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Thema: Ausbildung abbrechen - oder nicht?

  1. #1
    Gast
    Gast

    Standard Ausbildung abbrechen - oder nicht?

    Hallo,

    dies wird eine etwas längere Geschichte - da ich alle Sichtpunkte und Eventualitäten für einen Rat von euch vorab mitteilen möchte.

    Ich (22) habe Ende 2010 mein zweijähriges Berufskolleg Technik abgebrochen, da ich mich mathematisch nicht in der Lage dazu sah, die Prüfungen zu bestehen. Daraufhin schrieb ich Bewerbungen um Bewerbungen - ca. 100-200 Stück. Wurde ein mal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen - bei einem großen Telekommunikationsunternehmen (keine Schleichwerbung). Dort wurde ich aber, obwohl sogar meine Mitbewerber bei den "Gruppenvorstellungsgesprächen" sagten, ich hätte eine Stelle sicher, abgelehnt. Einen Grund dafür bekam ich nach mehrmaligem Nachfragen nicht.

    Durch einen Bekannten bekam ich dann Anfang 2011 einen Praktikumsplatz für ein Einstiegsqualifikationspraktikum in einer Werbeagentur. (Ich bin/war zu dem Zeitpunkt schon fit in: HTML, CSS, Joomla, Photoshop und weiteren Sachen).

    Die ersten 6 Monate war ich also ein "Praktikant" und dachte mir nichts dabei, nichts zu lernen, "Scheißarbeiten" zu erledigen und so weiter. Im Juli/August 2011 wurde ich aber als Azubi eingestellt - mit wiederholter Probezeit (ist das eigentlich zulässig wenn ich als Praktikant schon eine Probezeit hatte?). Und es ging genauso weiter... ich lernte nichts, durfte Milch kaufen gehen, Kaffee kochen, und alles was meine Arbeit beinhaltete war "Copy & Paste".

    Achja, mein Ausbildungsberuf nennt sich "Mediengestalter Digital & Print - Gestaltung und Technik" - in meinem Betrieb lerne ich die "Non-Print"-Variante. Ich arbeite also größtenteils nur an Webseiten.

    Meine Arbeit sieht aber eher nach einem "Datenbankbefüller" aus - sollte es sowas geben, denn ich mache nichts Anderes als den ganzen Tag Beiträge, Einträge, Menüpunkte, Module und co. auszufüllen bzw. Inhalte aus einem Word/Editordokument rauszukopieren und in unser CMS einzufügen.

    Ich habe seit ich dort arbeite - also seit rund 2 Jahren - NICHTS gelernt. Die Bezahlung als Azubi ist in meinem Betrieb ebenfalls unter aller Sau, alle aus meiner Berufsschulklasse verdienen im Schnitt 100-250€ mehr. Mein Arbeitsplatz ist ebenfalls nicht wirklich der "Beste" - meine USB Ports an meinem Rechner funktionieren nicht mal, der Card-Reader (brauchen wir meistens für SD-Karten aus unseren SLR-Kameras) ist scheinbar nur Attrappe (habe dank meinen Hardwarekenntnissen schon versucht ihn anzuschließen, aber er ist wohl kaputt...) mein Bildschirm lässt sich nicht mehr schwenken, nach oben einstellen oder sonst irgendeine Neigung ausführen. Das heißt ich gucke den ganzen Tag nach unten. Der Stuhl auf dem ich sitze, fällt fast auseinander - ein geläufiger Bürodrehstuhl, aber anlehnen ist nicht, muss den ganzen Tag starr dasitzen, was sich inzwischen auf meinen Rücken auswirkt. Ich darf als Azubi alle 2-4 Wochen das Büro putzen, saugen und ständig den Müll rausbringen - was bringt mir das für meine Ausbildung? Nunja, ich könnte jetzt noch stundenlang über die Zustände weiter reden, aber zu sehr ins Detail möchte ich dann doch nicht gehen, da es sonst noch heißt, ich würde übertreiben, aber eine "Geschichte" muss ich noch erzählen. Im Betrieb trinken genau zwei Leute Milch. Der Chef in seinem Kaffee, und mein "eigentlicher Ausbilder" in seinem Kakao. Wenn Milch abläuft, wird sie sauer - dürfte jedem geläufig sein - wenn Milch dann noch länger rumsteht, wird sie klumpig. Und die beiden kriegen es nicht auf die Reihe abgelaufene Milch einfach weg zu gießen und die Tetra Packs weg zu schmeißen, nein! Sie lassen die abgelaufene Milch einfach in der Nähe der Spüle wochenlang stehen. Und wenn es wieder heiß, dass ich die Küche sauber machen darf, darf ich geschätzte 10-15 Tetra Packs mit klumpiger Milch entsorgen - jedes Mal kommt einem fast die "Kotze" hoch - tut mir leid für das Wort, aber es ist schlichtweg so.

