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Abendtau - Das gewisse Extrablatt

Was tun beim Verdacht auf Kindesmissbrauch?

von am 18.10.2011 um 00:08 (3625 Hits)

Intervention bei sexuellen Missbrauch

Wer den Verdacht auf Kindesmissbrauch hat, hat auch das Gefühl möglichst schnell handeln zu müssen. Das beklemmende Gefühl den/die Täter/in möglichst sofort zur Rede stellen zu müssen oder die Familie zu informieren, ist nur verständlich! Jedoch sorgt überstürztes Handeln erheblich dafür, dass die Chance einen Missbrauch aufzudecken oder weiteren zu verhindern, beträchtlich minimiert wird!

Bedenken Sie:

In über 90% der bekannten Fälle, passierte der Missbrauch in der Familie (auch Mütter/Frauen können Täterin sein) ! Oder durch Vertrauenspersonen (eine anerkannte Autorität des Kindes.).
(Diese Video-Doku zeigt was alles falsch laufen kann usw.)

Die Anzeichen von Missbrauch sind vielfältig, aber selten eindeutig. Die erste Reaktion ist meist:
Das kann nicht wahr sein. Der stichhaltige Nachweis dafür ist sehr schwierig. Zu dem entsteht ein hoher Handlungsdruck.
Daher ist die wichtigste Maxime: Ruhe bewahren!

Lassen Sie sich mit professioneller Hilfe beraten! Suchen Sie das Gespräch mit involvierten Personen oder Einrichtungen des Kindes. Denn Vorbeugung und Verdachtbegleitung brauchen eine
Strategie, bei der das Kind sicheres und neues Vertrauen schöpfen kann, um sich letztlich öffnen zu können.
Andernfalls wird es wie gehabt schweigen. Nicht zuletzt dadurch, dass auch der Täterkreis (z. B. Eltern) positive Anteile hat, wird geschwiegen.
Das Schweigen bezieht sich in solchen Fällen auf das nicht Reden können, selbst wenn man will, hervorgerufen durch den entstandenen Dauer-Schock-Zustand des Gehirn´s. Eine solche Blockade kann nicht selten über Jahrzehnte anhalten!

Da dem Kind
schnelle Hilfe zu schnell gehen würde, wäre diese versuchte Soforthilfe für das Kind überfallsartig. Folglich verschließt sich das Kind noch mehr oder leugnet sogar das Geschehen! Grund dafür ist die psychische Überforderung, die häufig durch Drohungen und Dominanz des Täters bzw. der Täterin verstärkt wird. (nicht reden dürfen)

Das Kind weiß das es zur Familie gehört und in sehr naher Beziehung und Abhängigkeit steht. Auch in seelischer Abhängigkeit (Liebe, Zuneigung, Bestätigung...).

- Es erlebt, dass nicht nur Misshandlung stattfindet, sondern es erfährt durch die gleiche Person die es auch missbraucht, das Gute, das Schöne und Angenehme etc. So erfährt das Kind durch den Erwachsenen, der sie oder ihn missbraucht, einen Zwiespalt, den unfertige Gehirn des Kindes nicht verarbeiten kann, da auch die Worte und dessen Bedeutung fehlen! Da die Sprach unfertig ist.
Eine Hilfeschrei und/oder eine Anzeige, wird durch diesen Zwiespalt, der nichts weiter ist als eine moralische Grenze (man zeigt doch seine Eltern nicht an!), verhindert.
Dieses Szenario wird dann zur Normalität des Kindes. Welche dann den Mehrfachmissbrauch ermöglicht.
Reißt man es zu schnell aus dieser „Normalität“ heraus, trägt es weiteren Schaden davon. Fällt ggf. von einen Schockzustand in den Anderen. Dies gilt es zu verhindern!

Denn das verwirrende Familien-System, was das Kind ohnehin ertragen muss, soll nicht noch durch ein weiteres, verwirrendes System hektischer Hilfestellung bereichert werden!
Hier ist eine Zusammenarbeit mit dem Kind von sehr großer Bedeutung! Erfahrungsgemäß müssen sich Helfende dem Tempo des Kindes angleichen!

Denken Sie immer daran!

Die ersten Interventionsschritte für das Kind sind die wichtigsten!
Dem Kind ist die Sexualität in erwachsener Gestalt auferlegt worden. Das kann man nicht mehr rückgängig machen!

Durch Ihrer Zurückhaltung ist es für das Kind möglich, einen Raum zu finden - in dem es sich
langsam wieder öffnen kann. Bedenken Sie, dem Kinde wurde das Urvertrauen weitgehend genommen oder ganz zerstört!
Für das Kinde ist entscheidend, dass es ihnen die angebotene schützende Hilfe glaubt!

Aus meiner persönlichen Erfahrung als Betroffener weiß ich nur zu gut, wie schwer Sie es als Helfender damit haben werden, neues Vertrauen bei dem betroffenem Kind zu gewinnen.


Daher möchte ich Sie stellvertretend und herzlichst bitten!
Bewahren sie die Ruhe und haben sie viel Geduld!
Vielen Dank dafür!
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Weitere Grundsätzliche Interventionen beim Verdacht sexuellen Missbrauch finden Sie hier:

- Wildwasser

Detaillierter hier:
Handlungsorientierungen für die Intervention bei sexuellem Missbrauch Empfehlungen für die Praxis der Jugendhilfe (pdf Seiten)



Der Gesetzgeber sagt, dass Kindesmissbrauch nicht sofort angezeigt werden muss, da das Kindeswohl vor geht! Somit haben auch die helfenden Hände weniger Druck.

Je nach Einzelfall, kann es sein, dass die Anzeige durch das strategische Handeln erst ganz am Ende der Strecke steht!


_____

Michael Kopper zu: Was ist ein Trauma?



- Tabau im Tabu:
Von der Mutter missbraucht

Die Doku triggert möglicherweise!
Eine Dokumentation (44 Min)
https://www.youtube.com/watch?v=UtqqjsmHs7Q



Aktualisiert: 30.01.2015 um 12:49 von °°°abendtau°°° (Links aktualisiert)

Kategorien
Thema Missbrauch + Folgen

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