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Thema: Vergewaltigung, keine Anzeige. ***kann triggern***

  1. #1
    Gast
    Gast

    Standard Vergewaltigung, keine Anzeige. ***kann triggern***

    (Schonmal im Voraus: Sorry für den langen Text)
    Hallo ihr Lieben,
    es fällt mir sehr schwer, über das zu reden oder auch nur zu schreiben, was mir passiert ist. Deshalb ein Forum und deshalb hier, weil keine Anmeldung erforderlich ist.
    Ich wurde vor vier Wochen von einem ehemaligen Arbeitskollegen vergewaltigt. Er ist ca. 30, ich bin 22. Wir hatten beruflich sporadischen Kontakt, sonst nicht. Ich hatte nie das Gefühl, dass da zwischen uns was wäre, wenn auch nur Anziehung o.Ä.. Ich hab ihn an besagtem Tag zufällig in der Verwaltung der Arbeit getroffen, als wir beide noch etwas abgeben mussten. Sonst war niemand da. Da die Mitarbeiter dort sehr unterschiedliche Arbeitszeiten hat, hat nunmal jeder nen Schlüssel um rein zu kommen,wenn etwas ist, auch wenn sonst niemand da ist. Anfangs wars ganz cool, wir kamen ins Gespräch, haben über gemeinsame Fälle gesprochen (wir arbeiten im sozialen Bereich), noch nen Kaffee getrunken, weil wir uns so gut unterhalten haben. Irgendwann, nach einer Stunde oder so, wollte ich dann gehen, weils schon recht spät war. Und da fings an. Er hat lauter unterschwellige Andeutungen gemacht, erstmal nur Komplimente und joah...Mir war das schon sehr unangenehm und ich bin zur Tür, hab nochmals Tschüss gesagt, aber da hat er mich dann aufgehalten. Ich weiß, dass es nicht meine Schuld war. Ich habe ihm keinen Anlass gegeben, zu denken, dass ich das möchte. Aber darum gings ihm glaub ich auch garnicht. Als er dann 'fertig' war, konnt ich erstmal garnix machen. Und er irgendwie auch nicht. Er hat sich erstmal ne halbe Ewigkeit vor die Tür gehockt und seine Hände angeguckt. Irgendwann bin ich dann gegangen. Er hat mich nicht mehr aufgehalten oder irgendwas gesagt. Nichts.
    Da das ganze 'nur' ein Nebenjob war, hab ich ihn zwei Tage später gekündigt. Das ging erstaunlich einfach. Ich habe einfach gesagt, dass ich wegen dem Studium kaum mehr Zeit hab, dass es mir Leid tut, aber ich kündigen muss. Das Problem fing eher bei meinen Eltern an. Ich wohne noch zu Hause, weshalb meinen Eltern natürlich nicht verborgen blieb, dass es mir nicht gut geht. Ich habe ihnen gesagt, dass ich einfach nen ordentlichen Durchhänger hab, wegen dem ganzen Stress im Studium etc. Sie sind nicht sehr überzeugt, geben mir aber momentan meinen Freiraum.
    Mein eigentlich, richtiges Problem ist, dass ich keine Anzeige gemacht hab. Ich hab mir vorher immer gesagt, wenn dir sowas mal passiert, dann machst du auf jeden Fall eine. Jetzt ist es mir passiert und ich habe es nicht getan. Meine erste Reaktion war nach Hause zu fahren und mich unter die Dusche zu stellen. Ganz davon abgesehen sind jetzt vier Wochen vergangen. Ich habe soviel gelesen über Frauen, die ihre Vergewaltiger später erst angezeigt haben und sich diesem ganzen Sch**ß nochmal ausetzen mussten, dass ich einfach nicht glaube, dass ich die Kraft habe das zu tun...

    Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder kennt jemanden, dem es so ging? Hat jemand später noch angezeigt oder garnicht und wie kommt ihr damit klar? Wie macht ihr weiter?...

