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Thema: Meine Freundin wird langsam verrückt (Ängste, Naturkatastrophe...)

  1. #11
    Registriert Avatar von Paletti
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    Standard AW: Meine Freundin wird langsam verrückt (Ängste, Naturkatastrophe...)

    Es klingt so, als ob sie sich etwas zu sehr in ein Thema hineinsteigern würde.
    Geändert von Paletti (13.11.2019 um 15:24 Uhr)

  2. Anzeige

  3. #12
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    Standard AW: Meine Freundin wird langsam verrückt (Ängste, Naturkatastrophe...)

    Zitat Zitat von whatsthedilly Beitrag anzeigen
    meine Freundin beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit der Umwelt....

    Sie hat panische Angst vor der Zukunft in Hinblick auf die Umwelt. Und mit panischer Angst meine ich wirklich Panik: So kriegt sie mittlerweile abends panische Anfälle, in denen sie über Selbstmord redet ("Wir werden ja eh bald alle sterben"), die ganze Zeit weint und nicht schlafen kann. Auch ihr Schlaf ist dann äußerst unruhig, sie zittert während des Schlafens und wacht frühmorgens immer wieder auf. Tagsüber sind ihre Gedanken auch die ganze Zeit voll mit Sorgen über die Zukunft der Welt.

    Versteht mich nicht falsch: Ich finde Umweltbewusstsein gut. Nur leider entwickelt sich das bei ihr gerade zu einer Angststörung.

    Zu einem Therapeuten möchte sie (noch) nicht gehen, da für sie die Angst ja reale Ursachen hat, die nicht einfach mit einer Therapie weggemacht werden können.

    Wie würdet ihr damit umgehen?

    Ich habe Angst, dass sie sich immer weiter reinsteigert und irgendwann ersthaft psychisch krank wird.
    Ganz schwierig. Aus meiner Sicht ist hier schon jetzt eine Psychotherapie angezeigt. Je früher, desto besser. Das weißt du aber auch selbst. Das eigentliche, nahezu unlösbare Problem ist dabei aber, dass du deine Freundin nicht dazu zwingen kannst. Solange sie nicht sich selbst oder andere akut schwer gefährdet, kann sie leider auch nicht polizeilich oder gerichtlich zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen werden. So schlimm scheint es in dem Fall ja auch noch nicht zu sein.

    Ich habe selber einen Leidensweg mit meiner (höchstwahrscheinlich) schizophrenen und krankheitsuneinsichtigen Schwester hinter mir; inzwischen ist sie 54. 12 Jahre lang habe ich bis zur eigenen psychischen Erschöpfung versucht, sie in eine Behandlung zu bekommen, immer wieder mit Ärzten, dem Sozialpsychiatrischen Dienst, Vertretern des Ordnungsamts und sogar der Polizei gesprochen. Leider alles vergeblich. Seit 2013 habe ich keinen Kontakt mehr zu ihr, erfahre nur ab und zu über Bekannte mal etwas von ihr. Sie hat sich krankheitsbedingt ihr ganzes Leben ruiniert. Aber immerhin ist sie auch noch nach meinem Rückzug so auffällig geworden, dass der Sozialpsychiatrische Dienst, das Ordnungsamt und die Polizei sie im Visier hatten (ich hoffe, nach wie vor haben) und meine damaligen Schilderungen nicht mehr einfach so abtun konnten.

    Leider muss ich dir dann auch noch sagen, dass die Schwester einer früheren Schulfreundin von mir sich in ganz ähnliche umweltbezogene Ängste wie die deiner Freundin hineingesteigert und sich tatsächlich das Leben genommen hat. Sie war vorher sogar noch wegen schwerer Depressionnen und Suizidalität in der Psychiatrie gewesen, hat die Ärzte ausgetrickst, sich für eine Nacht entlassen lassen, angeblich, um den Geburtstag ihres Partners zu feiern. Und diese Nacht hat sie dann für den Suizid genutzt. Meine frühere Schulfreundin, die selbst Ärztin ist, macht sich bis heute Vorwürfe deswegen.

