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Thema: Berufe für Langsame?

  1. #6
    Gast
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    Standard AW: Berufe für Langsame?

    Hallo Nachtwolf,
    man sollte sowas eigentlich nicht sagen, aber es tut mir echt gut, dass sich jemand mit ähnlichen Problemen gemeldet hat :-)
    Schön, dass deine Chefs mit dir zufrieden sind!
    Magst du schreiben, in welcher Branche bzw. in welchem Beruf du arbeitest? Das würde mich am meisten interessieren.

    Ja, ich tu schon viel und ich weiß auch, wo ich mich ändern müsste ... v. a. weniger Perfektionismus natürlich; manchmal krieg ichs auch hin.
    Ich hab kein Problem damit, andere zu fragen, wenn es sein muss. Koffein vertrage ich leider überhaupt nicht.
    Danke, dass du dich gemeldet hast!

    Hallo Landkaffee,
    ein Zwischenzeugnis ist an sich keine schlechte Idee, aber so 1:1 funzt das bei mir nicht; meine Vorgesetzten sind da viel zu freundlich; vor längerem hab ich schon ein sehr gutes Zeugnis von ihnen erhalten. Hab auch vor einigen Monaten versucht, eine ehrliche, kritische Rückmeldung zu bekommen, aber ich bekam nur eine oberflächliche und positive Antwort, der Typ hatte damals keine Zeit für diese Dinge. Danke für den Anstoß, ich werde nochmal um ein Gespräch bitten und diesmal hartnäckiger sein.

    Ich bin auf dem ersten Arbeitsmarkt. Hab mitbekommen, wie Leute mit meiner Ausbildung gar nicht erst eingestellt und jede Menge Arbeitsplätze abgebaut werden. Bin Mitte 40.

    Wenn ich hier entlassen würde, dann geht es letztendlich um eine neue Ausbildung, denke ich.
    Ich wäre sehr gespannt zu hören, wo deine "langsamen" Bekannten untergekommen sind!
    Danke für dein Interesse!

    Hi deathley,
    meine Chefs sind wohl schon mit mir zufrieden, die wollen, dass ich bleibe. Bloß wenn ein Teil der Finanzierung wegbricht, was gut passieren kann, dann nützt mir das nix mehr. Und meine früheren Chefs an meinem ehemaligen Arbeitsplatz haben mir beide deutlich gesagt, ich sei zu langsam und ich müsse was ändern; es kamen zwar keine Sanktionen (mit dem ranghöheren Chef hab ich mich sehr gut verstanden), aber dort hatte ich nur einen Jahresvertrag, es war klar, dass ich nicht ewig bleiben würde.

    Es kann sein, dass ich hier noch jahrelang weiterarbeiten kann, aber es ist auch möglich, dass Ende des Jahres nix mehr weitergeht ...

    An Gründlichkeit und Genauigkeit ist kein Mangel ;-) ; natürlich ist das an sich positiv, ich mach bloß schon zu viel des Guten ... Wäre keine schlechte Idee, wenn ich mir einen Zettel irgendwo hinhängen würde, der mich jeden Tag daran erinnert, nicht zu genau zu sein.

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  3. #7
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    Standard AW: Berufe für Langsame?

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    ich habe Abitur, ein abgebrochenes Studium und eine abgeschlossene Berufsausbildung.
    auch wenn viele immer behaupten ein Studium sei härter als eine Ausbildung, glaube ich, dass es oft andersherum ist.
    Ich habe während meines Studiums (vor allem weil ich nicht nebenbei arbeiten musste) relativ viel Freizeit gehabt. Meine Freunde, die in einer Ausbildung steckten, habe ich oft bewundert für ihre Disziplin, ihre Fähigkeit Gelerntes immer wieder neu in die Praxis umzusetzen, den Druck die ständige Beobachtung von Chefs und Kollegen auszuhalten, einerseits als Küken ihrer Abteilung manchmal bemuttert oder gar bevormundet zu werden und andererseits erwachsen agieren zu müssen, und und und
    Was ich damit sagen möchte: die Tatsache, dass Du eine Ausbildung erfolgreich zuende gebracht hast zeigt, dass es so ganz schlimm nicht sein kann mit Dir.
    Das Problem liegt nicht bei Dir, sondern an den übermenschlichen Anforderungen, die heute oft gestellt werden.
    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Allerdings bin ich mir darüber im Klaren, dass ich langsamer als die meisten anderen arbeite - teils, weil ich einfach etwas langsam im Denken, teils weil ich perfektionistisch bin. Meine meist guten oder sehr guten Noten hab ich durch viel lernen bekommen. Kurz vor und nach einer Klassenarbeit/Prüfung weiß ich den Stoff auch, ich begreife schon auch Komplizierteres -aber ich brauch eben Zeit dafür.
    Zu Zeiten, in denen meine Mutter berufstätig war, wäre das überhaupt kein Problem gewesen. Wenn man in den 60ern und 1970ern nicht gerade auf der Arbeit einschlief, war der Job so gut wie sicher.
    Meine Mutter erzählt mir, dass sie manchmal auf der Arbeit stundenlang Bücher las oder zum Chef ging, sich abmeldete und einen Stadtbummel machte. So paradiesisch ging es zwar ganz bestimmt nicht überall zu, doch leider stimmt es, dass sich die Zeiten für Leute wie uns in beruflicher Hinsicht zum Schlechteren gewandelt haben.

