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Thema: Mütter die ihre Kinder nicht beschützen.

  1. #1
    Monica
    Gast

    Standard Mütter die ihre Kinder nicht beschützen.

    Hallo,

    als Kind aus einem gewalttätigen Elternhaus beschäftigt mich schon lange eine Frage. Liebend gerne würde ich sie meiner Mutter selbst stellen, leider ist sie aber nicht mehr in der Lage mir zu antworten.

    Ich selbst bin keine Mutter, würde es aber gerne irgendwann mal sein. Wenn ich von einem Kind träume, spüre ich Liebe und Fürsorge und den dringenden Wunsch es zu beschützen.

    In manchen Threads habe ich von Müttern gelesen, die es nicht schaffen ihren Kindern Schutz zu bieten. Die sich von ihren Männern schlagen und demütigen lassen und vor Angst nicht in der Lage sind zu reagieren. Mütter die wissen dass ihrem Kind Gewalt angetan wird und es verdrängen. Warum ist die Liebe zum Kind nicht grösser, als die Angst sich auf einen mühsamen Weg zu begeben? Wo ist der Stolz und die Würde, wo der Beschützerinstinkt, wo die Pflicht für das Wohl des Kindes zu sorgen?

    Wenn man als Mutter selbst aus einem gewaltintensiven Elternhaus kommt, müsste man doch alles erdenkliche versuchen um dieses Elend seinen eigenen Kindern zu ersparen, oder? Und wenn die Mutter aus einem friedlichen Elternhaus kommt, warum tut sie dann nicht alles dafür ihren Kindern ähnliches zu bieten

    Vielleicht weil Mutterliebe bei jeder Frau anders ausgeprägt ist? Weil die Reife ein Kind auf die Welt zu bringen, nie vorhanden war? Weil man sich wichtiger nimmt als das eigene Kind? Oder einfach nur weil man Angst hat? Warum ist die Angst um das Kind nicht grösser?

    Es liegt nicht in meiner Absicht zu verurteilen.

    Ich möchte einfach nur verstehen.

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  3. #2
    Registriert Avatar von Tyra
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    Standard AW: Mütter die ihre Kinder nicht beschützen.

    Hallo,

    eine einfache Erklärung gibt es nicht. Wir leben in einer komplexen Welt und daher kann man nur einige Teilerklärungen dafür finden wie Mutterliebe funktioniert oder warum die Menschen so sind wie sie sind. Ich habe Verhaltensbiologie studiert und kann von dieser Warte her die Erklärung geben: Kosten-Nutzenkalkül der Mutter. Sie ist oft eingebildet oder real (z.B finanziell oder emotional) abhängig von ihrem Partner und duldet widerspruchslos dessen Herrschaft über sich selber und die Kinder, nimmt halt Nachteile in Kauf um ein vorgelebtes gesellschaftliches Ideal (FAmilie, Haus etc.), eine Tradition nachzuleben. GGf. ist sie selbst aus ihrer Kindheit Gewalt gewohnt und sieht sie somit als ein STück Normalität an. Ohne ausreichende Reflexion und Abgrenzungsvermögen wird sie nie in der Lage seine diese Art der REalität als pervertiert und illegitim oder besonders schlimm anzusehen.
    Das ganze beruht auf Naturgesetzen an die jeder gebunden ist und einem Stück Kultur: einer jahrtausendealten diskriminierenden Frauensozialisation in patriarchalen GEsellschaftssystemen. Den Frauen wurde ein niedrigeres Selbstwertgefühl, solche weiblichen "Tugenden" wie Duldsamkeit, Gefügigsein etc anzerzogen. Gewalt ist und war immer schon Machtmittel mittels dem Herrschaft ausgeübt wurde..womit klargestellt wurde wer wo das sagen hat..egal ob im Staat oder der Familie...

