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    Standard Werden alle Senioren "komisch"?

    Vorwort.

    Der Text ist ein bisschen länger geworden als geplant, deswegen eine Kurzfassung. Es geht um den geistigen Verfall im Alter. Meine Großeltern nehmen keine Rücksicht, schreien rum, fallen ins Wort, interessieren sich einen Feuchten für andere Familienmitglieder. Mein Vater ist ein Feierabendalkoholiker, rassistisch und lebt sein Leben nicht mehr. Und ich frage mich ziemlich besorgt, ob ich auch mal so oder so ähnlich ende.

    -----------------------------

    Ich bin zwar noch nicht einmal 30, aber in letzter Zeit muss ich ständig an das Altern denken.

    Meine Großeltern sind einfach... furchtbar geworden. Sie waren sowieso immer ein bisschen seltsam, auch schon mit um die 60. Obs immer so war, kann ich nicht beurteilen, so viele Erinnerung habe ich nicht mehr. Sie sind grundsätzlich ziemlich rücksichtslos. Jetzt nicht "schlimm" rücksichtslos, aber so Kleinigkeiten, die eigentlich gar nicht gehen. Als ich ungefähr 9 (!) Jahre alt war, da haben sie mich beispielsweise um 23 (!) Uhr aus dem Bett geklingelt, weil sie was tolles im Fernsehen gesehen haben und mir das erzählen wollten. Sie sind auch grundsätzlich zu ALLEN Terminen viel zu spät. Zur Beerdigung meine Uroma sind sie angekommen, als die Trauerfeier längst rum war. Zur Hochzeit meiner Cousine sind die mitten in der Trauung in die Kirche gekommen. Wenn es heißt, dass wir um 10 Uhr los wollen, dann sind sie vielleicht um 14 Uhr fertig, wenn man sie antreibt. Generell bei allem. Aber das ist gar nicht das Schlimme.

    Das wirklich Schlimme ist, dass sie eigentlich gar nicht rausgehen, nur Zuhause hocken und Fernsehen schauen. Okay, ist ihr gutes Recht. Das Problem ist nur, dass Fernsehen zur Realität geworden ist. In den Öffis laufen haufenweise grottenschlechte Soaps, in denen vor allen Intrigen und extrem manipulatives Verhalten und Affären thematisiert werden. Wenn mal ein Paar glücklich zusammenkommt, dann muss natürlich einer von denen auf mehr oder weniger mysteriöse Weise ums Leben kommen...

    So. Jetzt stellt euch vor. Die nehmen das richtig ernst. Die werfen uns Kindern dann vor, dass wir "so" sind und sowieso und überhaupt keine Ahnung vom Leben und wir werden schon noch sehen wohin das führt. Das Eskalationspotential ist so hoch, dass man nur ein falsches Wort sagen muss, das gar nicht falsch ist, sondern nur falsch verstanden wird und man wird ANGEBRÜLLT.

    Bei meiner Cousine ist es besonders schlimm, die ist nämlich auch noch mit einem "Ausländer" zusammen, der hat sogar einen langen Bart. Oh Gott. Sie ist dann irgendwann nur noch sporadisch vorbeigekommen, weil sie dieses permanente Runtermachen nicht ertragen hat. Sie ist natürlich total "undankbar"...

    Sie interessieren sich auch überhaupt nicht für uns. Zwar können sie stundenlang todlangweilige Geschichten von vor 50 Jahren erzählen, wo wir auch brav daneben sitzen und zuhören, weil wir auch nicht wissen, wie viel Zeit wir noch mit ihnen haben. Aber andersherum hält das Interesse ungelogen keine 2 Minuten. Da erzählt man beispielweise von seinem neuen Partner - und sie fallen einem dann ins Wort und erzählen ernsthaft, richtig liebevoll und verträumt, von der Beziehung aus irgendeiner Soap oder einem Roman. Und das macht mich traurig, weil sie eigentlich gar nichts von mir wissen: wollen.

    Und ganz allgemein sind sie auch ziemlich stur und machen gefährliche Sachen. Mein Opa saß mal bei uns auf der Rückbank, hat die Tür nicht richtig zu gemacht und sich nicht angeschnallt und wäre in der Kurve fast aus dem Auto gefallen. Meine Oma hat einen Bruch tagelang verheimlicht, bis es ihr hundeelend ging. Sie hat sich geweigert ins Krankenhaus zu gehen, bis wir den Notarzt geholt haben, der ihr dann "befohlen" hat, mitzugehen. Das war richtig unangenehm für uns alle.