    Ich schreibe "uns", weil ich dasselbe Problem habe wie Du. Mein Gehirn ist nicht in der Lage wie ein Trichter zu funktionieren und viele Fakten ganz ganz schnell aufzunehmen. Es kann auch keine Infos speichern, so dass ich sie abrufbereit habe, sobald ich sie brauche. Damit ich etwas abrufbereit habe, muss ich es immer wieder tun.
    Einige Büro-Schulungen, in denen andere problemlos mitkamen, hätte man für mich genauso gut in Chinesisch halten können. Nach wenigen Minuten kann ich einfach nicht mehr zuhören und mein Gehirn schaltet auf Standby.
    Oft haben mir Kollegen geholfen zu verstehen, was bei ihnen hängen geblieben war und bei mir nicht.
    Die Schulungsleiter waren ebenfalls nett und verständnisvoll und gaben mir Nachhilfe. Und trotzdem: es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich trotz aller Hilfe scheiterte.
    Meine Schulzeit auf dem Gymnasium war das Grauen, weil ich dort mit dem Input an Informationen komplett überfordert war.
    Natürlich habe ich oft darüber nachgedacht, warum ich mich nicht konzentrieren kann, und viel darüber gelesen. Es gibt ganz, ganz viele mögliche Ursachen dafür.
    - ein Gehirn, das Informationen eher mit der rechten Hirnhälfte aufnimmt als mit der linken.
    - Menschen lernen auf unterschiedliche Weise. Es gibt akustische-, visuelle- und "learning by doing" Lerntypen.
    - starke Introvertiertheit.
    Wie ist es bei Dir? Bist Du gerne 24/7 mit anderen Menschen zusammen, oder brauchst Du manchmal Pausen? Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass Introvertierte eine längere Leitung als Extrovertierte haben, weil in ihrem Gehirn so viel Aktivität herrscht, dass dieses nicht wie eine leere Vase funktioniert, die gefüllt werden will. Das heißt nun natürlich nicht, dass Introvertierte oder Extrovertierte schlauer oder dümmer sind als die jeweils andere Gruppe. Es ist halt nur so, dass extrovertierte Menschen nicht soviel nachdenken und grübeln, weshalb ihr Gehirn bei Bedarf schneller den Status einer leeren Vase annehmen kann. Und das hilft beim Aufnehmen neuer Fakten ungemein.
    - wie stark schätzt Du Dein Selbstbewusstsein und Deine Selbstsicherheit ein? Du schreibst, Du bist sehr perfektionistisch. Warum ist das so?
    Hat das vor allem mit Deinem Selbstbild zu tun, oder geht es Dir auch vielleicht zu stark darum, was andere Menschen von Dir denken?
    - fühlst Du Dich beobachtet, wenn Du mit anderen zusammen arbeitest? Wenn man ständig das Gefühl hat, beobachtet und beurteilt zu werden, kann das die Konzentration auf momentane Aufgaben ganz schön arg in Mitleidenschaft ziehen.
    Ich litt früher an Sozialphobie. Die Folgen der SP und des Mobbings auf dem Gymnasium führten dazu, dass ich mich nicht komplett entspannen kann, sobald ich mit einer Gruppe Menschen zusammen bin. Meine Kollegen und Chefs konnten so nett, geduldig und verständnisvoll sein wie man es sich nur vorstellen kann. Mich fallen zu lassen und mein Gehirn zu einer "leeren Vase" zu machen, die in sehr kurzer Zeit mit mehr und mehr und mehr Infos gefüllt wird, klappt(e) einfach nicht.
    - manche Menschen leiden unter Konzentrationsstörungen als Folge einer Depression
    - oder ADS
    - Hochsensibilität
    - oder unterdrückter Linkshändigkeit. Kinder ahmen Erwachsene und andere Kinder oft nach, weshalb es selbst im Jahr 2013 noch immer Kinder geben soll, die als Linkshänder geboren werden und sich sozusagen selber umerziehen. Als Erwachsene haben sie dann nicht selten die Probleme, die Du beschrieben hast.

