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Thema: Einbruch Selbstvertrauen im Beruf

  1. #6
    Moderator Avatar von whateverest
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    Standard AW: Einbruch Selbstvertrauen im Beruf

    Du bist kein Weichei. Definitiv nicht.

    Ich verstehe aber. Du möchtest nicht vor der Herausforderung davon laufen, vorallem wenn man schon soviel investiert hat. Das ist ja auch Lebenszeit die du in das Unternehmen gesteckt hast. Viel Arbeit, viel Energie, viel Opferung. Und davon wegzugehen, nur weil man es nicht "versteht" - das lässt sich schwer mit dem Gewissen vereinbahren.

    Aber ich sag mal so. Viele Unternehmen gehen nun auf diesen Kurs von Ownership. Und bei fast allen habe ich das selbe gesehen. Viel Blabla, aber ohne wirkliches Ziel. Mehr ist immer besser. Das funktioniert natürlich bei großen, internationalen Firmen, die ihren Kundenstamm aus bestehenden ebenso großen, internationalen Firmen beziehen. Denn man ist nicht angewiesen auf die kleinen Brötchen. Mitarbeiter sind auswechselbar, Kunden sind auswechselbar. Die völlige Flexibilität. Das ist aber generell so eine Marktrichtung die sich gerade einschlägt. Man möchte sich nicht auf eine Zielgruppe fokusieren, der Gewinn bestimmt die Agenda.

    Um ehrlich zu sein, ich denke nicht, dass du dort happy wirst. Eine Umstrukturierung brauch einen richtigen Plan, und auch harte Worte. Dieses Einlullen von großen Tönen ist nur heiße Luft um die Leute für sich zu gewinnen, um Kunden zu gewinnen, die MA kurzfristig zu mobilisieren. Aber nach mindestens einem Jahr wird man schnell sehen, dass da nichts hinter steckt. Einlullen, und Wischiwaschi ist Verkaufen. Das Verkaufen einer Idee, die nur eine Idee ist. Es muss immer schön toll und sehr positiv sein, mit einem Lächeln im Gesicht bei jedem Wort.

    Das ist aber generell wie sich zur Zeit der Markt bestimmt, viele Luftschlösser. Was wirklich darin ist interessiert keinen solange es gut läuft. Solange alle ihren Gewinn haben, sich ein schickes Auto kaufen können und erfolgreich im Entrepeunerbusiness stehen, sagt keiner was dazu. Risiken werden mit Watte ausgestopft und am Besten nicht angefasst.

    Wenn dir aber das wirkliche Ziel dem Menschen zu helfen und ihm eine Basis für sein Leben zu geben wichtig ist, dann würde ich dir wirklich raten dich neu zu orientieren. Du wirst definitiv weniger verdienen, denn da werden kleine Brötchen gebacken um sich wirklich die Zeit nehmen zu können effektiv helfen zu können. Bei einer Gewinnagenda hat man diese nicht und es ist nurnoch ein schnelles Abarbeiten von Schicksalen, und nach einer Stunde zu den Akten gelegt. Fließbandarbeit. Der Mensch steht da nicht mehr im Fokus, man profitiert nurnoch daraus bis er keinen Gewinn mehr einbringt und es wird sich auf den nächsten konzentriert. Das ist wirklich anstrengend. Vorallem wenn man moralische Bedenken hat wirst du dich dann jeden Tag fragen ob es dir das wert ist, und irgendwann musst du dich immer wieder aufs Neue überzeugen, dass du etwas gutes tust.
    “There is a rumour going around that I have found God. I think this is unlikely because I have enough difficulty finding my keys, and there is empirical evidence that they exist.”
    ― Terry Pratchett

  2. Für den Beitrag dankt: weidebirke

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  4. #7
    Moderator Avatar von whateverest
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    Standard AW: Einbruch Selbstvertrauen im Beruf

    Zitat Zitat von weidebirke Beitrag anzeigen
    @whateverest: was ist ein "Ownership"-Prinzip?
    Das ist quasi, dass du hinter deiner Marke, deinem Unternehmen stehst, und mit völliger Überzeugung das "Produkt" verkaufst. In immer mehr Unternehmen werden MA darauf geschult. Das ist eine Verkaufsstrategie. Man darf keine Zweifel zulassen, und wenn es Zweifel gibt, dann müssen diese "ausgeredet" werden. Es gibt dafür ganze Kataloge wie man auf gewisse Stichwörter reagiert, was man sagt, WIE man es sagt. DU bist die Marke, der MA ist die Marke und er muss sie dem Kunden im direkten oder indirekten Kontakt verkaufen und ihn davon überzeugen, dass es gerade DIESE Marke sein soll, damit auch der Kunde das Produkt weiter verkauft.

