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Froschblog

Once upon a time

von am 29.08.2019 um 12:41 (297 Hits)
Es war einmal ein kleiner, blonder Junge, der lebte in einem großen Park, der vom Rest der Welt lediglich durch eine wenig hohe Backsteinmauer von der übrigen Welt getrennt war. Er lebte dort allein, weil er diesen Park selber erschaffen hatte, und er mochte die hohen Bäume, die ihre Zweige in den Himmel streckten und ihm Schatten spendeten, und die seltsam verschlungenen Wege, die immer an andere Orte führten, die sogar noch eigenartiger waren. Und Blumen waren dort, die ihr gewiss noch niemals gesehen habt, in allen Regenbogenfarben, und manchmal sprachen sie sogar miteinander oder sangen leise im Wind, wenn er sie berührte. Merkwürdige Tiere lebten hier, Vögel und Frösche in den Teichen, und irgendwo weit drinnen existierte ein ziemlich dunkler Ort, wo ein schreckliches Monster wohnte, aber dorthin ging er niemals, außer manchmal in seinen Träumen. Der kleine Junge fühlte sich wohl dort, obwohl er die meiste Zeit alleine blieb, und dieser Park reichte ihm aus um sich glücklich und geborgen zu fühlen. Manchmal ging er an die Steinmauer heran, begegnete den Menschen die draußen wohnten, oder belauschte ihre Gespräche. Und diese Gespräche waren sehr merkwürdig, zumindest dann wenn sie sich um diesen Park drehten, in dem er lebte. Die Leute sagten so etwas wie „Was für ein hässlicher Ort, ein wahrer Schandfleck für unseren Ort!“, oder „So etwas passt hier ja überhaupt nicht hin!“, oder „Wie hässlich und krumm diese Bäume doch sind, und viel zu hoch, und diese stinkenden Pflanzen und die Wege, auf denen man nirgendwo hinkommt!“ und so weiter, und so weiter. Tatsächlich hörte er niemals auch nur ein positives Wort über diesen Park, und als er heranwuchs wuchs gleichzeitig in ihm die Sehnsucht die Welt kennenzulernen, bis er schließlich beschloss seinen Park zu verlassen. Und so ging er ein stückweit in die Welt hinein, die auch ganz OK war, denn auch dort gab es Blumen und Tiere, nur weniger farbenfroh und bunt. Aber daran konnte er sich wohl gewöhnen, und mit der Zeit hörte er auch den Menschen mehr und mehr zu und versuchte ihre Sichtweise zu verstehen und ein wenig für sich anzunehmen. Und dann, als er schon fast erwachsen war, kam er eines Tages zurück an die Steinmauer, und blickte auf das dahinterliegende Grün. Und er versuchte alles mit den Augen der anderen zu sehen. „Diese Bäume sind zu hoch!“ sagte er zu sich, „Und die Pflanzen sind hässlich und riechen schlecht! Dieser Ort ist ein wahrer Schandfleck!“
Und so entschied er sich den Park zu zerstören, damit er niemanden mehr stören könne. Das war eine harte Arbeit, das kann ich euch sagen. Wegen der dicken Stämme waren die Bäume kaum durchzusägen, und für jede Pflanze die er ausriss wuchsen gleich zwei oder mehr neue Pflanzen nach. Er war schon ganz verzweifelt, bis ihm die rettende Idee in den Kopf kam. Er sammelte das heruntergefallene Holz ein, schichtete es auf einen großen Haufen und machte ein riesiges Feuer, das nach und nach den ganzen Park verschlingen sollte. Und so kam es auch, das Feuer brannte, griff über auf alles was es umgab, wurde größer und größer, und die Bäume fielen und die Pflanzen starben, und was mit den Tieren passierte weiß ich nicht, aber auch sie wurden nicht wieder gesehen. Und als er dem Feuersturm zusah empfand er etwas wie eine tiefe Befriedigung, eine Art Befreiung, obwohl er sich dauernd mit seinen schmutzigen Händen über die Augen reiben musste, die voller Wasser waren. Aber das wird nur der beißende Rauch gewesen sein, so dachte er bei sich. Und als das Feuer schließlich sein Werk vollendet hatte lag nichts als Asche zwischen den kleinen Mauern, die ihrer Funktion ein wenig beraubt schienen. Aber der kleine Junge wusste genau, das würde nicht reichen. Denn unter der Asche schlummerten noch die Samen der Pflanzen und Bäume, und er war sich sicher dass alles wieder austreiben würde, wenn er keine Vorsorge träfe. Und so sorgte er dafür dass es in diesem Park niemals regnen solle, denn es war ja nach wie vor sein Ort, und er hatte die Macht über alles was geschehen sollte selber zu bestimmen.
Und als die Leute hörten dass der Park verbrannt war da gaben sie ein großes, lautes Fest, mit Musik und Tanz und vielen kühlen Getränken, und ein wenig feierte der kleine Junge mit, obwohl ihm die Musik zu laut, die Menschen zu gedankenlos und die Getränke zu künstlich waren. Aber was sollte er machen? Er lebte nun einmal in dieser Welt und unter diesen Menschen, die nie wirklich sein Interesse geweckt hatten, und sie mochten ihn sogar, fanden ihn charmant und lustig und hielten ihn für jemanden der ganz genau so war wie sie. Warum sie enttäuschen? Er trug eine perfekte Maske jetzt, die ihn beschützte und vollkommen unsichtbar machte, und er hätte sehr glücklich sein können wenn da in seinem Inneren nicht diese eigenartige Leere gewesen wäre, die sich ausbreitete und wuchs und langsam alles war er war zu verschlingen begann. Aber er dachte dass das wohl der Preis sein müsse, den man für das Leben zu bezahlen hätte, und so lebte er weiter wie bisher und mit der Leere kam auch das Vergessen, und wenn er nicht tatsächlich bereits gestorben ist lebt er wohl noch heute und schreibt komische Texte in sinnlose Blogs, die niemand jemals besuchen wird.
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Kommentare

