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Mein Dunkler Engel und ich

Die Gründe der Trennung

von am 23.12.2019 um 09:35 (730 Hits)
Nun ist die Trennung von meinem Mann schon über eine Woche her und seit einer Woche haben wir keinen Kontakt mehr gehabt (er wohnt bis Neujahr bei einem Kumpel in seiner alten Heimat). Das Haus hatte sich am Anfang zwar leerer angefühlt, aber das mag mehr an der Gewohnheit gelegen haben, schließlich haben wir 6 Jahre zusammengewohnt.
Doch ich vermisse ihn nicht, auch wenn es vielleicht hart klingt, denke ich nicht wirklich an ihn.

Die Entscheidung zu einer Trennung war keine spontane Entscheidung von mir, sondern ich habe sehr lange darüber nachgedacht.
Unsere Beziehung hat von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden, doch ich habe es nie sehen wollen. Wir lernten uns nach meinem allerersten schizophrenen Schub kennen, ich fühlte mich damals sehr alleine auf dieser Welt. Ich hatte zwar eine Familie, für die es aber ebenfalls eine sehr schwere Zeit gewesen war, aber ich hatte keine Freunde mehr und mein Pferd musste ich weggeben, weil ich mich nicht mehr darum kümmern konnte.

Dann war plötzlich er da, 12 Jahre älter (ich war gerade 22 geworden), eigentlich überhaupt nicht mein Typ, doch er brachte Licht in meine dunkle Welt. Durch seine bestimmende Art bekam ich wieder Halt im Leben.

Nach einem Jahr Fernbeziehung zogen wir dann zusammen, wofür er aus seiner Heimat zu mir gezogen war. Dadurch hatte er hier natürlich keine Freunde, was aber bis heute angehalten hat, da er nie Interesse daran hatte irgendjemanden kennenzulernen oder irgendwelchen Aktivitäten nachzugehen. Wir verbrachten deshalb die komplette Zeit alleine Zuhause. Er litt die ganzen Jahre unter Depressionen, eine Therapie hatte er mal begonnen, aber dann abgebrochen.

Die ersten großen Probleme begannen dann, als wieder ein Pferd in mein Leben trat und ich nun nicht mehr die ganze Zeit mit ihm zusammen war. Er hatte nie das Verständnis dafür, dass ein Pferd jeden Tag versorgt werden muss und ich als Turnierreiter auch regelmäßig trainieren muss. Ich war immer unter Strom. Wenn ich Zuhause war, hatte ich ein schlechtes Gewissen meinem Pferd gegenüber und wenn ich im Stall war, hatte ich den Druck mich zu beeilen um schnell wieder nach Hause zu kommen.

An einen Moment erinnere ich mich noch sehr gut. Bei uns im Stall war der Empfang immer sehr schlecht gewesen und an einem Tag lief absolut gar nichts rund. Ich wolle ihm eine Nachricht schicken, dass es später wurde, doch sie ging einfach nicht raus. Als ich dann endlich auf dem Heimweg war, kam schon die erste Nachricht von ihm "Wo bist du!". Ich antwortete, dass es länger gedauert hatte und ich auf dem Weg nach Hause sei. Dann kam keine Reaktion mehr von ihm und ich wusste genau, was mich Zuhause erwarten würde. Mit zitternden Händen und rasendem Herzen kam ich ins Haus. Ich konnte seine Wut schon spüren, als ich nur das Wohnzimmer betrat. Er sagte nichts, absolut gar nichts. Das dauerte 3 Tage an, nachdem ich mich entschuldigt hatte, sprach er wieder mit mir.

Dieses Schweigen gab es öfters, doch für mich war es die reinste Folter gewesen. Das ging so über Jahre hinweg, bis es anfing mir egal zu werden. Das war der Punkt an dem ich aufgehört hatte ihn zu lieben.