    Was ich damit sagen will ist nicht, dass die Wurzel Deiner Probleme irgendwo bei den Punkten liegen muss, die ich eben aufgezählt habe. Es sollte nur ein kleiner Denkanstoß sein.
    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Mein Gedächtnis ist mittelmäßig bis schlecht; das, was ich ständig mache, das hab ich intus, aber sobald ich etwas Gelerntes nicht dauernd brauche, ist es weg. Außerdem leide ich unter Schlafmangel und Konzentrationsschwierigkeiten, was sich natürlich ebenfalls negativ aufs Denkvermögen auswirkt.
    Das könnte ebenfalls von mir sein.
    Leidest Du unter Einschlafproblemen aufgrund zu vieler Gedanken und Grübeleien?
    Du scheint innerlich enorm angespannt zu sein. Hast Du Dich schon mal von einem Arzt untersuchen lassen? Zu viele Stresshormone, Schilddrüsenprobleme, usw...<- Denk-und Gedächtnisstörungen liegen nicht selten unter anderem auch an medizinischen Faktoren.
    Wahrscheinlich hast Du schon viel von Entspannungsübungen gehört. Was auch helfen soll: Singen. Ob gut oder schlecht, alleine oder mit anderen ist egal. Es entkrampft innerlich.
    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    In dieser Hinsicht habe ich bereits viel unternommen, aber die Ergebnisse sind nicht berauschend. Nur: Mein Job ist sowas wie eine Insel der Seligen ... unsere Vorgesetzten sind sehr human und tun wirklich alles, um unsere Arbeitsplätze erhalten zu können.
    Du zeigst Engagement um an Dir zu arbeiten, leidest nicht an Selbstüberschätzung (ein häufiges Problem in unserer Gesellschaft) und zeigst Dankbarkeit. Damit hast Du Eigenschaften, die für jeden Arbeitgeber ein absoluter Traum sind. Ich glaube, es wäre wichtig, dass diese Aspekte auch in Deinem Lebenslauf und/oder den Beurteilungen Erwähnung finden. Denn zum Glück gibt es noch immer Arbeitgeber, denen der Charakter ihrer Bewerber wichtig ist.
    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Ich mache mir sehr große Sorgen um meine finanzielle Sicherheit, weil ich nicht glaube, dass ich irgendwo anders im Berufsleben wirklich Fuß fassen könnte.
    Keiner ist heutzutage mehr sicher in seinem Job. Und dass einem nach einem Jobverlust der Neueinstieg nicht gelingt, kann leider jedem passieren. Natürlich ist es alles andere als schön, wenn es soweit kommen sollte. Doch keiner wird dadurch zu einem weniger wertvollen Menschen.
    Vielleicht würde es Dir ein wenig helfen Dich zu fragen, was so schlimm daran wäre, wenn der Worst Case tatsächlich eintreten würde. Klar, Dein Perfektionismus käme mit einer Position und einem Leben als Arbeitsloser nicht gut klar.
    Doch was wäre da noch? Würdest Du darunter leiden, dass Du Dir weniger leisten könntest? Dass andere Menschen Dich eventuell für etwas verurteilen würden, für das Du nichts kannst?
    Dass Du Dich selber verurteilen würdest? <- Doch Warum? Du scheinst ein toller Mensch zu sein. Keiner ist ohne Schwächen. Es ist gut, dass Du an Deinen arbeitest, aber gleichzeitig ist es auch wichtig sich ein Stück weit anzunehmen.
    Brauchst Du es gebraucht zu werden? Ein berufstätiges und "richtiges" Mitglied unserer Gesellschaft zu sein? Stelle doch mal all diese Dinge infrage.
    "Dank" Globalisierung, Technologisierung, Digitalisierung und Outsourcing verlieren viele Menschen die Kontrolle über ihren beruflichen Werdegang. Doch wir leben leider immer noch in einer Welt, in denen Menschen, die im Berufsleben (nicht mehr) mithalten können als Menschen zweiter Klasse gesehen werden von denen, die noch im Berufsleben stehen
    Das kommt den Großkonzernen sehr gelegen, denn durch all das "Hartz IV Empfänger"-Bashing hat der arbeitende Teil der Bevölkerung umso mehr Angst ein Teil der anderen Gruppe zu werden und legt sich noch mehr ins Zeug. Ob die Menschen dann durch Überforderung irgendwann krank werden ist den Mächtigen dieser Welt egal.
    Übertriebenes Leistungsdenken ist in unserer Zeit, in denen ein "ordentlicher" Job im ersten Arbeitsmarkt oft Glückssache ist, also total fehl am Platz.
    Damit meine ich nun nicht, dass man nicht mehr aus dem Bett aufstehen und seine Hoffnungen begraben soll. Doch so ein Stück weit los zulassen ist gar nicht mal das Schlechteste.
    Du bist in erster Linie ein Mensch. Deine Position als Berufstätiger macht Dich nicht besser als es der Fall wäre, wenn Du aus dem Hamsterrad Job heraus geflogen wärst.
    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    An sozialen Fragestellungen habe ich zwar Interesse,
    Noch eine Sache, die für Dich als Person spricht!
    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    aber ich bin nur wenig belastbar und da ich zu Depressionen neige, wäre das auch der falsche Platz für mich.
    Nun...soziale Arbeit ist nicht gleich soziale Arbeit. Da gibt es eine riesige Vielzahl an Bereichen und Nischen. Vor langer Zeit bin ich trotz meiner Konzentrationsprobleme, anfänglichen Schüchternheit und Depressionsneigung gut in einem sozialen Jahr in der Pflege zurecht gekommen. Die Anfangszeit war schwer, doch dann lief -oh Wunder- alles gut. Manchmal muss man Dinge einfach ausprobieren um herauszufinden, ob man sie kann. Ich habe herausgefunden, dass ich belastbarer in, wenn ich einen emotionalen Draht zu dem habe, was ich tue. Das ist natürlich bei jedem anders.

