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Thema: "Rachegedanken" ok oder falsch?

  1. #1
    SnowAngel
    Gast

    Standard "Rachegedanken" ok oder falsch?

    Hey,
    also vor ca. 3 Monaten bin ich ja von einem angefallen und beinahe erwürgt worden. Habs soweit aber einigermaßen gut verkraftet (warscheinlich auch dadurch, dass ich mich regelmäßig beim Training abreagieren kann).
    Naja, vor einem Monat ist mein Paps ja an Krebs gestorben und eigendlich hätte ich nie gedacht, dass ich irgendjemanden mal sowas wünschen würde wie Papa durchmachen musste, aber seitdem will ich aus tiefstem Herzen, dass dieser Arsch genau dasselbe durchstehen muss wie Papa und das mit allen Konsequenzen (nur das ich dem noch nichtmal die Schmerzmittel gönnen würde).
    Ich weiß nicht ob er je dafür bestraft wird, was er getan hat, aber z.Z. fände ich irgendwie nur diese "Strafe" gerecht.
    Ist das normal oder übertreibe ich da oder steigere ich mich da in was rein oder...naja, ich weiß nicht, irgendwie habe ich grade ein ganz starkes Bedürfnis, dass der das auch bekommen soll und daran sterben soll. Der hat das doch verdient und nicht Papa!
    Das ist doch so verdammt ungerecht...
    Werden solche Leute überhaupt bestraft? Ich hab nämlich das Gefühl, dass erst jemand umgebracht werden muss, bevor mal jemand was macht? Ist das schlimm, dass ich einen solchen Hass auf diesen Typen habe?

  2. #2
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    Standard AW: "Rachegedanken" ok oder falsch?

    Ich glaube nicht dass es schlimm ist, kann es sogar sehr gut nachvollziehen.
    Du must nur sehen wie du es am besten verarbeitest, sonst wird sich diese angestaute Wut irgentwann entladen, an wem oder was auch immer.

    Es könnte sein dass die Trauer über deinen Dad dabe die größere Rolle spielt. Oft wandeln Menschen Trauergefühle in Wut um, einfach weil es sich nicht so schlimm anfühlt.
    Trauerre um deinen Vater, Weine wenn es sein muss. Ich denke wenn du diese Zeit überwunden hast werden sich auch die Hassgefühle einstellen.

    Darf ich fragen was mit ihm geschah? Wurde er verurteilt oder so?

  3. Für den Beitrag dankt:

  4. #3
    Gast
    Gast

    Standard AW: "Rachegedanken" ok oder falsch?

    Liebe Snow,
    das Leben ist unfair -
    oder eben auch nicht, das Leben ist so, wie es ist.
    Menschen die den Tod verdient hätten leben - und andere, die das Leben verdient hätten, sterben.
    Dass dein Vater auf so schmerzliche Weise aus dem Leben scheiden musste, tut mir leid. Ich möchte mir nicht anmassen zu sagen, dass ich weiss wie sich dein Schmerz anfühlt - doch vielleicht darf ich sagen, dass ich es erahnen kann, da ich ähnliches erlebt habe.
    Ich denke, dass sich an diesem Punkt deiner Lebenssituation die Gefühle vermischen - deine unterdrückte Wut auf den Täter (dessen Angriff du, so scheint es, doch nicht einfach so gut wegstecken konntest, wie du es selber vielleicht gerne möchtest) und die grosse Trauer, der Schmerz und das Unverständnis über den Tod deines geliebten Vaters.

    Als ich mit achtzehn Jahren vergewaltigt und fast umgebracht wurde, habe ich ganz stark mit Verdrängung und Verneinung auf die Tat reagiert.
    Ich war immer ein sehr starker Mensch, stärker als viele Menschen in meinem Umfeld und eines meiner wichtigsten Bemühen war stets, nicht schwach zu wirken, kein Opfer zu sein.
    Und nun war ich genau das, oder besser gesagt es war dies, wozu ich gemacht wurde: Ein Opfer.
    Dies löste in mir unendlich starke Hassgefühle aus. Ich wollte die Täter leiden sehen, verrecken, an grausamen Qualen zugrunde gehen.
    Doch nichts geschah. Und als der eine von ihnen selbst bei einem weiteren schweren Vergehen mit einer äusserst geringen Strafe davon kam, glaubte ich, an meinem Hass ersticken zu müssen.
    Warum dürfen sie ihr Leben leben, sorglos, unbescholten, in Freiheit - während ich Tag für Tag mit dieser "Bestrafung" leben muss?
    Viele Stunden lang habe ich mir schon überlegt, wie ich mich am besten rächen, wie ich das Recht selber in die Hand nehmen kann, habe Rachepläne ausgeheckt und nachgedacht, wen ich am besten engagieren könnte um ihnen das Gleiche anzutun, wie sie mir angetan haben.

