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Thema: Mein Bruder und eine "Sache", über die nie geredet wurde

  1. #6
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    Standard AW: Mein Bruder und eine "Sache", über die nie geredet wurde

    Ich schließe mich hier weitgehend Athanasia an.

    Ich glaube man muss sehr aufpassen, dass man Dinge aus der Kindheit mit den Augen eines Erwachsenen betrachtet. Gerade wenn die Dinge 25 Jahre weit zurückliegen. Man gerät oft in die Versuchung aus heutiger Betrachtung die Geschehnisse zu bewerten. Du schreibst selbst, dass Du und Deine Freundin Spaß hattet und Euch nichts dabei gedacht hattet.
    Ich glaube, viele Menschen haben solche Dinge in ihrer Kindheit erlebt. Ich selbst auch – und würde da ehrlich gesagt heute auch eher ungern drüber sprechen. Nicht weil ich damals so „beschämt“ drüber gedacht habe, sondern aufgrund meiner Erfahrungen etc. die Dinge jetzt nicht gerade gerne erzählen würde. Und vermutlich würde ein Therapeut auch hier sagen: das könnte ein Missbrauch gewesen sein – nein, war es nicht für mich. Auch wenn ich so etwas nicht so gerne ausführlich bereden würde. Aber das sind so Kindheitsgeheimnisse, die tragen vermutlich viele mit sich rum.
    Und was das Beschützen angeht: ich selbst habe einen 1,5 Jahre jüngeren Bruder – ich denke, mein Bruder hat nie von seiner Schwester erwartet beschützt zu werden, geschweige denn umgekehrt. Vor allem nicht in dem Alter. Liegt bei mir aber vielleicht daran, dass ich die Ältere war. Dieses Beschützen kam bei meinem Bruder erst viel später mit Anfang 20 … und auch das eher so, dass ich es nicht so gemerkt habe. Ich finde es ziemlich unfair so etwas von einem 13 jährigen Jungen zu verlangen … der selbst ein Kind ist, in der Pubertät ist, sich selbst noch nicht gefunden hat, sondern auf der Suche. Das muss man als Erwachsener einfach mal anerkennen – wenn es vielleicht als Kind mit 7 oder 8 Jahren nicht so geht und man sich anderes wünscht. Aber wir wissen alle: Wünsche gehen nun mal nicht alle in Erfüllung. Erwartungen erst recht nicht.

    Die Frage wäre für mich eher, weshalb Du Dich ausgerechnet jetzt so stark damit beschäftigst – so stark, dass Du das Thema sogar nochmal mit dem damaligen Freund Deines Bruders bereden würdest? Was machst Du, wenn er sich gar nicht mehr erinnert? Was willst Du ihm sagen, wenn er sich erinnert? Willst Du ihm nun 25 Jahre später sagen, dass es nicht ok war – obwohl es damals sehr wohl ok für Dich war? Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.
    Ich würde mich an Deiner Stelle mal fragen, was Dir die Beschäftigung mit diesem Thema so „bringt“? Was bringt Dir die Wut auf Deinen Bruder? Was bringt es Dir, Dich so massiv mit diesem Thema zu beschäftigen? Wovon lenkt es Dich ab? Was lässt es nicht zu?

