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Alt 08.04.2007, 01:39   #1
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Standard Die Pharmamafia und ihr negativer Einfluss auf die Ärzteschaft

!!!!!!!!!!!!!!!!!! Ein Bericht von Frau Dr. Ursula Stahlbusch !!!!!

So steht es in dem ellenlangen Link auf den Seiten 18-20 geschrieben !!!!!
Ein sehr interessanter Artikel zum Thema Pharmakonzerne und ihr Einfluss auf die Ärzteschaft

Leitlinien und Medizin-Industrie Checklisten-Medizin – was immer man von ihr hält – braucht Leitlinien. Leitlinien, nach denen sich die Mediziner in ihrer Behandlung richten können. Sie geben einen «Behandlungskorridor» vor, in dem der Behandler sich nach Möglichkeit bewegen soll, ohne die für die Therapie des individuellen Patienten nötige Handlungsfreiheit zu verlieren. Das leuchtet ein. Die Frage ist nur: Wer erstellt auf welchem Hintergrund und mit welchen Motiven zu welchem Zweck solche Leitlinien? Leitlinien sollen sich am aktuellen Stand der Wissenschaft orientieren und diesen zu den Ärzten transportieren. Indem die Ärzte durch ständig aktualisierte Leitlinien auf dem neuesten Stand der Wissenschaft gehalten werden, soll die Behandlung optimiert werden.

Dieses Ansinnen ist sinnvoll und lobenswert, kommt doch der Medizinstudent während seines Studiums nur wenig mit Diagnostik und Therapie der großen Volkskrankheiten in Berührung, obwohl diese mehr als 80% des gesamten Behandlungsspektrums in der Hausarztpraxis ausmachen. Das Multiple-Choice-Verfahren hat diese Situation in den letzten Jahrzehnten weiter verschärft: Abfragbares Wissen richtet sich eher auf eindeutig zu beschreibende seltene Krankheiten; praktische Erfahrung mit dem individuellen Patienten, soweit diese überhaupt vermittelt wird, ist mit diesem System nur schwer zu prüfen. Die niedergelassenen Ärzte erwerben sich dieses Wissen zum einen durch learning by doing, zum anderen aus dem ihnen von einer rührigen Pharma-Industrie vermittelten «Wissen» über einschlägige Medikamente. EBM-versorgten Hausärzten, die oft um des eigenen Überlebens willen eine Medizin machen müssen, die für den Patienten kaum Zeit lässt, fehlt erst recht die Zeit für die nötige Fortbildung. So wird der von der Pharma-Industrie nahegelegte Griff zum Rezeptblock zum viel begangene(Aus-)Weg.

Soweit es eine Pharmaunabhängige Fortbildung überhaupt noch gibt, kostet sie (wie ansonsten nur bei den Psychotherapeuten!) meist Geld, das der Allgemeinmediziner nicht übrig hat. Aus all dem resultiert ein zumindest sehr unterschiedlicher Wissenstand der Ärzte, was sinnvolle oder gar optimale Therapie chronisch Kranker angeht. Leitlinien sollen hier Abhilfe schaffen. Die Idee ist gut. Doch wer soll nun festlegen, was der aktuelle «gesicherte Wissensstand» ist? Unabhängige Experten, so heißt es. Und genau da beginnen die Probleme: Wie sieht ein solcher unabhängiger Experte aus und wo findet man ihn, so es ihn wirklich gibt? Was bedeutet es für die einschlägige Medizin-Industrie – das ist nicht nur die Pharma-Industrie, sondern auch die Großgeräte-Hersteller und alle möglichen anderen medizi- nischen «Dienstleister» –, wenn Behandlungsstandards für ein paar Millionen Patienten festzulegen sind? Das sind Entscheidungen über Milliardengewinne, die Begehrlichkeiten wecken und jeden finanziellen Aufwand rechtfertigen. Das galt natürlich bereits in der Vor-DMP-Ära, und vielleicht ging die Idee zu den DMP aus solchen Gründen auch bei uns – wie in den USA – von der Pharmaindustrie aus. Die Pharma-Industrie ist seit Jahren der profitträchtigste Industriezweig der Welt. Sogar in der im Jahr 2000 einsetzenden Flaute hat sie weiter satte zweistellige Gewinne eingefahren. Der Weg dazu führte über ein immer aggressiveres Marketing: Nach Schätzung des amerikanischen Verbraucherschutzvereins investiert die Branche etwa 30 % ihres Umsatzes in Marketing und Vertrieb, das wäre doppelt soviel wie für Forschung und Entwicklung neuer Medikamente. In Deutschland betrug nach Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller im Jahr 2000 der Umsatz der Pharma-Industrie 41,3 Milliarden DM (Herstellerabgabepreis!). Davon gab man allein für Pharma-Referenten 2,7 Milliarden DM aus! Die Gesellschaft für Pharma-Information in Nürnberg analysierte die Vertreterbesuche bei 100.000 Ärzten: Etwa 15.500 Pharmareferenten hatten 20 Millionen Arztkontakte, das sind etwa 200 Kontakte pro Arzt (SZ 15.3.2002). «Return of invest» heißt dabei das Gebot, d. h. was man reinsteckt, muss auch wieder rauskommen. — Ein ehemaliger Mitarbeiter eines nicht genannten Konzerns berichtet darüber in der Abendzeitung (13.4.2002): «Der Regionalleiter eines Konzerns erarbeitet mit den ‹Verkäufern› einen ‹Deal- Katalog› mit verlockenden Angeboten – und diese unterbreiten wir unseren Kunden, den Ärzten.

