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Thema: Recht, Leben zu beenden

  1. #1
    Gast
    Gast

    Standard Recht, Leben zu beenden

    Hallo zusammen,

    das Thema ist ein bißchen sensibel, zugegeben... Zumal ich direkt eine provokative Frage stelle:

    Warum ist es immer so ein großes Problem, wenn jemand sich umbringen möchte?

    Ok, immerhin ist Selbstmord und die Beihilfe hierzu fast straffrei, unterlassene Hilfeleistung kommt in Frage...
    Aber jemand, der sich entschieden hat, nicht mehr leben zu wollen, der sollte auch wirklich sterben dürfen und nicht reanimiert oder gerettet werden sollen.
    Wenn jemand seine Selbstmordabsichten in einem Forum wie diesem hier äußert, dann kann das als Hilferuf im wahrsten Sinne des Wortes interpretiert werden und dann sollte ihm auch geholfen werden, aber wenn jemand mit aufgeschlitzten Pulsadern in seiner Wohnung liegt, dann liegt die Vermutung - egal wie schockierend es auch ist - nahe, dass er wirklich nicht mehr wollte - warum lässt man diese Menschen nicht einfach gehen????

    Würde mich über Eure Gedanken hier freuen...

    Eine "Gerettete"

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  3. #2
    Gast
    Gast

    Standard AW: Recht, Leben zu beenden

    "...warum lässt man diese Menschen nicht einfach gehen????"

    Diese Frage ist berechtigt und ich möchte sie noch verstärken mit dem Zusatz,
    woher sich die Rettenden überhaupt die Berechtigung nehmen, über ein Leben zu entscheiden. Wenn ich einem anderen das Leben nicht nehmen darf, warum darf ich es ihm dann geben, ohne dafür dann aber die Verantwortung übernehmen zu können, wie beim Nachwuchs?
    Zudem ist es eine, durch nichts begründbare Überheblichkeit, etwas verhindern zu wollen, was oft durch eigenes Unvermögen ( der Rettenden ) in Gang gebracht wurde. Die verstehen es nachher noch weniger als vorher, was die Sachlage wiederum verschlimmert.
    Hilferuf retten, selbstverständlich.
    Aber sobald der Versuch nicht nach Hilferuf aussieht, sterben lassen.
    Damit ist dann auch noch ein gutes Werk getan im Sinne des Sterbenden.

    Ein "Geretteter"

  4. #3
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    Standard AW: Recht, Leben zu beenden

    Hey,

    ich glaube, um wirklich zur Wurzel des Phänomens zu dringen, müsste man den Punkt in der Historie bestimmen, zu dem der Tod durch die eigene Hand für den Menschen theoretisch wie praktisch möglich wurde und den, zu dem Bestrebungen entstanden, ihn daran zu hindern. Beide Zeitpunkte kenne ich nicht, auch über die Dynamik dahinter kann ich nur spekulieren, aber es setzt mir dieses Bild vor Augen: Die Masse, wie sie versucht, die Fähigkeit zum Suizid aus ihrem Menschenbild herauszuschneiden. Für mich persönlich ist das ganz traurig anzusehen, weil ich sie fürs Menschsein für ganz essenziell und (untrennbar) zu unserer Freiheitskonstitution gehörend halte.

    Vielleicht ist eine Annäherung an die Motive der "Retter", oder der "anderen" (aus deiner, meiner Sicht) möglich, wenn man sich die Emotionen vor Augen führt, die für sie mit dem Gedanken an "Selbstmord" verknüpft sind: Unbehagen, Angst, Ekel, Verachtung (der Autor eines Buches zur praktischen Psychotherapie schreibt über suizidale Patienten, dass diese statistisch bei Weitem die geringste Sympathie durch Pfleger und Ärzte erfahren, diese teilweise sogar dazu neigen, sie unbewusst für ihre Taten oder Gedanken zu bestrafen). Ekel und Verachtung dürften ihre Grundlage in unserer christlich geprägten Kultur haben; was früher "nur" Sünde war, ist heute behandlungsbedürftige Krankheit. Unbehagen und Angst könnten entstehen durch die Angst vor dem Tod als solchem und die Tatsache, dass die Wünsche des Suizidanten der eigenen Logik, dem eigenen Verständnis nicht zugänglich sind.
    Weiters zu klären ist sicher die Frage des Mitleids. Und die, worauf es sich bezieht. Das Leid, das Ursache des Wunsches nach einem Ende ist oder das Leid, das der Akt selbst verursacht? Und welche Teile dessen tatsächlich mit- und nachempfunden sind und welche reine Projektion; wir sehen ganz oft vor allem das, was wir sehen wollen. Die schützt uns vor dem Versuch, in die wahre Gefühlswelt des suizidalen Menschen einzutreten und ihn zu verstehen, denn das würde uns einen ganzen Schritt auf das zubewegen, wovor wir doch Angst haben.

