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Thema: Geschichten, Aphorismen und Gedichte, die uns zur Reflexion anregen...

  1. #1
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    Standard Geschichten, Aphorismen und Gedichte, die zur Reflexion anregen,...

    berühren und bereichern.


    Ich beginne mit einer Geschichte, an die ich häufig denke, wenn es um das Thema Wut und Selbstwert geht.

    Das Geschenk nicht annehmen – eine kurze Zen-Geschichte
    Geändert von Kimi Onawa (26.11.2016 um 20:27 Uhr)
    Zu meinen Beiträgen: So sehe ich es.


    Himmel und Hölle sind keine Orte, sondern Bewusstseinszustände.
    ~Kimi~

  2. Für den Beitrag danken: Sanfte Schlange, Vindobona







  3. #2
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    Standard AW: Geschichten, Aphorismen und Gedichte, die uns zur Reflexion anregen...

    Also ich hab die Geschichte bis jetzt noch nicht aufgeschrieben, aber eine Kurzgeschichte die in meinem Kopf geistert. *räusper* hääääheeeeem... Hab ich eure Aufmerksamkeit? Gut, also...

    Der Vogel und der Löwe

    Es war einmal ein Vogel, der lebte in einem großen Wald. In diesem großen Wald hatte der Vogel viele Nachbarn, Vögel seiner Art und Vögel ganz anderer Art. Sie lebten dort, tagein, tagaus. Der Vogel war noch jung, einmal erst flog er Richtung Süden, folgend den anderen Vögeln. Denn die Winter waren kalt, und die Vögel zu klein. Doch es war Sommer, und die Vögel warem daheim. So flog der Vogel umher, sang Lieder des Waldes, manchmal sang er sie für einen kleinen Hund, ein kleines Kind, ein Paar, und für sich selbst. Auch Lieder des Südens sang er und flog umher, damit jeder sie hörte.
    Eines Tages, da flog er erneut umher, er flog weiter als sonst, und der Vogel wollte eine Pause machen. Er kam an einem Zoo vorbei, mit vielen Stäben, die alle wunderbar zum pausieren einluden. Da war ein Baum, ein Baum der perfekt war zum rasten. Er flog hinab zum Baum und säuberte seine Federn, die schon ein bisschen zersaust waren vom Wind. Er roch die Luft und hörte dem emsigen Trieb der Menschen zu, dem Lachen und Staunen der Kinder, den leisen Geräuschen der Tiere. Und er sang, das Lied des Südens. Ein Lied, das so schön und so fröhlich klang.
    "Wovon handelt das Lied?" hörte der Vogel. Der Vogel erschrack sich ein bisschen, denn die Stimme klang tief und sehr beherrscht.
    Der Vogel drehte sich herum, dorthin wo der Ursprung der Stimme war.
    Ein Löwe, groß und stark, lag vor den Stäben und schaute den Vogel an. Der Vogel blieb auf dem Baum, denn so ein großes Tier hätte den Vogel in einem Haps erwischt. "Vom Süden, so weit von hier, wie ein Ort sein kann."
    "Vom Süden. Ich kenne das Lied. Ich hab es schon so oft gehört, das Lied des Südens. So viele Vögel saßen schon dort wo du nun sitzt, doch keiner sang so schön wie du. Sing es mir noch einmal."
    Der Vogel fühlte sich geehrt, dass ihm jemand sagte er singe so schön wie kein anderer Vogel, also sang er dem Löwen das Lied erneut. Der Löwe schloss die Augen und lauschte dem Lied, legte den Kopf auf den Boden. Als der Vogel zu Ende sang, öffnete er sie erneut und sah herauf in den Himmel.
    "Der Süden. Nun, kennst du den Ruf des Südens?"
    Der Vogel sah ihn verwirrt an. "Ruf des Südens?"
    "Ja, wir Löwen, wir können nicht singen. Wir schreien."