    Du kannst nichts tun, außer vielleicht mit den Eltern deiner Freundin zu sprechen und ihnen deine Besorgnis mitteilen. Das würde ich allerdings nicht hinter dem Rücken deiner Freundin tun. Sollten ihre Eltern auch nichts unternehmen und sollte der Zustand deiner Freundin immer schlimmer werden, kannst du die Beobachtungen noch dem Sozialpsychiatrischen Dienst mitteilen. In manchen Fällen kann er etwas ausrichten, in vielen (wie bspw. bei meiner Schwester) aber auch nichts. Aber dann hast du wirklich alles getan, um dir keine Vorwürfe machen zu müssen, falls es eines Tages zum Schlimmsten kommen sollte. Ich hoffe aber, dass das nicht der Fall sein wird.

    Was du noch tun könntest, wäre, beruhigend und ablenkend auf deine Freundin einzuwirken und dadurch zu versuchen, ihre Ängste zu relativieren. Das kann aber, wenn es über einen langen Zeitraum geschieht, auch deine eigene psychische Gesundheit und Belastbarkeit beeinträchtigen. Ich weiß, wovon ich rede. Nach den 12 Jahren vergeblicher Bemühungen wegen meiner Schwester bin ich nie wieder wirklich unbeschwert geworden, sondern funktioniere im Grunde nur noch und hoffe, dass ich beruflich bis zur Pensionierung (zumindest bis zu der auf Antrag möglichen mit 63) durchhalte. Karriereaussichten hat man als von Natur aus zurückhaltender Mensch keine mehr, wenn die Begeisterungsfähigkeit, das Selbstvertrauen und die Fähigkeit zur positiven Selbstdarstellung nicht gerade stark ausgeprägt sind. Auch auf Kontakte zu anderen Menschen habe ich keine große Lust mehr, schon gar nicht auf "Netzwerke", oberflächlicher Smalltalk reicht mir vollkommen. Die wenigsten Menschen, mit denen ich tagtäglich zu tun habe, haben das hinter sich, was ich hinter mir habe; das meiste ist bei ihnen viel glatter gelaufen als bei mir. Mit ihren Familien-, Karriere-, Eigenheim- und Fernreisethemen kann ich nichts anfangen, das sind für mich Berichte aus einer anderen Welt, zu der ich keinen Zutritt habe und mittlerweile auch keinen Zutritt mehr suche, da es Zeit- und Kraftverschwendung ist. Ich habe genug damit zu tun, in meiner knappen Freizeit meine Vergangenheit aufzuarbeiten. Achte daher im Umgang mit deiner Freundin auch auf deinen Selbstschutz und fühle dich nicht so sehr verantwortlich, dass du am Ende selbst einen Knacks bekommst. Dieses Engagement dankt dir keiner, und oftmals nützt es der psychisch erkrankten Person noch nicht mal was.

    Schade ist auch, dass die meisten Menschen heute nichts mehr mit dem christlichen Glauben anfangen können. Dann würden sie sich vielleicht nicht ganz so sehr der Verzweiflung hingeben. Vielmehr wären sie, nachdem sie alles in ihrer eigenen kleinen Macht Stehende getan haben, um Umweltkatastrophen etc. abzuwehren, in der Lage, alles andere vertrauensvoll in Gottes Hände zu legen und zu hoffen, dass er es nicht zulässt, dass seine Schöpfung völlig zerstört wird. Dasselbe gilt natürlich auch für persönliche Leiderfahrungen, wie den Tod eines nahestehenden Menschen, Krankheiten, Ungerechtigkeiten und Demütigungen im Berufsleben, Durch"kreuzung" des geplanten Berufs- oder auch privaten Lebensweges. Aber Begriff wie "Gottvertrauen" sind heute niemandem mehr bekannt oder werden nur als "Opium des Volkes" belächelt, damit braucht man niemandem mehr zu kommen. Und auf das persönliche Wachsen an Leiderfahrungen und Ungerechtigkeiten hat man keine Böcke mehr. Lieber wird man psychisch krank oder nimmt Drogen.
    Geändert von Sarnade (04.09.2019 um 09:52 Uhr)

  4. #13
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    Standard AW: Meine Freundin wird langsam verrückt (Ängste, Naturkatastrophe...)