    Gibt es etwas, was Dich sehr interessiert, aber wovor Du Dich fürchtest, weil Du glaubst ihm nicht gewachsen zu sein? Vielleicht liegt genau dort langfristig Dein Glück.
    Doch auch falls es nichts gibt, was Dich innerlich fesselt: lerne ein wenig los zu lassen. Wir haben alle Schwächen, altern und sterben. Kontrolle ist eine Illusion.

    Alles Gute!

  4. #8
    Gast
    Gast

    Standard AW: Berufe für Langsame?

    Hallo Themba,

    bin ja ganz überwältigt von deinem langen Beitrag! Danke sehr!
    Ich werde in den nächsten Tagen richtig darauf antworten, wenn ich etwas mehr Zeit habe.

    Schöne Grüße!

  5. #9
    Gast
    Gast

    Standard AW: Berufe für Langsame?

    Hallo Themba,

    Du hast so unglaublich viel geschrieben ... das ist total nett von dir! :-)
    Und man merkt, dass du dich mit dem Thema lange und gründlich beschäftigt hast.

    Ich hätte dir gerne im Zitiermodus geschrieben, aber damit kommt mein PC nicht klar. Bis ich das von mir Geschriebene sehen kann, dauert es dort ewig.

    Ja, ich hab während meiner Ausbildung wirklich sehr viel gelernt. Ich hätte zwar noch disziplinierter sein sollen, aber dazu war mein Widerwillen gegen den Großteil des Lernstoffs zu groß. ;-)

    Du meinst, dass meine Probleme nicht an mir, sondern an den heutigen Leistungsanforderungen liegen. Hmm, ja und nein. Ich glaube, beides trifft zu, denn vermutlich hat jeder Arbeitgeber lieber Mitarbeiter, die mehr leisten als langsameres Personal. Andererseits hat man offenbar früher mal auch ein Auge zugedrückt ... danke, dass du dieses Beispiel von deiner Mutter erwähnt hast. Hätte ich nie gedacht, dass das früher möglich war!

    Danke auch für die Aufzählung der Gründe, weshalb manchen Leuten das Lernen und Konzentrieren schwerer fällt als anderen. Diese Gründe kannte ich alle nicht.