    Der Löwe erhob sich, und sprang auf den Stein in der Mitte des Käfigs, und brüstete sich in seiner vollsten Statur. Der Vogel sah ihn an, noch nie sah er etwas so schönes, so großes und wunderbares. Und der Löwe brüllte aus seiner tiefsten Seele heraus. Der Vogel erschrack, so tief rang der Ruf in ihm. Seine Knochen zitterten vom Gebrüll, und sein Herz sprang fast aus ihm heraus. Und der Löwe schloss die Augen, sank wieder zusammen und ging zurück zum Ende des Käfigs wo der Vogel saß.
    "Der Ruf des Südens." Der Vogel sah ihn an. Ja, der Vogel hatte oft in der Ferne diese Rufe gehört. Doch nie war ein Ruf so laut, so bebbend. "Warst du schon einmal im Süden?" fragte der Vogel den Löwen.
    "Ja, aber es ist sehr lange her. Es ist mein Zuhause, wo ich hingehöre."
    "Aber, wieso bist du dann hier? Warum gehst du nicht nach Hause."
    Der Löwe sah die Stäbe des Käfigs an und seine große Pranke berührten sie leicht. "Weil ich nicht kann. Ich werde hier bleiben und sterben." Der Vogel erschrack. Für immer an einem Ort bleiben. Der Vogel fing an zu weinen, denn die Vorstellung war grauenhaft für ihn. Nicht fliegen zu können. Nicht singen zu wollen. Er wäre kein Vogel mehr.
    "Kleiner Vogel, weine nicht. Ich bitte dich aber um einen Gefallen."
    Der Vogel fühlte sich verletzt und sagte "Ja, was wünschst du dir?"
    "Besuche mich, und sing mir die Lieder, sie sind so schön, sie erzählen mir von meinem Zuhause."
    Der Vogel sagte dass er immer wieder vorbei käme, und ihm alle Geschichten erzählen würde, die es zu erzählen gab.
    Und so flog der Vogel immer zum Käfig des Löwens und sang ihm die Geschichten vor, vom Süden, von der warmen Sonne, von dem Wald, den Tieren und Vögeln. Und immer sah der Löwe hinauf in den Himmel.
    Eines Tages, es wurde kalt, sagte der Vogel zum Löwen. "Löwe, es wird kalt und die Nächte lang. Bald wird es Zeit für mich in den Süden zu fliegen, mit den anderen. Ich warte noch ein bisschen mit dir, aber bald wird es zu kalt sein."
    Der Löwe verstand und sagte zum Vogel. "Nun, ich möchte dass du mir ein Lied singst." "Welches? Ich singe dir jedes Lied." "Sing mir vom Himmel. Ich habe vergessen wie er aussieht ohne den Käfig."
    Und so sang der Vogel vom Himmel den er sah, vom blau und den Wolken. Von Vögeln, die umherkreisten. Der Sonne, die langsam ihr gelb verlor. Und dem Wind, der über die Federn des Vogels strich. Vom Laub und von den Bäumen. Und der Löwe sah hinauf, hinauf in den Himmel, der versperrt war von den Gitterstäben und träumte von einem freien Himmel.
    Als der Vogel zu Ende sang, blickte der Löwe den Vogel an und sprach leise, aber voller Inbrunst "Ich danke dir Vogel. Ich danke dir für den Himmel den du mir gegeben hast. Für mein Zuhause, von dem du singst. Du bist ein wunderbarer Vogel. Aber nun wird es Zeit für dich, du musst los. Du musst zu deiner Art, und bleib ein guter Vogel. Ja?" "Ich verspreche es, und wenn ich wiederkomme, dann sing ich dir neue Lieder vom Süden." Der Löwe blickte den Vogel an und streckte sich auf, erklomm den großen Stein, richtete sich auf und brüllte. Ein Brüllen das lauter war als je ein Löwe gebrüllt hatte, Kinder die noch vor dem Affengehege saßen, rannten zum Gehege des Löwen und sahen mit großen Augen den Löwen an, wie er brüllte. Und der Vogel hörte ein Brüllen von Heimat, einem Himmel, einer warmen Sonne, von Löwen die rannten, Löwen die liebten, von Tieren aller Art, Tiere die der Vogel noch nie zuvor gesehen hatte, von einem grünen Wald, so grün wie Smaragde, von klarem, fließenden Wasser als wären es Seidentücher. Und einem Schmerz, der so tief war, dass der Vogel weinte. Als der Löwe aufhörte sah er den Vogel an und sprang hinab vom Stein, und der Vogel sah die Schönheit des Löwen. Und verstand.