    Hallo TE,

    objektiv betrachtet ist das, was man so um sich herum wahrnehmen kann, wirklich negativ und müßte vielleicht jedem psychisch gesunden Menschen Angst machen.

    Das Verhalten Deiner Freundin ist aber doch sehr besorgniserregend. Meines Erachtens spricht viel dafür, dass man bei ihr eine psychische behandlungsbedürftige Störung diagnostizieren kann.

    Du selbst kannst wohl nicht ganz so viel machen.

    Selbst wenn fest stände, dass die Lebensbedingungen in 40 Jahren unerträglich wären, so sollte man eigentlich versuchen, die Zeit bis dahin würdevoll zu leben.

    Und - wie Sarnade schon schrieb - ein ganz wichtiger Faktor ist so etwas wie "religiöse Hoffnung". Die wirkt aber wohl nicht auf Knopfdruck. Ein religiöser Sinn entwickelt sich über Jahre. Aber wenn man ihn hat, so schützt er ungemein gut gegen allgemeine oder spezifische Ängste. Eigentlich alles wird durch ihn relativiert! Und wohl nichts anderes kann gegen solche Ängste helfen. Weil wir als Menschen nicht alles in der Hand haben.

    In schweren Zeiten sollte man genauso wie in "leichten" Zeiten versuchen, verantwortungsvoll mit der problematischen Situation umzugehen. Dies gilt vor allem für psychisch Gesunde, die mit klarem Verstand und gesunder Vernunft dem Unheil gegenüber stehen.

    Deine Freundin gehört meines Erachtens in professionelle Hände. Viele Faktoren können zu ihrem negativen Zustand beigetragen haben. Manchmal können bereits Medis auf physische Weise eine gute Wirkung erzielen. Und manchmal ist das Grundvertrauen durch frühkindliche negative Erfahrungen nicht mehr da. Und und und ....

    Ganz allgemein ist engagiert verantwortungsvolles Handeln ein gutes Mittel gegen die Widrigkeiten des Lebens. Man sollte sich den Ängsten stellen, ihnen entgegentreten und nicht vor ihnen kapitulieren.
    Das Verwaltungsgericht Meiningen hat entschieden, dass der thürgingische AfD-Chef Björn Höcke als Faschist bezeichnet werden darf.


    Wer meint, dass seine Leistung mehr als das 20-fache wert ist von dem, was ein durchschnittlicher Angestellter verdient, der hat ein gefährliches Problem mit seinem Selbstbild und gehört entlassen - aus Mangel an Realitätssinn, Selbsteinschätzung, Anstand und sozialer Kompetenz.

    Richard David Precht

  5. Für den Beitrag dankt: Sarnade

  6. #14
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    Standard AW: Meine Freundin wird langsam verrückt (Ängste, Naturkatastrophe...)

    Zunächst einmal ist es ja etwas Positives: Jemand der sich Gedanken macht, was für Folgen das eigene Verhalten hat und sich nicht nur über "das schöne Wetter" freut.
    Ich wünschte, ich würde auf mehr solcher Menschen in meinem Alltag treffen. Mein Umfeld pflegt sich die Welt so zu machen Widewidewie sie ihnen gefällt ...alles andere wird erfolgreich verdrängt.

    Findet doch gemeinsam einen vernünftigen Mittelweg und überlegt, was ihr in eurem "kleinen Revier" dafür tun könnt. Sich in einer Angststörung zu verlieren löst ja das Problem nicht.
    Und mit einem Selbstmord kann sie diese Welt nicht mal mehr ein kleines bisschen besser machen...

  7. #15
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    Standard AW: Meine Freundin wird langsam verrückt (Ängste, Naturkatastrophe...)

    Zitat Zitat von Caro_27 Beitrag anzeigen
    Sich in einer Angststörung zu verlieren löst ja das Problem nicht.
    Und mit einem Selbstmord kann sie diese Welt nicht mal mehr ein kleines bisschen besser machen...
    Das kann jemand, der sich bereits in einer behandlungsbedürftigen schweren, nahezu paranoiden Angststörung befindet, aber nicht mehr einsehen; es ist ihm ohne professionelle Hilfe nicht mehr vermittelbar.

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