Glaub mir, mit 26 bist du bestimmt nicht zu alt! Zwar bist du für einen Studienanfänger mit 26 natürlich nicht mehr der Allerjüngste, aber in deinem Alter ist der Zug definitiv noch nicht abgefahren! Ich werde in zwei Wochen 30, studiere noch und wünschte, ich könnte noch einmal 26 sein.

Darf ich dir aus eigener Erfahrung etwas erzählen? Nachdem ich mit 19 mein erstes und mit 21 mein zweites Studium abgebrochen habe, war ich damals der festen Überzeugung, dass ein Studium nicht das Richtige für mich wäre. Deshalb suchte ich mir einen Job und landete schließlich im Verkauf, wo ich als "junger Bua" ständig minderwertige Tätigkeiten, die die anderen KollegInnen nicht machen wollten, erledigen musste (Lager aufräumen, Regale schlichten, Geschäft/Schaufenster putzen, staubsaugen, Kartons zerlegen usw.), und sobald ich mal auch nur einen kleinen Fehler machte, wurde ich von meinen KollegInnen in Anwesenheit der KundInnen lautstark darauf hingewiesen. Danach stellte ich mir die Frage, ob ich wirklich ein Leben lang solche Jobs machen möchte oder es nicht doch lieber noch einmal auf der Uni versuchen möchte.
Mit 23 machte ich einen Neuanfang und fing mein drittes Studium an. Ich muss sagen, dass mir der Wiedereinstieg nach zwei Jahren Pause zwar etwas schwer fiel und ich in den ersten 1-2 Semestern noch Startschwierigkeiten hatte. Vielleicht befindest du dich gerade in der gleichen Situation, nachdem du länger auf der Uni pausiert hast. Auch ich kam erst nach dem dritten Semester zügiger voran.
Da mir aufgrund meiner beiden abgebrochenen Studien sämtliche Beihilfen gestrichen wurden und mich meine Eltern nicht mehr unterstützen wollten, musste ich neben dem Studium arbeiten gehen, sodass ich für den Bachelor insgesamt 10 Semester benötigte und erst mit 28 meinen ersten Abschluss hatte. Gleich danach begann ich auch mit dem Masterstudium, wobei ich mir natürlich die Frage stellte, ob das in diesem Alter noch sinnvoll ist.
Schließlich fand ich unmittelbar nach meinem Bachelor-Abschluss einen fachspezifischen Job, mit dem ich aber sehr unglücklich war. Da mir der Job sehr viel Zeit und Energie raubte, kam ich in den ersten beiden Semestern nur sehr schleppend mit dem Master voran. Ich wusste einfach nicht mehr weiter und hatte dieses Jahr im Sommer eine kleine Krise. Ich habe mir damals Tipps aus dem Forum geholt, die mir sehr weitergeholfen haben und die teilweise vielleicht auch für dich relevant sein könnten. Bei Interesse kannst du den Thread vielleicht mal überfliegen: https://www.hilferuf.de/forum/beruf/...-erreicht.html
Meinen Horrorjob habe ich schließlich im Oktober 2017 aufgegeben und studiere dieses Semester quasi "Vollzeit". Aber die Sorge, dass ich aufgrund meiner langen Studiendauer nie einen gescheiten Job finde, ist leider noch immer da.

Was ich dir damit sagen will: Ich kann zwar nicht beurteilen, ob ein Studium oder ein Ausbildungsplatz das Richtige für dich ist, aber gib nicht gleich auf, nur weil das erste Semester auf der Uni vielleicht nicht ganz so erfolgreich war. Ich würde an deiner Stelle auf jeden Fall noch im kommenden Sommersemester weitermachen und mich danach eventuell nach einem Ausbildungsplatz umsehen. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass es nicht einfach ist, aber gib bitte die Hoffnung nicht auf!
Vielleicht ist es nicht schlecht, wenn du dich nach einem Nebenjob in deiner Branche umsiehst und parallel dazu studierst.

Ich weiß nicht, wie deine mittel- bis langfristigen Pläne aussehen und ich bin auch mit dem deutschen Bildungssystem nicht ganz vertraut (da ich aus Österreich komme), aber hier in Österreich ist es in der Regel so, dass z.B. für eine leitende Position nur UniversitätsabsolventInnen in Frage kommen. Wenn du "nur" eine abgeschlossene Lehre hast, kannst du dich nur bis zu einem gewissen Grad hocharbeiten. Vielleicht ist das in Deutschland anders, keine Ahnung. Jedenfalls ist aber in Deutschland z.B. der Abi-Schnitt sehr wichtig, während man in Österreich nie nach den Matura-Noten gefragt wird.

Liebe Grüße aus Wien und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!