    Ich bin in Sachen Trauer und Trauerbewältigung nicht sonderlich fit – ich weiß nur, dass man bei der Trauer verschiedene Phasen durchläuft. U.a. Leugnen, Schmerz, Wut, Schuldzuweisung, Akzeptanz, Loslassen.
    Vielleicht schaust Du Dir Deine Trauer hier nochmal genauer an. Diese Wut, die auch noch nach 25 Jahren da ist, die Dich nicht loslässt, die auch nicht zulässt, dass Du Deinen Bruder loslässt, die nicht zulässt, dass Du Deinen Bruder einfach nur lieben kannst – sondern die will, dass Dein Bruder … ja, was? Dass er schuld ist, dass Deine Familie kaputt ist? Dass er schuld ist, dass ihr nie über seinen Tod hinweg kommt? Dass ihr ihn vermisst?
    Der Tod eines engen Familienangehörigen, gerade eines Kindes in einer Familie, reißt ein Loch in die Familie und hat weitreichende Konsequenzen. Unter anderem genau die, wie sie bei Dir und Deiner Familie auftreten.
    Vielleicht wäre es gut für Dich, hier eine Art Trauergruppe zu suchen, mit der Du über Deine Trauer und Wut sprechen kannst. In der Du es vielleicht irgendwann schaffst, Deinem Bruder zu vergeben – seinen Tod, seine Abwesenheit, sein Fehlen, dass Deine Eltern nicht mehr die sind, die sie mal waren. Und vielleicht schaffst Du es auch, Deinen Eltern zu vergeben, dass sie es nicht schaffen, dieses Loch sowohl für sich als auch für Dich zu stopfen.
    Aber tu Dir selbst den Gefallen und verbeisse Dich nicht in ein Thema aus früher Kindheit, das – gut, ist jetzt meine persönliche Meinung – dazu dient, Dich von den wirklich wichtigen und schmerzlichen Dingen abzulenken.
    Ach und nochwas: natürlich kannst Du mit Deinem Bruder reden – in Deinen Gedanken, via Brief etc. Lass hier mal Deinen Verstand los und nur die Gefühle sprechen.
    Ich habe es bspw. bei meinem Lieblings-Cousin so gemacht (der ist mit Anfang 20 durch Autounfall gestorben), dass ich eine ganze zeitlang lange Spaziergänge durch die Natur gemacht habe und in Gedanken mit ihm gesprochen habe. Ich hatte sogar eine kleine Gedenkstätte im Wald für ihn gemacht (sein Grab war für mich viel zu weit weg) und bin da ganz oft hin und habe ihm alles gesagt, was ich ihm noch sagen wollte. Ich bin heute noch der Meinung, dass er mir da ganz nah war und mir zuhörte. So habe ich Abschied genommen.



  2. Für den Beitrag dankt: Ratte

  3. #7
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    Standard AW: Mein Bruder und eine "Sache", über die nie geredet wurde

    Jetzt mal ganz unabhängig von der Beziehung zu deinem Bruder, rein "sachlich" betrachtet: ich denke, man hat so eine Frage nach möglichen Missbrauch nicht "einfach so" im Hinterkopf. Was ist also passiert, dass du angefangen hast, die Ereignisse von damals zu hinterfragen und auf einmal ein negativeres Gefühl dazu zu entwickeln? Gab es einen Auslöser?

    Ich will dir unbedingt mitgeben, dass dein Bauchgefühl wichtig ist und wie du dich fühlst. Und wenn es für dich negativ ist, sollte man das ernst nehmen und dem auf den Grund gehen.

    Meine persönliche Meinung dazu ist: mag sein, dass deine Freundin und du als Kinder das ganze unbedarfter gesehen habt. Aber die große Frage für mich ist halt, welche Beweggründe dein Bruder und sein Freund hatten. Und warum sie das alles gemacht haben. Als Kinder hatten du und deine Freundin einen eigenen Standpunkt dazu. Habt vielleicht noch gar nicht das Zusammenspiel durchschauen können oder den Gesamtkontext.

    Und ja, wenn zwei Halbwüchsige unter dem Deckmantel "Wir spielen was" zwei 7-, bzw. 8-jährige Mädchen zur Befriedigung oder zum Sammeln sexueller Erfahrungen benutzen, hat das zumindest für mich missbräuchliche Züge. Weil diese Mädchen womöglich gar nicht von diesem rein sexuellen Aspekt ausgegangen sind und es für sie wirklich nur ein Spiel war. Da wird für mich eine Grenze überschritten.

    Das würde auch erklären, warum du dich rückblickend nicht von deinem Bruder "beschützt" gefühlt hast. Oder enttäuscht von ihm bist. Weil für mich schwingt mit, dass du es nachträglich schon als Auslieferung empfindest. Weil es womöglich doch mehr sexuelle Aspekte hatte, als gut war.

    Ich halte es nochmal für eine andere Kiste, wenn bei "Doktorspielchen" ein Part gerade einmal 7 oder 8 Jahre alt ist und der andere 13 oder 14.

    Und Nein, ein Bruder, der seiner kleinen Schwester einfach so sein Genital zeigt, finde ich nicht normal. Auch nicht, dass er sich von hinten an ihr reibt. Ich finde, das sind Punkte, die kann man nicht einfach so wegdiskutieren.

    Ich verstehe, dass du dieses Kapitel für dich klären und auflösen willst. Aber meiner Meinung nach wäre es für dich wichtig, dies für dich zu tun und für dich das Thema abzuschließen, wie auch immer das aussehen kann - denn die Antworten von deinem Bruder wirst du nicht mehr bekommen. Vielleicht war seine Zurückhaltung sogar darin begründet, dass er wegen den Vorfällen von damals Abstand zu dir gesucht hat.

