Anzeige
Seite 1 von 4 12 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 5 von 18

Thema: Das ewige Pendeln zwischen Misanthropie und Sehnsucht

  1. #1
    Registriert
    Registriert seit
    15.12.2016
    Beiträge
    12
    Danke gesagt
    1
    Dank erhalten:   0

    Standard Das ewige Pendeln zwischen Misanthropie und Sehnsucht

    Hey,

    ich bin bereits viele Jahre allein, um genauer zu sein seit guten 9 Jahren bzw. meinem 13. Lebensjahr. Meine Abkapselung von der Gesellschaft - zumindest der Gesellschaft, die ich freiwillig zu meinen Mitmenschen suche - war ein einschneidender Zeitpunkt in meinem Leben und ging gänzlich von mir aus. Eine freie Entscheidung. Mir war früh klar, dass ich nicht dazugehöre. Knapp 9 Jahre später kann ich sagen, dass ich mich vom Menschen soweit entfernt habe, dass ich auch nicht mehr könnte, auch wenn ich ungeahnt doch noch einmal wollte. Ich habe mit Einsamkeit zu leben, sie über die Jahre besser zu bekämpfen und sogar für ihre Vorzüge schätzen und lieben gelernt. Meine Distanz gegenüber dem gemeinen Menschen ist unterdessen gewachsen, meine Verachtung gediehen. Die meisten Menschen würden mich als unterkühlt, verkopft, radikal, intolerant, prinzipienreiterisch, weltfremd, verklemmt und geisteskrank[...] beschreiben. Früher oder später fischt jeder, der mich irgendwie kennenlernt in diesem Pool vorwurfsvoller Worte. Und ich würde um ehrlich zu sein selten einhaken. Ich bin kein waschechter Misanthrop. Doch es gibt auch keinen Menschen (unter denen, die ich persönlich kenne), den ich nicht verachte. Ich bin ungeheuer vernunftbetont und sehr kantisch und zu Teilen stoisch geprägt. Meine Prinzipien passen beileibe nicht in den gegenwärtigen Zeitgeist. Und das Resultat ist Abschottung, Distanz, Verachtung. Für mich liegt in der weitgehenden Rationalisierung der Welt der größte Ausdruck von Sicherheit und Funktionalität. Ich kann nicht verstehen, warum man etwas Anderes wollen kann. Frei nach Kant erachte auch ich den Menschen als von Grund auf böse und erziehungsbedürftig. Ich kann mit meinen Mitmenschen demnach auch überhaupt nichts anfangen. Ich suche etwas Besonderes. Freilich bin auch ich nicht vor Fehlern und Menschlichkeit gefeit. Mir geht es im Hier und Jetzt auch gar nicht um Perfektion oder die vollkommene Verkörperung von Vernunft in einer Person. Mir geht es um jemanden, der zumindest mal anders ist als das, was ich tagtäglich sehe. Jemanden, mit dem man eine Identifikationsbasis teilt und gemeinsam wachsen kann. Warum ich kein waschechter Misanthrop bin? Weil ich genau das herbeisehne. Ich sehe in einer Gemeinschaft durchaus mehr Potenzial als im Eremitentum. Und ich sehne mich auch nach gesitteter Zuneigung, intellektuellem Austausch, nach dem "Füreinander-da-sein", dem "Nur-du-und-ich". Nach Liebe. Liebe aus Gründen. Den richtigen Gründen, keiner intuitiv-oberflächlichen evolutionär vorprogrammierten Liebelei. Wenn sich jemand davon angesprochen fühlt, würde es mich freuen wenn derjenige mich kontaktiert oder hier schreibt.

    Anmerkung: Auf kritischen Gegenwind werde ich nicht eingehen.
    Geändert von Lonelydonut (09.01.2018 um 00:19 Uhr) Grund: Fehler

  2. Anzeige

  3. #2
    Registriert Avatar von Dunkle Prinzessin
    Registriert seit
    11.01.2018
    Beiträge
    147
    Danke gesagt
    536
    Dank erhalten:   77

    Standard AW: Das ewige Pendeln zwischen Misanthropie und Sehnsucht

    @Lonelydonut

    Ich kenne das so von mir auch, dieses Wechseln zwischen Misanthrophie und dann wieder zur Philantrophie, also den Menschen doch eigendlich sehr mögen. Ich denke bei liegt liegt es z.b dann an Begebenheiten die mich wütend machten, wie z.b Lebensmittelverschwendung, ich kann es gar nicht leiden, wenn andere mit diesen Resourssen gedankenlos umgehen. Sehe ich dann aber etwas Gutes, wie das jemand uneigennützlich jemand anderem hilft oder sich für Gerechtigkeit einsetzt, mag ich die Menschen wieder.