    Bei Coca Cola zum Beispiel. "Pepsi oder Cola?" "Cola natürlich." "Aber Pepsi ist doch auch okay." "Nein, bei Cola denke ich immer an Strand und Meer." - Das suggeriert die Werbung, das suggeriert der Verkauf, du hast einfach das bessere Gefühl dabei, ein "Glücksgefühl". Es ist nicht irgendeine Cola, es ist Cola von Coca Cola. Du bist die Marke, und die Marke gehört zu dir. Wie ein Symbol. Das Prinzip ist zwar etwas komplizierter bei mittelständischen Unternehmen, zielt aber auf dieses Gefühl ab. Es soll nicht irgendeine Spedition sein, es soll DIESE sein. Es soll nicht irgendein Bäcker sein, es soll DIESER sein.
    Das Unternehmen wird Teil deiner "Lebensgeschichte", denn Geschichten verkaufen sich gut. So auch bei den MA. Die MA werden darauf geschult das Unternehmen in ihre Lebensgeschichte einzubinden und somit Teil der Unternehmensgeschichte zu werden. Vorallem wenn dies auf eine Gewinnagenda abzielt, um somit für sich einen Wiedererkennungswert zu schaffen. Bei Beispiel Cola wieder. Man sieht da keine Fabriken, man sieht die Entstehungsgeschichte. "Damals im Jahr 195schlagmichtot hat ein Mediziner blablabla... heute sind wir ein Unternehmen das über blablabla Mitarbeiter eingestellt hat."

    Edit: Bei so gut wie allen Unternehmen die nach diesem Prinzip aufgebaut sind sieht man auch eigentlich das selbe. Das Unternehmen soll nicht nur deine Berufsstelle sein, sondern ein Lebensinhalt. Es werden Sport- und Relaxräume eingerichtet, Küchen werden so modernisiert dass man dort bequem kochen kann. Es werden Fitnessdays veranstaltet. Es werden MA ausgezeichnet, die "super happy" sind und bekommen einen Button angepinnt "Dieser MA war am happiesten" - es werden laufend Prozesse verglichen, wer hat mehr Verkäufe erzielen können, wer hatte die meisten Kunden. Zwar anonym, aber man weiß zu jedem Zeitpunkt wo man steht und es wird einem natürlich nahe gelegt "Noch ein kleines bisschen mehr zu machen." Morgen kannst du vielleicht noch zwei Kunden mehr als heute schaffen.
    Das ist natürlich nicht verwerflich, aber schon irgendwie echt crazy.
    Geändert von whateverest (13.07.2017 um 14:29 Uhr)
    “There is a rumour going around that I have found God. I think this is unlikely because I have enough difficulty finding my keys, and there is empirical evidence that they exist.”
    ― Terry Pratchett

  5. Für den Beitrag dankt: weidebirke

  6. #8
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    Standard AW: Einbruch Selbstvertrauen im Beruf

    Wenn ich es richtig verstehe, dann sagt der Vorstand nichtgenau: das und das will ich, da möchte ich bzw. wir hin?
    Hast Du das Gefühl, er sagt Dir genau, was er will bzw. was er von Dir erwartet – und Duverstehst ihn nicht wg. den Fremdwörtern etc.?
    Oder hast Du das Gefühl, dass er nur rumeiert und selbstnicht so ganz weiß, was er will und von Dir erwartet, dass Du zwischen denZeilen liest?

    Wenn es das erstere ist, würde ich vermutlich wirklich malganz ehrlich sagen: ich verstehe nur Bahnhof. Reden Sie deutsch mit mir, damitich verstehen kann, was genau sie jetzt wollen. Gabs bei mir in der Firma auch –da hat ein Vorstandsmitglied vor allen sogar mal gesagt, dass er versucht nichtmehr so viel englische Wörter zu verwenden, da man ihm gesagt hat, dass es a)nervt und b) die Leute teils nicht verstehen. Fand ich cool, weil er Kritiktatsächlich angenommen hat und versucht hat umzusetzen. 100% klappt nicht, aberer bemüht sich. Also auch Vorstände sind Menschen … und sind manchmal dankbar,kons

    Wenn es das zweitere ist, würde ich versuchen, ihnfestzunageln. Ihm zuhören und dann Fragen stellen, ob Du es richtig verstandenhast und was daraus Deiner Meinung nach folgen soll und ob das richtig ist.