    Vielleicht wollte deine Therapeutin dir eigentlich das sagen, was meine mir mal gesagt hat: "Man muss nicht jeder traumatischer Erfahrung genau nachgehen und diese näher ansehen." - wenn man sonst gut durch den Alltag kommt und leben kann, ohne sich belastet oder eingeschränkt zu fühlen. Und das ist halt die Frage: beschäftigt es dich jetzt, weil nachträglich ein paar Gefühle und Gedanken an die Oberfläche kommen, die du verdrängt hast oder die du erst jetzt als Erwachsene erkennst, oder fühlst du dich beunruhigt, weil du zu viele Möglichkeiten durchgehst, alles nochmal im Kopf überschlägst und eigentlich streng genommen zusätzlich nicht mit der Beziehung zu deinem Bruder klarkommst, bzw. der ganze Konflikt für dich noch offen liegt und nicht geklärt ist, weil er nie geklärt werden konnte?

    Ich würde dir trotzdem raten, in der Therapie dann anzusprechen, wenn du dich mit diesen Fragen näher außeinandergesetzt hast, dass das für dich keine Kleinigkeit ist und dich wirklich beschäftigt und ja, unter Umständen belastet. Da sollte ein guter Therapeut anders reagieren.

    Allgemein wäre es für dich wahrscheinlich sehr wichtig, dass du das Kapitel mit deinem Bruder abschließen kannst. Das bedeutet nicht, ihn zu vergessen oder alles zu verdrängen, aber nach vorne blicken zu können und sich von alten Fesseln zu lösen.
    Geändert von Findefuchs (06.12.2016 um 17:01 Uhr)

  4. Für den Beitrag danken: ~scum~

  5. #8
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    Standard AW: Mein Bruder und eine "Sache", über die nie geredet wurde

    @Findefuchs: Du hast in vielen Punkten sicher recht.
    Trotzdem frage ich mich, ob man hier einem 13jährigen in der Pubertät nicht zu viel Verantwortung (Schutz der Schwester) aufträgt?! Ein 13 Jähriger ist eben ein 13 Jähriger und kein erwachsender Mensch. Er ist in der Findungsphase. Ich kann mir auch gut vorstellen, was Du schreibst: dass er evtl. im Nachhinein ein ungutes Gefühl hatte was diese sexuellen Handlungen angeht.
    Ich will ihn nicht völlig frei sprechen, denn auch mit 13 hat man einen Kopf zum nachdenken. Allerdings ist die Frage wie weit hier nachgedacht wird, wenn die Hormone verrückt spielen. Vor dem Gesetz ist man in einem solchen Alter auch nicht verantwortlich.
    Letztlich müsste man das eigentlich den Eltern ankreiden, die zwar mal nachgefragt haben, aber das war‘s dann auch schon. Ich persönlich würde hier eher die Eltern verantwortlich machen. Sie müssen sich drum kümmern, dass hier keine Grenzüberschreitungen stattfinden und dem einen Riegel vorschieben, wenn Grenzen überschritten werden (vielleicht haben sie das dann auch getan – es hörte ja lt. TE ganz plötzlich auf).
    Ich würde hier differenzieren: heute habe ich die Gefühle – damals andere; heute würde ich mir wünschen … aber von wem wünsche ich mir das: vom 13jährigen Bruder oder vom erwachsenen Bruder???
    Und nochmal trotzdem: ich könnte mir gut vorstellen, dass das Thema eine Art psychisches Ablenkungsmanöver ist, wie vorher schon geschrieben.

  6. #9
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    Standard AW: Mein Bruder und eine "Sache", über die nie geredet wurde

    Zitat Zitat von Arragorn Beitrag anzeigen
    @Findefuchs: Du hast in vielen Punkten sicher recht.
    Trotzdem frage ich mich, ob man hier einem 13jährigen in der Pubertät nicht zu viel Verantwortung (Schutz der Schwester) aufträgt?! Ein 13 Jähriger ist eben ein 13 Jähriger und kein erwachsender Mensch. Er ist in der Findungsphase. Ich kann mir auch gut vorstellen, was Du schreibst: dass er evtl. im Nachhinein ein ungutes Gefühl hatte was diese sexuellen Handlungen angeht.
    Ich will ihn nicht völlig frei sprechen, denn auch mit 13 hat man einen Kopf zum nachdenken. Allerdings ist die Frage wie weit hier nachgedacht wird, wenn die Hormone verrückt spielen. Vor dem Gesetz ist man in einem solchen Alter auch nicht verantwortlich.
    "Beschützen" im erwachsenen Sinne, so wie es Eltern tun müssten, ist sicherlich zu weit vorausgegriffen. Das kann ein Jugendlicher nicht leisten, da stimme ich dir zu.