    Ich denke der Schlüssel darin liegt bei einem selber, also seine innere Mitte zu finden und es zu schaffen, dauerhaft diese auch zu stabilisieren. Ich bekomme das aber auch noch nicht hin, und versuche gerade dies zu erlernen und dann auch umzusetzen.

    Ich kann hier leider noch keine PN's schreiben bin noch ganz neu hier, aber dir antworten hier im Thema das geht, und ich würde mich auch über eine Antwort von dir hier im Fred freuen.


    Liebe Grüsse: Dunkle Prinzessin.

  4. #3
    Registriert
    Autor/in dieses Threads

    Registriert seit
    15.12.2016
    Beiträge
    12
    Danke gesagt
    1
    Dank erhalten:   0

    Standard AW: Das ewige Pendeln zwischen Misanthropie und Sehnsucht

    Da muss ein Missverstädnis vorliegen. Ich schwanke nicht zwischen Misanthropie und Philanthropie. Ich bin zu keinem Zeitpunkt Philanthrop. Ich verachte die menschliche Natur und ihre Vernunftlosigkeit und bin in der Hinsicht auch sehr radikal. Es ist eher der Gedanke, einfach endgültig den Cut zu machen, d.h. zu sagen: Okay, ich werde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für den Rest meines Lebens alleine bleiben, ich habe absolut niemanden und werde niemals jemanden haben, denn niemand kann mich verstehen und in mir ein Gefühl der Identifikation wecken und auf der anderen Seite die unbändige Sehnsucht nach diesem einen Menschen. Ich schwanke zwischen dem "vergiss die Menschheit und konzentriere dich für den Rest deines Lebens auf deine Selbstentfaltung" und dem Schmerz der Einsamkeit (der zwar immer seltener auftritt, aber doch noch dann und wann). Wenn letzterer akut an meinem Nervenkostüm nagt, bin ich sicherlich hier und da auch mal etwas weniger radikal und etwas kompromissbereiter, aber bis die Verachtung wieder die Oberhand gewinnt vergeht zumeist nicht viel Zeit (worüber ich auch froh bin). Ich brauche einen ganz besonderen Menschen. Wenn ich an eine Frau für mich denke, schwebt mir immer ein Zitat Nietzsches vor: "Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit". Sie muss etwas Besonderes sein. Ich bin selbst sehr speziell und der Menschheit extrem abgewandt. Sie müsste diese Eigenschaft mit mir teilen und ein sehr, sehr großes Selbstbewusstsein haben. Am besten noch größer als meines. Sie sollte kompliziert, anstrengend, herausfordernd sein und eine unaustehliche Arroganz gegenüber dem Rest der Welt ausstrahlen.
    Geändert von Lonelydonut (12.01.2018 um 12:29 Uhr)

  5. #4
    Registriert Avatar von Dunkle Prinzessin
    Registriert seit
    11.01.2018
    Beiträge
    147
    Danke gesagt
    536
    Dank erhalten:   77

    Standard AW: Das ewige Pendeln zwischen Misanthropie und Sehnsucht

    Ah ja, okay, also du bist dauerhaft so drauf, dann wünsche ich dir, dass du jemanden findest, die auch so denkt wie du, meines ist das nicht und ich sage hier auch, mach's gut, und finde was du dir erwünscht.

  6. Für den Beitrag dankt: Mondsonne

  7. #5
    Registriert Avatar von Mr. Pinguin
    Registriert seit
    02.06.2009
    Beiträge
    7.100
    Danke gesagt
    2.902
    Dank erhalten:   2.959

    Standard AW: Das ewige Pendeln zwischen Misanthropie und Sehnsucht

    @Lonelydonut: Du solltest deine Radikalität nochmal überdenken. Wie du siehst, verscheuchst du damit die Frauen.
    Willst du zu einem alten, verbitterten Griesgram werden, der allein in seiner Hütte haust und über die Menschheit flucht?

