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Blog von Hr. Pinguin

Die Kanufahrt - Eine kleine Liebesgeschichte

von am 05.01.2020 um 06:33 (575 Hits)
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Folgende Geschichte ist frei erfunden.

Ich bin kein großer Schriftsteller.

Und es ist möglich, dass es peinlich ist.




Es war Sommer. Vom Verein aus wurde eine Outdoor-Kanu-Woche durchgeführt, mit Abends Lagerfeuer und Zelten. Der 2. Vorstand des Vereins kam auf mich zu und hatte mich gefragt, ob ich bei der Woche mit dabei sein möchte. Wohl eher der Form halber. Ich redete ja nie mit jemandem viel. Ich habe bejaht.

Sie war auch mit dabei. Ich kannte sie fast nur vom Sehen, einmal pro Woche bei den Vereinstreffen. Wir hatten bislang kaum ein paar Sätze miteinander gewechselt.

Die ersten beiden Tage saß ich mit einem männlichen Vereinsmitglied in einem Kanu. Es waren Zweisitzer. Wir wurden zuvor mit den Kanus vertraut gemacht: Uns wurde das passende Paddel gegeben - Paddellänge passend zur Körpergröße - und uns wurden die Grundfunktionen des Paddelns erklärt. Der hinten Sitzende ist der Wichtigere, da vor allem er derjenige ist, der das Kanu lenken kann. Der Vordere leistet mit seinem Paddel vor allem Vortrieb und kann nur wenig zum Steuern des Kanus eingreifen.

Unsere Zelte blieben für eine Woche fest an einem Platz aufgebaut. Wir, eine Gruppe von zehn Zwei-Mann-Kanus, gleiteten durch das Wasser. Unser Gepäck blieb größtenteils zurück und wir hatten ein wenig Verpflegung dabei. Da der Tag intensiv sonnig werden sollte, hatte ich ein langärmeliges, leichtes Hemd an, trug einen zusammenknautschbaren Sonnenhut, den man leicht in einer Tasche mitnehmen konnte, sowie eine Sonnenbrille. Ich saß zu anfangs vorne - war ja irgendwie klar, da dies der unwichtigere Posten ist. Später, nach einer Pause am Ufer, durfte ich mich auch hinten probieren.

Rechts paddeln, das Kanu zieht langsam nach links. Links paddeln, das Kanu zieht langsam nach rechts. Es gibt einen Kniff, um das lästige dauernde Wechseln des Paddels von einer Seite auf die andere zu vermeiden: Man muss mit jedem Paddelschlag zum Ende hin das Paddel nach außen "aufdrehen". Somit bleibt das Kanu in der Spur. Nach einer Weile bekam ich Übung und konnte das Kanu sicher von einer Paddelseite aus gerade halten.

Ab Nachmittag saß die Gruppe am Zeltplatz zusammen, man schwamm zusammen, oder man war ein wenig für sich, wenn man das wollte. Später wurde gemeinsam gegrillt. Einige Männer hatten ihre Freundin oder Ehefrau mit dabei. Sie, ihr Name bleibt in dieser Geschichte unbekannt, war recht gesellig. Sie konnte gut mit den anderen, war gut aufgenommen. Wir wechselten hier und da ein paar Worte. Ich war es nicht sehr gewohnt, dass man auf mich zuging. Ich fand sie hübsch und mochte sie. War ich denn wohl verliebt?

Am nächsten Tag wurde uns vom Organisator, der die Gewässer hier offenbar schon gut kannte und am Zeltplatz zurückblieb, die heutige Route erklärt. Eine Stelle sei wohl etwas heikel, weil es dort Untiefen hat und links und rechts der eigentlichen Fahrrinne Steine aus dem Wasser ragen und die Strömung dort etwas schneller sei. Es sei sehr schwierig abseits der Rinne heil hindurchzukommen.

Noch etwas weiter unten am Fluss müsse man dann aus den Kanus aussteigen, da dort der Fluss ein Stück weit mit einem Kanu nicht befahrbar sei. Es gebe dort eine kleine Anlegestelle, von der aus man das Kanu, vom Ufer aus mit einem Seil an der Hand geführt, durch den unpassierbaren Abschnitt ohne Probleme treiben lassen kann. Keinesfalls dürfe man in den Kanus bleiben und versuchen durchzufahren. Das würde durch den schnellen Wasserfluss und den im Weg liegenden Steinen und Felsen böse enden.

Zu Beginn der neuen Fahrt wurden die Plätze in den Kanus teilweise neu durchgetauscht. Sie kam mit zu mir in ein Kanu und wollte hinten sitzen. Was zugegeben ein klein wenig an meiner Männlichkeit rührte.

Wir fuhren als Gruppe gemütlich gemeinsam los. Es war wieder ein sonniger Tag und es wehte kaum ein Wind. Ich war entspannt und wir ruderten vor uns hin. Wir kamen an die Stelle mit der Fahrrinne. Ich sagte noch zu ihr, dass sie aufpassen solle, weil wir sonst daneben fahren.