    Jede Mutter, jede Frau ist beeinflusst von Naturgesetzmäßigkeiten und Traditionen und immer bis zu einem gewissen Grad selber Opfer. Ich sage jedoch immer: jede Mutter weiss aber an sich aus dem Bauch heraus intuitiv was richtig oder falsch ist und kann reflektieren (anstatt nur wegzuschauen und auszublenden) und an sich ist es -Sozialsisation hin oder her - unterm Strich ihre Pflicht ihre Kinder zu schützen. Es ist ein Zeichen von Unreife sich dieser Verantwortung nicht zu stellen und sie auch aktiv auszuüben. Grad in unseren Zeiten in denen Gewalt strafbar ist stehen die Zeichen ja an sich gut mehr Rechte (auf körperliche und seelische Unversehrtheit z.B) geltend zu machen.
    Einige Frauen sind unreif und glauben an die falschen Dinge, wie z.B schwach zu sein etc. haben Schiss vor der eigenen Verantwortung und Courage, haben mehr Schiss allein zu sein und von einem gewalttätigen Partner verlassen zu werden als vor Schlägen, Vergewaltigungen etc....sind halt innerlich in ihrer Logik -aus was für Gründen auch immer (einige Gründe hatte ich ja genannt) - verdreht, pervertiert...Masochistinnen...allerdings oft solche die keinen Kick, Lustgewinn (der auch glaube ich nur eintritt wenn man die Kontrolle behält und die Macht hat die Gewalt stoppen zu können) daraus ziehen, sondern eher unlustvolle Gewohnheitsmasochistinnen.

    Mutterliebe ist eine Sache, die nicht naturmäßig existiert, sondern zu großen Teilen erlernt ist. GRundsätzlich unterliegen alle Tiere und Menschen dem Prinzip Eigennutz...Mutterliebe ist ja auch eigennützig...die eigenen Gene existieren weiter wenn ich eigene Kinder habe und groß ziehe....ein paar Schläge bringen dieses Ziel ja nicht in Gefahr....Eine Mutter liebt natürlich immer auch zunächst sich selber und hat ihre eigenen Pläne und Vorstellungen...klar hat sie den Instinkt ihr Kind zu schützen und könnte das an sich auch, aber sie hat auch andere Interessen...und bei manchen sind halt andere Interessen halt stärker und eine Mutter nimmt halt in Kauf dass der Vater dominiert und die Kinder mit diesem "Erziehungsmittel" das sie ggf. auch aus ihrer Kindheit gewohnt war bearbeitet....solange das nicht lebensgefährlich ist und die Kinder durchkommen: so what?...das ist nicht so wie ich es denke..das war jetzt aus der Sichtweise einer Mutter die Gewalt duldet geschrieben...kleines Profiling....ich kann das sehr gut nachvollziehen...obgleich ich nie so handeln würde. Aber ich kenne die menschliche Natur mittlerweile sehr gut und kann mir das erklären...weiss heute wie meine Mutter damals so gedacht und funktioniert hat.

    Mich hat das Thema auch sehr beschäftigt, da ich auch aus einem Elternhaus komme indem der Vater gewalttätig war, ein despotischer Pascha und meine Mutter unterwarf sich, war devot (= unterwürfig) und verlangte das Gleiche von uns 3 Mädels, also ihren Töchtern...bei zweien hatte sie keinen Erfolg...bei meiner mittleren Schwester schon, die ist vor einigen Jahren psychisch erkrankt. Meine jüngere Schwester und ich hatten uns früh widersetzt und ich hatte in erfolgreicher Gegenwehr mit ca. 14, 15 Jahren meinen Vater dazu gebracht uns Geschwister nicht mehr zu schlagen. Das sehe ich als einen Verdienst von meiner Seite her an und werfe meiner Mutter vor, dass es eigentlich ihr Job gewesen wäre mal ne klare Grenze zu ziehen um uns zu schützen. Sie hat mir quasi ihre Arbeit aufgebürdet...die ich als Kind noch nicht tragen konnte..ich musste mich zunächst um zu überleben unterwerfen...und in beschwichtigender Demutshaltung am Boden hocken, damit der väterliche Zorn nicht total Überhand nahm. Ab der Pubertät und dank meiner sportlichen Aktivitäten war ich körperlich fit genug meinen Vater in Gegenwehr durch die Küche von mir wegzuschleudern und einen imposanten Scheintötungsangriff per Topfwurf zu starten...rein intuitiv...es ging nicht mehr anders, denn mein Vater fing an auf den Kopf zu schlagen (weil er meinen Intellekt fürchtete vermute ich...läuft alles instinktiv ab sowas) was lebensgefährlich wurde. Ich bin also tierisch ausgerastet, dabei jedoch gleichzeitig schnell kalt wieder runtergekommen und habe gedroht in anzuzeigen, zur Presse zu gehen, Schilder überall aufzuhängen oder sowas in der Art wenn er noch einmal gewalttätig ist...da er innerlich ein feiger Schweinehund war, was viele FAmilien-Frauen oder Kinderschläger sind..hat diese Drohung gewirkt. Er hat seit diesem Ereignis einen bis heute andauernden Heidenrespekt vor mir.....
    Meine Mutter hatten wir Kids leider nicht dazu bewegen können sich zu trennen und mit uns wegzugehen...wir hatten bereits nach Wohungen Ausschau gemacht, sie hatte zunächst nachdem sie mal wieder vermöbelt und eine Treppe runtergeworfen worden war versprochen wegzugehen, dann aber einen Rückzieher gemacht indem sie ein Selbstmorddrama inszeniert hatte und uns drohte sich umzubringen wenn wir gehen wollten.....das verzeihe ich ihr nie..damit war sie natürlich zu weit gegangen.
    Bei ihr war der Grund ihrer Passivität ein krass minderbemitteltes Selbstwertgefühl aber auch Kalkül. Aus Konkurrenz zu ihren Geschwistern wollte sie auch"erfolgreich" sein und ERfolg hat sie so definiert, dass man eine FAmilie hat, einen Beruf, ein Haus, Vermögen etc...Sie hatte dabei übersehen, dass an sich sie die meisten Kohle reinbrachte und mein Vater immer sowas wie ihr viertes Kind war, bzw. das Alphakind...sie war hündisch in ihn verliebt und hat irgendwas in ihm gesehen, was für andere unsichtbar blieb...er war ihr erster Mann, andere hat sie sich wohl nicht zugetraut und dieser Mann blieb ihr einziger Mann.