    Aber ich finde, in diesem Alter kann man schon von einem Bewusstsein für Recht und Unrecht sprechen. Und WENN die beiden Jungen in diesem Alter sexuelle Absichten hatten und es für sie kein Spiel war, sondern eher inszeniert, um die beiden Mädchen dazu zu bekommen, dann finde ich das schon etwas, das man einem Jugendlichen ankreiden kann. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass der Bruder dann eben wusste, dass sein Freund nicht nur spielen möchte, sondern seine Schwester für eine sexuelle Absicht benutzt. Und eine sexuelle Absicht ist es für mich schon, sich an jemand anderen zu erregen.

    Und wenn es so war, dann erwarte ich schon von einem Jugendlichen, dass ihm trotz aller Hormone und Doktorspielchen auffällt, dass seine Schwester und deren Freundin gerade mal 7, bzw. 8 Jahre alt sind. Dass es also Kinder sind, die gar nicht in diesem Ausmaß sexuelle Hintergedanken und Absichten haben können, so wie es ein Jugendlicher hat.

    Die Argumentation "Für die Kinder war es ja ein Spiel und sie hatten keine schlechten Gefühle dabei" oder womöglich die damalige Argumentation oder Denkweise des Bruders "Meine Schwester hat ja freiwillig mitgemacht" zieht für mich nicht, da es Kinder waren, die sich womöglich unter diesen Gesichtspunkten dem gesamten Ausmaß und den eigentlichen Absichten der Jungen nicht bewusst waren und diese nicht einschätzen konnten. Ein Kind hat einfach nicht die sexuellen Hintergedanken und Regungen, so wie es ein Jugendlicher hat.

    Und klar, für die Mädchen war es damals ein Spiel, oder sehr spielerisch, sie hatten keine schlechten Gefühle dabei - was wäre aber wenn sie gewusst hätten, dass es für die beiden Jungen womöglich kein Spiel ist und es für sie um rein sexuelle Aspekte geht und um Erregung?

    Und nochmal, mir ist klar, dass es Doktorspielchen gibt und dass Kinder sowohl als auch Jugendliche ihre Sexualität entdecken. Aber ein Unterschied zwischen 7, 8 Jahren und 13, 14 finde ich schon etwas ungut.

    So kommt zumindest für mich der missbräuchliche Unterton zustande, der einfach meiner Meinung nach mitschwingt.

    Und klar, ein 14-jähriger handelt anders als ein späterer Erwachsener, ganz klar. Der ist auch anderen Hormonen unterworfen. Aber so sehr entschärft es für mich die Gesamtsituation nicht.

    Und nochmal: der Junge hat seiner Schwester ungefragt sein Geschlchtsteil gezeigt und sich an ihr gerieben, das sind sexuelle Handlungen. Und wenn es keine waren, dann wäre ich sehr darauf gespannt, wie man das erklären kann. Normal finde ich das nicht bei einer Schwester, die um einige Jahre jünger ist, was in diesem Alter viel ausmachen kann.

    Ich will jetzt auch keine Lawine lostreten oder einige Beiträge falsch auslegen oder dramatisieren. Ich will hier aber was in den Raum werfen, was mir wichtig ist und was ich unbedingt loswerden möchte. Ich picke mir das jetzt mal so raus, wie man es AUCH lesen kann (ich will hier wie gesagt keinem etwas falsch auslegen oder andichten!): Da ist eine Frau, die erzählt, sie fühlt sich jetzt als Erwachsene schlecht, wegen den Dingen, die in der Kindheit passiert sind. Und dass ihr Bruder mittlerweile tot ist. Das sind eigentlich auch zwei verschiedene Ausgangssituationen unter Umständen: denn das, was in der Kindheit passiert ist, ist ja eigens passiert und würde bestehen bleiben, selbst wenn der Bruder noch lebt. Und seine Lebendigkeit würde nichts an den Geschehnissen ändern. Dann konzentrieren sich aber einige überwiegend auf den Fakt, dass er tot ist. Und schreiben, dass man aufpassen sollte, wie man später als Erwachsener manche Dinge aus der Kindheit sieht. Was ganz richtig ist, da stimme ich zu. Aber in manchen Argumentationen wird mir das Versterben des Bruders zu sehr als überwiegender Hauptgrund herangezogen und dass der Kontakt nicht gut zwischen beiden Geschwistern war (vielleicht sogar wegen den Ereignissen damals?). Und für mich besteht die Gefahr, dass hierbei die negativen Gefühle der TE und die nicht völlig normalen Ereignisse, die damals passiert sind, klein geredet werden. Oder ihre negativen Gefühle und dass eben doch einiges schief und ungut abgelaufen ist, untergehen. Jetzt hat schon die Therapeutin ihr Anliegen beiseite gewischt mit einer nicht wirklich sensiblen und angebrachten Art, wie ich finde.