Ich habe sehr viel getan um ihn zu Gefallen, ich habe ständig meine Haarfarben und -Frisuren geändert, habe die Nägel so gemacht, wie er es wollte. Er sagte zwar immer, dass die Entscheidung bei mir liegen würde, doch seine Taten sprachen eine andere Sprache. Ich saß zum Teil beim Friseur und habe fast geweint, weil er die nicht so schneiden/färben wollte, wie es auf dem Bild war, was mein Mann mir zugeschickt hatte.
Er sagte dann zwar nicht direkt, dass ihm etwas nicht gefiel, doch da ich Hochsensibel bin, spürte ich schon die kleinsten Reaktionen bei ihm.

Dadurch rutschte mein Selbstbewusstsein immer mehr in den Keller, denn er wollte mich immer anders haben, als ich bin. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich einfach so begehrenswert bin. Er lästerte sehr viel über andere Frauen, die oft eine ähnliche Figur hatten wie ich, belächelte Frauen, die sich selbst verletzt haben (wie auch ich es während meines ersten Schubs getan hatte). Ich schämte mich immer mehr für meinen Körper, der Blick in einen Spiegel wurde für mich zur Qual.

Der Sex war für mich irgendwann nur noch eine eheliche Pflicht, die ich tat, damit die Stimmung nicht allzu schlecht war. Er gab mir auch immer das Gefühl, dass es nur darum ging um Druck abzubauen, nicht weil er heiß auf mich war. Er berührte mich nur, wenn er Sex wollte. Es gab nie mal kleine Umarmungen oder ähnliches. Deshalb blockte mein Körper irgendwann schon ab, sobald er mich nur berührte. Meine Libido war komplett eingeschlafen und ich fürchtete schon, dass ich asexuell geworden bin. Seit der Trennung ist bei mir ein Schalter umgelegt und ich weiß nun, dass es absolut nicht so ist.

Was das Fass am Ende zum Überlaufen gebracht hatte war, dass ich während der Weiterbildung vom ihm keine Unterstützung erhalten habe. 9 Monate hatte ich eine 56-Stunden Woche, alles blieb an mir hängen, der komplette Haushalt, der Garten und alles andere. Seine Aufgabe war es das Sofa zu bewachen.

Es hat harte und ehrliche Worte im Chat gebraucht um mich wach zu rütteln, auch die ehrlichen Worte meine Mutter, die schon lange gemerkt hatte, wie unglücklich ich war.

Ich wünsche euch einen schönen Montag.

Liebe Grüße
Dunkler_Engel
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Kommentare

  1. Avatar von Jord
    Hey du,
    tat sicher gut, das mal alles so aufzulisten.
    Ja, es ist wichtig, dass du an dich denkst.
    Ich meine, wenn man da mit einem untätigen Menschen zusammenlebt, dann fühlt man sich nicht wohl. Würde mir auch so gehen.
    Es ist wohl sehr wertvoll, wenn man weiß, wie man seinen Alltag verbringen kann. Man sollte sich nie abhängig machen, von der Aufmerksamkeit anderer Menschen. Man sollte auch mit sich allein klarkommen können und Spaß haben und genießen können.
    Er hat für dich sein Umfeld aufgegeben, war schon ein großer Schritt, aber wusste dann mit sich allein nicht viel anzufangen und wartete immer auf dich.
    Lass dir nun viel Zeit, es ist eine neue Situation für dich.
  2. Avatar von Herzkasper
    Es tut weh zu lesen, wie er dich behandelt hat und ich kann nachvollziehen, dass du für ihn keine Liebe mehr empfindest. Liebe ist nie nur einseitig, sondern sie wächst im Dialog. Es geht nur gemeinsam.

    Ich ziehe meinen Hut vor dir. Bei all dem Weiterbildungsstress eine Trennung einzuleiten ist sehr kräftezehrend. Gönn dir eine Auszeit nur für dich. Mach das, was du von Herzen machen möchtest. Es ist dein Leben und nur du bestimmst darüber.

