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Thema: Seelenheil

  1. #1
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    Standard Seelenheil

    Ich hatte von Anfang an Schwierigkeiten, über meine Probleme zu reden. Als Kind, weil ich mich geschämt habe und wusste, dass nicht normal ist, was in meiner Familie passiert. Als ich später irgendwann mal versucht habe, mich jemandem zu öffnen, ging es mir für sehr lange Zeit hundselend. Ich verstehe nicht, wieso andere Menschen es als befreiend empfinden, über ihre Last zu sprechen. Mich retraumatisiert sowas. Deswegen habe ich es EIGENTLICH lassen wollen, nochmal darüber zu reden.

    Deswegen bin ich übrigens nicht in Therapie gegangen. Ich will nicht reden. Ich habe mir Bücher besorgt, um mir selbst zu helfen. Ich habe Resilienz entwickelt. Meine Geschichte ist verarbeitet, in eine imaginäre Kiste gepackt und archiviert. Es geht mir gut. Alles ist gut.

    Eigentlich habe ich in meinem Leben nach der Kindheit keine besonderen Freundschaften mehr geknüpft, von einer Person abgesehen. Ich habe gespürt, dass dieser Mensch einen ähnlichen Hintergrund hat. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber ich habe ein sehr starkes Nähebedürfnis entwickelt, das ich bei anderen sonst nicht habe.

    Ich spüre es deutlich, wenn es diesem Menschen nicht gut geht. Das Problem ist: Andersherum ist es genauso. Und diese Person spricht das dann auch liebevoll, aber sehr ernsthaft an. (Diese Person weiß btw. ganz grob, dass mein Leben nicht so geil verlaufen ist.)

    Und dann fängt es an, in mir zu brodeln. Ich krieg dann eine leichte Panik. Anderen Menschen fällt nicht auf, wenn etwas in mir vorgeht. Ich fühl mich ertappt, durchschaut. Dann bröckelt meine mühsam errichtete Mauer nicht, es fühlt sich viel mehr an, als würde sie gewaltsam eingerissen. Eigentlich spricht mich nie jemand so an, weil ich nicht traurig gucke oder sowas, sondern ein bisschen aufgedreht bin und viel lache und erzähle.

    Im Moment bin ich mir nicht so sicher, ob meine Strategie wirklich richtig war. Meine psychische Verfassung zu riskieren wäre sehr unpässlich, ich kann mir kann mir gerade keine Fehler leisten.

    Ich möchte noch einmal betonen, dass es mir insgesamt sehr gut geht. Ich habe keine Depressionen mehr und bin glücklich, aber natürlich habe ich immer mal wieder verstimmte Phasen.

    Sollte ich mit dieser Person reden? Oder bleibt die Kiste lieber zu? Was ratet ihr mir?

    Danke...
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  3. #2
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    Standard AW: Seelenheil

    Guten Morgen, wow, das ist eine Frage die schwer zu beantworten ist. Du hast deinen Weg gefunden damit umzugehen, du bist lebensfähig und überlebensfähig dadurch. Und dein Weg ähnelt sehr meinem eigenen, was die Antwort noch schwieriger macht. Ich denke wenn du die Kiste für jemanden öffnest ist sie wieder offen, mit allen Konsequenzen. Ob du sie dann wieder zubekommst ist fraglich. Wenn deine Strategie ist die Dinge wegzuschließen und du damit gut leben kannst rate ich dir die Kiste NICHT zu öffnen. Wenn du deine Strategie überdenken möchtest ist das eine andere Sache. Auf jeden Fall würde ich ihm genau das hier sagen was du geschrieben hast: Ich habe eine verschlossene Kiste im Keller stehen, deswegen bin ich manchmal so drauf wie ich drauf bin. Aber ich lebe gut damit und deswegen möchte ich sie nicht öffnen, weil sie mich dann überwältigt. Aber es ist gut dass du für mich da bist, es merkst und du an meiner Seite bist. Das ist alles was ich brauche. Tja, so würde ich es machen. Liebe Grüße Frosch

  4. Für den Beitrag dankt: pecky-sue

  5. #3
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    Standard AW: Seelenheil

    Zitat Zitat von Anonym Beitrag anzeigen
    Ich hatte von Anfang an Schwierigkeiten, über meine Probleme zu reden. Als Kind, weil ich mich geschämt habe und wusste, dass nicht normal ist, was in meiner Familie passiert. Als ich später irgendwann mal versucht habe, mich jemandem zu öffnen, ging es mir für sehr lange Zeit hundselend. Ich verstehe nicht, wieso andere Menschen es als befreiend empfinden, über ihre Last zu sprechen. Mich retraumatisiert sowas. Deswegen habe ich es EIGENTLICH lassen wollen, nochmal darüber zu reden.

    Deswegen bin ich übrigens nicht in Therapie gegangen. Ich will nicht reden. Ich habe mir Bücher besorgt, um mir selbst zu helfen. Ich habe Resilienz entwickelt. Meine Geschichte ist verarbeitet, in eine imaginäre Kiste gepackt und archiviert. Es geht mir gut. Alles ist gut.

    Eigentlich habe ich in meinem Leben nach der Kindheit keine besonderen Freundschaften mehr geknüpft, von einer Person abgesehen. Ich habe gespürt, dass dieser Mensch einen ähnlichen Hintergrund hat. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber ich habe ein sehr starkes Nähebedürfnis entwickelt, das ich bei anderen sonst nicht habe.