    So, das Problem an der ganzen Geschichte ist folgendes:
    Menschlich gesehen, ist mein Chef absolut in Ordnung. Sogar vorbildlich, und wahrscheinlich hätte das kein Chef der Welt für mich getan, aber er schon! Er hat mir Geld geliehen, als mein Mitbewohner aus meiner alten Wohnung gezogen ist, und ich keine neue Wohnung fand und die Miete zahlen musste. Er hat mir geholfen eine neue Wohnung zu finden, in der ich nun wohne, und ich habe immer noch Schulden bei ihm! Habe einen Dispokredit mit ca. 1500€ aufgenommen, um meine damalige Wohnung halten zu können, und die Ausbildung fortzusetzen - wäre ich ausgezogen, hätte ich auch die Ausbildung abbrechen müssen, da meine Mutter ca. 3 1/2 Stunden mit dem Zug entfernt wohnt, und mein Vater rund 8 Stunden mit dem Zug entfernt wohnt. Meine Mutter ist erwerbslos, da sie gesundheitlich nicht mehr arbeiten darf, und kann mich daher finanziell nicht unterstützen. Mein Vater ist selbstständig und sein Geschäft läuft seit 4-5 Jahren nicht mehr sonderlich profitabel, weshalb auch er mich nicht finanziell unterstützen kann.

    Ich kann daher eigentlich meine Ausbildung nicht abbrechen da ich ca. 2000-2300€ Schulden habe.
    1500€ bei der Bank
    400€ bei meinem Chef
    und noch ca. 230€ Mietschulden bei meiner alten Wohnung.

    Jedoch melde ich mich in den letzten 6 Monaten sehr häufig krank, oder nehme mir öfters Urlaub, da es mich mental so sehr belastet so unterfordert zu sein. Mich macht es depressiv im Endeffekt nur zu arbeiten um die Schulden nicht wachsen zu lassen. Die Einzigen die ich derzeit nämlich abarbeite sind meine Mietschulden, da mehr noch nicht möglich ist.

    Meine Ausbildung ist in meinen Augen keine Ausbildung, ich werde als billige Arbeitskraft ausgenutzt, und übernehme als Azubi viel zu viel Verantwortung, da ich mit meinem Mit-Azubi alle Web-Projekte leite, ohne "Aufsicht". Nur unser Chef schaut ab und an mal "drüber" um sein "Ok" zu geben, das ist aber auch alles.

    Ich habe mir kreative Arbeit anders vorgestellt. Doch ich habe weder Mitspracherecht an Designs, noch werde ich in Kundengespräche involviert. Das Einzige was ich "kreatives" machen darf, ist die Umsetzung einiger Designs - jedoch passiert das natürlich am seltensten, da wir so viele Aufträge nicht haben, dass ich das dauerhaft machen dürfte.

    Deswegen sitz ich zu 90% meiner Arbeitszeit da, und mache meine Arbeit mit zwei Tastenkombinationen, wenn ich nicht gerade Milch kaufen bin, Müll rausbringen muss, oder die Küche sauber machen darf.

