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  • Depressionen: Das können Sie tun

    Wie schon gesagt: Viel können Sie leider nicht tun. Und weil das sehr frustrierend sein kann, ist es besonders schwer als Angehöriger und Freund einen depressiven Menschen zu begleiten.

    Das was Sie tun können, besteht vor allem darin,
    die Depression zusammen mit dem Betroffenen durchzustehen - und zwar ohne Vorwürfe, ungehaltene Ausbrüche oder Frust, sondern mit viel Liebe und Verständnis.

    Das Wichtigste: Sorgen Sie gut für sich
    So seltsam es klingen mag: mit das wichtigste, was Sie tun können, ist gut für sich selbst zu sorgen. Die Depression eines nahestehenden Menschen durchzustehen kostet viel Kraft, Geduld und Liebe. Solange es Ihnen gut dabei geht, haben Sie diese Kraft. Wenn Sie selbst zu leiden beginnen, ist das nicht nur für Sie schlimm, sondern besonders auch für den Depressiven. Damit werden die Schuldgefühle verstärkt. Sorgen Sie also dafür, dass Sie ausreichend Kraft haben, damit Sie dem anderen Halt und Zuversicht geben können. Sie brauchen diese Kraft, um Ihre erzwungene Untätigkeit in der Phase einer akuten Depression auszuhalten. Scheuen Sie sich nicht, ggf. fachlichen Rat anzunehmen.

    Aktiv helfen können Sie erst nach der Depression
    Aktiv helfen können Sie eigentlich erst dann, wenn die akute Depression nachlässt und die Person wieder "klar denken" kann. Falls Sie das Vertrauen dieser Person haben und sie Ihnen gestattet, überhaupt als "Helfer" aktiv zu werden, können Sie nach der akuten Depression weitere Schritte überlegen. Sie können sich z.B. anbieten zu einem Therapeuten mitzufahren, einmal gemeinsam nach Literatur zu suchen oder zu recherchieren, ob es eine Selbsthilfegruppe in der Nähe gibt. Aber - wie schon gesagt - erst wenn:
    - es der Person wieder besser geht und
    - Sie die Erlaubnis haben, zu helfen.

    Und das können Sie in der depressiven Phase tun
    In der Depression können Sie vor allem da sein und da bleiben. Es geht darum, einfach zusammen mit dem Deprimierten diese Phase durchstehen. Ohne Wenn und Aber und ohne kluge Ratschläge. Fragen Sie danach, was der andere braucht. Besorgen Sie vielleicht etwas besonders Leckeres zu essen, aber seien Sie nicht enttäuscht, wenn es nicht gegessen wird. Sie können sich sicher sein: Ihre liebevolle Aufmerksamkeit tut dem Deprimierten gut, auch wenn er oder sie es nicht zeigen kann. Besorgen Sie vielleicht auch ein paar frische Blumen. Verlassen Sie den Raum, wenn der andere allein sein möchte, aber bleiben Sie möglichst in der Wohnung - also verfügbar und ansprechbar, ohne sich aufzudrängen.

    Angst nehmen und "Normalität" herstellen
    Eine fundamentale Angst depressiver Menschen ist es, verlassen zu werden. Sie denken, dass sie nicht liebenswert sind und durch die Depression verschärft sich ihre Angst enorm. Es ist gut, wenn Sie diese Angst durch Worte und Verhalten auffangen können. Zeigen Sie, dass Sie den anderen mögen, indem Sie da sind. Und ganz wichtig: Sagen Sie es. Und das möglichst oft. Egal, wie oft der andere Ihre Worte in Zweifel zieht und auch wenn Sie das Gefühl haben, sich x-mal zu wiederholen.

    Eine weitere Angst des Depressiven ist "verrückt" zu sein. Auch hier können Sie immer wieder mit Worten und Taten beschwichtigen und zum Ausdruck bringen, dass der andere nicht verrückt ist - am besten, indem Sie sich ganz normal verhalten und die Depression selbst annehmen.

    Was Sie sagen können
    Hier finden Sie einige hilfreiche Sätze, die Sie Menschen sagen können, die in einer depressiven Stimmung sind. Allerdings sagen Sie nie etwas, das Sie nicht auch ehrlich meinen. Depressive Menschen neigen dazu, kaum einem netten Wort zu glauben und zweifeln vieles an. Damit Sie sich von den dann möglichen Reaktionen nicht provozieren lassen und vielleicht zugeben müssen, etwas nur aus Trost zu sagen, sollten Sie lieber gleich ehrlich sein.
    • "Ich bin für dich da."
    • "Ich mag (oder liebe) dich, ganz egal, wie es dir geht."
    • "Möchtest du mal in den Arm genommen werden?"
    • "Kann ich etwas für dich tun?"
    • "Ich verlasse dich nicht."
    • "Wir gehen da zusammen durch."
    • "Du bist nicht allein - ich bin da."
    • "Es tut mir leid, dass es dir so schlecht geht. Aber mach dir bitte keine Sorgen darüber, wie es mir geht, ich sorge gut für mich."
    • "Für mich ist es wichtig mit dir zusammenzusein, ganz egal, wie es dir geht."
    • "Ich kann natürlich nicht vollständig nachempfinden, wie es dir geht, aber ich sehe, wie sehr du leidest."
    • "Wenn du reden willst - ich bin da. Es ist aber auch in Ordnung, wenn du nicht reden magst."
    • "Es stört mich nicht, wenn du weinst. Ich liebe (mag) dich trotzdem."
    • "Schlaf ruhig ein bisschen - du brauchst keine Angst haben, ich bin da, wenn du aufwachst."
    • "Ruf mich jederzeit an, wenn du mich brauchst - ich komme. Auch nachts."

    Literatur zum Thema:

    Dr. Sabine Gapp-Bauß:
    Depression und Burn-out überwinden: Ihr roter Faden aus der Krise: Die wirksamsten Selbsthilfestrategien



    Rolf Merkle:
    Wenn das Leben zur Last wird: Depressionen überwinden, ins Leben zurückkehren


    Ainsley Johnstone und Matthew Johnstone:
    Mit dem schwarzen Hund leben: Wie Angehörige und Freunde depressiven Menschen helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren.



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    Tania Konnerth, Zeit zu leben
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