Geboten werden u. a. ‹Drei Tage Ski-Spaß in St. Moritz›. Die Gaudi kostet circa 2000 Euro, der Arzt zahlt einen Eigenanteil von 50 Euro ... Wo es auch hingeht, immer nennt sich das Ganze ‹Wissenschaftlicher Kongress›; danach heißt es dann ‹Jetzt bitte machen wir ein Committment›, d. h. es gibt eine klare Absprache mit dem Arzt, eine bestimmte Zahl von Patienten auf ein bestimmtes Medikament als Dauermedikation einzustellen.» — Mit sogenannten «Anwendungsbeobachtungen» versucht man, das Verschreibungsverhalten der Ärzte zu manipulieren: Dazu be richtet der Inspektor des niederländischen Gesundheitsamts in der Süddeutschen Zeitung (15.3.2002), dass Firmen für diese «Studien» bis zu einem Fünftel ihres Budgets ausgeben. Anwendungsbeobachtungen sollen offiziell nach der Marktzulassung eines Medikaments wissenschaftliche Fragen klären, sie dienten jedoch größtenteils als reines Verkaufsinstrument. Die teilnehmenden Ärzte erhielten pro Patient eine Aufwandsentschädigung und müssten dafür lediglich einen Fragebogen ausfüllen. Man erreiche damit, dass sich die Ärzte an die neuen Medikamente ge- wöhnen und die Präparate auch weiterhin verschreiben. Für die Ergebnisse der «Studien» interessiere man sich bei den Firmen nicht. — Das Hauptproblem – so Prof. Dr. Peter Schönhöfer bei der Tagung «Transparenz und Verantwortung» von Transparency International im September 2001 – seien die sogenannten «Meinungsbildner». Dabei handelt es sich in der Regel um prominente Universitätsprofessoren, die gegen Honorare Vorträge hielten, die mit den Pharmafirmen abgesprochen oder gar von diesen erstellt seien. Besonders in «Risikofragen» gebe es eklatante Möglichkeiten zu verdienen. Wenn nämlich ein potentiell gefährliches Produkt einen hohen Marktwert habe, werde viel Geld geboten, wenn man diese Gefahr verschweige. Da springe schon mal ein Haus in Nizza raus. Die Offenlegung der Verbindungen dieser «Medizinexperten» zur Industrie müsse das Hauptziel sein, wolle man die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern. Wenn eine Therapieempfehlung, die die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen und Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) veröffentliche, direkt von den Vertretern der Pharmaindustrie geschrieben und dann irgendein Name darunter gesetzt werde, dann sei das ein korrupter Prozess. Es gäbe aber 700 solcher Leitlinien, die im Internet abrufbar seien. Gibt es Anzeichen für interessenbezogene Aktivitäten der Industrie im Umfeld der gerade entstehenden DMP? Die Gewichtung der Aktivitäten der Pharma-Industrie verschiebt sich seit Jahren zunehmend in Richtung auf sogenannte «Blockbuster», die man in der «Pipeline» hat. «Blockbuster» sind Medikamente, die Umsätze von mehr als einer Milliarde Euro erbringen. An solchen heißen Dingern bastelt man herum, schützt sie durch Patentierung all over the world und hält damit die Preise für 20 Jahre hoch. Sie sind für die Menschen in den reichen Ländern bestimmt, die sie auch bezahlen können, die andern gehen leer aus (siehe der Kampf um die Aids-Medikamente in Afrika, aber auch Tbc-, Malaria-Mittel usw., ja selbst banale Medikamente wie Diclo u. ä.). Solche Blockbuster spielen natürlich auch bei den DMP eine Rolle, bei den bereits kreierten und bei noch zu kreierenden. Folgende Vermutungen liegen nahe: — Bei den bereits feststehenden DMP geht es für die Pharma- und sonstige Medizinindustrie darum, sich innerhalb des DMP- Rahmens zu positionieren, nach Möglichkeit mit Blockbustern.