    Bezüglich der finanziellen Lage: Ich bekomme Kindergeld, ich bekomme BAB und mein Gehalt. Jedoch beläuft sich das trotzdem unterhalb der "Armutsgrenze" in Deutschland, also unter 900€.

    Wenn es mich nicht so belasten würde die letzten Monate, würde ich sagen - Hey ziehs durch, es sind nur noch 1 1/2 Jahre, aber es belastet mich von Tag zu Tag mehr, weshalb ich inzwischen schon Schlafstörungen habe, und "Angst" vor dem nächsten Tag. Wovor weiß ich nicht genau, aber es fühlt sich einfach so an, als würde ich mein Hirn derart unterfordern, dass es irgendwann anfängt sich "abzubauen" - oder was weiß ich denn... in der Schule komme ich bei allen Fächern in denen ich Vorkentnisse mitgebracht habe super mit und bin überdurchschnittlich gut, in allen Print-Bereichen habe ich jedoch kaum eine Chance mitzukommen, da wir im Blockunterricht meist nicht viel Zeit haben um Themen "groß" anzugehen.


    Ich weiß nicht genau was ich machen soll, und wende mich daher an euch.. ich habe schon mit vielen Leuten darüber geredet, aber alles waren Verwandte oder Bekannte, und die erwarten natürlich förmlich von mir, dass ich das durchziehe, weil ich sonst als "Versager" dastehe. Deswegen interessiert mich eine nüchtern betrachte neutrale Meinung.

    Achja damit vielleicht wirklich keine weiteren Fragen auftreten:
    Ich habe mich ebenfalls schon bei der IHK beschwert, die meinen ich solle kündigen wenn es mir nicht passt - ansonsten kommt da auch nichts. Ausbildungszeitverkürzung gibt es nur mit Zustimmung des Chefs... die ich aber nicht kriegen werde. Und... ja, ich hoffe ich habe alle Fragen schon vorweg beantwortet, wenn nicht, einfach nochmal fragen.

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  3. #2
    Pink_Sweater
    Gast

    Standard AW: Ausbildung abbrechen - oder nicht?

    Hi Gast,

    einfach kündigen solltest du besser nicht. Das sieht auf dem Lebenslauf sehr, sehr schlecht aus. Mein Rat wäre: such dir einen anderen Ausbildungsbetrieb. Ich habe selbst im Bekanntenkreis jemanden, der den Betrieb gewechselt hat, weil er unterfordert war und in einem Jahr so gut wie nichts gelernt hat. Hat ganz unkompliziert geklappt und jetzt ist er super glücklich. Das einzige was ihn geärgert hat war, dass er auf die Idee nicht schon früher kam Wenn du dir also sicher bist, dass du diese Ausbildung weiter machen willst und dich der Bereich auch interessiert und du nicht nur etwas tust, nur um eine Ausbildung zu haben, dann bewirb dich bei einem anderen Unternehmen. Das ist besser als einen Abschluss in einem Betrieb zu machen, der dich nur die Hälfte, wenn überhaupt, lehrt und du später keine Arbeit findest, weil du deinen Beruf nicht genug beherrscht.

    Ansonsten kann ich dir nur sagen, Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Dass Azubis öfter mal ungeliebte Arbeiten aufgedrückt bekommen, ist ja nun nicht neu. Da musste jeder mal durch. Chaotische Chefs und Kollegen gibt es überall. Wenn du für die Besorgung der Getränke und Milch zuständig bist, dann besorge doch für deinen Chef diese kleinen Kaffeesahnepäckchen, die man einfach nur aufreißt, ausleert und dann in den Müll schmeißen kann. Die sind auch nicht teurer als Milch, halten sehr lange und vermeiden sauer gewordene große Milchpackungen. Weigere dich, weitere Milchpackungen zu kaufen, bevor die anderen leer sind. Dieses Prozedere solltest du mit deinem Chef besprechen. Ein kleiner Zettel vor dem Kühlschrank wäre auch noch eine Möglichkeit: Bitte erst die Packungen leer machen, dann gibts Nachschub. Oder so ähnlich. Es braucht auch nicht jeder eine eigene Milchpackung.

