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Thema: petition für bedarfsgerechte psychotherapie

  1. #6
    Gast
    Gast

    Standard AW: petition für bedarfsgerechte psychotherapie

    Es ist ja nun nicht so, das Deutschland jeden Cent zweimal umdrehen müsste.

    Und Krebspatienten bekommen so lange sie es brauchen Therapien, wenn die regulären nicht anschlagen auch weitaus teurere finanziert, auch mit Überlebenschancen unter 30%.

    Auf der Onkologie-Station, in der ich meine Ausbildung zur Pflegerin begonnen hatte, war das zumindest nie ein Problem oder stand auch nur ansatzweise in Frage.


    Nun zum Thema PTBS: Ich leide daran, seit ich 14 bin.
    Wodurch diese ausgelöst wurde kann ich nicht schildern, das geht über meine Grenzen und wäre auch ziemlich OT.

    Es ist nur so, dass ich ein repentives Trauma erlebt habe, also nicht nur einen Vorfall.
    Das ließ sich nicht in wenigen Monaten Therapie verarbeiten, zudem es, wie allgemein bekannt, nicht immer leicht ist auf Anhieb den richtigen Therapeuten zu finden.

    Alleine für die Diagnostik werden häufig über 3 Monate gebraucht.
    Und dann ist nicht sicher, ob die Therapie anschlägt.

    Bei mir war dies mit Verhaltens- und Tiefenpsychologischer Therapie nicht der Fall.
    An diese beiden Therapieformen wurde ich Anfang 14 verwiesen.
    Davon dass es überhaupt Traumatherapie gab, erfuhr ich erst Jahre später.

    Stattdessen wurde ich in meiner schlimmsten Zeit alleine gelassen.
    Kann bis heute (13 Jahre später) nicht alleine außer Haus gehen, habe täglich Flashbacks und jede Nacht Alpträume.

    Ich musste das Gymnasium mit einem Schnitt von 1,8 damals abbrechen, weil mir weitere Leistungen verweigert wurden.

    Ich habe trotzdem weitergekämpft, habe versucht, Abschlüsse nachzuholen, was durch die starken Symptome nicht möglich war, da ich bei den Prüfungen, die ich ja alleine besuchen musste, regelmäßig durch die Intrusionen/Flashbacks retraumatisiert wurde.

    Ich habe versucht Ausbildungen zu machen, was aus selbigen Grund gescheitert ist.


    Nach der 2-jährigen Therapie-Pause, hatte sich die Störung soweit verschlimmert, dass es ein Jahr dauerte, bis ansatzweise eine leichte Besserung zu bemerken war:
    Ich kann seitdem ohne Flashbacks und mehrmals zusammenzubrechen meine Kleidung ablegen.

    Danach war die Zeit bald wieder um.

    So ging es weiter, ich leide bis heute darunter und bin komplett arbeitsunfähig, kann keine sozialen Bindungen aufbauen, durch die Symptome.
    Mein Überleben verdanke ich ausschließlich meinen Eltern.

    Ein Bedürfnis nach "Wiedergutmachung" hatte ich übrigens nie.
    Nur ein Bedürfnis, mein Trauma in Ruhe aufarbeiten zu dürfen, um überhaupt ein nennenswertes Leben führen zu können.

    Diese Regelung der begrenzten Therapiedauer verbietet mir und vielen weiteren Betroffenen, ein menschenwürdiges Leben zu führen, indem sie Heilung verhindert.
    Nicht nur bei PTBS-Betroffenen, sondern allgemein bei Menschen, die unter psychischen Problemen leiden.

    In der Körpermedizin gibt es solche Einschränkungen kaum.
    Warum? - Weil man da den Menschen ansieht, wie sie leiden und es viel eher auffallen würde, wenn physisch Kranke leidend umherlaufen und die Bevölkerung aufständisch würde.

    Menschen, deren Seele verletzt oder erkrankt ist, bleibt ohne Hilfe ja kaum etwas über, als versteckt vor sich hin zu vegitieren.
    Man sieht ihnen die Folgen von Gewalt, Unfällen und Erkrankung nicht an, da sie visuell nicht davon gezeichnet oder gar verunstaltet sind.
    Und ihre durch das Leiden ausgelösten Schmerzensschreie hört auch niemand, weil sie hauptsächlich in ihrem Inneren ertönen.

    Wiedergutmachung my Ass.
    Ich will Gleichberechtigung um LEBEN zu dürfen!







  2. #7
    Gast
    Gast

    Standard AW: petition für bedarfsgerechte psychotherapie

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Es ist ja nun nicht so, das Deutschland jeden Cent zweimal umdrehen müsste.

    Und Krebspatienten bekommen so lange sie es brauchen Therapien, wenn die regulären nicht anschlagen auch weitaus teurere finanziert, auch mit Überlebenschancen unter 30%.

    Auf der Onkologie-Station, in der ich meine Ausbildung zur Pflegerin begonnen hatte, war das zumindest nie ein Problem oder stand auch nur ansatzweise in Frage.


    Nun zum Thema PTBS: Ich leide daran, seit ich 14 bin.
    Wodurch diese ausgelöst wurde kann ich nicht schildern, das geht über meine Grenzen und wäre auch ziemlich OT.

    Es ist nur so, dass ich ein repentives Trauma erlebt habe, also nicht nur einen Vorfall.
    Das ließ sich nicht in wenigen Monaten Therapie verarbeiten, zudem es, wie allgemein bekannt, nicht immer leicht ist auf Anhieb den richtigen Therapeuten zu finden.

    Alleine für die Diagnostik werden häufig über 3 Monate gebraucht.
    Und dann ist nicht sicher, ob die Therapie anschlägt.