  2. #2
    Gast
    Gast

    Standard AW: Vergewaltigung, keine Anzeige. ***kann triggern***

    Wenn du dich nicht zu einer Anzeige entschließen kannst, wende dich an eine Beratungsstelle, wie z.B. Wildwasser.


    https://www.google.de/webhp?complete...0&q=wildwasser

  3. #3
    Gast
    Gast

    Standard AW: Vergewaltigung, keine Anzeige. ***kann triggern***

    Wenn ich deine Schilderungen lese, kommen erstmal die nackten Aggressionen in mir hoch!
    Das Verhalten des Täters nach dem Übergriff erinnert mich extrem stark an meine Vergewaltigung…
    Dieses Getue von wegen: "Oh mein Gott, ich bin ja gerade sooo schockiert von mir selber… Wie konnte das nur passieren, das kann ich mir ja jetzt überhaupt nicht erklären… " Bullshit!!!
    Lieber Gast, es tut mir wirklich wahnsinnig leid für dich, dass du dies erleben musstest…
    Positiv werte ich die Tatsache, dass du dir absolut darüber im Klaren bist, dass DU nicht die GERINGSTE Schuld an dem Ganzen trägst!!!
    Es ist unfassbar, wie berechnend und heimtückisch manche Menschen vorgehen können, nur um ihren Trieb zu befriedigen…
    Er hat deine körperliche Überlegenheit dir gegenüber auf die feigste Art und Weise missbraucht, wie das ein Mensch tun kann.
    Dass du dir immer sicher warst, dass du nach einer Vergewaltigung sofort eine Anzeige machen würdest und als denn passiert ist, wolltest du dennoch einfach nur nach Hause und unter die Dusche - auch dies kann ich leider nur zu gut verstehen.
    Das war bei mir genau gleich, obwohl der Täter, der mich schwer verletzt hatte, mir nach der Vergewaltigung sogar noch "angeboten hat", dass er mich ins Spital bringt… Wie fürsorglich von ihm! *kotz*
    Aber in diesem Augenblick wollte ich einfach nur noch nach Hause… Alleine sein… Und vor allem die ekelhaften Spuren auf und in meinem Körper beseitigen.
    Am nächsten Tag bin ich dann doch ins Spital gefahren, weil ich extreme Schmerzen hatte, Blutungen und körperliche Verletzungen.
    Dort wurde alles dokumentiert und obwohl ich wusste, dass meine Ausgangslage für eine Anzeige keine schlechte gewesen wäre… Hatte ich nicht den Mut und die Kraft, den Schritt zu tun. :-(
    Leider - denn ich weiss, dass sich der Täter nach mir weitere Opfer gesucht hat.
    Ich bereue dies oft, ja.
    Für mich selber - und für all jene Frauen, die nach mir kamen und die wohl ebenso gelitten haben wie ich.

    Ich kann es dir natürlich nicht garantieren, aber so wie du deine Geschichte schilderst würde ich behaupten, dass du durchaus gute Chancen hättest, dass er verurteilt wird!
    An deiner Stelle würde ich mir auf alle Fälle überlegen, dich um einen Rechtsbeistand zu kümmern…
    Du könntest dich an eine Beratungsstelle wenden, die darauf spezialisiert sind Opfern sexueller Gewalt zu helfen - dort würde man dir auch helfen, mit einer guten Anwältin (oder einem Anwalt) in Kontakt zu kommen!
    Bitte überlege es dir…
    Noch ist es nicht zu spät!!! Auch wenn die medizinischen Beweismittel fehlen, muss das nicht bedeuten, dass du dadurch sowieso keine Chance hast!
    Ich würde dir ans Herz legen, dich zumindest mit der Beratungsstelle in Verbindung zu setzen…
    Es wird dir sicher gut tun, dort überhaupt über das Erlebte sprechen zu können…
    Und vielleicht kannst du dann auch den Schritt wagen, deine Familie zu informieren.
    Es muss ja auch ein wahnsinniger Druck für dich sein, dass zurzeit alles so "geheim" zu halten und Tag für Tag mit diesem schlimmen Geheimnis leben zu müssen…
    Ungeschehen machen kannst du das Erlebte nicht - aber man kann lernen, damit zu leben!
    Etwas vom Wichtigsten ist dabei, dass man über seinen Schmerz reden darf, Ernst genommen wird und Menschen um sich herum hat die einem helfen, einen Teil dieser Last zu tragen…

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Mut für deinen weiteren Weg - sei stark!

  4. #4
    Taddywei
    Gast

    Standard AW: Vergewaltigung, keine Anzeige. ***kann triggern***

    Hallo Gast,

    was Du erlebt hast ist schrecklich... ich kann gar nicht viel dazu sagen. Aber ich kann mich hineinversetzen und habe damals sehr ähnlich reagiert, als mir so etwas passiert ist. Da bist Du nicht allein und wir werden auch nicht die einzigen beiden sein. Ich wurde damals sogar etwas später direkt darauf angesprochen, ob da etwas passiert sei und habe das sogar abgestritten (leider... dadurch habe ich eine ziemliche Chance verpasst...). Was da genau in einem passiert, weiß ich nicht. Aber ich denke, dass man dieses Erlebte einfach so weit von sich wegdrängen will und dass man innerlich so sehr "Nein" sagt, dass es am Anfang - zumindest für manche - deutlich schwieriger ist, es selber zuzugeben als zu versuchen davon wegzulaufen und so zu tun, als ob nie etwas passiert sei oder wenigstens nichts schlimmes.