    Was die Arbeitsbedingungen angeht, so scheue dich nicht, dich an den Chef zu wenden. Du brauchst adäquate Ausbildungsausrüstung (Bürostuhl, PC, etc.). Das ist Aufgabe deines Chefs und das solltest du ihm auch sagen. Wenn er dir sogar Geld leiht, sollte er doch ein umgänglicher Typ sein, dem man solche Anliegen vortragen kann, oder?

    Viel Erfolg

  4. #3
    Gast
    Gast

    Standard AW: Ausbildung abbrechen - oder nicht?

    Hallo Pink_Sweater,

    sehe gerade habe vergessen anzumerken, dass ich mich in der Region und auch außerhalb der Region bemüht habe, einen Betrieb zu finden, der mich ins 2. oder 3. Lehrjahr aufnimmt, möchte aber kein Betrieb. Sie bieten mir zwar an, mich für eine Ausbildungsstelle zu bewerben, aber dann vom 1. Lehrjahr aus wieder. Und das will ich eigentlich nicht noch einmal. Bezüglich der Kaffeesahne.. ja.. hab ich schon häufiger versucht, mein Chef besteht aber auf frische Vollmilch. Klingt komisch, ist aber so.

    Und mein Chef ist sich keiner Ausrede verlegen, wenn es um neue Beschaffungen geht, ich kann ja an einen anderen PC für USB-Probleme und SD-Karten Probleme gehen, usw... usf... mich macht das alles halt mental einfach so fertig, dass ich Tag für Tag weniger Lust habe dahin zu gehen - und ja das geht!

  5. #4
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    Standard AW: Ausbildung abbrechen - oder nicht?

    Mir ging es damals auch so und ich denke es liegt an der Branche. Ich hab einen ähnlichen Beruf gelernt und 80% meiner Berufsschulkollegen machten dasselbe durch. So schön dieser Beruf auch sein kann, eine Lehre würde ich nicht nochmals machen..

    Meine Ausbildung (in Österreich) hätte 3,5 Jahre gedauert und nach 2 Jahren hab ich das Handtuch geworfen, da ich sowas von unterfordert war und mir das richtig an die Psyche ging. Ich hab die Lehre dann außerordentlich fertig gemacht. Sprich ich hab die Berufsschule besucht und mir selbst bzw. durch das eine oder andere Praktikum die Kenntnisse für die LAP angelernt. Natürlich bin ich bei Vorstellungsgesprächen oft darauf angesprochen worden, da man automatisch in die Zieht-Nichts-Durch oder Zu-Faul-Schublade gesteckt wird. Aber du musst dann einfach zeigen, dass du nicht dazu gemacht bist auf der faulen Haut rumzusitzen und einfach sinnvolle Beschäftigung willst.

    Ich würde nur nicht abbrechen ohne etwas neues in der Hand zu haben. Aus eigener Erfahrung ist es ziemlich schwierig einen Ausbildungsbetrieb zu finden, der einen übernehmen will. Vielleicht erkundigst du dich mal ob eine außerordentliche Prüfung für dich möglich wäre? Voraussetzung ist, dass du ehrgeizig genug bist dir für deine Prüfung alles alleine anzueignen oder ein Praktikum zu suchen! Bis zur Prüfung könntest du ja auch irgendwo als Hilfsarbeiter oder beispielsweise an einer Tankstelle jobben, um mehr Geld zu verdienen und deine Schulden abzubauen.

    Wenn du deinen Chef noch nicht angesprochen hast, würde ich dies allerdings als erstes versuchen! Sag wie es ist, dass du dir mehr zutraust und unterfordert bist. Klar, den Müll raustragen wird dir nun kein Fachmann abnehmen, das gehört zur Ausbildung dazu. Aber sprich zuerst mal mit deinem Chef darüber!

    LG

  6. #5
    Monarose
    Gast

    Standard AW: Ausbildung abbrechen - oder nicht?

    Auf keinen Fall abbrechen.

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