    Der Vogel kam zurück aus dem Süden, und flog sofort zum Zoo. Er hatte soviel zu erzählen, soviele Geschichten zu singen. Er wollte sie alle dem Löwen vorsingen, so prächtig waren sie, so voller Wärme und Liebe. Er dachte jeden Tag an den Löwen, und jeden Tag wollte er ihm vorsingen. Er flog so schnell er konnte zum Zoo. Doch als der Vogel ankam, war der Käfig leer. Er suchte den ganzen Zoo ab, doch der Löwe war nicht zu finden. Der Vogel wurde ängstlich, vielleicht schlief der Löwe? Doch der Löwe wusste doch, dass der Vogel heute zurück komme. Er flog und flog, bis es dunkel wurde. Doch der Löwe war nicht zu finden. Er fragte die anderen Vögel, ob sie den Löwen gesehen haben. Doch keiner wusste von einem Löwen. Gehört haben sie ihn, hin und wieder. Doch nie gesehen. Der Vogel wartete vor dem Käfig, auf dem Ast auf dem er immer saß. Er war hungrig und müde. Er schlief bis zum Morgen und wartete, doch der Löwe kam nicht. Der Käfig war leer. Er versuchte die Affen zu fragen, doch keiner der Affen verstand ihn. Einer bewarf ihn mit Erde. Andere jagten ihn. Der Vogel war so traurig, was war passiert? Zwei Tage vergingen, drei Tage. Der Vogel aß Reste der Zoobesucher, er hatte so großen Hunger, und er fühlte sich so einsam. Am dritten Tag kamen Zoowärter vorbei, und er wollte sie fragen wo der Löwe sei. Doch sie lachten den Vogel nur aus, er würde versuchen zu sprechen. Als sie sich wieder zum Käfig wanten da sagte einer der Wärter "Schade, was mit dem Löwen passiert ist. Er ist einfach eingeschlafen, und nicht wieder aufgewacht." "Ach, der war schon alt. Viel zu alt. Der wollte einfach nicht mehr essen. Wollten ihn schon einschläfern lassen, vor 'nem Jahr. Ham wa nich gemacht. Jetzt ist er aber tot. Schade, war'n schöner Löwe." Und der Vogel fing an zu weinen. Der Löwe war tot. Und er konnte sich nicht verabschieden, all die Lieder die er ihm singen wollte. Alles was er ihm neues zu erzählen hatte. Er konnte es nicht. Der Löwe war tot. Und der Vogel fühlte sich so einsam und allein. Sein Freund war tot. Und er weinte und weinte, hörte nicht mehr auf zu weinen. Und so fing er an zu singen. Und sang wie er noch nie ein Lied zuvor gesungen hat. Vom Löwen, seinem Freund, vom Süden und der Welt, vom Leben, vom Himmel, vom grünsten Gras, von Flüssen und Bergen, und einer warmen Sonne, vom Schmerz und vom Leid, von der Trarugikeit und Einsamkeit, und sang und sang, wie noch nie ein Vogel gesungen hat. Ein Lied aus seiner tiefsten Seele, so stark, dass selbst die Besucher stehen blieben um dem Vogel zuzuhören. Er sang mit Augen voller Tränen, und seine kleine Lunge brannte, brannte so sehr, wie sein Herz, das ihm so sehr wehtat. Und er sang, bis seine Stimme aufgab, und er erschöpft war. Seine kleinen Flügel taten ihm weh, sein Herz schlug so heftig in seiner Brust, dass es drohte herauszuspringen. Und so schlief er, so tief und fest er schlafen konnte, er schlief zwei Tage.

    Als er aufwachte schien die Sonne in sein Gesicht, es war eine warme, strahlend gelbe Sonne. Sie strahlte so, wie der Löwe strahlte. Und der Vogel lächelte und flog zurück in den Wald. Denn er wusste, der Löwe war Zuhause. An dem Ort wo er immer sein wollte, mit einem freien, blauen Himmel und einem Ort wo er rennen konnte und brüllen wie er brüllen musste. Und der Vogel war nicht mehr traurig, denn er wusste, wo er den Löwen finden würde. Eines Tages.
    “Most people think it takes a long time to change. It doesn’t. Change is immediate! Instantaneous! It may take a long time to decide to change…but change happens in a heartbeat!”

  4. Für den Beitrag danken: Kimi Onawa, Sanfte Schlange, Vindobona





  5. #3
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    Standard AW: Geschichten, Aphorismen und Gedichte, die uns zur Reflexion anregen...

    Hallo whateverest,

    auch hier nochmal:

    Danke Dir für Deine Geschichte. Die Schauplätze samt Protagonisten haben sich vor menem geistigen Auge aufgetan - bzw. war ich mittendrin, statt nur dabei ^^ Danke, für die Reise.
    Zu meinen Beiträgen: So sehe ich es.


    Himmel und Hölle sind keine Orte, sondern Bewusstseinszustände.
    ~Kimi~





  6. #4
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    Komm, ich erzähl dir eine Geschichte.


    Der angekettete Elefant
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  7. #5
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    Standard AW: Geschichten, Aphorismen und Gedichte, die uns zur Reflexion anregen...

    Oh gerade entdeckt. Hier das ganze (?) Buch, als Hörbuch *freu hüpf*:

    Komm, ich erzähl dir eine Geschichte
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    ~Kimi~





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