Dies soll natürlich nach außen nicht offensichtlich werden. Man könnte sich also vorstellen, dass Mitarbeiter an der Front angehalten werden, auf allen Ebenen und mit allen Mitteln aktiv zu werden, bei Niedergelassenen wie in stationären Einrichtungen, vor allem aber bei Meinungsbildnern (sog. Pharma-Huren), bei Fachgesellschaften, aber auch bei Gesundheitspolitikern aller Parteien und bei den Medien. — Der zweite Schwerpunkt richtet sich darauf, gewinnträchtige Krankheitsbilder als neue DMP zu etablieren. In der medizinischen Presse kann man seit einiger Zeit zwischen den Zeilen le- sen, wohin die Reise geht: In Frage kommen alle Krankheitsbilder, bei denen aufgrund der Zahl der betroffenen Patienten ein Blockbuster etabliert werden könnte: Das demnächst umzusetzende KHK-Programm ist in dieser Hinsicht durchaus ausbaufähig: Man propagiert in der Medizinpresse derzeit alles, was dem KHK-Patienten helfen kann. Ganz vorne im Rennen liegen die Cholesterinsenker, trotz der Lipobay- Toten. Ins Visier genommen hat man auch die Osteoporose: Auch da gibt es mittlerweile einschlägige Medikamente, viel Hightech- Diagnostik und Millionen in Frage kommender Patienten; auch die Männer bleiben seit neuestem nicht mehr außen vor. Man wartet mit wahren Horrorzahlen an eingebrochenen Wirbeln u. ä. auf und möchte dem bei Menschen ab 40 vorbeugen, Prävention ist angesagt: Dass Prävention eigentlich hieße: Mehr Bewegung und eine vernünftige Ernährung von Jugend an, wird allenfalls am Rande erwähnt! Zielführend ist eher eine «Disease-awareness- Kampagne». Derzeit tourt ein Osteoporose-Mobil durch Deutschland, das Daten für einen «Hoch-Risiko-Score» ermitteln soll und künftig jeder Frau ab 40 die Gefahren der Osteoporose und natürlich die medikamentösen Möglichkeiten, diese zu vermeiden, deutlich machen soll. Die Forderungen nach einem DMP Osteoporose folgen dem Mobil auf dem Fuß. Risikofaktoren werden so zu behandlungsbedürftigen Krankheiten umgedeutet, Gesunde zu potentiell Kranken erklärt und diese dann einer medikamentösen Behandlung mit all ihren Risiken ausgesetzt. Unter dem Etikett «Prävention» werden finanzielle Ressourcen von Kranken zu Gesunden umverteilt, die Pharma-Industrie macht bei angeblich 5–7 Millionen Osteoporose-«Kranken» allein in Deutschland einen satten Gewinn. Es stellt sich die Frage: Wie können eindeutig interessengeleitete Einwirkungsmöglichkeiten auf die DMP-Leitlinien eliminiert oder wenigstens minimiert werden, damit die DMP tatsächlich zu einer Verbesserung der Versorgung chronisch kranker Patienten führen können? Hier lässt mich meine professionelle Fähigkeit zur Hypothesen- Bildung weitgehend im Stich. Mehr desselben bringt nach Watz- lawick nichts. Es braucht wohl eine Lösung zweiter Ordnung. Wem fällt dazu etwas ein? Wir Psychos könnten ja, wenn man uns schon aufgrund der übergeordneten Interessenlage bei der Erstellung und Umsetzung der Programme nicht haben will, auf einer anderen übergeordneten Ebene das einbringen, was wir in unserer Pipeline haben. Was meinen Sie dazu? Dr. med. Ursula Stahlbusch