    Bis heute bin ich zeitweilig im Alltag immer noch ab und an an den Nebenwirkungen der Kindheitstraumata ein wenig am rumknabbern...das Urvertrauen ist futsch, ich habe oft Probleme damit vertrauen zu können (was oft auch Vorteile hat...alles hat ja nicht nur Nachteile) was in meiner Partnerschaft manchmal zu kleineren Schwierigkeiten führt...mittlerweile habe ich das zwar ganz gut im Griff, aber es ist halt anstrengender für mich als für Frauen die weniger schlechte Kindheitserfahrungen gemacht haben. Finde ich zwar unfair, ist aber halt nicht mehr zu ändern.

    Ich sehe es so: ich habe sehr viel über die Menschen gelernt und kenne auch die dunklen Seiten, bin auf alles gefasst und habe durch diese negativen Kindheitsereignisse sehr viel gelernt, gelernt zu kämpfen, mit Gefahrensituationen umzugehen, mich durchzusetzen, Eigenverantwortung in Sachen Selbstschutz zu übernehmen etc. Ich habe gelernt: erledige die wichtigen Dinge am besten selber, man kann mehr als man sich anfangs zutraut und wenn man sich genügend zutraut stehen einem viele Möglichkeiten offen. Wer Selbstvertrauen hat, der verliert auch bei Rückschlägen den Mut, wer sich von einem gewalttätigen Vater und dessen katastrophalen Messages wie: du kannst nix, bist nix wert und wirst deshalb durch Schläge erniedrigt etc. lösen kann, der ist oft stärker als andere im Leben. Man kann somit aus einer negativen Sache durchaus was Positives rausziehen und etwas Neues Postitives aufbauen. Grundvoraussetung ist natürlich konsequente Loslösung aus der alten väterlicherseits und mütterlicherseits vermittelten Rollenvorgabe der unterwürfigen Frau.

    Stichwort ist hier Achtsamkeit..die Psychologie nennt sowas Skillstraining...das man sich selber ein wenig beobachtet an seinen Schwachpunkten arbeitet etc. Es ist viel Aufbauarbeit für ein solides Selbstbewusstsein notwendig, wenn man Gewalt erlitten hat. Ich hatte mich damals früh gelöst, weil ich merkte: meine Eltern sind keine guten Menschen, tun mir nicht gut, also sehe ich mal lieber zu woanders Menschen für mich zu suchen, die besser für mich sind...ich hatte sone Art Ersatzmütter in Form oft bis zu 10-15 Jahre älteren Freundinnen, die ich u.a. übers Hobbie Reiten kennengelernt hatte. Hatte meine Pflegepferde, mir das Reiten selber beigebracht und früh Reitschüler...war so gut wie immer unterwegs...was in ländlicher Umgebung gut möglich war, es gab viele Möglichkeiten und viel Freiheit und das hat die Situation ziemlich entschärft. Wichtig ist glaube ich die Loslösung...grundfalsch wäre es wie meine mittlere Schwester es versucht hatte die Eltern umzuerziehen..das ist so hart es klingt reine Zeitverschwendung und an sich hat der Gewaltherrscher dann das war er mit seiner "Erziehungsmethode" erreichen will: ständige Aufmerksamkeit...das gönne ich einem menschlich-moralischen Arschloch (tschuldigung für den Ausdruck, aber ich denke das ist die zutreffende Bezeichnung) jedoch nicht. Mein Vater hatte seine Chance, hat es verbockt und ich brauche ihn nicht!