    Es ist gut, dass du deine Gedanken niederschreibst. Es reinigt den Kopf und die Seele.

    Lg
    HK
  3. Avatar von Fadeaway
    Sei froh, dass du den los bist.

    Das hast du gut gemacht!
  4. Avatar von Dunkler_Engel
    Zitat Zitat von Jord
    Hey du,
    tat sicher gut, das mal alles so aufzulisten.
    Ja, es ist wichtig, dass du an dich denkst.
    Ich meine, wenn man da mit einem untätigen Menschen zusammenlebt, dann fühlt man sich nicht wohl. Würde mir auch so gehen.
    Es ist wohl sehr wertvoll, wenn man weiß, wie man seinen Alltag verbringen kann. Man sollte sich nie abhängig machen, von der Aufmerksamkeit anderer Menschen. Man sollte auch mit sich allein klarkommen können und Spaß haben und genießen können.
    Er hat für dich sein Umfeld aufgegeben, war schon ein großer Schritt, aber wusste dann mit sich allein nicht viel anzufangen und wartete immer auf dich.
    Lass dir nun viel Zeit, es ist eine neue Situation für dich.
    Hi Jord,
    ja es hat tatsächlich gut getan dieses Punkte einmal niederzuschreiben, ich hätte noch sehr viel mehr dazu schreiben können.
    Das ist richtig, es war ein großer Schritt von ihm gewesen, für mich alles aufzugeben und hierherzukommen. Doch hat er sie nie bemüht sich ein Leben hier aufzubauen. Über alles und jeden redete er schlecht, er kein Interesse daran mal etwas als Paar mit einem anderen etwas zu unternehmen.
    Momentan genieße ich die ruhige Zeit Zuhause sehr und ich freue mich sehr auf meine Wohnung
  5. Avatar von Dunkler_Engel
    Zitat Zitat von Herzkasper
    Es tut weh zu lesen, wie er dich behandelt hat und ich kann nachvollziehen, dass du für ihn keine Liebe mehr empfindest. Liebe ist nie nur einseitig, sondern sie wächst im Dialog. Es geht nur gemeinsam.

    Ich ziehe meinen Hut vor dir. Bei all dem Weiterbildungsstress eine Trennung einzuleiten ist sehr kräftezehrend. Gönn dir eine Auszeit nur für dich. Mach das, was du von Herzen machen möchtest. Es ist dein Leben und nur du bestimmst darüber.

    Es ist gut, dass du deine Gedanken niederschreibst. Es reinigt den Kopf und die Seele.

    Lg
    HK
    Danke für deine Worte Herzkasper. Es hat allerdings eine ziemliche Zeit gedauert, bis ich erkannt hatte, dass ich ihn nicht mehr liebe. Das amüsante ist eigentlich, dass er mir immer vorgeworfen hat, dass ich nichts für unsere Beziehung tun würde.

    Ich habe noch ein anderes großes Projekt gestartet, das ist mein Körper. Ich gehe seit der Trennung wieder sehr regelmäßig zum Sport und habe auch meine Ernährung komplett umgestellt.
  6. Avatar von Dunkler_Engel
    Zitat Zitat von Fadeaway
    Sei froh, dass du den los bist.

    Das hast du gut gemacht!
    Danke Manchmal ist man selber ziemlich blind und sieht die einfachsten Dinge nicht.
  7. Avatar von gigi2
    Trennungen sind selten schön - aber in deinem Fall:

    die beste Entscheidung deines Lebens - der Mann hätte dich auf Dauer krank gemacht.

    Hoffentlich nimmst du aus dieser Beziehung eine Erkenntnis mit:

    Veränder dich nie wegen eines Mannes, bleibe dir selbst treu.

    diese"Liebe" hat dir nicht gut getan.

    Ich wünsche dir alles Glück der Welt und das du einen weg findest.

    Ganz liebe Grüße

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