Quelle: http://www.cosis.net/bvvp/bvvp1_2004.pdf

auf den Seiten 18-20 von Dr. Ursula Stahlbusch

hier die HTML Version: hier kann man den Beitrag einsehen

http://209.85.129.104/search?q=cache...=de&lr=lang_de

Vielleicht erleichtert dieser Bericht für den einen oder anderen die Frage warum besonders die chronisch Kranken zu denen u.a. auch die psychischen Kranken gehören Antidepressiva und Benzodiazepine einpfeiffen und dies teilweise jahrzehntelang. Alles nur zum Wohle dieser netten Herren. Hier im Text werden sie auch Pharmahuren genannt. Warum das erklärt sich nach diesem Bericht wohl von selbst.
Torasap
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Alt 08.04.2007, 02:20   #2
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Standard AW: Die Pharmamafia und ihr negativer Einfluss auf die Ärzteschaft

Hier noch ein kleiner Nachtrag zu Pharmamafia von Frontal 21 http://www.myvideo.de/watch/182266

Hierzu passt auch dieser Beitrag:

Konspiration des Schweigens
Carl Wiemer
Du – ein Arzt! An einem einzigen Patienten wärst
du zugrunde gegangen. Weh dir, wenn du ihn
nicht gerettet hättest!
(Elias Canetti: Das Geheimherz der Uhr)
Nach vorsichtigen Schätzungen werden Jahr für Jahr in den Krankenhäusern und Arztpraxen der Bundesrepublik ca. 100.000 Patienten versehrt. Angesichts dieser bemerkenswerten Statistik, die diese Einrichtungen mit zu den gefährlichsten Aufenthaltsorten im Land stempelt, wundert man sich, dass man nicht mehr hört über Fahrlässigkeit und Stümperei, über Geldgier und schlimmstenfalls auch Sadismus, denen alljährlich so viele zum Opfer fallen. Ein ehernes Tabu scheint über den Machenschaften eines ganzen Berufsstandes zu liegen. Sofern diese doch einmal zum Gegenstand der Debatte gemacht werden, geschieht dies in einer Sprache, die ihr Thema euphemistisch verfehlt, der Pfusch wird als ‘Kunstfehler’ sanktioniert. Der Gestaltungsweise eines Kunstwerks angenähert, bedeutete allerdings jeder chirurgische Eingriff ein Desaster, weswegen sich die besten Chirurgen als Handwerker begreifen.

Als fahrlässige geraten die Schlampereien von Ärzten selten, als vorsätzliche gar nicht in den Blick. Schon terminologisch bleiben die Verheerungen, die fehlgeschlagene Behandlungen zur Folge haben, in der Sphäre des tragischen Einzelfalls, der einem Ereignis höherer Gewalt angenähert wird. Wenn jedoch, nach Aussagen von Ärzten [ 1 ], etwa achtzig Prozent der in der Bundesrepublik praktizierenden Mediziner an ihren Kunden Behandlungen vornehmen, für die es keine ausreichende Begründung gibt, wenn gesunde Patienten aus Geldgier operiert und therapiert werden, dann ist die Grenze zur Fahrlässigkeit überschritten und statt des durch Fahrlässigkeit hervorgerufenen Kunstfehlers dreht es sich um vorsätzliche und mit unter schwere Körperverletzung.

Es ist ein dringendes Gebot, dass diese Praxis vieler Ärzte aus dem Zwielicht terminologischer Verpuppung gerückt und unter klaren begrifflichen Bestimmungen besehen wird. Diese Bestimmungen müssen auch kriminalistischer Art sein. Nicht weniger verlangt das Heer der Versehrten, das deutsche Ärzte in juristisch sanktionierter Unverantwortlichkeit produzieren. Es ist das Recht eines jeden dieser Versehrten, nicht länger als bedauerlicher Einzelfall rubriziert, sondern als Exempel einer systematischen Produktion von Opfern betrachtet zu werden. Erst dieser Status machte seinen Fall zum Politikum.