    Was mir passiert ist habe ich einige Jahre später angezeigt. Dazu habe ich sogar einen Thread hier. Ich glaube aber, dass ich da ein Sonderfall bin. Erstens war es wahrscheinlich schon verjährt, zweitens war ich noch minderjährig und drittens - das seltsamste - ich habe danach gar nichts mehr gehört. Nie wieder. Nicht einmal, dass irgendetwas eingestellt wurde, o.ä. Einfach null. Und um nachzufragen hatte ich bis heute noch nicht ausreichend Kraft.

    Ob Du nun eher eine Anzeige machen solltest, oder nicht, da kann ich zwar meine Meinung sagen, aber das musst Du immer noch mit Dir ausmachen. Egal wie Du Dich entscheidest - es wird für Dich die in diesem Moment richtige Entscheidung sein und Du solltest Dir niemals Vorwürfe deswegen machen. Ich denke, dass Du Dich zuerst beraten lassen solltest. Hier wurden auch schon Tipps gegeben und ich hoffe, dass diejenigen, die sich auskennen, hier auch noch antworten. "Opferberatungsstelle" o.ä. wurde da wohl schon genannt oder "Weißer Ring". Dann weißt Du, was auf Dich zukommen kann, was schon mal Sicherheit gibt und Du weißt, dass Du ein Netz hast, das Dich auffangen kann. Die ersten Spuren/Beweise sind jetzt sowieso schon weg. Da wird es auf wenige Wochen nicht mehr ankommen, vermute ich jetzt einfach mal. Anzeigen solltest Du ihn allerdings, finde ich. Nur eben mit jemandem, der hinter Dir steht und Dir hilft, das durchzustehen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es besser für Dich und jeden anderen Menschen ist, der so etwas erfahren musste, wenn er am Anfang die Kraft und die Möglichkeit hat, das anzuzeigen.

    Dieser Typ soll auch schön merken, dass er damit nicht durchkommt... Ich glaube nur, dass ER, der ja etwas Böses verbrochen hat, wahrscheinlich eher schon Anwalt, Beratung und sonstiges in Anspruch nehmen wird, um da wieder raus zu kommen. Ich denke, dass er allen Grund hat, sich irgendetwas zurecht zu legen und er wird sich schon jetzt eine Menge Lügen und Ausreden für den Fall des Falles ausgedacht haben. Du dagegen weißt, dass Du im Recht bist und glaubst deshalb vielleicht, dass das Gericht und andere natürlich die Wahrheit herausfinden werden und auf Deiner Seite sein werden. Tappe bitte nicht in diese Falle. Ich vermute, dass auch da eine Beratungsstelle sehr aufschlussreich sein kann.

    Ich vermute, dass es Dir gut tun wird, wenn Du Schritt für Schritt schaust, ob und wie Du den Menschen zur Rechenschaft ziehen kannst. Unverbindlich vielleicht. Aber so, dass Du jederzeit die Chance hast, es zu tun. So, dass Du vorbereitet bist.
    Ich wünsche Dir alles Gute!

    Taddywei

  5. #5
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    Standard AW: Vergewaltigung, keine Anzeige. ***kann triggern***

    Es tut mir leid, was dir passiert ist.

    Das mit der Anzeige, ich rate jeder Frau, das auf keinen Fall ohne die entsprechende Unterstützung zu tun, weil es wirklich unglaublich viel Kraft kostet und einen sehr aus dem Gleichgewicht bringen kann.

    Wichtiger ist, dass du jetzt Hilfe bekommst, mit einem Menschen reden kannst. Such dir eine Beratungsstelle vor Ort und mache dort einen Termin. Mit denen kannst du dann auch über eine Anzeige reden und bist mit der Entscheidung nicht allein. Die können dir aus ihrer Erfahrung heraus ganz viele Tipps geben.

    Wildwasser oder der Frauennotruf sind zwei gute Anlaufstellen.


    Tuesday
    Die, die dich fallen sehen wollen, sind DIE, die mit ihrer Fresse schon längst im Dreck liegen ............

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