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Froschblog

Beyond

von am 11.09.2019 um 19:08 (103 Hits)
Als ich jung war hatte ich immer dieses Gefühl, es müsse mehr geben als das was ich mit meinen Augen sehen und mit meinen Händen berühren konnte. Manchmal konnte ich es fast spüren, diese seltsame, andere Welt, die hinter allem sichtbaren liegt und dort auf mich wartet. Und immer hatte ich das Gefühl dass es diese Welt wäre in die ich gehörte, in der ich zu Hause wäre. So ganz hat mich dieses Gefühl nie verlassen, und obwohl der magische Moment, auf den ich immer gewartet habe, niemals kam, so habe ich doch nie ganz die Hoffnung verloren dass er noch kommen würde, irgendwann. Und ich lernte in dieser Welt zurechtzukommen, mich den Regeln ein wenig anzupassen und zu überleben. Den wichtigsten Regeln zumindest. Manche Regeln habe ich nie verstanden, manche fand ich unsinnig und viele zu anstrengend. Besonders diejenigen die Frauen anging.
Warum dieses ewige herumlügen, umeinander herumschleichen und vorgeben etwas zu sein was man nicht ist. Wozu das alles? Um Sex zu haben, den Hormonen Genüge zu tun, die einen zwingen sich fortzupflanzen? Um seinen Seelenverwandten zu finden, nicht allein zu sein? Für mich alles Unsinn, denn niemand ist wie ich, fühlt wie ich oder wird auch nur in Ansätzen verstehen können wie ich wirklich bin. Gewiss, meine Entscheidung, meine Schuld. Ich bin versteckt, verborgen, und es gibt keinen Weg mich wirklich kennenzulernen, denn es wäre für niemanden gut und wirklich von Vorteil. Wenn man liebt liebt man oft bloß das Bild das man von jemandem hat, nicht diesen jemanden selbst. Und oft ist man dann enttäuscht wenn der andere doch nicht so ist wie man ihn sich erdacht hat. Sicher, letztens las ich hier eine Kontaktanfrage, und ich war fasziniert von dieser Person, wie frei und offen sie von ihren Wünschen und Sehnsüchten schrieb, und ich hätte sie fast blockiert weil sie so perfekt erschien, so absolut ideal, ohne es selber zu wissen. Und zugegeben, mich reizt neben der inneren Schönheit auch die Ästhetik des Äußeren. Gerne wurde ich so jemanden einmal berühren, nur so aus Freude um zu wissen wie sich das anfühlt. Aber diese Menschen spielen in einer anderen Liga als ich, sie sind unerreichbar, und das ist auch gut so. Früher habe ich sie scherzhaft immer Göttinnen genannt, gemacht für jemand andere als mich. Und irgendwie sind sie das immer geblieben. Oh, ich weiß schon wie die Dinge laufen, auch in meinem Alter noch. Selbst ich könnte alles haben was ich mir wünsche, ich muss bloß meine übliche Maske aufsetzen, tun was jeder tut, meinen Charme und meine Kreativität nutzen, warten, ausgehen, zuschnappen. So wie es eben läuft. Aber ich will nicht. Nicht so. Und ich will nicht mit Erwartungen konfrontiert werden die ich nicht erfüllen kann oder möchte. Und ich möchte niemanden verletzen, der vielleicht etwas anderes möchte als ich. Und wer bin ich schon? Der Freak der barfuß durch den Wald läuft, der sich davonträumt in fremde Welten, der mehr jenseits als diesseits zu Hause ist. Der Außenseiter, Einzelgänger, der nicht hierhin gehört. Der Creep mit der Maske, der das Leben spielt ohne wirklich Teil davon werden zu wollen. Derjenige der auf magische Momente wartet und dann davonlaufen würde wenn sie geschehen. Mal ganz von der Verantwortung abgesehen die ich für andere trage. Diese Menschen also auch noch enttäuschen, weil ich bin wie ich bin? Für die Befriedigung meiner Pseudo-Bedürfnisse, die ich selber kaum noch ertragen kann? Ich habe so viele Monster besiegt und Drachen getötet dass es mir doch auch hiermit gelingen muss? Eine Pille mehr? Ablenkung? Schreiben, fotografieren, einfach weitergehen? Nein, es ist alles gut so wie es ist. Ich merke wie die Müdigkeit zunimmt und alles mehr und mehr an Bedeutung verliert. Ich werde in den Westen gehen und Galadriel bleiben, sozusagen. Der Ring wird ins Feuer geworfen und die Welt wird sich ein letztes Mal verwandeln. Die Zeit der Elfen ist vorbei - warum fällt es mir so schwer das zu verstehen?
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