Er zeitigte daneben auch juridische Konsequenzen, indem er ihm eine Entschädigung für erlittene Versehrungen ebenso garantierte wie eine wirkungsvolle Bestrafung des Täters. Solange jedoch in der öffentlichen Diskussion das Märchen vom ‘Kunstfehler’ nachgebetet wird, solange also die Imago des Arztes unter den Bedingungen des bestehenden Gesundheitssystems nicht angetastet wird, wird die Diskussion wie immer bisher im Sande verlaufen. Unter diesen Umständen bleibt dem Versehrten die Abgeltung seiner zivil- und strafrechtlichen Ansprüche gegenüber dem Täter verwehrt. Neu ist nicht das Dilemma, dass Patienten oft Opfer ärztlicher Geldgier und Stümperei werden, aber neu muss die Perspektive sein, unter der dieses Dilemma betrachtet wird. Dabei ist es ein Ziel, die Verantwortlichkeit der Täter für ihr Tun herzustellen, wenn nötig, ihnen diese mit allen Mitteln beizubringen. Denn selbst im Fall einer zivilrechtlichen Entschädigung des Opfers kommt der Arzt [B]strafrechtlich fast immer ungeschoren davon.

Die Forderung, dass es mit der juristischen Toleranz gegenüber furchtbaren Ärzten ein Ende haben muss, ist alt. Aber ein Missstand, wie schreiend er auch immer sei, muss nur lange genug existieren, um die Weihen des Ehrwürdigen und der Tradition zu empfangen. Bisher scheiterte jeder Versuch, wirksame Kontrollmechanismen im Gesundheitswesen einzuführen – nicht nur auf dem Sektor der Abrechnung ärztlicher Leistungen, sondern auch auf dem Feld des medizinisch Gebotenen – am Widerstand der beteiligten Lobbies von Ärzteverbänden und Pharmaindustrie, welche allesamt ein Interesse an der Aufrechterhaltung des status quo haben.

Das Krankenhaus ist in Deutschland ein hermetischer Raum, aus dem nichts herausdringt. Grund dafür ist die Konspiration des Schweigens, auf die sich der in ihm tätige Ärztestand geeinigt hat. Das racketförmige Verhalten funktioniert in ihm nach Maßgabe der Mechanismen, die Horkheimer geschildert hat. “Der ins Racket Aufgenommene ist gesichert, aber er ist ihm unbedingt verpflichtet. Hingegen hat er nach außen hin kein Gewissen und keine Verantwortung. Wehe ihm, wenn er die Regeln des Rackets bricht.” (14/340) Das Soziotop der Ärzte signalisiert bereits nach außen seinen unverbrüchlichen Zusammenhalt. Die Insignien des Rackets sind weithin sichtbare Erkennungszeichen und sichern die Exklusivität der Clique,
auf die der Korpsgeist niemals verzichten kann.

Seine Elemente sind etwa die eigene Sprache (pseudowissenschaftliche Phraseologie), uniformiertes Auftreten (weißer Kittel) und der Name, zu dessen Bestandteil der Doktortitel wird. All das sind Bausteine der undurchdringlichen Wand, gegen die zunächst einmal jeder Patient rennt, der in einem Krankenhaus versehrt worden ist. Diese Erfahrung ist wie nichts sonst dazu angetan, den Versehrten resignieren zu lassen. Die opaken Strukturen des Medizinbetriebs und die innige Verbundenheit von Ärzten sowie den ständischen Organisationen, in denen diese zusammengefasst sind (Ärztekammern, Kassenärztliche Vereinigung, Hartmannbund), verleihen diesen den Status von geheimbündlerischen Vereinigungen. Beschweigen von Pfusch, Verschwindenlassen von belastendem Material, Erstellen von Gefälligkeitsgutachten haben Ärzte und die an den Ärztekammern damit befassten Gutachterkommissionen nur zu oft zum Komment ihrer Zunft gemacht. Jeder Angriff gegen ein einzelnes Racketmitglied wird als Anschlag auf den gesamten Clan gewertet. Nur so ist es möglich, dass das massenhafte Fälschen von Abrechnungen und die geläufige Durchführung von überflüssigen Behandlungen sowie die Verstümmelungen durch fehlgeschlagene Operationen so selten ans Licht der Öffentlichkeit gelangen. Das Komplott des Kartells treibt manchmal seltsame Blüten, die, sobald sie auftreten, Gegenstand allgemeiner Belustigung sind und doch nur die quasi-kriminellen Praktiken des Syndikats bloßlegen.