    Mein Vater, geschieden und single, hat mal vor Jahren gesagt, dass er niiie so werden will wie die. Inzwischen nimmt er aber beunruhigende Züge an. Er guckt abends nach der Arbeit brav die Tagesschau, dann lamentiert er über "die Afrikaner", betrinkt sich, motzt weiter rum, hat kein gutes Wort mehr für irgendwen, und schon gar nicht für mich, übrig. Er hatte früher schon keine besonderen Hobbys, aber ab und zu ist er wenigstens mal mit dem Fahrrad auf ein Fest gefahren oder hat mal Badminton gespielt oder ist mal in eine Kneipe. Er hat seinen Freundeskreis aber so hart vernachlässigt, dass nur noch einer da ist, mit dem er sich sporadisch alle paar Monate mal trifft. Und der ist auch nicht mehr der Jüngste. Sein älterer Bruder ist bereits an Krebs verstorben.

    -----------------------------

    Ist das normal? Werde ich auch so sein? Mir wird schlecht, wenn ich daran denke.

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  3. #2
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    Standard AW: Werden alle Senioren "komisch"?

    Hallo marcydarcy,

    du machst dir ja seltsame Gedanken...

    Ich habe fast 10 Jahre im Krankenhaus mit überwiegend älteren Menschen gearbeitet und kann dir sagen: Ja, wir verändern uns alle im Alter. Ob das gleichgesetzt werden kann mit "komisch werden" würde ich bezweifeln. Auf der anderen Seite werden natürlich einige auch komisch.

    Bei deinen Großeltern lässt sich die Tendenz ja schon seit Jahren erkennen. Die waren schon "komisch" bevor sie richtig "alt" waren, würde ich nach deinen Ausführungen sagen. Diese Eigenschaften verstärken sich natürlich im Alter. Ein 50-jähriger mag in gemeinsamen Gesprächen seinen Rassismus noch einigermaßen kaschieren können - im Alter bei nachlassender kognitiver Leistung wird diese Selbstreflektion immer weniger und man sieht sich plötzlich hasserfüllten Reden gegenüber.

    Durch den körperlichen und geistigen Verfall nimmt der eigene Wirkungskreis natürlich ab und die Eindrücke aus der Umwelt werden geringer. Diese "Lücken" können unterschiedlich gefüllt werden. Die einen eignen sich "Informationen" aus dem Fernsehen / Internet an, die anderen füllen sie mit Erinnerungen von "Früher".

    Auch das Interesse an der Umwelt und den Mitmenschen kann sich mindern. Mal gibt es ganz einfache Lösungen, weil der Opa nicht mehr gut hört, versteht er das gesprochene Wort nicht mehr, mal ist es einfach Desinteresse. Das sollte man nicht zu übel nehmen. Früher hat sich meine Oma auch für meine Pokemonkarten interessiert, heute stellt sie manchmal den Fernseher lauter, wenn ich ihr von meiner Immobile erzähle. Ich merke dann, dass es die alte Dame (92 Jahre) nicht interessiert und spreche eben über ein anderes Thema bzw. höre auf zu reden. Auf der anderen Seite dreht sie bei ihren Ur-Enkeln dermaßen auf, dass man denkt, sie wäre wieder 20 Jahre jünger. Das interessiert sie und hat einen hohen Wert für die Ur-Oma.

    Wann und in welchem Umfang diese altersbedingten Prozesse einsetzen liegt einerseits an deinem genetischen Grundmaterial und andererseits an deinen Aktivitäten im Alter. Der Frührentner, der sich ab 55 zurückzieht und nur noch TV schaut wird eher geistige und körperliche Einbußen hinnehmen müssen, als das Rentnerehepaar, welches auch im hohen Alter noch viele Reisen unternimmt, andere Leute beim Kaffee, Kegeln, Schwimmen, etc. trifft und sich auch sonst noch körperlich und geistig fordert.

    Also ja, zum Teil hast du natürlich den selben Genpool wie deine Eltern und Großeltern in dir und kannst dich ähnlich entwickeln. Aber auch nein, du musst nicht mit 60 Freizeitalkoholiker sein und nur noch quatsch reden, da es zu einem weitaus größeren Teil auf dich ankommt. Du bleibst geistig wie körperlich so fit, wie du dich hältst.

    Nebenbei: Den meisten älteren Herrschaften war es egal, dass sie vielleicht etwas merkwürdig waren - zumal Krankenhaus ja auch immer eine Ausnahmesituation ist. Somit wird es dir im Alter eventuell auch eher gleichgültig sein, dass deine Ansichten hier und da etwas "komisch" geworden sind.

    Bei Familientreffen vermeide ich Themen mit Konfliktpotential, bzw. halte mich da raus, sollten sie doch aufkommen. Kommt ein politisches Thema auf, wechsele ich zu den Bildern in den Nachrichten und frage die älteren Generationen, ob sie in ihrem Leben schonmal soviel Schnee auf einmal gesehen haben, wie gerade in den Alpen fällt. Hier kommen dann sicher ungefährliche Anekdoten von Früher, wo der Schnee weißer und die Leute findiger waren. Streitthema erfolgreich abgewendet.