Dann zog uns das Wasser hinein. Ein großer Stein! Ich ruderte rechts zurück und wir zogen daran vorbei. Ein kräftiger Sog trieb das Kanu hinab. Wieder ein Stein. Ich zog das Paddel links zurück, wir gleiteten erneut daran vorbei. Ein Fels, ich stieß uns mit dem Paddel ab. Nur nicht mit dem Kanu dagegen fahren, war alles, was mir im Sinn war. Wieder ausweichen, nochmal mit dem Paddel korrigieren. Gut, dass diese so stabil sind. Wir hatten die Strömung, die Untiefen und die herausragenden Steine hinter uns gelassen und befanden uns wieder im ruhigen Wasser. "Das haben wir gut gemacht", meinte ich nach hinten. "Nein Johann, das hast du gut gemacht", hörte ich eine leicht peinlich berührte Stimme von hinten.

Bei einer kurzen Rast tauschten wir die Plätze. Sie kam nach vorne, ich nach hinten.

Wir fuhren weiter den Fluss hinab. Die anderen aus der Gruppe waren uns schon ein Stück voraus. Alle hatten angelegt und waren dabei, ihre Kanus einen Hang hinauf zu ziehen, um sie dann an der unpassierbaren Passage vorbeizutragen.

Von vorne hörte ich sie sagen: "Wir müssen hier vorbeifahren, dann kommt die kleine Anlegestelle". Ich lenkte das Kanu entsprechend an der Gruppe vorbei und da tauchte die Anlegestelle hinter einer Böschung auf. "Da hat sie aber gut aufgepasst", dachte ich mir.

Da wir im Begriff waren, an der Anlegestelle vorbeizutreiben, sagte ich, "ich drehe nun das Boot". Ich ruderte kräftig rechts zurück, das Kanu wendete nach rechts. Dann ruderte ich links voran und das Kanu zog vorwärts nach rechts. Nun vollständig gewendet driftete das Kanu zur Anlegestelle, einem kleinen gemauerten Kai, nach links. Nochmal von rechts ausgerichtet und abgebremst, wir legten sanft an.

"Ich halte uns hinten fest", sagte ich nach vorne, "steig du zuerst aus". Sie kam aus dem instabilen Kanu heraus und hielt es von außen fest. Ich richtete mich wackelig auf und stieg ebenfalls aus dem Boot.

Nachdem ich das Seil, das dazu da war, das Kanu an der Leine durch den unbefahrbaren Abschnitt zu führen, am Kanu angebunden hatte, kam jemand aus der Gruppe, ein männliches Mitglied, zu uns runter und meinte zu mir, "Hast du gesehen, wie die Mädels dich angesehen haben?" und fügte anerkennend hinzu, "Dein Anlegemanöver war echt nicht schlecht."

Ich hatte es ehrlichgesagt nicht bemerkt, dass ich angesehen wurde, da meine Aufmerksamkeit voll auf das Rudern und das Wendemanöver gelenkt war. Aber anscheinend war es wirklich nicht so schlecht ausgeführt.

Wir führten unser Kanu als einzige an der Leine durch die Passage (so wie das eigentlich für alle angedacht war). Unten stiegen wir wieder ein und fuhren das letzte Stück weiter zum Ziel der heutigen Tour. Dort wartete ein bestellter Bus auf die Gruppe, um diese wieder, sobald alle da waren, zum Zeltplatz zurück zu bringen. Ein Moment, in dem ich mich sonst hilflos verloren fühlen würde. Aber sie blieb an meiner Seite.

Abends, es dämmerte langsam, saßen wir zu zweit auf einem Stein am Ufer und blickten auf das ruhige Wasser vor uns. Sie fragte mich, "fahren wir morgen wieder zusammen mit dem Kanu?" "Ja, gerne", erwiderte ich. Wir saßen Seite an Seite nahe beieinander. Unsere Schultern berührten sich, unsere Beine. Dann unsere Arme und ich spürte ihre Haut. Sie drehte ihren Kopf, wir küssten uns und mein Herz hüpfte vor Freude...

Aktualisiert: 14.02.2020 um 14:56 von Hr. Pinguin

Stichworte: liebesgeschichte
Kategorien
Geschichten

Kommentare

  1. Avatar von Sisandra
    Also ich finde deine Geschichte nicht peinlich. Mir gefällt sie.

    Du solltest weiter schreiben.
  2. Avatar von Dunkler_Engel
    Eine schöne Geschichte Ich frage mich, ob es eine Fortsetzung davon geben wird.
  3. Avatar von Mondsonne
    Das ist eine total süße Geschichte! Kennst du dich mit dem Kanufahren aus? Ich wünsche dir, dass du das wirklich erlebst!

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