    Ansonsten: eine so krasse Veränderung des Unternehmens isteine kritische Zeit. Jeder ist mit Unsicherheit, Unwissenheit behaftet,gleichzeitig ist auch nicht jeder bereit, Veränderungen mitzutragen. Veränderungenheißen eben auch Unbekanntes willkommen heißen, und Bekanntes loslassen. Jemehr man mit dem „alten“ verhaftet ist, desto schwieriger wird es – für einenpersönlich und natürlich auch für dessen Umfeld.

    Vielleicht ist es Dir möglich, zuerst einmal die Veränderunginnerlich willkommen zu heißen. Das bedeutet eine Änderung der inneren Einstellung.Das ist ein psychischer Prozess und dauert. Das geht nicht von heute aufmorgen. Vielleicht hilft es Dir auch, das „Alte“ zu verabschieden und sich klarzu machen: ein Weg zurück gibt’s hier nicht. Es gibt nur einen Weg nach vorne.
    Dann habe etwas Geduld mit Dir – natürlich dauert es bis mandie neue Kommunikation versteht. Lass es Dir erklären – es ist nichts schlimmesdabei nachzufragen (bin mal gespannt, ob die ihre Worte selbst gut erklärenkönnen, die sie verwenden ;-)). Gehe einen Tag nach dem anderen an.
    Vielleicht schaffst Du es, dass Du mal mehr Distanz zu derganzen Geschichte aufbaust. Dein Job bist nicht Du. Deine Person ist nicht derJob. Du bist nicht verantwortlich dafür, dass es derzeit drunter und drübergeht. Vielleicht kannst Du auch mal Lösungen anbieten, die Euch allen helfenmehr Klarheit und Struktur reinzubringen. Vielleicht macht es Sinn einen Berater(und zwar nicht Ernst & Young, sondern eher systemische Berater oder oder)zu holen oder ihr macht eigene Workshops, um weiter zu kommen.

    Aber bitte mach nicht den Fehler am Vergangenen festzuhalten…. das hilft Dir nicht, Deinen Mitarbeitern nicht und wird natürlich irgendwannauch mit Deinem Chef bzw. Vorstand zu Problemen führen.
    Viel Glück


  7. Für den Beitrag dankt: weidebirke

  8. #9
    Moderator
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    Avatar von weidebirke
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    Standard AW: Einbruch Selbstvertrauen im Beruf

    Danke.

    Das muss ich sortieren.

    Übrigens: doch, ich bin mein Job. Zumindest war ich das so lange. Inzwischen gucke ich wieder mehr nach mir und voilá: es läuft nicht mehr.

    Da war so viel Input dabei, das muss ich erst einmal sortieren.

    Ich habe schon ein paar Mal gedacht, wieder zu unterrichten. Das ist zwar auch super anstrengend, aber dafür sehr klar. Und etwas, was ich liebe, wovon ich einfach weiß, dass ich das kann, wo mir keiner was vormachen kann*. Leider verdient man da so schlecht.

    *Und dann denke ich: willst es Dir also wieder bequem machen, nichts Neues lernen, Dich einrichten, faul werden, Dich nicht stellen

    **Und dann: das ist Lebenszeit. Du hast so viele Scheißjahre hinter Dir, Kinder groß gezogen, studiert, die ganze Zeit gearbeitet, Du bist noch jung, hast inzwischen mehr Durchblick, Altlasten entsorgt, Du musst doch bescheuert sein, Dir jetzt die nächste Baustelle aufzumachen!
    Wenigstens heute:

    Ärgere Dich nicht.
    Sorge Dich nicht.
    Sei dankbar.
    Arbeite eifrig.
    Sei freundlich zu allen.

    Aus einem Schulaufsatz:
    Wenn eine Katze wütend ist, macht sie alle Haare hoch. Sie braucht gar nichts mehr zu sagen.

  9. #10
    Gast bleibt Gast
    Gast

    Standard AW: Einbruch Selbstvertrauen im Beruf

    Zitat Zitat von weidebirke Beitrag anzeigen
    Hallo,

    Aber: wir arbeiten im sozialen Sektor und das sind auch meine Stärken.
    Hallo Weidebirke,

    handelt es sich hier um einen Träger der Wohlfahrtspflege?

    Bei denen kann ich seit den letzten Jahren eine große Umstellung in Innern feststellen. Es zählen nur noch Zahlen und das soziale, die Idee dahinter, die geht immer mehr in den Hintergrund.

    Sozialindustrie!

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