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Thema: Meine Gedanke ziehen mich runter...

  1. #1
    Gast
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    Standard Meine Gedanke ziehen mich runter...

    Hallo und danke an alle die das lesen:

    Ich suche einen praktischen Weg meine schlechten Gedanken loszuwerden. Ich ziehe mich runter und habe oft keine Motivation mehr. Wenigstens bin ich mir bewusst, dass es an mir liegt, das habe ich mir mittlerweile schon "erarbeitet".

    Ich leide - trotz meines Alters von 40 Jahren - unter dem Zerwürfnis meiner Familie infolge der Scheidung meiner Eltern (vor vielen Jahren . Mein Vater hat eine neue Familie, meine Mutter kann nichts für sich behalten und ist eher kein Mensch, der Halt und Vertrauen geben kann. Sie hatte selbst Suchtprobleme und wir Kinder gaben ihr Halt und Unterstützung.

    Beide Eltern unter einem Dach geht nicht. Ich war zur Zeit des Krisenbeginns meiner Eltern 6 Jahre alt. Seit dem gab es nur Krach und Krieg. Entsprechend hatte ich auch jahrelang keinen Kontakt zu meinem Vater. Ein harmonisches Familienleben kenne ich nicht.

    Meine Geschwister haben selbst Folgeschäden, da während der Scheidung alles über unseren Rücken ausgetragen wurde. Ein Zusammenhalt ist mit meiner Schwester nicht möglich. Sie fühlt sich selbst stets benachteiligt und versucht es über ständige Spitzen und Manipulationen zu kompensieren. Wenn ich versuche mit ihr offen zu reden wiegelt sie ab oder macht mir Vorwürfe. Sie interessiert sich nicht für andere Sichtweisen.

    Mein Vater hat eine weitere Tochter in der neuen Ehe. Sie hat eine unbeschwerte Kindheit hinter sich und jeder Stein wird ihr von ihren Eltern aus dem Weg gerollt, Wenn sie mit dem Finger schnippst sind sie am Start. Eine echte (Eltern)Vater-Tochter-Beziehung besteht nur bei denen. Uns drei zusammen sieht er nicht annähernd so oft. Das tut mir auch für meine Geschwister Leid.

    Meiner o.g. "richtigen" Schwester ist das ebenso wenig gleichgültig wie mir. Aber: Einerseits beschwert sie sich über diese Ungleichbehandlung und über meine verwöhnte Halbschwester und andererseits erzählt sie mir ständig von ihr und was sie so treibt - obwohl mich das nicht im geringsten interessiert (ich denke in der Hoffnung, dass mich das verletzt).

    Ich fühle mich wie eine Vollwaise und hasse es, dass mich das alles so belastet. Ich erwarte nichts mehr von meinen Eltern, weil ich nichts erzwingen kann. Zu meiner Schwester hätte ich aber gern ein gutes, offenes und ehrliches Verhältnis. Ich möchte nicht diese ständigen verletzenden Spielchen spielen - bis ans Lebensende (!!! ???)

    Ansonsten bin ich wohl unfähig Nähe zuzulassen. Sobald freundschaftliche Bekanntschaften intensiver werden ziehe ich mich zurück. Ich gehe im Privatbereich nur selten auf andere Leute zu und habe schon viele Chancen vertan. Ich denke das kommt von Verlustängsten.

    Dies hat zur Folge, dass ich mich trotz Job und Partnerschaft oft einsam fühle und keine Motivation mehr verspüre...

    Ich bin mir bewusst, dass nur ich das ändern kann indem ich meine Gedanken anders lenke aber es klappt leider nicht immer...

    Und wenn dann so ein Tag wie heute ist, an dem man denkt ´warum ist es alles so besch...` frage ich mich: Was kann ich tun, damit mich das alles nicht so belastet?

    Hat jemand von euch ein paar "Denkanstöße"

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  3. #2
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    Standard AW: Meine Gedanke ziehen mich runter...

    Hallo, lieber Gast,

    ich denke, dass Gedanken sowie Gefühle von vielen Menschen als unveränderliche Fakten betrachtet werden. Ich denke nicht so. Gedanken wie auch Gefühle scheinen wie Kinder zu sein, die gut erzogen sind – oder nicht.

    Gedanken beeinflussen Gefühle – und umgekehrt. Manchmal liegen sie im Streit miteinander und manchmal hecken sie gemeinsam Unsinn aus oder machen gemeinsam etwas Vernünftiges.

    Aber eines ist doch klar: Kinder sollte man nicht sich selbst überlassen, sondern erziehen. Aber in welche Richtung? Man erzieht doch Kinder immer in die Richtung, für die man sich als Erwachsener entschieden hat, oder?

    Manchmal, wenn sich Kinder über längere Zeit frei jeder Erziehung entfalten können, braucht es eben auch viel Zeit und entsprechend Mühe, wieder Erziehung einfliessen zu lassen.

    Es gibt Situationen, die Dir Anlass geben, unzufrieden oder ärgerlich zu sein etc. Aber wie willst du sein? Wenn Du nicht so sein willst, wie die Situation dich beeinflussen will, musst Du aktiv werden.

    Also entweder die Situation macht etwas mit Dir – oder Du etwas mit und in der Situation.

    Ich hoffe, diese Gedanken helfen Dir weiter.

    LG; Nordrheiner

  4. #3
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    Standard AW: Meine Gedanke ziehen mich runter...

    Hallo Nordrheiner,

    theoretisch ist mir bewusst was du schreibst. Der Vergleich ist sehr gut. Aber wie kann ich die Gedanken "erziehen" bzw. lenken? Ich muss sozusagen umdenken, mit mir ins Gespräch gehen. (?) Aber was sag ich zu mir?