    Und dann folgen die Überlegungen: der war in der Pubertät. Das war ja ein Spiel. Die Jungs waren noch nicht erwachsen etc. Und das kann, wenn es doof läuft und es jemand labiles liest, ein wenig so wirken, als würde man die Handlungen der Jungs in Schutz nehmen. Oder darüber hinwegsehen, dass die Mädchen als Kinder manches einfach noch nicht so bemerken konnten, wie später als Erwachsene.

    Genauso, wie man als Erwachsener aufgrund traumatischer Erfahrungen und Prägungen rückwirkend einiges aus der Kindheit negativer und schlimmer sehen kann, als es wirklich war, kann es auch umgekehrt sein: als Erwachsener fällt einem erst rückwirkend auf, was nicht in Ordnung war und grenzüberschreitend. Was man so als Kind damals nicht wahrgenommen hat und auch nicht wahrnehmen konnte.

    Die TE erzählt sogar, dass ihr Bruder ihr unaufgefordert sein Geschlechtsteil gezeigt und sich an ihr gerieben hat. Finde ich persönlich nicht okay und nicht normal. Und geht für mich über "der ist in der Pubertät" hinaus.

    Und ich will hier eigentlich nur darauf hinweisen, dass hier viele Opfer von Missbrauch mitunter mitlesen. Die teilweise oder gänzlich damals Kinder waren. Und wenn die dann lesen: "Der war in der Pubertät" oder "die Jungs waren doch noch nicht erwachsen" kann das sehr treffen. Ich wurde damals nicht als Kind missbraucht, aber ehrlich gesagt sträuben sich mir dennoch als Überlebende da etwas die Nackenhaare.

    Ich will betonen, dass ich da übersensibel bin. Ich will das aber, wie manche Beiträge und Argumentationen wirken können, nicht einfach so stehen lassen. Ich will nicht dramatisieren und keinen moralischen Zeigefinger erheben, sondern nur darauf aufmerksam machen und meine Sichtweise der Dinge schildern und wieso ich das missbräuchlich finde, was die TE alles erzählt und schon bedenklich.
    Geändert von Findefuchs (07.12.2016 um 15:42 Uhr)

  7. #10
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    Standard AW: Mein Bruder und eine "Sache", über die nie geredet wurde

    Vermutlich bin ich da nicht so sensibel .... Ich kann es schlecht beurteilen, weil hier einfach zu viele Dinge zusammenkommen.

    Trotzdem: ich bin immer noch der Meinung, dass ein 13jähriger - der ja seine Sexualität erst entdeckt - nicht unbedingt weiß was hier Recht und Unrecht ist. Wenn ich das mal aus meiner - weitgehend - unbedarften Sichtweise so sagen kann. Ich habe auch einen Bruder ... der ist zwar jünger, aber auch der hat mir sein GEschlechtsteil gezeigt und gezeigt, dass "das da unten auch stehen kann". Das war nicht mit 13, da war er schon jünger ... aber was soll's. Ich fand es nicht Schlimm. Aber er hat sich auch nicht an mich gerieben.

    Du hast völlig recht ... ist nicht einfach. Das muss man bzw. die TE auseinander klamüsern, was genau sie nun so betroffen macht. Was mich nur so erstaunt ist: dass sie das ganze - so verstand ich es zumindest - bis vor kurzem als völlig ok "bewertet" hat und erst die letzte Zeit sich extrem damit beschäftigt. Gut, kann natürlich auch sein, dass das alles erst jetzt hochkommt.

    Summasummarum ist es vermutlich auch für sie nicht einfach, hier zu unterscheiden, was was ist. Ich wünsche Ihr, dass sie es schafft und sich damit Klarheit einstellt und vielleicht auch irgendwann mal Frieden für sie eintritt.

    Ich würde mich freuen, wenn sie sich nochmal meldet.

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