    Mein großer Vorteil war immer dass ich sehr genau hingeguckt habe, sehr genau analysiert habe, was immer und überall im Leben Vorteile hat. Sprich: mir macht man so leicht nix vor...einen Typen der moralisch nicht astrein ist, der Macken hat und Affinität zu Dominanz und Gewaltbereitschaft erkenne ich sofort...instinktiv und habe aufgrund einer klaren inneren Auseinandersetzung eine intuitive Aversion gegen solche Typen entwickelt..sone Art Frühwarnsystem dass die Rolladen runterläßt und somit verhindert mich jemals in sowas zu verlieben...ist irgendwie blöd beschrieben..aber irgenwie funktioniert das so in der Art...Ich bin recht wählerisch und anspruchsvoll was meine Partnerwahl angeht, verschwende mich keine Sekunde an Kerle, die es nicht wert sind...und somit habe ich die Tradition, die meine Eltern mir vorgelebt haben durchbrochen. Ich werde zwar von denen irgendwo als Ketzerin angesehen, insbesondere von meiner Mutter, die sich natürlich umso schlechter vorkommt umso mehr Selbstbewusstsein ich habe und ihr gezeigt habe wie es besser gehen kann....was sie natürlich untergründig beschämt, was ihr auch in ihrer Körperhaltung, ihrem gesamten Habitus abzulesen ist.

    Heute habe ich nur noch einen Hauch Verachtung und ein wenig Mitleid mit meinen Eltern, ansonsten sind sie mir eher egal geworden. Sie leben in ihrer Welt, ich in meiner...und das ist o.k. so.

    Tyra

    Zitat Zitat von Monica Beitrag anzeigen
    Wenn man als Mutter selbst aus einem gewaltintensiven Elternhaus kommt, müsste man doch alles erdenkliche versuchen um dieses Elend seinen eigenen Kindern zu ersparen, oder?
    genau das habe ich früher auch zunächst gedacht...aber ich denke die Mütter denken sich manchmal eher: warum soll es meinen Kindern besser ergehen als mir? Ist ja an sich alles nicht so schlimm" Sie spielen die Sache herunter und wollen einige Dinge nicht sehen!
    Geändert von Tyra (02.10.2007 um 12:08 Uhr)
    Wer aufhört zu werden, hört auf zu sein

  4. #3
    Dr. House
    Gast

    Standard AW: Mütter die ihre Kinder nicht beschützen.

    Du lebst wohl immer noch in der Zeit des "Mutter-Mythos" oder?

    Eine "Mutter" ist ein Mensch wie jeder anderer und daher erwarte ich von Müttern kein besonderes bzw. spezielles Verhalten.

    Jeder Mensch ist grundsätzlich zu allem fähig.

  5. #4
    Registriert Avatar von samoa
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    Standard AW: Mütter die ihre Kinder nicht beschützen.

    Ich komme aus einem gewalttätigen Elternhaus. Damals konnte ich mich nicht wehren.

    Heute wird nur noch einmal jemand die Hand gegen mich erheben.Das erste und letzte Mal.

    Das Gleiche gilt für meine Kinder.

    samoa
    Mein Christkind heisst Felix.

  6. Für den Beitrag dankt:

  7. #5
    Dr. House
    Gast

    Standard AW: Mütter die ihre Kinder nicht beschützen.

    Zitat Zitat von darkside_now Beitrag anzeigen
    *rofl*

    Sehr intelligente Aussage, vor allem vor dem Hintergrund, dass auch "jeder Mensch" jedes Kind erzieht.

    Normalerweise ist es nunmal die Mutter, die sich um ihr Kind kümmert, und nicht jeder Mensch.



    Darkside
    Ich meine das eher so, dass man Müttern automatisch unterstellt, dass sie immer nur das beste für ihr Kind wollen, es lieben und schützen.

    Und das ist ja nun nicht so.
    Die Fähigkeit sich fortzupflanzen - oder besser ausgedrückt - ein Kind zwischen den Beinen herauszuquetschen, macht einen noch lange nicht zu einem Menschen, der auch die geistigen Fähigkeiten hat, sich um ein Kind zu kümmern. Richtig zu kümmern.

  8. Für den Beitrag dankt: AstroJay

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