Hin und wieder geschieht es, dass sich ein Hauptmann von Köpenick den weißen Kittel überstreift, einige Zeugnisse fälscht und so ohne jede medizinische Ausbildung in Amt und Würden eines Arztes gelangt. Sofern ihm dies einmal gelungen ist, ist er für Jahre vor Entdeckung sicher. Was in keiner anderen Branche auf Dauer gut gehen könnte, funktioniert im Medizinbetrieb sehr wohl, denn Inkompetenz und Stümperei sind hier weniger als anderswo ein Hindernis für die Karriere. Zudem ist der Zusammenhalt derer, die einmal den Initiationsritus durchlaufen haben, derart unverbrüchlich, dass sich ein Arzt kaum je finden wird, der sich über die Unkenntnis eines Kollegen empörte. Das verbietet schon die Strenge des Verhaltenskodex, der innerhalb des Rackets kollegiales Einvernehmen fordert. So sind es meistens dumme Zufälle, die den Hochstapler im Arztkittel auffliegen lassen, niemals Proteste der Kollegen. Denn diese wissen, dass der Unterschied zwischen einem Nachtwächter, der den Arzt spielt, und einem Arzt, der allenfalls zum Nachtwächter taugt, so groß nicht ist.

In der Diskussion, die alle Jahre wieder in Presse und TV geführt wird, ist fast ausschließlich von den ökonomischen Verheerungen ärztlicher Abrechnungsvirtuosität die Rede. Als ledigliche Abrechnungsbetrüger sind Ärzte nicht besser oder schlechter als andere Diebe auch. Erst indem sie die körperliche Unversehrtheit ihrer Patienten in Mitleidenschaft ziehen, werden aus Trickbetrügern mehr als Kleinkriminelle. Jedermann weiß inzwischen, dass die deutschen Ärzte es durch den routinemäßig betriebenen Abrechnungsbetrug geschafft haben, das Gesundheitssystem zum Kollabieren zu bringen. Den Schaden ihrer Unersättlichkeit tragen aber weniger sie selbst als ihre Patienten. Das ökonomische Paradox, das auf deren Rücken ausgetragen wird, lautet: Was sich betriebswirtschaftlich rechnet, stellt volkswirtschaftlich und medizinisch eine Katastrophe dar.

Das deutsche Krankenversicherungssystem entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als gigantisches Ausbeutungssystem gegenüber den Versicherten, indem es dem besinnungslosen und blindwütigen Therapieren und Operieren Vorschub leistet. Für jeden Versicherten ist dieses System ein Gesundheitsrisiko, denn gesund ist schließlich nur ein Mensch, der nicht ausreichend untersucht wurde. Die Sicherheit, in der sich der Beitragszahler vor Versehrung geschützt wähnt, ist trügerisch. Die Chance, im Laufe seines Lebens als Versicherter selbst Opfer einer ärztlichen Fehldiagnose, einer Stümperei, eines Behandlungsfehlers zu werden, grenzt an Wahrscheinlichkeit, denn die Medizin neigt dazu, alles, was sie untersucht, zu pathologisieren. Und wenn ein Großteil der Behandlungen nicht indiziert ist, ebenso wie so manche Computertomographie und Röntgenaufnahme (nach Aussage der Deutschen Röntgengesellschaft ist gut die Hälfte der hierzulande vorgenommenen Röntgenuntersuchungen überflüssig. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 3. 8. 2000 ist die Strahlenbelastung der Bevölkerung in den vergangenen Jahren um ein Viertel gestiegen und damit deutlich höher als in den europäischen Nachbarländern, schätzungsweise würden bis zu 50.000 Menschen jährlich an Krebs erkranken, weil sie Jahre zuvor durch medizinische Untersuchungen mit Röntgenstrahlen belastet wurden. Strahlenschützer werfen Ärzten vor, sie gefährdeten die Gesundheit ihrer Kunden, indem sie der Amortisierung der Diagnosegeräte Vorrang einräumten.), so mutet man seinem Körper einiges zu, um in den Genuss von Leistungen zu kommen, die einem als eifrigem Beitragszahler und Mitglied der Versichertengemeinschaft zustehen.