    Ich spüre es deutlich, wenn es diesem Menschen nicht gut geht. Das Problem ist: Andersherum ist es genauso. Und diese Person spricht das dann auch liebevoll, aber sehr ernsthaft an. (Diese Person weiß btw. ganz grob, dass mein Leben nicht so geil verlaufen ist.)

    Und dann fängt es an, in mir zu brodeln. Ich krieg dann eine leichte Panik. Anderen Menschen fällt nicht auf, wenn etwas in mir vorgeht. Ich fühl mich ertappt, durchschaut. Dann bröckelt meine mühsam errichtete Mauer nicht, es fühlt sich viel mehr an, als würde sie gewaltsam eingerissen. Eigentlich spricht mich nie jemand so an, weil ich nicht traurig gucke oder sowas, sondern ein bisschen aufgedreht bin und viel lache und erzähle.

    Im Moment bin ich mir nicht so sicher, ob meine Strategie wirklich richtig war. Meine psychische Verfassung zu riskieren wäre sehr unpässlich, ich kann mir kann mir gerade keine Fehler leisten.

    Ich möchte noch einmal betonen, dass es mir insgesamt sehr gut geht. Ich habe keine Depressionen mehr und bin glücklich, aber natürlich habe ich immer mal wieder verstimmte Phasen.

    Sollte ich mit dieser Person reden? Oder bleibt die Kiste lieber zu? Was ratet ihr mir?

    Danke...
    Hallo Unbekannte/r, das ist nicht so einfach, ich hab es auch zweimal gelesen. Verstanden habe ich dass Du einen für Dich guten Weg gefunden hast zu funktionieren, ja sogar glücklich zu werden. Es gibt aber einen Ort in Dir an den Du nicht hingehen willst, es ist ein Ort wo sehr tiefe Gefühle auf Dich warten und Traurigkeit wahrscheinlich. Jetzt gibt es diesen Menschen der diesen Ort in Dir auch kennt, was aber doch eigentlich ein geheimer Ort ist den sonst keiner kennt. Dadurch entsteht eine enorme Verbindung zwischen euch, die Dir sogar angst macht. Ich kann es verstehen dass Du da nicht wieder hingehen willst, an diesen Ort in Dir.

    Ich kann Dir etwas von mir sagen, ich hab letztens es erlebt und zwar dass ich auch wieder an so einen Ort gegangen bin wo man lieber nicht hingeht. Ich hab mich wieder genauso gefühlt wie vor 2 Jahren wo es passiert ist (Tod einer nahen Angehörigen), ich war wieder voll in diesem Schockzustand drin. Hatte das eigentlich für nicht möglich gehalten da wieder so rein zukommen. Ich habe aber etwas wichtiges gelernt, so freiwillig wie ich da hingegangen bin, so konnte ich mich auch wieder selbst da raus holen. Es hat nur etwas Zeit gebraucht. Und ich kenne mich selbst ganz gut, ich weiß dass ich das kann.

    Insofern wenn Du Dich dafür entscheidest, mach es zu einem Zeitpunkt wo Du einige Tage Auszeit machen kannst danach. Und mach Dir einen Plan für Rückweg, lege Dir auch eine Ausrüstung und Hilfsmittel bereit die Du für den Rückweg brauchst in dein normales gut funktionierendes Leben zurück. Jetzt fragst Du vielleicht, "und warum sollte ich das tun?" Das kannst nur Du selber wissen, aber es scheint da etwas zu geben.
    Geändert von Steph_S (18.10.2019 um 10:57 Uhr) Grund: schreibweise

  6. #4
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    Standard AW: Seelenheil

    Hallo Anonym,
    kotz Dich einfach hier aus. Alles was raus muß, alles was Du schon längst mal raus lassen wolltest. Dafür ist dieses Forum da, Du bist anonym, also kann Dir nichts passieren.

    Daß Du Dich dann vielleicht erst mal schlechter fühlst, vielleicht weil irgendwelche Schuldgefühle da sind, weil Dir irgendwer vielleicht mal eingeredet hat, Du dürftest nicht drüber reden (aus Eigenschutz für denjenigen, weil er Dir was angetan hat?), das kann passieren,

    aber das ist wie Stuhlgang, wo einem hinterher vielleicht auch erst mal der Poppes brennt, wenn der große Haufen draußen ist, aber wenn der und der Bauch sich wieder beruhigt haben, fühlt man sich viel leichter.

    Also erzähl ruhig über Deine Probleme. Die Mitleser hier sind einiges gewöhnt, ich glaube nicht, daß Du jemanden mit irgendwas schockieren kannst.
    Vielleicht kriegst Du sogar ein paar gute Tipps, wie Du damit umgehen kannst.
    Also laß jucken, Kumpel, und schäm Dich nicht. Ist alles menschlich hier.

  7. #5
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    Standard AW: Seelenheil

    Zitat Zitat von Anonym Beitrag anzeigen

    Sollte ich mit dieser Person reden? Oder bleibt die Kiste lieber zu? Was ratet ihr mir?
    Man kann den Deckel der Kiste auch einen Spalt anheben. Mal andeuten, dass es vielleicht etwas zu erzählen gäbe.

    Dann schauen, wie der andere reagiert.
    Und wie sich das anfühlt.
    Die Religionen der Welt geben zwar falsche Antworten - Aber sie stellen die richtige Art von Fragen.

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