    Ich versuche es ja schon seit Jahren mich gedanklich umzuprogrammieren und denen "keinen freien Lauf" zu lassen... Teilweise sogar erfolgreich... Aber es holt mich immer wieder ein.

    Wenn ich mich z.B. schlecht behandelt oder ausgeschlossen fühle - was sage ich dann zu mir? Oder was kann ich tun, damit es mich nicht runterzieht? Ich möchte mich auch nicht mehr über andere Leute ärgern, weil ich entspannter leben möchte.

    Ich habe gesundheitlich Probleme durch diese seelische Belastung.

    LG

  5. #4
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    Standard AW: Meine Gedanke ziehen mich runter...

    Um Gedanken zu lenken gibt es verschiedene Methoden.

    Die wichtigste ist nach meiner Meinung: Deine Beurteilung des aktuellen Gedankens und die gezielte Entscheidung: "so will ich nicht denken!"

    Das Gehirn will denken und denkt so ziemlich automatisch weiter. Also gib dem Gehirn etwas zu denken. Stell dem Gehirn eine Aufgabe. Dazu ist es hilfreich, dass Dir ein kurzfristiges Ziel vor Augen steht. Z.B. Du willst noch kochen. Also frag Dein Gehirn: Muss ich noch etwas einkaufen? Was fehlt?
    Dann denke z.B. an einen Menschen, den Du magst. Mach Dir einen Plan (= Aufgabe für das Gehirn), wann und wo und wie Du mit dieser Person etwas Schönes unternehmen könntest.
    Es geht also immer um Aufgaben, die Dir nützen, die für Dich schön sind. Und denke insbesondere auch an Pflichten, die Du an "diesem" Tag zu bewältigen hast. Je mehr Du tatenlos rumsitzt, um so mehr haben unproduktive und negative Gedanken Zeit, sich niederzulassen.

    Stell' Dir negative Gedanken wie Vögel vor, die sich auf einem Feld niederlassen wollen. Solange der Bauer da unten auf dem Feld rumwirbelt, trauen sie sich nicht, auf dem Feld zu landen und die guten Samenkörner rauszupicken. Aber wenn der Bauer weggeht, kommen sie. Ist der Bauer ständig auf dem Feld tätig, dann lernen die Vögel, dass sie hier umsonst kreisen...und kommen immer seltener....

    Je länger und je häufiger Du dem Gehirn positive Aufgaben stellst, um so mehr trainierst du das Gehirn, über positive Aufgaben und über positive Ziele nachzudenken. Vieles ist einfach nur Trainingssache. Und wenn Du für die Olypmischen Spiele trainierst, dann weisst Du, dass ein 3-wöchiges Training nur ein Tropfen auf den Stein ist. Ein dauerhaftes Training mit viel Selbstdisziplin ist wichtig.

    Wenn Du gedanklich angegriffen wirst "Du kannst nichts" oder "das schaffst Du eh nicht" etc. ist direkter Gegenangriff hilfreich.

    Auf "Du kannst nichts" folgt z.B. "oh doch, ich habe schon dies und jenes geschafft und die Aufgabe jetzt werde ich auch packen. Lass uns gleich mal überlegen, wie ich sie am besten angehe."

    Auf "das schaffst Du eh nicht" folgt: "das wollen wir doch mal sehen....".

    Denk bitte dran, dass Mißerfolge z.B. bei der Arbeit positiv zu betrachten sind: "oh wie schön, jetzt habe ich wieder etwas gelernt".

    Und kleine Belohnungen sind auch hilfreich. Wenn Du etwas gut gemacht hast, dann belohne Dich. Trink einen Belohnungskaffee oder nimm (z.B. für unterwegs) ein Bonbon aus der Tasche .... das nennt man dann Selbstmotivation.

    Noch Fragen?

    LG, Nordrheiner

  6. #5
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    Standard AW: Meine Gedanke ziehen mich runter...

    Nachtrag: Einsamkeit und Nähe zulassen.

    Hier stellt sich für mich die Frage: Warum tut der Mensch was er tut?

    Du merkst, dass Dir Einsamkeit nicht gut tut – aber Du lässt Nähe nicht zu. Die Frage für Dich lautet: Warum lässt Du Nähe nicht zu?

    Dafür können verschiedene Gründe in Frage kommen.
    • Du hast kein Vertrauen bzw. Probleme, Vertrauen aufzubauen
    • Andere Menschen sind Dir nicht gut genug (Du bist überheblich bzw. eingebildet)
    • Du hast verschiedene Ängste, dass bei Nähe etwas Schlechtes passieren könnte
    • Du hast konkrete Angst, enttäuscht zu werden
    • Du bist unsicher, wie Du Dich in unterschiedlichen Situationen verhalten sollst
    • Du kennst keine Menschen, denen Du ein Mehr an Nähe zugestehen möchtest

    Aus jedem obigen Punkt ergeben sich neue Fragen. So führt der letzte Punkt zu der Frage: Wie sollen die Menschen gestrickt sein, die zu Dir passen würden?

    Der Punkt „konkrete Angst“ könnte auf Verlustangst hinweisen. Das könnte zutreffen, wenn Du einen Menschen, der Dir nahe stand, verloren hast und dieses Erlebnis nicht mehr erleben möchtest. Dies würde für mich der Hinweis sein, dass Du mit der Vergangenheit noch nicht abgeschlossen hast. Du trauerst diesem Menschen noch hinterher – ohne jede Chance, dass dieser Mensch zu Dir zurückkommt. Wenn dem so ist, dann schliesse ab. Sag diesem Menschen gedanklich „adieu“ und freue Dich auf einen neuen Menschen, den Du evt. morgen kennenlernen könntest.

    LG, Nordrheiner

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