    Doch die Frage dabei blieb:
    Würde es mir danach tatsächlich besser gehen, würde mir dies wirklich Genugtuung verschaffen?
    Andere Frage: Würde es DIR danach wirklich besser gehen und würde dir deine Rache Genugtuung verschaffen?

    Keine Rache dieser Welt kann die Tat selber rückgängig machen - und genau so wenig den Tod deines Vaters...

    Mal bildlich vorgestellt, dass dein Schmerz wie eine Kerbe in einem Stück Holz wäre, dann würde mit deiner Rache nichts anderes passieren, als dass du ebenfalls eine Kerbe in ein Stück Holz schlägst - aber nicht, dass dadurch die Kerbe in deinem Holz verschwindet.
    Verstehst du, was ich meine?

    Versuche, deine Gefühle zuzulassen und anzunehmen, "verbiete" dir keine deiner Empf¡ndungen, egal ob es nun Hass, Trauer, Enttäuschung ist.
    Es ist kein Zeichen von Schwäche, zu sagen: Ja, ich wurde verletzt, ich bin traurig, ich bin wütend, ich bin enttäuscht.
    Versuche, mit dir nahestehenden Menschen in deinem Umfeld diese Gefühle zu teilen - gibt es jemandem, dem du dich anvertrauen könntest?
    Natürlich gibt es auch immer die Möglichkeit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen - falls dies für dich keine Option ist, oder zumindest nicht in deinem momentanen Lebensabschnitt, dann versuche, positive Ausdrucksformen für deine Emotionen zu finden!
    Beispielsweise indem du malst, schreibst, tanzt...

    Deine starken Gefühle sind auch Ausdruck eines Heilungsprozesses, es bewegt sich gerade enorm viel in dir drinnen - und deine Aufgabe ist es, diese negativen Gefühle in etwas Positives, Kraftvolles umzuwandeln und dich nicht von ihnen zerstören zu lassen.
    Indem du dir selber zugestehst, erlaubst, wütend, traurig oder enttäuscht zu sein und danach einen Weg suchst, für diese schwierigen und starken Empfindungen einen Platz in deiner Lebensgeschichte zu finden verhinderst du, dass dich der Hass und die Trauer langsam aber sicher innerlich auffressen und kaputt machen.

    Du musst versuchen, einen Weg zu finden zwischen passiver Opfer- und aktiver Täterrolle.
    Beides sind Extreme, Ungleichgewichte, die einen positiven Lebensweg verunmöglichen.

    - Such Jemanden, von dem du glaubst das, was dich beschäftigt, mit ihm teilen zu können.
    - Versuche kreative Umgangs- und Ausdrucksformen für deine Gefühle zu finden und sie damit in Positives umzuwandeln.
    - Und schäme dich nicht oder zögere, allenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen! (Gerade für Angehörige von Krebspatienten, die eine geliebten Menschen auf diese Weise verlieren mußten, gibt es eigentlich in jedem grösseren Ort auch Selbsthilfegruppen - manchmal kann man ein solch schwieriges Erlebnis besser verarbeiten, indem man sich mit anderen Menschen die ähnliches durchmachen mussten, austauscht.)

    Und zuletzt, denk immer daran: Karma is a bitch - es kommt alles zurück im Leben.
    Diese Wahrheit hilft mir persönl¡ch in denjenigen Augenblicken wo ich das Gefühl habe, von meinem Hass verschlungen zu werden - und gleichzeitig hält sie mich dazu an, selber nicht aus Hass zu handeln...

    Alles Liebe

  5. #4
    SnowAngel
    Gast

    Standard AW: "Rachegedanken" ok oder falsch?

    Zur zeit noch garnix...wie gesagt, ich hoffe dass er irgendeine Strafe bekommt, weil ohne was davon zu kommen wäre echt das allerletzte, aber leider bekommt man auch oft genug zu hören, dass in solchen fällen das verfahren eingestellt wird, aus welchen Gründen auch immer. Ich schätze mal, dass es darauf bei mir auch hinauslaufen wird, weil er mich ja "nur" gewürgt hat und ich außer ein paar blauen flecken und einem Schock keine weiteren Schäden hatte...Glück für ihn, Pch für mich warscheinlich...

  6. #5
    EuFrank
    Gast

    Standard AW: "Rachegedanken" ok oder falsch?

    Hallo SnowAngel!

    Normalerweise würde man jemanden anzeigen, wenn er einen fast erwürgt hätte.

    Deine Rachegefühle bringen überhaupt nichts. Es sei denn, Du glaubst an voodooähnliche Handlungsmöglichkeiten. Stattdessen läufst Du zornig Du die Gegend herum und bist nicht frei für konstruktivere Dinge.

    Deine Rachegefühle schaden Dir nur.

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