    Was auf mich zutrifft: Ich bin introviertiert. Einen Beruf, in dem ich dauernd reden und mit (vielen) anderen Menschen zusammensein müsste, wäre nichts für mich. Nur hier und da mal, als Ausgleich. Selbstbewusstsein: Ist zwar deutlich besser geworden, aber richtig selbstbewusst bin ich nicht - kann ich bei meiner Krankengeschichte nicht sein. Mein Perfektionismus hat mit dem Empfinden zu tun, dass ich etwas "richtig" und "richtig gut" machen will, und auch damit, dass ich das Gefühl hab, dass mehr Nachlässigkeit für die Arbeitgeber inakzeptabel wäre. Er hat natürlich auch mit meiner Kindheit zu tun ... und auch damit, dass ich in den Augen anderer Leute (z. B. Kollegen) meinen Job nicht "schlecht" machen will. Aber ja, ich habe angefangen, manche Dinge nicht zu tun, die nicht unbedingt notwendig sind ...

    Meistens bin ich bei meiner Arbeit allein. Sobald jemand mich beobachtet, kann ich mich schlechter konzentrieren. Ich übe jetzt manche Dinge allein, um sie besser zu können, wenn andere dabei sind.

    Ja, ich leide auch unter Sozialphobie. Wenn ich die Leute gut kenne, bin ich ziemlich ruhig. Bei Fremden ist das völlig anders. Habe ein paar Entspannungstechniken ausprobiert, aber all das funktioniert so gut wie gar nicht. Ist eine Riesen-Aufgabe für mich. Ich probiere es gerade mit etwas Neuem ...

    Auch bei mir sind die Konzentrationsstörungen wohl Folge von Depressionen. Hochsensibel bin ich ebenfalls.
    Ich leide unter Ein- und Durchschlafstörungen u. zu frühem Erwachen ... :-) - ohne Mittelchen geht gar nichts. Ja, ich kann abends schwer loslassen, es ist alles mögliche, natürlich auch Sorgen und ungelöste Probleme.

    Ich hab mal angefangen, mich mit der medizinischen Seite von Konzentrationsproblemen auseinanderzusetzen, ich hätte da noch mehr machen sollen, hab aber derzeit keine Energie dafür. Vielleicht später. Danke jedenfalls für den Tipp! Auch fürs Singen! ;-)

    Den worst case, Arbeitslosigkeit, hab ich schon erlebt. Ein paar Jahre lang. War einfach furchtbar, nicht zu wissen, ob man je wieder Arbeit bekommt, bzw. eine, die Spaß macht. Der Druck, sich auch dort bewerben zu müssen, wo man überhaupt nicht reinpasst, viele Monate lang ... Wenn eine einzige Sache schief läuft u. man mehr Geld als vorgesehen für etwas ausgeben muss, dann ist das schon die finanzielle Katastrophe ... kulturelles Leben und Reisen sind kaum noch möglich - etc. etc. Furchtbar.
    Natürlich fühle ich mich auch anderen gegenüber viel besser, wenn ich erzählen kann, dass ich einen richtigen Job hab. Ich sehe auf Arbeitslose nicht herunter in dem Sinne, dass ich sie verachte - natürlich nicht. Aber mit "Arbeitslosigkeit" ist eben oft Hartz IV gemeint, und das ist schon ein bisschen Hölle, das macht anderen Leuten keine guten Gefühle, wenn sie davon hören.

    Ich bin psychisch immer noch krank. Ohne meine Tätigkeit hätte ich so gut wie keine Kontakte mehr. Von daher ist der Job schon etwas, was mich auch am Leben hält. Ich könnte mir natürlich vorstellen, ehrenamtlich zu arbeiten. Klar. Aber der Druck, "irgendeinen" Job annehmen zu müssen, bei dem ich bloß verschlissen werde, ist eben das Schlimme.
    Natürlich bin ich mit einem (guten) Job nicht mehr wert als ohne. Bloß sehr viel zufriedener.

    Das, was ich am liebsten mache, könnte ich nicht schnell genug tun ... damit kann ich kein Geld verdienen.
    Pflege hab ich auch mal ausprobiert ...ist aber absolut nichts für mich.

    Ich hab jetzt viel Negatives geschrieben ... sorry. Aber die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt sind mittlerweile, wie du geschrieben hast, oft bestialisch und unglaublich ungerecht.

    Danke, dass du konkret geschrieben hast, wo du arbeitest.
    Ich werde weiter nach einer Nische suchen, in die ich hineinpassen könnte - für alle Fälle.

    Dir auch alles Gute! :-))

  6. #10
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    Standard AW: Berufe für Langsame?

    Hallo!
    Ist das Thema noch aktuell für Dich? Oder hat sich etwas verändert?
    Hast Du vielleicht Tipps?
    Würde mich interessieren, da ich das gleiche Thema habe.

    Liebe Grüße

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