Harris)

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