  1. Avatar von lostdreams87
    Wie wundervoll geschrieben, unglaublich wie toll du das in Worte gefasst hast

    Ich finde mich voll darin wieder, nur als braunhaariges Mädchen

    Deine Geschichte hat mich echt berührt!

    Ich hab es bei mir wieder regnen lassen und die ersten Bäume und Blumen sprießen wieder, hoffentlich kann der Park wieder neu entstehen...
    Wäre zu schade um die Vielfalt und die Schönheit, die sonst für immer verloren gehen würde
    Aktualisiert: 29.08.2019 um 13:19 von lostdreams87
  2. Avatar von Froooosch
    Zitat Zitat von lostdreams87
    Wie wundervoll geschrieben, unglaublich wie toll du das in Worte gefasst hast

    Ich finde mich voll darin wieder, nur als braunhaariges Mädchen

    Deine Geschichte hat mich echt berührt!

    Ich hab es bei mir wieder regnen lassen und die ersten Bäume und Blumen sprießen wieder, hoffentlich kann der Park wieder neu entstehen...
    Wäre zu schade um die Vielfalt und die Schönheit, die sonst für immer verloren gehen würde
    Ich danke dir von Herzen für deine lieben Worte. Es freut mich sehr dass die kleine Geschichte dir gefallen hat . Und ich hoffe sehr dass das braunhaarige Mädchen eine bessere Entscheidung getroffen hat. Ach ja, lesen hilft - hat sie ja . Dürfen ein paar wenige ausgesuchte Frösche deinen Garten besuchen? Liebe Grüße!
  3. Avatar von lostdreams87
    Zitat Zitat von Froooosch
    Ich danke dir von Herzen für deine lieben Worte. Es freut mich sehr dass die kleine Geschichte dir gefallen hat . Und ich hoffe sehr dass das braunhaarige Mädchen eine bessere Entscheidung getroffen hat. Ach ja, lesen hilft - hat sie ja . Dürfen ein paar wenige ausgesuchte Frösche deinen Garten besuchen? Liebe Grüße!
    Von Herzen gerne Ich hoffe noch mehr solcher Analogien lesen zu dürfen.

    Den Garten darf sich jeder mal anschauen, aber bleiben dürfen nur die wenigsten.

    Liebe Grüße
  4. Avatar von Froooosch
    Jaaa, das finde ich guut. Ich mag Gärten .

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