    Bei mir war dies mit Verhaltens- und Tiefenpsychologischer Therapie nicht der Fall.
    An diese beiden Therapieformen wurde ich Anfang 14 verwiesen.
    Davon dass es überhaupt Traumatherapie gab, erfuhr ich erst Jahre später.

    Stattdessen wurde ich in meiner schlimmsten Zeit alleine gelassen.
    Kann bis heute (13 Jahre später) nicht alleine außer Haus gehen, habe täglich Flashbacks und jede Nacht Alpträume.

    Ich musste das Gymnasium mit einem Schnitt von 1,8 damals abbrechen, weil mir weitere Leistungen verweigert wurden.

    Ich habe trotzdem weitergekämpft, habe versucht, Abschlüsse nachzuholen, was durch die starken Symptome nicht möglich war, da ich bei den Prüfungen, die ich ja alleine besuchen musste, regelmäßig durch die Intrusionen/Flashbacks retraumatisiert wurde.

    Ich habe versucht Ausbildungen zu machen, was aus selbigen Grund gescheitert ist.


    Nach der 2-jährigen Therapie-Pause, hatte sich die Störung soweit verschlimmert, dass es ein Jahr dauerte, bis ansatzweise eine leichte Besserung zu bemerken war:
    Ich kann seitdem ohne Flashbacks und mehrmals zusammenzubrechen meine Kleidung ablegen.

    Danach war die Zeit bald wieder um.

    So ging es weiter, ich leide bis heute darunter und bin komplett arbeitsunfähig, kann keine sozialen Bindungen aufbauen, durch die Symptome.
    Mein Überleben verdanke ich ausschließlich meinen Eltern.

    Ein Bedürfnis nach "Wiedergutmachung" hatte ich übrigens nie.
    Nur ein Bedürfnis, mein Trauma in Ruhe aufarbeiten zu dürfen, um überhaupt ein nennenswertes Leben führen zu können.

    Diese Regelung der begrenzten Therapiedauer verbietet mir und vielen weiteren Betroffenen, ein menschenwürdiges Leben zu führen, indem sie Heilung verhindert.
    Nicht nur bei PTBS-Betroffenen, sondern allgemein bei Menschen, die unter psychischen Problemen leiden.

    In der Körpermedizin gibt es solche Einschränkungen kaum.
    Warum? - Weil man da den Menschen ansieht, wie sie leiden und es viel eher auffallen würde, wenn physisch Kranke leidend umherlaufen und die Bevölkerung aufständisch würde.

    Menschen, deren Seele verletzt oder erkrankt ist, bleibt ohne Hilfe ja kaum etwas über, als versteckt vor sich hin zu vegitieren.
    Man sieht ihnen die Folgen von Gewalt, Unfällen und Erkrankung nicht an, da sie visuell nicht davon gezeichnet oder gar verunstaltet sind.
    Und ihre durch das Leiden ausgelösten Schmerzensschreie hört auch niemand, weil sie hauptsächlich in ihrem Inneren ertönen.

    Wiedergutmachung my Ass.
    Ich will Gleichberechtigung um LEBEN zu dürfen!


    Kein Mensch sagt, dass ein Trauma in weniger Monaten aufgearbeitet werden muss.
    Es liest sich so, als habest Du durchaus jahrelang Therapie gemacht-
    unterbrochen durch die erzwungenen Therapiepausen.

    Wir haben in Deutschland weltweit eine der großzügigsten Regelungen, was Psychotherapie angeht.
    Es ist viel Geld für Hilfe vorhanden.
    Aber eben nicht unbegrenzt viel.
    Es kann nur auch anderen psychisch Erkrankten sehr sehr schlecht gehen, nicht nur den Traumapatienten.

    Und wer definiert, was bedarfsgerecht ist?
    Wenn jemand Jahre und Jahre Therapie macht und nichts richtig hilft, dann "darf" es ja vielleicht auch nicht besser werden?
    Ich kenne Menschen, für die ihr Status als Traumapatient identitätsstiftend ist.





  3. #8
    Gast
    Gast

    Standard AW: petition für bedarfsgerechte psychotherapie

    Das mag ja alles stimmen mit Ihren Rechenbeispielen und Vergleichen Dann frage ich mich aber, warum dieselbe Entrüstung und Ablehnung nicht auch auf die realen Folgekosten der aktuell nicht bedarfsgerechten Therapiefinanzierungsrichtlinien folgt. So arm, wie Sie die Krankenkassen hinstellen, können sie gar nicht sein. Denn was seit Jahren STATT Psychotherapie zur Bewältigung von Traumafolgen an Kosten getragen wird, ist um ein Vielfaches höher als eine angemessene ambulante Therapie wäre: Psychopharmaka, psychosomatische Entwicklungen, Drehtür-Psychiatrie-PatientInnen, chronische Krankheiten auch in den Folgegenerationen usw. Also statt sofort "die kriegen bloß den Hals nicht voll" zu rufen, wären sinnvolle Vorschläge (nachdem Sie sich etwas ernsthafter über Thema und Forderung informiert haben) interessant.

    Viele Grüße
    Johanna





  4. #9
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    Standard AW: petition für bedarfsgerechte psychotherapie

    Hallo zusammen,
    und Danke meinen Vorrednern. Wie wir dort erfahren geht es letztendlich - wie in allen anderen Bereichen der Gesellschaft mal wieder nur um ein Thema: GELD! Eine Petition wie die vorgestellte muß zum Scheitern verurteilt sein, sobald der Finanzminister seine Schatzkammer öffnen muß. Trotzdem Viel Glück.





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