    Das mal so als spontane Gedanken. Dir wünsch ich den eigenen Weg, egal welcher es ist.
    Tschüß.

  5. #4
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    Standard AW: Recht, Leben zu beenden

    Hm...meine Gedanken...sind ambivalent.

    Sicher, eigentlich sollte jeder selbst entscheiden dürfen, ob er leben will oder nicht.

    Dennoch....denke ich (keine Ahnung, obs so ist), dass auf eine "lebensmüde Phase" auch wieder eine lebensbejahende Phase folgen kann. Ich persönlich glaube nicht an ewige Dunkelheit, Trauer, Schmerz ect. Das mag falsch sein und vielleicht gibt es Menschen, deren Leben wirklich nur das ist. Ich denke, es gibt dunkle und helle Zeiten, Schmerz und Glück, Angst und Freude. Wer sein Leben in einer Zeit der Angst und Hoffnunglosigkeit beendet, nimmt sich die Chance auf Glück und Hoffnung.

    Deswegen...ich kann mir nicht vorstellen, jemandem DABEI behilflich zu sein, zuzuschauen ect. Ich würde versuchen, zu "retten". Wie wohl die meisten Leute...ist ein Instinkt denke ich.

    Für mich persönlich gibt es nur einen Grund für Selbstmord....eine unheilbare Krankheit. Alles andere ... Liebeskummer, Einsamkeit, Schulden....lässt sich überwinden/lösen.

    Ja, schwieriges Thema

  6. #5
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    Standard AW: Recht, Leben zu beenden

    Hallo , an diesem frühlingshaften tag ,
    hatte letztens wieder einen Einsatz in der Wohnung eines Schwerstdemenzkranken , Endstadium .
    Sollte die Ehefrau , welche auch schon weit über 80J. ist , entlasten , damit Die mal zum Schwimmen gehen konnte .
    Fitnes für den body, weil sie nämlich im Gegensatz zu ihrem Mann superfit ist . Wo ist das leben schon gerecht mit Einem .
    Der Ehemann erst seit vorletztem Jahr so hinfällig , ging wohl schnell . War im krankenhaus und Altersheim nen paar Monate und hat dort so medikamentiert vor sich hin gesiecht . Vorfußamputiert und weitestgehend bewegungsunfähig . Er stammelt so unverständliches vor sich hin und kann höchstens mit seinen Händen die Bettdecke etwas zurechtruckeln .
    Die Ehefrau hat seit diesem jahr die Pflege mithilfe der Pflegverbände wieder in ihre Wohnung zurückverlagert .
    Meint , daß sie damit ihrem Mann nen Gefallen tut .
    Na also ich weiß nicht ?
    Jedenfalls hat sie mir kochend heißen tee in ner Thermoskanne für ihn hingestellt . Da ich immer vorher am handrücken teste , gewohnheit von früher , als meine tochter noch klein war .
    Den Tee habe ich Ihm dann mit Mineralwasser gemischt .
    " Keine Lebensverlängernden Maßnahmen . Das ist beim Anwalt hinterlegt und wenn was ist , rufen sie den Hausarzt , der weiß Bescheid ! "
    Meine Güte , wer will denn son Leben noch verlängern .
    Ich habe ihm so ein wenig die wange gestreichelt , dann hat er ganz glücklich getrunken . Zu mir hinsehen mit geöffneten Augen kann er nicht mehr .
    " Na , haben sie sich mit Ihm unterhalten ? "
    Meinte die Dame vom Pflegverband nach dem Einsatz .
    Ich habe dem " Opi " zwei Stunden aus meinem Pilates Buch vorgelesen ( Alycea Ungaro , sehr empfehlenswert ) .
    Zwischendurch hat er gelächelt . Ich glaube , das Vorlesen hat Ihm gefallen . Habe nichts gegen solche Arbeiten , solange ich den Patienten nicht " ausräumen " muß . Das macht die Ehefrau , nicht die Pfleger . Ich glaube es liegt am Flüssigkeitsmangel ! Gruß

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