Die Lage des Patienten ist in ökonomischer Hinsicht betrüblich, in medizinischer gefährlich und in juristischer aussichtslos. Dass die bis zu ihrem Ende gegen Krankheit Versicherten nicht nur die Zeche des gängigen Abrechnungsbetrugs zu zahlen haben, sondern auch noch im Fall ihrer von Ärzten begangenen Versehrung de facto der Rechtlosigkeit preisgegeben sind, ist ein Skandal, den keine Rechtsordnung verschmerzen kann, ohne an ihrem Begriff zu freveln. Die Versichertengemeinschaft, also eine Allgemeinheit, auszubeuten, mag hingenommen werden, da alle gleichermaßen geschädigt werden, was bereits eine Form von höherer Gerechtigkeit bezeichnet. So erlaubt die Gemeinschaft der Versicherten das wohlige Gefühl des kollektiven Betrogenseins. Als Betrogene wenigstens sind die Versicherten einander Brüder. Als Patienten, die bis zu ihrer Versehrung behandelt werden, sind sie Opfer. Opfer sind aber immer nur Einzelne. Es gibt kein Kollektiv von Opfern. Nur Einzelne, wie viele diese auch immer sein mögen, zahlen den höchsten Preis mit ihrer Gesundheit, ihrer Unversehrtheit, manchmal mit ihrem Leben. Als Opfer werden sie aus dem Kollektiv der Betrogenen ausgeschlossen.

Das Kollektiv der betrogenen Versicherten ist die Gemeinschaft derer, die noch einmal mit ihrer Gesundheit davongekommen sind und mit ihren Zahlungen zum Fortbestand des korrupten Gesundheitswesens beitragen. Das merkt das Opfer dann, wenn das Unheil es ereilt hat. Es gerät in ein undurchdringliches Gestrüpp ärztlicher Kumpanei und Kameraderie – in der philiströsen Kategorie des ‘Kollegen’ meldet sich bereits der mafiose Klüngel der pressure-group an. Wiederkehrend etwa in der Formel ‘Mit kollegialen Grüßen”, die unter Ärzten gebräuchlich ist – und oft macht es zum ersten mal jene Erfahrung, die der macht, welcher als Einzelner einer gesetzwidrigen Vereinigung gegenübersteht, nämlich die Erfahrung der Ohnmacht und Hilflosigkeit gegenüber einem mächtigen Syndikat, dessen Mitglieder sich gegenseitig decken. Das Opfer wird aber nicht nur von den Versicherten und den Versicherungen im Stich gelassen, sondern auch von den Rechtsorganen des Staates, die in der Bundesrepublik lächerlich geringe Beträge für den Fall eines nachgewiesenen Behandlungsfehlers vorsehen. Im Normalfall kann das Opfer jedoch nicht einmal diese unangemessene Entschädigung von einem Zivilprozess erwarten. Dass der Staat es durch seine Rechtsorgane zulässt, dass der einzelne Versehrte, dessen Gesundheit oft unwiderruflich geschädigt ist, der Schutzlosigkeit preisgegeben wird, ist eine Niederträchtigkeit, der gegenüber der volkswirtschaftlich angerichtete Schaden eine vernachlässigbare Größe darstellt.

aus: Carl Wiemer, Krankheit und Kriminalität: Max Horkheimer und das Racket der Ärzte, Freiburg (ça ira-Verlag) 2001.
Anmerkungen
[ 1 ] Vgl. dazu das aufschlußreiche, anonym verfaßte Bekenntnisbuch Patient Nebensache. Aus dem Tagebuch eines Kassenarztes, München 1997. Darin findet sich auch Horkheimers Beschreibung des Ärzterackets als “Clique von Kriminellen” wieder. Vgl. ebd., S. 36.

Quelle: http://www.ca-ira.net/verlag/lesepro...nkheit_lp.html

und wenn euch noch iteressiert wie Medikamentenabhängige mit den Absetzproblemen zu kämpfen haben da habe ich noch ein ganzes Archiv voller Beiträge http://www.adfd.org/forum/archive/diskussion-15/ damit ist jeder der sich für die Macht der Pharmamafiosis und die Ohnmacht der Opfer interessiert bestens mit Infos versorgt

Torasap
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