    Zitat Zitat von Lonelydonut Beitrag anzeigen
    Frei nach Kant erachte auch ich den Menschen als von Grund auf böse und erziehungsbedürftig.
    Der Mensch ist zu einem großen Teil das, was die Umwelt aus ihm macht (Erziehung, Eltern, Schule, Umfeld, Fernsehen...). Er ist nicht von Grund auf böse. Im Gegenteil. Der Mensch besitzt eine angeborene Uneigennützigkeit, die Fähigkeit zur Kooperaton und zum Mitgefühl. Leider wird in unserer kapitalistischen gewinnorientierten Leistungsgesellschaft Konkurrenzverhalten sehr groß geschrieben, wodurch den Menschen ein Egoismus und ein Gegeneinander antrainiert wird und die Philanthropie, die Kleinkinder noch ganz selbstverständlich aufweisen, geht verloren.

    Vor einer Weile habe ich eine sehr interessante Diskussionssendung auf dem TV zum Thema "böse" gesehen (mit Michael Friedmann, theologischer Hintergrund). Darin hieß es, der Mensch ist nicht böse. Auch Adolf Hitler war nicht böse. Seine Taten waren es (und natürlich gibt es nicht die geringste Rechtfertigung für diese). Ich habe mal ein Psychogramm zu Hitler gelesen. Danach hatte er offenbar einen sehr strengen und gewalttätigen Vater, dem er ausgeliefert war.

    Seine Mutter wird als überfürsorglich und verwöhnend beschrieben (was als liebevolll mißgedeutet wird). Die Mutter setzt ihren Sohn (Adolf) dadurch gegen seinen Vater ein (von dem sie selbst abhängig und gedemütigt ist). Er soll ihr zur Seite stehen, was er aber als Kind nicht kann. Dadurch kommt es zur Entwicklung von Größenphantasien, wo das Kind die ihm zugedachte Stärke (die es nicht haben kann) in seiner Gedankenwelt in gewalttätigerweise auslebt. Es (das Kind/Adolf) idealisiert durch sein Ausgeliefertsein die Gewalt des Vaters (die als Stärke erlebt wird) und übernimmt seine abwertende Haltung gegenüber diejenigen, die als schwächer erlebt werden (in dem Fall gegen die Mutter und damit gegen Frauen). Durch die Täter-Introjektion (hier: die Übernahme des Bedürfnisses nach Schutz der Mutter vor der Gewalt des Vaters), erkennt es nicht den egoistischen Missbrauch der Mutter. Dadurch kommt es im seelischen Leben des Kindes zu einer Spaltung, da die entstehenden Aggressionen durch den seelischen Missbrauch nicht zugelassen werden können. Es fängt an, sich für wertlos zu halten (weil es den Erwartungen nach Stärke nicht entsprechen kann) und sich dafür zu hassen. Projeziert sich dieser Hass nach draußen zu anderen Menschen und Mitlebewesen in Form von Gewalt, Erniedrigung und Abwertung, kann man dann wohl von "böse" sprechen.

    Weitere Gründe, warum Hitler so war, wie er war, dürften dann wohl noch die Erlebnisse im 1. Weltkrieg sein, wo das Gemetzel die letzen Überreste von Menschlichkeit getilgt haben. Dazu noch die Perspektivlosigkeit, weil er vor dem Krieg schon nicht wusste, was er mit sich anfagen soll (wurde ja auch 2 mal an der Kunstschule abgelehnt und hat im Obdachlosenasyl o.ä. gewohnt).

    Also kurz gesagt: Das was Menschen an Bösartigkeiten zeigen (an Ungerechtigkeiten, Gemeinheiten, Gewalt, Grausamkeiten), liegt m.M.n allermeistens an einem psychischen Knacks, weil sie irgendwann in ihrer Entwicklung etwas nicht haben bewältigen können. In den wenigsten Fälle setze ich hier hirnorganische Bedingungen voraus, also dass die Fähigkeit zur Mitmenschlichkeit ab Geburt oder durch Unfall oder Krankheit (Hirntumor, was auch immer) nicht vorhanden ist.


    P.S. habe erst jetzt gesehen, dass das ein Thema unter "Er sucht" ist und nicht im Unterforum "Ich". Bei Bedarf muss mein Beitrag eben gelöscht werden...
    Geändert von Mr. Pinguin (13.01.2018 um 08:18 Uhr) Grund: P.S.
    Warte nicht, wo kein Bus hält.


Anzeige

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 11.03.2015, 13:33
  2. Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 08.08.2012, 21:42
  3. Misanthropie?! :/
    Von Mina2012 im Forum Ich
    Antworten: 11
    Letzter Beitrag: 04.08.2012, 22:30
  4. Misanthropie
    Von Dark Creature im Forum Sonstiges
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 09.01.2010, 14:59
  5. Misanthropie
    Von Gast im Forum Ich
    Antworten: 20
    Letzter Beitrag: 24.08.2009, 20:31

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Anzeige