    Über Weihnachten habe ich am Familientisch vielleicht 3-5 Minuten über mein Leben berichtet. Dann wurde das Thema gewechselt. Da kann ich heute sehr gut mit leben und habe mich dann viel mit der Tochter meines Bruders beschäftigt, die ein Jahr alt ist und zuckersüß. Ich habe meine Erwartungshaltung dort sehr zurückgenommen und kann daher nicht enttäuscht werden.

    Ich erfreue mich dann daran, dass meine Oma den unebenen Gartenweg noch bis ins Haus kommt und die Tante sich immer noch traut, über 100 km zu uns zu fahren. So jung kommt man nicht wieder zusammen :-)

    Mach dir also keine Sorgen, schraube deine Erwartungen an deine Großeltern etwas zurück und streite einfach nicht mit, wenn irgendwelche vermeintlichen Problem Themen auf den Tisch kommen. Mit sich selbst zu streiten ist sehr schwierig und wird daher recht schnell eingestellt.

    Du wirst altern, du wirst im Alter abbauen und du wirst irgendwann sterben. Aber nicht heute und nicht morgen, also mach dir nicht zu viele Gedanken darum. Wenn du dir noch kein eigenes Haus gekauft hast, musst du dir auch noch keine Sorgen um Heizölbestände machen :-)

    Viele Grüße Greeni


  4. #3
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    Standard AW: Werden alle Senioren "komisch"?

    Meiner Erfahrung nach denkt man in jedem Alter, dass man selber 'normal' ist, und andere altersgruppen komisch.
    Wenn ich jetzt mit 50 aber darüber nachdenke, was ich als Jugendliche veranstaltet und normal und gut gefunden hab und wie ich mich verhalten hab, würde ich Rückblickend auch sagen, dass das manchmal vielleicht auch 'komisch' war.
    "Ich spür", dass du da bist, und ich hoff', dass es wahr ist."

    "Jetzt haben wir die Gelegenheit zu zeigen, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten."

    "Sei was du bist. Gib was du hast."

    "Für immer bleibt, was einmal war."

  5. Für den Beitrag dankt:


  6. #4
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    Standard AW: Werden alle Senioren "komisch"?

    Zitat Zitat von beihempelsuntermsofa Beitrag anzeigen
    Meiner Erfahrung nach denkt man in jedem Alter, dass man selber 'normal' ist, und andere altersgruppen komisch.
    Wenn ich jetzt mit 50 aber darüber nachdenke, was ich als Jugendliche veranstaltet und normal und gut gefunden hab und wie ich mich verhalten hab, würde ich Rückblickend auch sagen, dass das manchmal vielleicht auch 'komisch' war.
    Finde alle Menschen generell komisch... manche mehr als andere.

  7. Für den Beitrag dankt:


  8. #5
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    Standard AW: Werden alle Senioren "komisch"?

    Zitat Zitat von marcydarcy Beitrag anzeigen
    Finde alle Menschen generell komisch... manche mehr als andere.
    Hi marcydarcy,

    interessant. Damit sind wir alle gleich, auch Du.

    Nee.... ich sage oft... wer weiß wie ich mal mit 70+ drauf bin. Ich hoffe nicht so krass. Okay... bis dahin dauert es nicht mehr so lange. Habe wenige Zeit vor, als hinter mir.
    Es ist wie es ist. Ändern wird sich vermutlich nichts weiter. Ich kenne aber auch viele Ältere, die sind einfach nicht (mehr?) aus der Ruhe zu bringen und sind sehr ausgeglichen.
    Mich regen mehr meine eigenen Eigenheiten auf. Natürlich nur im stillen Kämmerlein.

    Das mit dem Alkohol, dass wäre mir zu viel, wenn ich das öfter um mich hätte. Da Familie, ist das natürlich nicht so einfach. Ich bin dabei oft ins "Fettnäpfchen" getreten. (Bin beim Thema Alk ziemlich unverblümmt. Alk kann alles kaputt machen. Von daher.)
    - Bleib wo du bist, und du gelangst nirgendwo hin!
    - Der Unterschied ist und macht das Leben!
    - Das Ende ist der Anfang! Findest Du nicht auch?
    - Liebe ist keine Meterware!
    - Pflege das Leben, nicht die Norm!
    - Freunde sucht man nicht, man findet sie

    "Die moralische Entrüstung, ist der Heiligenschein der Scheinheiligen" Zitat von H. Qualtinger

    Zwischen meinen Zeilen findet man alles was man möchte.
    Ich antworte nur noch auf sachliche Beiträge.

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