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Blog von Hr. Pinguin

Eine Geschichte aus der Steinzeit

von am 09.02.2020 um 16:10 (157 Hits)
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Meine zweite Geschichte. Nach wie vor nicht wirklich ein Kandidat für den Literaturnobelpreis. Aber um das geht es ja nicht. Die Geschichte ist nicht mehr ganz so harmlos. Aber welche ist das schon überhaupt.



Mein Name ist "Feder im Wind" und mein Stamm hatte mich verbannt. Ich musste gehen. In einer rauhen Wildnis, voller Gefahren und gefährlicher Raubtiere, fand ich mich wieder. In meinem Überleben war ich völlig auf mich alleine gestellt.

Auf der Suche nach Unterschlupf floh ich in eine dunkle Höhle. Im Schatten bemerkte ich etwas. Ich hatte nur meinen Speer mit spitzer Steinspitze zur Verteidigung. Und mit meiner Kleidung aus Fell nur einen dürftigen Schutz. Ich näherte mich sehr vorsichtig.

Ich erstarrte, denn es war ein Löwe. Mehr tot als lebendig. Heruntergekommen, abgemagert, verletzt. Kaum dass er mich wahrnehmen konnte. Jedoch schien er in jungen Jahren.

Ich machte Feuer und untersuchte dann vorsichtig den Löwen. Die Verletzungen stammten wohl von einem Kampf mit einem Artgenossen und er hatte sich dann in diese Höhle geschleppt. Ich behandelte die Wunden mit einem desinfizierenden Brei aus Kräutern, welcher die Wundheilung förderte. Zudem entfernte ich einige Dornen aus seinen empfindlichen Pfoten, sowie einige Zecken, säuberte sein Fell vor groben Verschmutzungen. Er merkte wohl, dass ich ihm helfen wollte und ließ mich gewähren.

Tagsüber ging ich auf die Jagd und versorgte damit auch den Löwen. Ich briet das Fleisch eines Impalas, zerstampfte es und setzte es so dem geschwächten Löwen vor sein doch sehr großes und bedrohliches Maul. Er nahm es an und Tag für Tag wurde er kräftiger und erholte sich von seiner Ausgezehrtheit.

Irgendwann erhob er sich und schritt zu mir. Ich war mir nicht sicher, was er vor hatte, doch blieb ich sitzen. Er wollte sich bedanken und versuchte mich sanft mit seiner großen, rauhen Zunge abzulecken.

Die Tage verstrichen. Dank meines neugewonnenen tierischen Begleiters, ich nannte ihn Große Tatze, fühlte ich mich nicht ganz so vereinsamt und der Verzweiflung nahe. Der Schmerz über den Ausschluss aus meiner Stammesgemeinschaft saß jedoch sehr tief.

Dann, ich befand mich in der Höhle an meiner Feuerstelle, bemerkte ich drei Gestalten, die an den Höhleneingang heran traten. Sie kamen herein, drei junge, kräftige Männer. Ich erkannte sie. Sie waren aus meinem Stamm und ihre Absichten waren klar. Sie wollten es zu Ende bringen. Die Verbannung war ihnen nicht genug.

Sie umkreisten mich, ihre spitzen Speere bereit um tödlich zuzuschlagen. Ich würde keine Chance haben. Den Löwen, welcher in einer dunklen Ecke uneinsehbar vom Eingang aus gelegen hatte, hatten sie nicht bemerkt. Dieser war wach und hatte die Szenerie beobachtet.

"Tatze" rief ich in meinem verzweifelten Schrecken. Der Löwe trabte heran. Die Überraschung der Drei über meinen Ausruf wich einem Entsetzen. Der Löwe warf den Ersten mit einem Prankenhieb zu Boden. Er riss den Zweiten herab, tötete beide mit einem Biss. Der Dritte wollte seinen Speer in den Leib des Löwen stoßen. Ich schleuderte meine Waffe vor, durchbohrte die Brust und das Herz des Angreifers.

... Der Löwe war im Begriff die Toten als Beute zu betrachten, die der Ernährung dienten. "Nein, Tatze", er verstand und ließ ab.

Ich schleifte die drei Leichen hinaus vor die Höhle. In der sandigen Erde grub ich ein tiefes Loch und bedeckte die Drei in diesem wieder mit der Erde.

... Wir waren wieder zusammen in der Höhle. Ein alter Mann und eine junge Frau erschienen am Eingang. Der Löwe wollte sie attakieren. Beide waren bei seinem Anblick starr vor Schrecken. Ich lief, warf mich auf Knien vor den Löwen, hielt ihn, mit meinen Armen um seinen mächtigen Hals, zurück. "Nein, Tatze". Er ließ ab.

Die beiden Neuankömmlinge schienen zu versuchen das Geschehene zu verarbeiten. "Feder im Wind", begann die junge Frau, "wir wissen, was passiert ist. Dir ist großes Unrecht widerfahren. Wir möchten, dass du wieder zurückkehrst."

... Die Zeit des Aufbruchs kam. Meine zwei Stammesangehörigen und ich befanden uns vor der Höhle. Ich musste mich von "meinem" Löwen verabschieden. Wir hatten uns beide das Leben gerettet. "Ich muss nun gehen", sagte ich zu ihm. Er verstand, wirkte so traurig wie ich. Dann drehte er sich ab, trottete in die Wildnis...

Eines Tages, ich befand mich auf der Jagd, bemerkte ich ein Rudel Löwen. Große Tatze war unter ihnen. Er bemerkte mich, lief zu mir rüber. Wir begrüßten uns freudig. Er hatte ein Rudel gefunden und seine Löwinnen beobachteten uns verdutzt, versuchten zu begreifen, was sie sahen. Dann verabschiedeten wir uns wieder. Er lebte sein Leben als Löwe. Ich ging zu den Menschen und lebte als Mensch.

Aktualisiert: 14.02.2020 um 15:55 von Hr. Pinguin

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