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Mein Dunkler Engel und ich

Emotionales Wochenende

von am 30.12.2019 um 08:26 (599 Hits)
Am Freitag ist mein Mann wieder nach Hause gekommen, für mich überraschend, denn ich hatte erst nach Neujahr mit ihm gerechnet gehabt. Vor allem hatte ich Angst, wie er sich mir gegenüber verhält und wie die allgemeine Stimmung ist.

Als ich abends das Haus betrat, hat er mich schon an der Tür empfangen, was er vorher noch nie gemacht hatte. Sein Anblick hatte mich erschrocken, der eiskalte Mann, der er jahrelang zu mir gewesen war, war nicht mehr da. Stattdessen stand er vor mir mit einem gebrochenen Herzen.

Das große Problem ins unserer Beziehung war, dass wir nicht miteinander kommunizieren konnten. Das haben wir am Wochenende nachgeholt. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir jemals so viel über uns geredet haben.
Es war aber auch erschreckend für mich, mit was für Augen er mich jahrelang betrachtet hat. Er war schon immer sehr wortgewandt und kann jeden in Grund und Boden reden. Ich bin da das Gegenteil, gerade wenn ich in Stress gerate gelingt es meinem Gehirn einfach nicht mehr gerade Sätze zu bilden und erst recht keine Argumente zu finden. Gespräche sahen daher immer so aus bei uns, dass selbst wenn ich im Recht war, er mich so lange niederredete, bis er das Gespräch gewann. Es ging ihm immer ums Gewinnen.

Er gestand, dass er sich immer wie ein König im Haus gefühlt hat und ich wäre seine Bedienstete gewesen. Dass er kalt zu mir war, glaubte er mit Geld ausgleichen zu können. Er hatte immer geglaubt, dass ich ein sehr materieller Mensch wäre, dass ich immer nur etwas von seinem Geld haben wollte.

Er hat nie mitbekommen, was für ein gefühlvoller Mensch ich bin. Er sagte, dass er mich das erste Mal seit fast 8 Jahren richtig sieht.

Ich fühlte mich in unserer Beziehung wie in einen dunklen Raum gesperrt. Draußen stiegen die Wassermassen und drückten gegen die Tür, mit aller Kraft habe ich immer diese geschlossen gehalten. Doch der Druck wurde immer höher, bis ich die Tür nicht mehr halten konnte und alles über mich hineinbrach. Das war der Mittwoch gewesen, als ich meinen schlimmsten Tiefpunkt hatte seit langem. Doch nachdem das Wasser den Raum geflutete hatte, war der Druck weg und ich konnte den Raum verlassen und ich fühlte mich frei.

Es war sehr schlimm meinen Mann so am Boden zu sehen, dass er erst jetzt bemerkt hat, wie sehr er mich liebt und dass ich Dinge für uns getan habe und nicht aus egoistischen Gründen, wie er immer geglaubt hat. Seine Tränen und Schmerzen sind mir sehr nahe gegangen, war doch ich der Auslöser dafür. Ich wollte gerne etwas sagen um ihn zu trösten, doch ich konnte nicht mehr tun als ihn im Arm zu halten und ihm zu versprechen, dass ich den letzten Monat mit ihm verbringen würde.

Doch ich habe dieses Mal keine Mauern gebraucht. Mein Herz hatte sich von ihm schon so entfernt gehabt, dass ich zwar seinen Schmerz sehr gefühlt habe, aber mir bewusst war, dass es nicht meiner war. Für ihn war es sehr schlimm, dass sich mein Herz ihm gegenüber so verschlossen hat.

Er hatte in den zwei Wochen sehr an sich gearbeitet gehabt, er hatte viel Gewicht verloren, war bei einer Psychologin gewesen und möchte sich ernsthaft ändern. Doch ich war trotzdem hart zu ihm, ich sagte ihm, dass ich ihn trotzdem immer unterstützen werde, aber ich die Trennung trotzdem durchziehe und meinen eigenen Weg gehen werde.

Ich wünsche euch eine schöne neue Woche.

Liebe Grüße
Dunkler_Engel
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Kommentare

  1. Avatar von Herzkasper
    Hallo Dunkler_Engel!

    Danke für diesen wieder sehr interessanten Blogeintrag.

    Das, was du gerade erlebst, ist sicher nicht einfach. Da ist der Ex-Partner, der sichtlich unter der Trennung leidet. Der sich plötzlich um 180 Grad geändert und erkannt haben will, dass er in den vergangenen acht Jahren schwerwiegende Fehler in der Beziehung gemacht hat.

    Aus meiner Sicht, und ohne dich bzw. deinen Mann zu kennen, versucht er dich manipulativ umzustimmen. Ich finde das aus seiner Sicht verständlich, denn er hat dich scheinbar, vielleicht auch wegen deines vergleichsweise jungen Alters, sehr unterschätzt. Der plötzliche "Gang nach Canossa" zeugt immer noch von geringem Respekt dir gegenüber. Er hofft und denkt, dass seine Beichte alles wieder ins Lot rückt.

    Aber so einfach ist es nicht. Acht Jahre lang hat er deine Bedürfnisse und Befindlichkeiten nicht wahrnehmen können und jetzt, als du ihm sein "Spielzeug" wegnimmst, wird ihm plötzlich alles klar? Nein, so funktionieren Beziehungen auf Augenhöhe nicht. Erst nimmt er dich nicht ernst und jetzt biedert er sich scheinbar förmlich an.

    Du hättest alle Möglichkeiten gehabt, zum Beispiel ihn "warmzuhalten". Es gibt Menschen, die so etwas tun, was ich persönlich für psychisch grausam halte: Man gibt dem flehenden Partner das Gefühl, dass die Beziehung doch weiterlaufen kann, obwohl man innerlich schon längst damit abgeschlossen hat.
    Du tust das nicht und dafür gebührt dir Respekt. Du hast die Grenze ganz klar gezogen und er merkt jetzt, welchen Menschen er beziehungstechnisch verloren hat.

    Er wird sich wahrscheinlich dennoch Hoffnungen machen, dass du dich wieder "besinnst". Ich hoffe, er zieht seine Lehren aus dieser Beziehung und versteht, dass eine Beziehung auch Empathie und ständige Arbeit an sich selbst braucht. Auch du musst Lehren aus dieser Beziehung ziehen, dass du nicht wieder Jahre deines Lebens unglücklich in einer Beziehung verbringst. Bei dir habe ich ein sehr gutes Gefühl!

    Fühl dich gedrückt! Ich wünsche dir ein erhellendes, glückliches neues Jahr 2020!

    Lg
    Herzkasper

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